Berlusconi, die Mafia und ein Gerichtsurteil
27. November 2010, 10:50
[Dr. Alexander Frhr. von Paleske] Der italienische Premier Silvio Berlusconi ist mittlerweile der Regierungschef Europas, dem jede Schlechtigkeit zugetraut wird. Ob es sich um Sex mit Minderjährigen handelt oder Eingriffe in die Justiz, mit dem Ziel, die multiplen Gerichtsverfahren gegen ihn zum Stillstand zu bringen: Berlusconi scheint nichts auszulassen, was seinen Ruf weiter schädigen kann. Nun steht am 14. Dezember 2010 ein Misstrauensantrag im italienischen Parlament zur Abstimmung an. Es sind nicht diese Gerichtsverfahren und Sex-Affären, die Berlusconi bisher aus der Politik werfen konnten und könnten sondern letztlich die Verurteilung seiner einstmals rechten Hand während seines Aufstiegs zum Medientycoon und Politiker. Sein Name lautet Marcello Dell’Utri und der Mann wurde inzwischen zu einer langen Haftstrafe verurteilt. Das Berufungsgericht in Palermo setzte zwar das Strafmaß der ersten Instanz von neun auf nunmehr sieben Jahre herab. Doch in einer 641 Seiten langen Urteilsbegründung, die kürzlich bekannt wurde, fällten die Richter gleichzeitig wohl auch ein moralisches Vernichtungsurteil über seinen Herrn und Meister Berlusconi selbst.
Das Gericht befand:
Berlusconi und dell’Utri
Berlusconis zunächst geschäftlicher und dann politischer Aufstieg ist eng mit dem sizilianischen Mafia-Verbindungsmann dell’Utri verbunden. Im Jahre 1974 war Berlusconi auf der Suche nach einem Hausdiener. Er wandte sich an einen Bekannten namens Dell’Utri, einem Sizilianer, der eine kometenhafte Karriere in Siziliens Bankenwelt hinter sich gebracht hatte. Dell‘Utri empfahl einen Mann namens Vittorio Mangano, einen "Ehrenmann" aus der Cosa Nostra, der schon zwei Morde auf dem Kerbholz hatte, was Berlusconi allerdings angeblich erst später erfuhr (John Dickie, Cosa Nostra 4. A. 2006 S. 512). Dell‘Utri zog, von Berlusconi gerufen, von Sizilien nach Mailand um, und wurde rasch Berlusconis rechte Hand. Im weiteren Verlauf übernahm er die Geschäftsführung von Pubitalia, einer zu Berlusconis Empire gehörenden, sehr profitablen Werbefirma.
Zeuge der Anklage
Dell’Utri brachte Berlusconi 1992 dann auf die Idee, eine neue Partei zu gründen. Dabei handelte es sich um die Forza Italia, welche Berlusconi schließlich an die Macht brachte. Ob die Mafia dabei Geburtshilfe leistete, ist offenbar auch nach dem jetzigen Urteil weiterhin unklar. Forza gewann jedenfalls im Jahre 2001 alle Direktmandate in Sizilien. Alles wäre bestens gelaufen, wenn nicht ein Mafiosi namens Giuffrè, mit Spitznamen auch Manuzza (kleine Hand) genannt, ausgepackt hätte. Giuffre wurde im April 2002 verhaftet. Nun wurde er zu einem sogenannten Pentito, einem Zeugen der Anklage. Doch die Anklage gegen dell‘Utri umfasste noch wesentlich mehr, nämlich:
Vermittlung von Mafiageldern als Investition in Berlusconis Firmen.
Der Kommentar des Sprechers von Berlusconis Partei über das kürzlich gefällte Gerichtsurteil steht einigermaßen in Diskrepanz zu all diesen Vorgängen. Er äußerte nämlich, die Verurteilung dell’Utris sei ungerecht. Na dann...!
Foto: Screenshot YouTube-Video: Berlusconi-Song
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