Zurücktreten
29. Juli 2010, 20:20K O M M E N T A R
[Jürgen Vielmeier] Zurücktreten, das hatte einmal etwas von Größe. Ein altgedienter Staatsmann, der das Zepter weitergibt, damit frischer Wind durch das Land weht. Ein erfolgreicher Firmenchef, der an der Spitze seines Erfolges die Geschäfte seinem Sohn überträgt, den er über die Jahre aufgebaut hat und ihn nun für fähiger hält als sich selbst.
Zurücktreten, das hat in den letzten Jahren einen ganz anderen Geschmack bekommen. Ein eigentlich beliebter Präsident, der beim ersten Anzeichen von Kritik die Segel streicht. Ein Firmenchef, der die Sintflut heraufbeschworen hat, die erst kommt, wenn er sich längst auf dem höchsten Berggipfel abgesetzt hat. Ein Ministerpräsident, der keine Lust mehr hat und in der Wirtschaft mehr Geld verdienen kann.
Aktuellstes Beispiel: der scheidende BP-Chef Tony Hayward. Die Katastrophe ist da, der Konzern schreibt einen Milliardenverlust, ist also schon komplett vor die Wand gefahren. Und dann tritt er zurück. "Ich bin dann mal weg, ihr macht das da schon mit dem Öl." Er könnte jetzt sogar noch eine Abfindung in Höhe von 14 Millionen Euro kassieren, quasi als Dank für schlechtes Krisenmanagement.
Kaum jemand dürfte Hayward eine Träne nachweinen. Aber in Zeiten, in denen ein Rücktritt eher der Flucht vor der eigenen Verantwortung darstellt, sollte man sich langsam einmal Alternativen überlegen, die echten Strafen gleichen. Eine Strafversetzung zum Beispiel an einen weniger schönen Ort oder einen deutlich niedrigeren Posten. Oder, aber das gilt leider als so altmodisch, dass es mittlerweile schon wieder echt modern wäre: Buße tun. Ein Ex-BP-Chef, der selbst an der Golfküste Steine schrubbt und Vögel rettet, bis er geläutert ist, das hätte was. Und dann könnte man ihm irgendwann auch einmal vergeben. So aber nicht.
Foto: miraliki / pixelio.de
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Aktuellstes Beispiel: der scheidende BP-Chef Tony Hayward. Die Katastrophe ist da, der Konzern schreibt einen Milliardenverlust, ist also schon komplett vor die Wand gefahren. Und dann tritt er zurück. "Ich bin dann mal weg, ihr macht das da schon mit dem Öl." Er könnte jetzt sogar noch eine Abfindung in Höhe von 14 Millionen Euro kassieren, quasi als Dank für schlechtes Krisenmanagement.
Kaum jemand dürfte Hayward eine Träne nachweinen. Aber in Zeiten, in denen ein Rücktritt eher der Flucht vor der eigenen Verantwortung darstellt, sollte man sich langsam einmal Alternativen überlegen, die echten Strafen gleichen. Eine Strafversetzung zum Beispiel an einen weniger schönen Ort oder einen deutlich niedrigeren Posten. Oder, aber das gilt leider als so altmodisch, dass es mittlerweile schon wieder echt modern wäre: Buße tun. Ein Ex-BP-Chef, der selbst an der Golfküste Steine schrubbt und Vögel rettet, bis er geläutert ist, das hätte was. Und dann könnte man ihm irgendwann auch einmal vergeben. So aber nicht.
Foto: miraliki / pixelio.de
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