Afghanistan-Einsatz: Kriegstagebuch auf WikiLeaks veröffentlicht
25. Juli 2010, 13:15
[Ursula Pidun] Guter Journalismus muss Machtmissbrauch aufdecken, sagt Julian Assange. Was der Gründer der Plattform WikiLeaks ausspricht, sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, ist es aber nicht. Wichtige Nachrichten werden nicht selten gar nicht oder in extrem gefilterter, nachbereiteter, manchmal gar meinungsmanipulierender Form zur Verfügung gestellt. Ganz zu schweigen von der inzwischen üblichen Unsitte, wichtige und brisante Dokumente übereifrig als "geheim" zu deklarieren und damit dem öffentlichen Bewusstsein gezielt fernzuhalten. Bereits seit 2006 steuert die Plattform WikiLeaks konsequent dagegen. Das Medium hat sich regelrecht auf den Enthüllungsjournalismus sowie die Veröffentlichung von geheimen Dokumenten spezialisiert. Nachdem wir im Mai diesen Jahres auf eine Geheime PR-Aktion der CIA in Hinblick auf den Afghanistaneinsatz hingewiesen haben, von der die Öffentlichkeit lediglich durch WikiLeaks in Kenntnis gesetzt wurde, stellt die Plattform erneut brisante Dokumente zur Einsicht zur Verfügung. Diesmal handelt es sich um mehr als 75.000 teilweise geheime US-Dokumente zum Afghanistankrieg. ZUsätzliche 15.000 Einträge soll WikiLeaks nach eigenen Angaben bisher noch zurückgehalten haben, da sie sicherheitsrelevante Geheimnisse enthielten. Trotz scharfer Kritik seitens der Vereinigten Staaten von Amerika, die durch die Veröffentlichung unter anderem das Leben der Soldaten und die Sicherheit der Nation gefährdet sehen, hält WikiLeaks an der Zugänglichkeit der Dokumente für jedermann fest. Gründer Julian Assange äußerte, dass er in den brisanten Militärdokumenten Hinweise auf Kriegsverbrechen sieht.
Laut eigenen Angaben wurden WikiLeaks die geheimen Dokumente auf anonymen Wegen zugespielt. Die Verantwortlichen der WikiLeaks-Plattform stellten die Dokumente bereits vor einigen Wochen dem "Spiegel", der "New York Times", sowie "The Guardian" zur Verfügung. Unter anderem wurden die Unterlagen inzwischen auch vom Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" analysiert. Das Magazin bezeichnet die Papiere als ein "Fenster zum Krieg in Afghanistan", das ein "düsteres Bild" vermittle. Wer sich künftig über den Afghanistankrieg informieren wolle, würde "ohne dieses Logbuch nicht mehr auskommen". Der stellvertretende Sprecher des Außenminiteriums, Christian Dienst, ließ hingegen in einer ersten Stellungnahme verlauten, dass sich "aus den von den Medien bisher verbreiteten Auszügen nichts Neues im Sinne des Nachrichtenwerts" ergebe. "Die Dokumente enthielten aus Sicht des Ministeriums keine neuen Erkenntnisse. "
Warum sich WikiLeaks vor der eigenen Veröffentlichung der Dokumente am vergangenen Sonntag etablierte Medien ins Boot holte, bleibt reinen Spekulationen überlassen. Eine davon könnten Überlegungen sein, die mögliche Einnahmequellen betreffen. Dass WikiLeaks mit der Weitergabe von brisanten Informationen an die sogenannten "Massenmedien" einen "fragwürdigen Strategiewechsel" vornimmt, wie es Welt-Online vermutet, halten wir für wenig trefflich. Wir präferieren eher die These (und reine Vermutung), dass gute Quellen eben ihren Preis haben und schließlich jeder von irgendetwas leben muss. Zudem bestehen auch in der medialen Welt gegenseitige Abhängigkeiten. Spitzenleistungen entstehen selten durch Alleinstellungsmerkmale, sondern zeichnen sich durch eine Bündelung der unterschiedlichsten Stärken aus.
Interessierte Leser, die sich jenseits jeglicher medialer Analysen authentisch informieren möchten, finden die umfangreichen Dokumente aus der Zeit von Januar 2004 bis Anfang 2010 hier:
+++Kriegstagebuch Afghanistan+++
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Foto: Matthias Balzer / Pixelio.de
Verweise: +++++++++
Interview mit Julian Assange zum Irak-Video (Teil I) :
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Interview mit Julian Assange zum Irak-Video (Teil 2) :
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Interview mit Julian Assange zum Irak-Video (Teil 3) :































































