Hypo-Alpe-Adria Bank: Reich an Skandalen, knapp an Barem
14. April 2010, 14:25
[Dr. Alexander Frhr. von Paleske] Reich an Skandalen, knapp an Barem, so lässt sich der Zustand der Hypo-Alpe Adria, ehemalige Tochter der Verlustbank BayernLB umschreiben. Mehr als drei Milliarden Euro hatte die BayernLB zunächst in diese Skandalbank investieren müssen. Zudem wurde sie – wie sich erst jetzt herausstellte - laut einem geheimen Gutachten von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young, das der BayernLB schon vor Vertragsabschluss im Mai 2007 vorlag, um mehrere 100 Millionen Euro überbewertet (3,2 Milliarden statt 2,4 Milliarden Euro). Schließlich wurde sie dann für einen symbolischen Euro an den österreichischen Staat "verkauft". Ein Geldvernichtungsprogramm, das sich sehen lassen kann. Erstaunlich, mit welcher Geschwindigkeit immer neue, unerfreuliche Fakten - wie Dreck nach einem Regenguss - angespült werden. Sag zum Abschied leise: BARES
Starten wir zunächst mit dem Ex-Vorstandsvorsitzenden der Hypo-Skandalpe, Franz Pinkl, der gerade seinen goldenen Handschlag nach nur 10 Monaten im Amt erhielt: Knapp 2 Millionen Euro, cash to carry. Und das bei einem Jahresverlust von 1,6 Milliarden Euro den seine Bank im fast gleichen Zeitraum seiner Regentschaft eingefahren hat. Bereits bei seiner "Berufung" zum Vorstandsvorsitzenden durch den BayernLB- Chef Michael Kemmer hatten wir heftige Kritik an dieser Personalie geübt, da Pinkl in die Verlustgeschäfte der austrischen Kommunalkreditbank insoweit involviert war, als er die Aufsicht führte.
Mehr noch: Bei seiner Berufung liefen staatsanwaltschaftliche Ermittlungen wegen des Verdachts der Untreue gegen ihn. Nun aber kann er wohl mit Freude seinem vorzeitigen Ruhestand entgegensehen. Vielleicht noch garniert mit einem Beraterjob bei Banken, die sich in den Miesen befinden? Daran gibt es ja zur Zeit keinen Mangel.
Weiter geht es nun mit Pinkls Vorgänger im Amt des Hypo-Alpe Vorstands: Investor Tilo Berlin. Mit ihm und den Vorgängen zum Kauf der Hypo Alpe durch die BayernLB beschäftigen wir uns bereits seit Anfang 2007, als das skandalumwitterte Verkaufsgeschäft mit der Hypo-Alpe noch gar nicht unterschrieben war. Und in der Tat wird nun immer mehr Unerquickliches zutage gefördert. Berlin, zu dessen Kundenkreis nicht nur die Flick-Familie, sondern auch die Familie des austrischen Ex-Finanzministers Karl Heinz Grasser gehörte, wurde zunächst als Zeuge gehandelt. Mittlerweile ist er aber längst zum Beschuldigten geworden, denn die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen des Verdachts der Beihilfe zur Untreue pp. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Alte Freundschaft rostet nicht?
Nun soll Berlin, der durch seine Geschäfte beim Verkauf der Hypo-Alpe an die BayernLB seinen Investoren schöne Gewinne in einer Größenordnung von satten 50 Prozent bescherte, hier schon erheblich früher tätig geworden sein, als zunächst angenommen. So soll die Grazer Wechselseitige Versicherung (GRAWE) schon ein Jahr vor Abschluss des schicksalhaften Vertrages Anteile der Hypo an Tilo Berlin verkauft haben, die dann von dem späteren Käufer, der BayernLB, zwischenfinanziert wurden. Damaliger BayernLB-Vorstand Werner Schmidt und Tilo Berlin kannten sich bestens aus gemeinsamen Banker-Jahren in der Landesbank Baden-Württemberg. Und bereits im Dezember 2006 - und nicht etwa, wie Tilo Berlin und seine Mitstreiter behaupten - erst nach Erwerb und Bezahlung seiner Anteile, also im Frühjahr 2007, waren die Verhandlungen zwischen der BayernLB und der Hypo- Alpe beziehungsweise Rechtsaußen Jörg Haider weit fortgeschritten. All dem haftet der Geruch des Insiderhandels an.
Tilo Berlin und der goldene Handschlag
Da Tilo Berlin ein so guter Kümmerer ist, jedenfalls für seine Investoren, vereinbarte er beim Verkauf an die BayernLB offenbar auch gleich noch eine Sonder-Dividende für diese Klientel. Die BayernLB zahlte freudig. Allerdings nicht nur diese Dividende, sondern auch noch die sogleich fällige Kapitalerhöhung bei der Hypo-Skandalpe in Höhe von schlappen 670 Millionen Euro, die vertragsgemäß von der BayernLB alleine zu stemmen war. So mancher gewinnt da den Eindruck, die BayernLB druckte selbst das Geld, so freigiebig und leichtsinnig ging sie offenbar damit um.
Als Tilo Berlin schließlich vom Posten des Vorstandsvorsitzenden bei der Hypo- Alpe zurücktrat, da gab es, ähnlich wie bei Pinkl, auch noch einen einträglichen, goldenen Handschlag in Form von 1, 02 Millionen Euro. Es gehört sich wohl in diesen Kreisen, nicht nachtragend zu sein.
Ein Detektiv mit Namen Guggenbichler
Angesichts soviel dreckiger Wäsche tauchen auch schnell jene Personen auf, die gerne mitwaschen. Sei es durch ein Beisteuern von Bleichmitteln, um Beschuldigte reinzuwaschen, oder durch Nachliefern weiterer dreckiger Wäsche. Für Letzteres hatte sich Detektiv Guggenbichler entschieden. Guggenbichler wurde damals vom derzeitigen Vorstand Wolfgang Kulterer angeheuert und sein Auftrag bestand darin, Hypo- Alpe Mitarbeiter auszuschnüffeln, um dann angebliche Geldlecks abdichten zu können. Kulterer, mittlerweile wegen Bilanzfälschung rechtskräftig verurteilt, wollte Guggenbichler nach getaner Arbeit jedoch nicht den angeblich vereinbarten Schnüffel-Lohn von schlappen 250.000 Euro bezahlen. Schon aus Grimms Märchen hätte Kulterer wissen müssen, dass so etwas nicht gutgehen kann.
Noch dazu war mit Guggenbichler, der nicht unbedingt dafür bekannt war, Schuldner mit Samthandschuhen anzufassen, nun wirklich nicht zu spaßen. Und der packte aus Rache aus. Und zwar substanziiert, da er alle Gespräche mit Kulterer auf Tonträger – allerdings ohne dessen Wissen - festhielt. Anders, als in der Öffentlichkeit verbreitet, wurde der Plan, mit der Hypo Alpe den "Gang zur Börse" antreten zu wollen, offenbar bereits Mitte 2006 fallen gelassen. Das war vermutlich der Beginn der Schicksals-Verhandlungen mit der BayernLB.
Jörg Haider und der runde Fussball
Nun kam der mittlerweile verstorbene Event-Politiker und Rechtsaußen Jörg Haider in das Rennen. Er wollte ein Fussballstadion für Klagenfurt haben und zwar eines mit gigantischen Ausmaßen. Ein kräftiger Geldzuschuss soll angeblich von der BayernLB gekommen sein. Als Dankeschön für das Überlassen der Hypo Alpe? Und auch ein anderer, hochprofitabler Geschäftszweig wurde angeblich nicht vernachlässigt: Das Drogengeschäft. Der Ort dieses vermeintlichen Geschehens: Die Republik Montenegro. Der Kunde: Die Firma Mat-Company. Die dortige Hypo-Alpe Tochter soll einem gewissen Darko Saric, Inhaber der Mat-Company und angeblich einer der weltgrößten Drogengangster, schöne Geldwäsche und Kredite zur gesunden Geschäftsentwicklung ermöglicht haben. Saric, geschätztes Jahreseinkommen eine Milliarde Euro, ist zur Zeit nicht zu sprechen, da er sich auf der Flucht befindet. So berichtet es jedenfalls die dortige Zeitung "Monitor". Zum Super-Kreditportfolio zählen also nicht nur "Skandale Galore" sondern auch bisher angelaufene hochgradige Problemkredite in Höhe von 7,3 Milliarden Euro. Der Gesamtanteil aller von der Hypo-Skandalpe vergebenen Problemkredite inklusive der "Hochgradigen" liegt bei atemberaubenden 17 Prozent. Im austrischen Bankendurchschnitt sind es nur drei bis fünf Prozent.
Fazit
Eine wahrlich großartige Erfolgsbilanz, welche die goldenen Abschiedsgeschenke an die diversen Vorstände nur allzu sehr rechtfertigt. Damit es auch noch was zu lachen gibt, hat Elfriede Jellinek in ihrem neuen Stück "Winterreise" ein ganzes Kapitel den Vorgängen um die Hypo Alpe gewidmet. Den Österreichern dürfte angesichts der multiplen Banken-Finanzmiseren allerdings schon bald das Lachen vergehen. Erste bittere Konsequenzen hat es aktuell schon gegeben. So hat die im Dezember notverstaatlichte Kärntner Hypo Alpe Adria Bank Ende März ihre Niederlassungen in Linz und Innsbruck bereits geschlossen. 14 Mitarbeiter haben ihren Job verloren. Von millionschweren Abfindungen können sie nur träumen.
Verweise: Foto: Pressefoto Hypo Group Alpe Adria

































































