Südafrikas "Jugendführer" Julius Malema: "Die ich rief, die Geister, werd' ich nun nicht los..."
2. April 2010, 20:15
[Dr. Alexander Frhr. von Paleske] Während Südafrika die letzten Vorbereitungen für die in zwei Monaten stattfindende Fussballweltmeisterschaft trifft, macht sich dort ein politischer Feuerbrand breit, den die Regierung unter Jacob Zuma vermutlich lieber heute als morgen loswerden möchte. Doch hängt er ihr wie ein Klotz am Bein. Die Rede ist von Julius Malema, seines Zeichens Chef der ANCYL, der Jugendorganisation der Regierungspartei Afrikanischer Nationalkongress (ANC).Malema gehörte und gehört zu den größten Unterstützern des jetzigen Präsidenten Zuma. Dieser war seinerzeit von Thabo Mbeki, seinem Vor-Vorgänger im Amt des Staatspräsidenten, als Vizepräsident abgesetzt und in die politische Wüste geschickt worden. Zuma musste sich wegen Vergewaltigungs- und Bestechlichkeitvorwürfen vor Gericht verantworten.
Malema, Zumas treuer Unterstützer
Malema organisierte Demonstrationen vor den Gerichtsgebäuden und kreierte eine Website "Friends of Jacob Zuma", auf der Unterstützungsadressen abgeladen werden konnten. Einen nicht geringen Teil seines politischen Comebacks verdankt Jacob Zuma somit Malema, der auch weiterhin sein treuer Unterstützer bleibt. Zur Zeit fordert er unter anderem auch, dass Zuma für eine zweite Amtszeit als Präsidentschaftskandidat zur Verfügung stehen müsse.
Dies allein wäre noch kein wirkliches Problem. Wer Malema allerdings heute reden, besser gesagt geifern hört, könnte glauben, er und nicht etwa Mandela und seine Mitstreiter seien die schlimmsten Opfer des Apartheid-Regimes gewesen. Malema, nunmehr 29 Jahre alt, hat jedoch die Freilassung Nelson Mandelas und damit das Ende des Apartheid-Regimes als zartes Kind im schulpflichtigen Alter erlebt. Die meiste Greueltaten des Apartheid-Regimes kennt er nur vom Hörensagen und die ausgezeichneten Ergebnisse der Versöhnungspolitik Nelson Mandelas scheinen ihn herzlich wenig zu interessieren. Gerade hat er einen alten Anti-Apartheids-Song wieder populär gemacht: "Kill the Boers" - Tötet die Buren“. Ein wahrlich volltrefflicher Einladungsgesang zur Fussballweltmeisterschaft, der sicherlich auch bisher noch Unentschlossene überzeugen dürfte, die Reise zur Fussball-WM zu buchen.
Aggressives Verhalten und eine Show in den Medien
Das Absingen wurde Malema mittlerweile vom Gericht verboten. Sein aggressives Auftreten als Anwalt der Benachteiligten erfuhr eine empfindliche Delle, als sich herausstellte, dass er neben seiner anstrengenden Tätigkeit als Volkstribun auch noch einen Posten als Direktor einer Firma innehielt, die auf zweifelhafte Weise Regierungsaufträge zugeschanzt bekam. Zudem nennt Malema selbstverständlich nicht einen sozialen Brennpunkt sein Zuhause, sondern eines der besten Wohngebiete in Johannesburg.
Nachdem sein einstiges Ziel, Zuma aus der politischen Wüste heraus zu helfen erreicht war, verspürte Malema das dringende Bedürfnis, weiter seinen Namen in den Medien zu finden. Und zwar möglichst häufig, am besten täglich. So fiel er vor allem durch Stellungnahmen auf, die zumeist nicht nur der offiziellen Linie seiner Mutterpartei widersprachen, sondern sich vor allem durch Unwissenheit - um nicht zu sagen Kreuzdummheit - auszeichneten, gepaart mit einem kräftigen Schuss Aggressivität.
Zunächst avancierte er deshalb zu einer Art Witzfigur. Der renommierte Journalist Max du Preez brachte ein Buch der gesammelten Sprüche dieses Herrn heraus, nach Themenbereichen geordnet. Das Buch löste große Heiterkeit aus und der berühmte Cartoonist Jonathan Shapiro (Zapiro) ließ es sich nicht nehmen, Malema ordentlich mit seinen Zeichnungen durch den Kakao zu ziehen. Mit der Propagierung des Songs "Kill the Boers" hat sich Malema allerdings von einem Clown zu einem gefährlichen Hasspropagandisten gemausert, zumal auch weiterhin weiße Farmer ermordet werden.
Großer Bahnhof für einen Troublemaker
Heute nun traf er in Simbabwe ein, um den Jugendbrigaden Mugabes seine Aufwartung zu machen. Vier Tage soll die "Staatsvisite" dauern. Diese Jugendbrigaden sind insbesondere für unzählige Gewalttaten verantwortlich, die von einfacher Körperverletzung über Vergewaltigung bis zum Mord angeblicher oder tatsächlicher politischer Gegner reichen. Mugabe und seine Mannen sind begeistert über diesen Besucher. Endlich kommt einer, der diese "revolutionäre" Politik vorbehaltlos unterstützt. Ein "Großer Bahnhof" zum Empfang ist bereits vorbereitet.
Es bleibt die Frage: Wann endlich distanziert sich Zuma von diesem Troublemaker?
Foto: Buccover kwela.com
Verweise:
Südafrika: 50 Jahre nach Sharpeville
Simbabwe: Geburtstagsfeier für Mugabe, Armut für das Volk
Robert Mugabe: Tiraden im Ausland, Gewalt und Terror daheim
Scanner-Firma Nuctech und ein Korruptionsskandal in Namibia
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