Neues von den "Eliten": Brender, Raffelhüschen, Westerwelle und Ex-Kanzler Schröder
25. Februar 2010, 16:00
[Ursula Pidun] Es ist wieder an der Zeit, den Blick auf die "Eliten" des Landes zu werfen. An dieser Stelle setzen wir die Vorbilder der Nation unter verschärfte Beobachtung. Wer ist (wieder einmal) in den Fettnapf getreten, schiebt Pöstchen, fälscht Doktortitel oder macht mit anderweitigen Kapriolen von sich reden? Unsere Rubrik "Neues von den Eliten" mit besonders erwähnenswerten Ereignissen erscheint in loser Abfolge. 1. Ist Brender etwa "paranoid"?
Elite-Journalist Brender zum Tausendsten: WELT-Redakteurin Bettina Röhl schwingt die Online-Keule.
Riecht das etwa nach einem persönlichen Rachefeldzug und einer Stunde der Revanche? Dieses besondere Highlight des investigativen Journalismus, das sogar unseren Ex-Außenminister Joschka Fischer wieder aus der Geschichtstruhe holt, kommentiert User "pk" unter dem Artikel mit folgenden Worten:

Hat er (oder sie) recht oder saugt er (oder sie) sich das nur aus unqualifizierten Fingern? Urteilen Sie selbst: "Brender – parteiisch, egomanisch und paranoid", von Bettina Röhl.
+++++++++
2. Raffelhüschens Hartz IV-Analyse
Zum "Bestseller" auf Rang 1 der Provokationsliste hinsichtlich der Hartz IV-Debatte und Westerwelles "altrömischer Dekadenz" zählt in unserer Sicht nun auch die fundierte Sozialstrukturanalyse des Boulevard-Blättchens mit den vier großen Buchstaben. Es fasst das gesamte Elend der größten Sozialreform in der Geschichte der Bundesrepublik mittels Holzhammerprinzip in "Sieben bittere Wahrheiten über Hartz IV" zusammen. Wir überlegen noch, ob dieser Artikel, der die Handschrift von Prof. Bernd Raffelhüschen trägt (Professor an der Uni Freiburg und Vorstand der Stiftung Marktwirtschaft), unseren hohen Anforderungen, die wir an eine Perle der Hartz IV-Deutung stellen, standhalten kann.
+++++++++
3. Außenminister "von Banken angefüttert"?
Augenscheinlich ist ihm dahingehend ja nichts anzusehen, unserem Außenminister Westerwelle. Rank und schlank tourt er noch immer mit seinem Vortrag über "altrömische Dekadenz" durch Deutschland.
Derweil hat die SPD wohl die Faxen dicke und glaubt, "Westerwelle sei von Banken, Finanzdienstleistern und Hotelketten regelrecht "angefüttert worden". Kann das sein und wenn ja, mit was denn? Ist er etwa dem schnöden Mammon verfallen, der ihm "leistungslosen Wohlstand" bringt? Mitnichten, denn der FDP-Politiker war einfach nur fleißig. In der vergangenen Legislaturperiode hat er 36 Vorträge für Firmen und Verbände gehalten und 35 Referate wurden mit mindestens 7000 Euro honoriert. ( AFP gestern). "Leistung muss sich lohnen." Genau! Und wie das funktioniert, dröseln T. Denkler und O. Das Gupta in ihrem Artikel mit dem Titel: "Die Hand, die nimmt" in der "Süddeutschen" anschaulich auf.
+++++++++
4. "Auf Wiedersehen Herr Westerwelle"
Der Bienenfleiß des Außenministers imponiert Christian Springer alias "Fonsi" praktisch überhaupt nicht. Unversöhnlich und ungerührt macht er kurzen Prozess auf YouTube und sagt: "
Auf Wiedersehen Herr Westerwelle" (bis zum Schluss ansehen, Dauer 2.02 Minuten)
+++++++++
5. Ex-Kanzler Schröder im Dunstkreis des "leistungslosen Wohlstands"?
Ex-Kanzler Gerhard Schröder hat einst maßgeblich den Niedriglohnsektor in Deutschland vorangetrieben. Nun präsentiert er sich auf dem Titelblatt des aktuellen Manager Magazins in imposanter Sieger-Pose. Das Blatt titelt reißerisch: "Der Kanzler-Bonus. Wie Gerhard Schröder sein Geld verdient."
Bewegt sich der Ex-Kanzler etwa ebenfalls im Dunstkreis des von Westerwelle so angeprangerten "leistungslosen Wohlstands"? Die "Süddeutsche" scheint auch hier die Antwort zu kennen. Dort beklagt Hans-Jürgen Jakobs am 24. Februar 2010: "Schröder kassiert bei der Deutschen Bank". Jakobs zeigt sich echauffiert über den Ex-Kanzler, der angeblich satte 50.000 Euro für einen nicht gehaltenen 30-minütigen Vortrag von der Deutschen Bank des Josef Ackermann erhalten haben soll.
Zwar klingen uns noch Westerwelles Worte in den Ohren, dass jener, der arbeitet, mehr haben muss, als derjenige, der nicht arbeitet. Doch wir meinen, so ein klitzekleiner Fauxpas darf auch einem verdienten Alt-Kanzler ruhig einmal passieren. Auch dann, wenn ein Niedriglöhner für eine solche Summe viele Jahre schuften muss. "Chancen und Herausforderungen in Zeiten der Globalisierung - welche Perspektiven hat Deutschland im Jahr 2010?", so lautet ja der damalige Arbeitstitel der nicht gehaltenen Schröder-Rede. Antwort: Keine besonders Guten, sofern wir nicht wieder mehr wahre Eliten und Vorbilder zu Gesicht bekommen. Aber davon demnächst in dieser Rubrik.
Verweise:
- Neues von den "Eliten" (10): Plagiat-Alarm - Guttenberg, Pröfrock, Saß und Koch-Mehrin
- Neues von den "Eliten" (8): Größenwahn "Stuttgart 21", Wulff, die Queen und Pinkwart
- Neues von den "Eliten" (7): Merz, die Queen, Rösler und die Hypo Real Estate
- Neues von den "Eliten" (6): "Gurkentruppe", Großmann, Steinbrück und zu Guttenberg
- Neues von den "Eliten (5)": Mixa, Lindner, Rüttgers, Eyjafjallajökull und der Taumelkäfer
- Neues von den "Eliten" (4): Hämmerling, Kachelmann, Käßmann und Ex-Kanzler Schröder
- Neues von den "Eliten" (3): Jasper, Rüttgers, Mronz und Heinsohn
- Neues von den "Eliten" (2): Ministerpräsidenten, Mang, Wowereit und Westerwelle
- Neues von den "Eliten" (1): Brender, Raffelhüschen, Westerwelle und Ex-Kanzler Schröder
































































Tolle Idee