Nikolaus Brender und die Öffentlich-Rechtlichen: Mit dem Zweiten spitzelt man besser?
21. Februar 2010, 12:25K O M M E N T A R
[Ursula Pidun] Nikolaus Brender, Chefredakteur des ZDF, räumt im kommenden Monat seinen schwergewichtigen Sessel und verlässt die Öffentlich-Rechtlichen nicht ohne unmissverständlichem Unmut. Brender beklagt einen massiven Einfluss der Parteien auf den Sender und benennt dabei ausdrücklich die Union aus CDU und CSU. Zudem herrsche in Mainz ein "Spitzelsystem", das an die DDR erinnere.
Brender, der als ein erfahrener Spitzenjournalist in leitenden Funktionen solche massiven Vorwürfe sicher nicht aus reinen Profilierungsgründen oder gekränkter Eitelkeit von sich gibt, geht nicht freiwillig. Der Vertrag des Journalisten wurde - auch auf Druck von Kanzlerin Merkel - vom Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) nicht mehr verlängert. Diese Entscheidung brachte der Union und dem hessischen Politiker zwar jede Menge Kritik ein. Doch in Deutschland nehmen Parteien zwangsläufig Einfluss auf die Öffentlich-Rechtlichen. Immerhin dürfen Ministerpräsidenten hierzulande ganz offiziell und selbstverständlich Personalentscheidungen in diesem Bereich treffen. Satte 50 von insgesamt 77 Mitgliedern des Fernsehrats werden von Bundes- und Länderregierungen in die lukrativen Ämter gehievt. Allein damit wird ad absurdum geführt, dass die Öffentlich-Rechtlichen eigentlich der Gesellschaft gehören. ARD und ZDF sind seit Jahr und Tag politischen Einflüssen ausgesetzt, das ist durchaus wohlbekannt. Doch nur selten muckte bisher jemand gegen dieses Prozedere auf, das verfassungsrechtlich auf mehr als wackligen Beinen steht. Das Verfassungsgericht überwacht allerdings unser Land nicht automatisch daraufhin, ob alles verfassungskonform vonstatten geht. Es erfordert vielmehr eine spezielle Verfassungsklage, um grobe Missstände aufzudecken und eine solche wollen zumindest nun die Grünen auf den Weg bringen. Damit soll die Zusammensetzung der ZDF-Aufsichtsgremien gründlich überprüft werden.
Das Spitzelsystem und deren Schergen
Löst es aber tatsächlich auch die tiefliegenden Probleme und hilft es vor allem, die inhaltlichen politischen Einflussnahmen auf die Öffentlich-Rechtlichen zurück zu drängen, die inzwischen für jedermann deutlich erkennbar sind? Trägt es am Ende dazu bei, den eigentlichen Auftrag einer Grundversorgung (nicht zu verwechseln mit Minimalversorgung) wieder auf eine solide Basis zu stellen und damit auch die Kosten für die Gebührenzahler in Schach zu halten, die ja nicht frewillig sondern verpflichtend anfallen? Wohl kaum! Und dies liegt wiederum auch an Journalisten, wie Nikolaus Brender, die in den Öffentlich-Rechtlichen ihr berufliches Zuhause im überaus abgesicherten Modus nicht beizeiten durch das Äußern scharfer Kritik am hausgemachten System aufs Spiel setzen wollten und wollen. So taff sich Brenders Worte also in diesen Tagen auch anhören mögen und so traurig die inhaltliche Brisanz für unsere Demokratie auch ist: Ein authentisch arbeitender Journalist hätte diese Zustände - so sie denn tatsächlich in dieser völlig inakzeptablen und verfassungswidrigen Form existent sind - bei Bekanntwerden sofort und auf der Stelle anzeigen und die Öffentlichkeit über die wahren Ausmaße in Kenntnis setzen müssen.
Hauptsache Kosten und Posten
Gleiches gilt für die Problematik des inzwischen extrem aufgeblähten Medienmonsters "Öffentlich-Rechtliche", das den Auftrag einer Grundversorgung fehlinterpretiert und schon lange den Bereich Personal und Technik vom Feinsten im Doppelpack unangemessen ausgeweitet hat. Der viel zu teure Koloss schafft vor allem immense Kosten für einen gigantischen Mitarbeiterstab inklusive satter Pensionen und einen nicht mehr nachvollziehbaren technisch-logistischen Aufwand. Wenn wundert es da noch, wenn selbst einfache Wetterfrösche, die uns eigentlich nur die innerdeutsche meteorologische Lage der nächsten drei Tage vermitteln sollen, auf GEZ-Zahlergebühren durch ganz Europa touren. Wer prangert noch an, wenn beide Öffentlich-Rechtlichen Sender zeitgleich ganze Konvois an Übertragungswagen auf Welt-Tournee schicken - für ein und dieselben Reportagen und Bilder wohlgemerkt. Hauptsache, das alles schafft Kosten und Posten.
Brenders Klagen, es handle sich bei den Öffentlich-Rechtlichen um ein "Spitzelsystem, das davon lebt, dass Redakteure den Parteien Senderinterna zutragen", sind extrem besorgniserregend und verlangen nach einem sofortigen Handeln. Möglich wurde ein solches "Spitzelsystem" - so es denn tatsächlich vorhanden ist - allerdings auch durch die hauseigenen Redakteure und Journalisten, die sich von diesen Entwicklungen haben vereinnahmen lassen. Sie sind es dann doch, die sich um des sicheren Einkommens Willen und einem gewissen Maß an Ansehen als Journalist verkauft haben oder – wenn sie sich nicht an diesem Prozedere beteiligten - Stillschweigen über solche Zustände übten. Niemand sieht in dieser Sache gut aus. Nicht die Öffentlich-Rechtlichen, nicht die Politik, nicht die beteiligten Journalisten und auch nicht Nikolaus Brender.
Ein Spitzenjournalist ist kein Spitzeljournalist
Spitzenjournalisten zeichnen sich dadurch aus, dass sie unbestechlich bleiben, auch wenn es ihnen möglicherweise an den beruflichen Kragen geht. Authentische, der Wahrheit verpflichtete Journalisten lassen sich keine fremden Meinungen aufzwängen. Sie vertreten durchaus offen und öffentlich ihren Standpunkt, vermeiden jedoch manipulierende Instrumente. Spitzenjournalisten decken auf und sei es auch auf die Gefahr hin, dass sie existenzvernichtende Nachteile in Kauf nehmen müssen. Wer setzt sich schon gerne solchen Perspektiven aus? Dass dieses Land freie Journalisten, die sich der absoluten Unbestechlichkeit verschrieben haben, nicht selten am ausgestreckten Arm in der Luft verhungern lässt, kommt nicht von ungefähr. Und doch macht die gnadenlose Unbestechlichkeit eben genau diesen Beruf aus. Brender äußert, das System der Öffentlich-Rechtlichen sei "wirklich vergleichbar mit den IM der DDR". Er sagt, es handle sich um "ein fein gesponnenes Netz von Abhängigkeiten, aus dem sich Karrierechancen, aber auch Verpflichtungen ableiten ließen". Er habe versucht, "solche Spione wenigstens von Posten mit echter Verantwortung fernzuhalten". Immerhin - doch für einen Spitzenjournalisten in derart verantwortlicher Position war das viel zu wenig.
Foto: M. Hauck/Pixelio.de
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Das Spitzelsystem und deren Schergen
Löst es aber tatsächlich auch die tiefliegenden Probleme und hilft es vor allem, die inhaltlichen politischen Einflussnahmen auf die Öffentlich-Rechtlichen zurück zu drängen, die inzwischen für jedermann deutlich erkennbar sind? Trägt es am Ende dazu bei, den eigentlichen Auftrag einer Grundversorgung (nicht zu verwechseln mit Minimalversorgung) wieder auf eine solide Basis zu stellen und damit auch die Kosten für die Gebührenzahler in Schach zu halten, die ja nicht frewillig sondern verpflichtend anfallen? Wohl kaum! Und dies liegt wiederum auch an Journalisten, wie Nikolaus Brender, die in den Öffentlich-Rechtlichen ihr berufliches Zuhause im überaus abgesicherten Modus nicht beizeiten durch das Äußern scharfer Kritik am hausgemachten System aufs Spiel setzen wollten und wollen. So taff sich Brenders Worte also in diesen Tagen auch anhören mögen und so traurig die inhaltliche Brisanz für unsere Demokratie auch ist: Ein authentisch arbeitender Journalist hätte diese Zustände - so sie denn tatsächlich in dieser völlig inakzeptablen und verfassungswidrigen Form existent sind - bei Bekanntwerden sofort und auf der Stelle anzeigen und die Öffentlichkeit über die wahren Ausmaße in Kenntnis setzen müssen.
Hauptsache Kosten und Posten
Gleiches gilt für die Problematik des inzwischen extrem aufgeblähten Medienmonsters "Öffentlich-Rechtliche", das den Auftrag einer Grundversorgung fehlinterpretiert und schon lange den Bereich Personal und Technik vom Feinsten im Doppelpack unangemessen ausgeweitet hat. Der viel zu teure Koloss schafft vor allem immense Kosten für einen gigantischen Mitarbeiterstab inklusive satter Pensionen und einen nicht mehr nachvollziehbaren technisch-logistischen Aufwand. Wenn wundert es da noch, wenn selbst einfache Wetterfrösche, die uns eigentlich nur die innerdeutsche meteorologische Lage der nächsten drei Tage vermitteln sollen, auf GEZ-Zahlergebühren durch ganz Europa touren. Wer prangert noch an, wenn beide Öffentlich-Rechtlichen Sender zeitgleich ganze Konvois an Übertragungswagen auf Welt-Tournee schicken - für ein und dieselben Reportagen und Bilder wohlgemerkt. Hauptsache, das alles schafft Kosten und Posten.
Brenders Klagen, es handle sich bei den Öffentlich-Rechtlichen um ein "Spitzelsystem, das davon lebt, dass Redakteure den Parteien Senderinterna zutragen", sind extrem besorgniserregend und verlangen nach einem sofortigen Handeln. Möglich wurde ein solches "Spitzelsystem" - so es denn tatsächlich vorhanden ist - allerdings auch durch die hauseigenen Redakteure und Journalisten, die sich von diesen Entwicklungen haben vereinnahmen lassen. Sie sind es dann doch, die sich um des sicheren Einkommens Willen und einem gewissen Maß an Ansehen als Journalist verkauft haben oder – wenn sie sich nicht an diesem Prozedere beteiligten - Stillschweigen über solche Zustände übten. Niemand sieht in dieser Sache gut aus. Nicht die Öffentlich-Rechtlichen, nicht die Politik, nicht die beteiligten Journalisten und auch nicht Nikolaus Brender.
Ein Spitzenjournalist ist kein Spitzeljournalist
Spitzenjournalisten zeichnen sich dadurch aus, dass sie unbestechlich bleiben, auch wenn es ihnen möglicherweise an den beruflichen Kragen geht. Authentische, der Wahrheit verpflichtete Journalisten lassen sich keine fremden Meinungen aufzwängen. Sie vertreten durchaus offen und öffentlich ihren Standpunkt, vermeiden jedoch manipulierende Instrumente. Spitzenjournalisten decken auf und sei es auch auf die Gefahr hin, dass sie existenzvernichtende Nachteile in Kauf nehmen müssen. Wer setzt sich schon gerne solchen Perspektiven aus? Dass dieses Land freie Journalisten, die sich der absoluten Unbestechlichkeit verschrieben haben, nicht selten am ausgestreckten Arm in der Luft verhungern lässt, kommt nicht von ungefähr. Und doch macht die gnadenlose Unbestechlichkeit eben genau diesen Beruf aus. Brender äußert, das System der Öffentlich-Rechtlichen sei "wirklich vergleichbar mit den IM der DDR". Er sagt, es handle sich um "ein fein gesponnenes Netz von Abhängigkeiten, aus dem sich Karrierechancen, aber auch Verpflichtungen ableiten ließen". Er habe versucht, "solche Spione wenigstens von Posten mit echter Verantwortung fernzuhalten". Immerhin - doch für einen Spitzenjournalisten in derart verantwortlicher Position war das viel zu wenig.
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