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Frank Schäffler (FDP)

Der Bundestags-
abgeordnete und "Euro-Rebell" erklärt im Interview, dass die Schulden-
schirmpolitik den Euro zerstört, Europa spalten wird und schließlich das Sparvermögen aller vernichtet.

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Prof. Dr. Franz Hörmann

Der Univ.Prof. im Institut für Unterneh-
mensrechnung an der Wirtschafts-
universität Wien glaubt, dass es ein "systemisches Betrugsmodell einer Institution gebe, der in unserem Wirtschaftssystem das Monopol zur Geldschöpfung über Kredite eingeräumt wird".

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Sebastian Nerz (Piraten)

Die Piraten sind klar zum Ändern. Der Bundes-
vorsitzende der Piratenpartei Sebastian Nerz spricht in unserem Interview über Zukunftspläne, Ideologien und Visionen dieser noch sehr jungen Partei.

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Wolfgang Bosbach (CDU)

Der Bundestags
abgeordnete und Vorsit-
zende des Innen-
ausschusses des Deutschen Bundestages wird im Parla-
ment gegen die Erweiterung des EU-Rettungs-
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Prof. Dr. Uwe Kamenz

Früher oder später fliegt jedes Plagiat auf, glaubt Professor Kamenz von der FH-Dortmund. Unter Einsatz eines Fujitsu Scanners will er helfen, die Wahrheit schneller ans Licht zu bringen. Politiker zeigen sich wenig begeistert.

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Uwe Schummer (CDU)

Der Bundestags-
abgeordnete möchte "Hartz IV" abschaffen. Die Agenda 2010 sei abgearbeitet, glaubt er und verrät im Interview, was er stattdessen für richtig hält: Eine Agenda 2015 soll es nun richten!

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Michael Martens

Der FAZ-Redak-
teur spricht in unserem Inter-
view über das breite mediale Interesse zu der seltsamen Publi-
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Dominic Schwickert

Der Politik-
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trum der Macht" und stellt seine diesbezüglich gerade erschienene Publikation vor.

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Dr. Jakob Sierig

Der Tübinger Geologe spricht im Interview über Sicherheit und Kosten-Nutzen zum Jahrhundert-
projekt "Stutt-
gart 21" und warnt vor nicht überschaubaren Folgekosten.

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Sebastian Knauer

Der SPIEGEL-Redakteur und Herausgeber der Publikation "Barschel - Die Akte" geriet 1987 auf dem Höhepunkt des Barschel-Skandals selbst in den Sumpf des Polit-Thrillers, als er den toten Politiker auffand.

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Prof. Dr. Herta Däubler-Gmelin (SPD)

Die SPD-
Politikerin und Rechtsanwältin ist Mitglied des Deutschen Bundestags und spricht in unserem Interview über Leiharbeit, Dumpinglöhne und weitere Schieflagen auf dem deutschen Arbeitsmarkt.

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Dieter Reicherter

Der ehemalige Richter war viele Jahre als Vorsitzender am Landge-
richt Stuttgart tätig und berichtet als Augenzeuge von gewalttätigen Übergriffen der Polizei bei einer Demo zum Projekt "Stuttgart 21".

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Dr. Gregor Gysi (PDL)

Der Fraktions-
vorsitzende im Deutschen Bundestag spricht über die Gründe der weiter um sich greifenden Politikverdrossenheit und erklärt, was er sich für seine Partei in der Zukunft wünscht.

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Wolfgang Grupp, Trigema

Der schwäbische Unternehmer spricht über Globalisierung, Exportwelt-
meister, Hoch-
lohnland Deutschland, Ethik, persönliche Haftungen und erfolgreiche Unternehmensführung.

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Omid Nouripour (Grüne)

Der Verteidi-
gungssexperte von Bündis 90/Die Grünen erklärt, warum ein schneller Abzug aus Afghanistan nicht möglich ist und was es mit den von General McChrystal angekündigten Groß-Offensiven auf sich hat.

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Prof. Dr. M. Hartmann

Sind Hartz IV-Empfänger Deutschlands Sozialschma-
rotzer oder verschleiern lautstarke populistische Parolen den Blick auf ganz andere Tatsachen?

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Omid Nouripour (Grüne)

Der Verteidungs-
Experte sieht viel Klärungsbedarf hinsichtlich des Luftangriffs im afghanischen Kundus. Ein Untersuchungs-
ausschuss soll nun klären, ob der Öffentlichkeit bewusst die Wahrheit vorenthalten wird.

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GEN - DEBATTE:
Gibt es ein Recht auf Dummheit?


SARRAZIN - Debakel


AFGHANISTAN - EINSATZ

HARTZ IV
Artikelsammlung zur größten Sozialreform in der Geschichte der Bundesrepublik

Arbeitsmarkt Deutschland:
Bankrotterklärung in einem der reichsten Länder der Welt

Prof. Dr. Ch. Broelsch

Die Staatsan-
waltschaft wirft dem Transplan-
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währung vor. Broelsch soll Patienten systematisch zu Spendenzahlungen erpresst haben. Wir haben nachgefragt.

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Graf von Faber-Castell

Der Top-
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ende 2009 den redaktionellen Betrieb einstellt. Damit soll der Weg für ein automatisiertes Nachrichtenportal geebnet werden.

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Ein Star-Chirurg auf der Anklagebank

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Mehrteiliges Interview mit dem Ex-"Stern"-
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erstatter Gerd Heidemann, dessen Karriere mit dem Medien-Flop um die gefäl-
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Prof. Dr. C. Pestalozza
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Ottmar Schreiner (SPD): Wir haben amerikanische Arbeitsmarktverhältnisse erreicht

27. Februar 2010, 22:10
I N T E R V I E W
os[Ursula Pidun] Fünf Jahre nach Inkrafttreten der sogenannten Hartz IV-Gesetze, die von der damaligen rot-grünen Regierung mit überwältigender Unterstützung durch Union und FDP auf den Weg gebracht wurden, gibt es viele Mängel zu beklagen. Die Unzufriedenheit in der Bevölkerung wächst weiter. Neben kritischen Stimmen, die von Anfang an auf Fehler hingewiesen haben, offenbart nun auch eine erste offizielle Bilanz die Defizite. Wer nun jedoch auf schnelle Korrekturen dieser Fehlleistungen hofft, sieht sich enttäuscht. Die Bundesregierung reagiert auf die folgenschwere Entwicklung für die Gesellschaft, am Arbeitsmarkt und hinsichtlich künftiger Rentenentwicklungen nur äußerst zögerlich. Statt konstruktiver Reaktion und Eigeninitiative wird nun das am 9. Februar verkündete Urteil des Bundesverfassungsgerichts in Angriff genommen. Dies befasst sich allerdings weniger mit den tiefgreifenden strukturellen Reformfehlern, sondern erklärte die Leistungssätze für verfassungswidrig. Der völlig ausufernde Niedriglohnsektor, Dumpinglöhne und Leiharbeit mit Einkommen jenseits jeglicher Akzeptanz bleiben weiter außen vor.

Ottmar Schreiner zählt zum linken Flügel der SPD und macht nicht gerade den Eindruck, sich wegzuducken, wenn es brenzlig wird. Fehler der eigenen Partei nennt er beim Namen und bietet Fehlleistungen durchaus Paroli. Dabei hat er es innerhalb seiner eigenen Partei nicht leicht. Immerhin hält der rechte Flügel der SPD, zu dem namhafte Politiker wie etwa Frank-Walter Steinmeier, Franz Müntefering und Peer Steinbrück zählen, strikt an dieser Sozialreform fest. Wir haben nachgefragt. Im Gespräch mit Ottmar Schreiner (SPD). Der ehemalige Bundesgeschäftsführer der SPD in den Jahren 1998 und 1999 ist seit 2000 Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen, Mitglied im SPD-Parteivorstand und Bundestagsabgeordneter.

Herr Schreiner, die Hartz IV-Gesetze haben zu folgenschweren Schieflagen geführt. Angesichts der Schicksale, die sich hinter diesen Gesetzen verbergen, aber auch aufgrund der volkswirtschaftlichen Probleme, die es uns gebracht hat, wird ein schnelles Handeln, bzw. eine dringende Korrektur erwartet. Warum geschieht nichts?

Die Arbeitsmarktreformen seit 2003 haben den deutschen Arbeitsmarkt grundlegend umgebaut. Erklärtes Ziel war es, durch die Liberalisierung die Massenarbeitslosigkeit abzubauen. Diese Maßnahmen haben jedoch zu tiefgreifenden Fehlentwicklungen geführt. Eine Korrektur erfordert einen politischen Konsens, den ich bei der Regierungskoalition aus CDU/CSU und FDP, die gegen Mindestlöhne und für eine Ausweitung des Niedriglohnsektors eintreten, nicht sehe. So wird erst das Bundesverfassungsgerichtsurteil vom 9.2.2010 zu den Hartz-IV-Regelsätzen Änderungen erzwingen.

Aus dem angeblich notwendigen Ziel der Zusammenlegung von Sozialhilfe und Arbeitslosenunterstützung ist ein Verwaltungsmonster des 21. Jahrhunderts geworden, das anständige Menschen, die Arbeit suchen, bis in die Tiefen der Privatsphäre verwaltet. Können Sie uns die Notwendigkeit, den Sinn und den Mehrwert für die Gesellschaft hinsichtlich dieser Maßnahme noch einmal genauer erklären?

Die Zusammenlegung von Sozialhilfe und Arbeitslosenhilfe war prinzipiell eine berechtigte Forderung der Gewerkschaften. Die zugrundeliegende Intention war, den "Verschiebebahnhof" zwischen diesen beiden Institutionen aufzuheben und die aktiven arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen auch für die vormals erwerbsfähigen Sozialhilfeempfänger zugänglich zu machen. Das neue Regelungswerk wurde allerdings immer repressiver ausgestaltet. Das "Fördern" beschränkt sich auf die Vermittlung in perspektivlose Ein-Euro-Jobs. Das "Fordern" führt bei Arbeitsablehnung zur Kürzung der ohnehin viel zu niedrig bemessenen Regelsätze. Trotz dieser Repressalien wird immer wieder von "Sozialschmarotzern" berichtet, denen kein Recht auf "staatlich bezahlte Faulheit" (Guido Westerwelle) als "angenehme Variante" (Roland Koch) zum Arbeitsalltag zugestanden werden dürfe. Zum Vergleich: Der volkswirtschaftliche Schaden aus der Steuerhinterziehung liegt jährlich bei etwa 30 bis 100 Milliarden Euro – das ist das dreißig bis hundertfache der angeblichen "Ausbeutung" durch unberechtigte Sozialleistungsempfänger!

Die SPD hat hinsichtlich dieser Reform existenzbedrohende Verluste hinnehmen müssen. Eine einheitliche Strategie, die typisch sozialdemokratische Aspekte wieder deutlicher in den Vordergrund schiebt, lässt sich trotz der desaströsen Lage der Partei nicht ausmachen. Linker Flügel, rechter Flügel..., an welcher Stelle lassen sich Kompromisse finden hinsichtlich der Agenda 2010?

Ich halte es zumindest für verfrüht, der SPD vorzuwerfen, sie habe aus dem desaströsen Wahlergebnis im letzten Jahr keine Lehren gezogen. Sigmar Gabriel bemüht sich sehr, die innerparteiliche Diskussionskultur wieder aufleben zu lassen. Die zukünftige Ausrichtung der SPD wird nun in den Anfang des Jahres eingerichteten Foren und Zukunftswerkstätten diskutiert und erarbeitet werden. Ich bin sicher, dass es zu Korrekturen kommt. Ein erster Anfang ist bei der Leiharbeit gemacht.

Gerhard Schröder hat am 28.1. 2005 – damals noch als amtierender Bundeskanzler – eine Rede vor dem World Economic Forum in Davos gehalten. "Wir müssen und wir haben unseren Arbeitsmarkt liberalisiert. Wir haben einen der besten Niedriglohnsektoren aufgebaut, den es in Europa gibt", äußerte Schröder dort voller stolz. Gibt es tatsächlich Grund dazu, stolz zu sein?

Wir haben mittlerweile nicht nur den "besten Niedriglohnsektor in Europa", sondern mit einem Niedriglohnanteil von knapp 25 Prozent aller Arbeitsverhältnisse amerikanische Arbeitsmarktverhältnisse erreicht. Deutschland hat im OECD-Vergleich die höchste Lohnspreizung und weist zugleich die niedrigste Aufstiegsmobilität von Geringverdienern auf. Und in keinem anderen Land hat die Einkommensungleichheit in den letzten Jahren so stark zugenommen wie hierzulande. Der Teil derer, die trotz Vollzeiterwerbstätigkeit unter dem Grundsicherungsniveau liegt wird immer größer. Mehr als ein Fünftel aller Kinder in Deutschland lebt in Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaften. Es gibt nicht den geringsten Grund, auf diese beschämenden Verhältnisse auch noch stolz zu sein.

Warum hat die Politik das erforderliche neutrale Verhalten ad acta gelegt und ist dieser Lobby derart gefolgt? Die skandinavischen Länder, auf die in vielen Bereichen gerne verwiesen wird, verzichten auf Unternehmen, die gesellschaftlich keinen Sinn machen und nicht vor allem auch dem Gemeinwohl dienen. Sie sind trotz "Globalisierung", die ja als Grund für die abstrusesten Entscheidungen in unserm Land dient, bisher nicht untergegangen.

Gesetzliche Mindeststandards sind für den Schutz von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern notwendig, um Lohndumping zu unterbinden. Der Gesetzgeber hat allerdings in den letzten Jahren jedweden Schutz vor Lohndumping abgebaut: Zu nennen sind z.B. die Zumutbarkeitsregelung im SGB II (jede Arbeit zu jedem noch so niedrigen Einkommen ist zumutbar); die vollständige Liberalisierung der Leiharbeit sowie die Aufhebung der Wochenarbeitszeitbegrenzung bei Mini-Jobs.
Im Ergebnis steigt der Anteil der staatlich alimentierten Einkommensbezieher, was einer indirekten Subventionierung von Unternehmen gleichkommt. Man kann auch von staatlich subventioniertem Lohndumping sprechen! Eine existenzsichernde gesetzliche Lohnuntergrenze würde viele Menschen aus dem Armutslohnbereich rausholen. Um die alleinige Fokussierung auf Kapitalinteressen abzuwehren ist ferner eine stärkere Mitbestimmung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern erforderlich. Die skandinavischen Länder sind in der Arbeitsmarktpolitik in vielerlei Hinsicht beispielhaft.

Der Preis dieses politischen Verhaltens war hoch. Dumpinglöhne sind heute keine Seltenheit, die Leiharbeit treibt unerträgliche Blüten und der so gepriesene Niedriglohnsektor hat eine Aufstocker-Klientel geschaffen. Menschen müssen trotz Arbeit alimentiert werden. De facto bedeutet dies aber auch, dass Steuerzahler Lohnkosten übernehmen. Dabei könnte es sich – entgegen Roland Kochs (CDU) Interpretation - um eine "Perversion des Sozialstaatsgedankens" handeln?

Die Staatsquote in Deutschland wurde seit 2003 um mehr als 5 Prozentpunkte gesenkt. Wir liegen mittlerweile deutlich unter dem EU-Durchschnitt. Im Vergleich dazu erreichen die skandinavischen Länder mit einer sehr viel höheren Staatsquote eine viel stärkere wirtschaftliche Dynamik und verbinden dies mit einem guten Schutz bei Arbeitslosigkeit, Alter und Invalidität sowie einer erfolgreichen Arbeitsförderung. Den Menschen in Deutschland wurden mit dem Sozialstaatsumbau bereits erhebliche Kosten für soziale Risiken – wie z.B. die private Altersvorsorge oder die Zusatzbelastungen in der gesetzlichen Krankenversicherung aufgebürdet.
Wenn die Befürworter eines "schlanken Staates" im Falle einer wirtschaftlichen Krise um einen zwingenden "Bail-Out" – also nach staatlichen Rettungen – ringen, wird der Sozialstaatsgedanke in der Tat pervertiert. Das Gleiche gilt für die dauerhafte Bezuschussung unternehmerischer Lohnkosten.

Im Bereich "Aufstocker" gibt es zudem die inakzeptable Tatsache, dass jene Menschen, die zu niedrig entlohnt werden, zunächst mit ihrem eigenen Vermögen das Gehalt aufstocken müssen, um wirtschaftlich überleben zu können. Erst wenn dies bis auf einen Schonbetrag aufgebraucht ist, greift ein ALG II-Zuschuss im Sinne einer Aufstockung, bzw. eines Kombilohns zum Existenzminimum. Im Grunde genommen kommt das einer Enteignung gleich?

Bei Einführung eines armutsfesten Mindestlohns würde sich die "Aufstocker"-Problematik jedenfalls bei Vollzeitarbeit von selbst erledigen.

Welche weiteren Wege bieten sich an, um den angesprochenen Schieflagen entgegen zu treten und wie hoch schätzen Sie die Einsicht und Bereitschaft der Politik ein, dies nun auch kurzfristig anzupacken?

Das Bundesverfassungsgerichtsurteil zu den Regelleistungen nach SGB II wird auf verschiedene Bereiche Auswirkungen haben. Die Neufestsetzung des soziokulturellen Existenzminimums wird hoffentlich das steuerrechtliche Existenzminimum erhöhen und damit alle Einkommensbezieher entlasten. Insbesondere wird eine Auseinandersetzung um das Lohngefüge im unteren Einkommensbereich unumgänglich, da mit einer Höhersetzung des Grundsicherungsniveaus das Lohnabstandsgebot gefährdet sein wird.

Damit gewinnt die zwingend notwendige Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns eine besondere Bedeutung. Zu diskutieren wird ferner auch sein, inwiefern eine gerechtere Familienpolitik erzielt werden kann. Ob die Politik Einsicht zeigt und bereit ist zeitnah Korrekturen vorzunehmen, erübrigt sich. Das Bundesverfassungsgericht hat für die Neufestsetzung einer transparenten Berechnungsgrundlage eine sehr kurze Frist gesetzt.

Gelten solche Aspekte auch für die Architekten der Agenda 2010, die ja insbesondere auch in der SPD zu finden sind?

Ein Teil der Agenda 2010-Architekten geht inzwischen einer hochdotierten neuen Beschäftigung nach; der noch in der aktiven SPD-Politik verbliebene Teil wird sich zwingend notwendigen weiteren Korrekturen hoffentlich nicht widersetzen.

Foto: © Otmar Schreiner (SPD
Verweise: Weitere Interviews:
Dr. Hermann Otto Solms: "Die FDP hält Wort, das hat sie oft genug bewiesen."
Jens Seipenbusch (Piratenpartei): "Es geht um Bürgerrechte im digitalen Zeitalter"
Dr. Volker Wissing (FDP): Die HRE-Enteigung kann auch zum Super-GAU werden
Dr. Michael Meister (CDU/CSU): "Nichtstun würde uns am Ende teurer zu stehen kommen"
Volker Beck (Grüne): "Unser Ziel ist Platz 3 in der Parteienlandschaft"
Dirk Niebel (FDP): "Wir lehnen eine staatliche Bad Bank ab"
Sir Quett Ketumile Joni Masire: "The solution could be in dialogue"
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Reformfehler

Weiße Weste (Gast) - 11. Feb, 22:57
ist der richtige Ausdruck. Dieses Gesamtwerk macht unser Land kaputt und Politiker schauen zu. Nun geht das Gekeile um die Sätze los und der eine meint, sie müssten niedriger werden, der andere glaubt an Erhöhung. Ich glaube an gar nichts mehr. "Wir haben fertig"!

ppc (Gast) - 7. Aug, 15:04

So fatalistisch muss man es nicht sehen. Die Lage erscheint mir dennoch dramatisch.

Feedback

Peter Fenzel (Gast) - 11. Feb, 23:33
Ein sehr interessantes Interview!

Amerikanische Verhältnisse

L. Beuster (Gast) - 12. Feb, 00:14
na toll! Wer hätte das gedacht, dass sich die SPD mal zum Steigbügelhalter für solche Verhältnisse hergibt.Seitdem das passiert ist, glaube ich keinem Politiker mehr auch nur ein Wort.

2011

S. Mayer (Gast) - 12. Feb, 00:49
werden wir sehen, wie unsere Volksvertreter das Urteil des Bundesverfassungsgerichts interpretiert haben.

Mit Dumpinglöhnen

E.Schlüter (Gast) - 12. Feb, 09:45
in die Zukunft. Diejenigen, die es sich gemütlich gemacht im öffentlichen Dienst, verlangen Millionen Menschen ab, zum Hungerlohn zu arbeiten. Zukunft und Moderne sieht anders aus.

Ob es wirklich keine andere Lösung gab, als den Niedriglohnsektor, um mit der Gegenwart und Zukunft fertig zu werden? Schröder sollte nachträglich zur Rechenschaft gezogen werden.

Unverschämtheit

Uwe M. (Gast) - 12. Feb, 13:39
Es ist eine bodenlose Unverschämtheit, wie mit der Arbeitskraft der Menschen in diesem Land umgegangen wird. Lohndumping ist Betrug am Menschen und die ständige weitere Ausweitung des Niedriglohnsektors ist Betrug am Wähler. Die Menschen werden das nicht mehr lange mitmachen, also aufwachen in der Politik!

Schreiner

Beate M. (Gast) - 12. Feb, 18:30
Hat Schreiner damals nicht auch FÜR die Hartz-Gestze gestimmt? Ich meine sowas in Erinnerung zu haben.

Die Diskussion

Borchert (Gast) - 13. Feb, 14:03
in der Politik geht immer am Hauptproblem vorbei, denn es waren ja eben genau diese unerträglichen Liberalisierungsgesetze, die Millionen in Armut gebracht haben. Die sind nun mal von Politkern, allen voran vom damaligen Kanzler Schröder und der gesamten SPD sowie den Grünen vorangetrieben worden.

Solange nicht an den Ursachen gearbeitet wird, bleibt diese Reform das was sie ist. Ein gesellschaftszerstörendes Konstrukt, das die soziale Marktwirtschaft gleich mitbeerdigt. Schreiner sagt es selbst im letzten Satz: Die Verantwortlichen haben sich lange verdünnisiert, sitzen in hochbezahlten Lobbyposten und werden keinesfalls zur Rechenschaft gezogen.

Politiker zu sein in Deutschland ist ein dolles Privileg. Jeder andere müsste haften für den Mist, den er verfasst. Volksvertreter aber werden tüchtig belohnt. Mit super-Posten und dicken Pensionen, aber ohne Gefahr, haften zu müssen.

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Es geht um Wahrheit.
Quote ist was für Loser


- Rainald Götz -


















Dr. Michael Meister (CDU)

Dr. Michael Meister, Stellver-
tretender Vorsitz-
ender der CDU/
CSU-Bundestags-
fraktion über Wirtschafts- und Sozialkompetenz, staatliche Eingriffe und die Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft.

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Ottmar Schreiner (SPD)

Der Vorsitzende der Arbeits-
gemeinschaft für Arbeitneh-
merfragen und Bundestags-
abgeordnete spricht über Fehlentwicklungen innerhalb der Hartz IV-Gesetzgebung.

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Stefan Enderle

Der frisch ge-
backene Dipl.-
Ing. "Audiovisu-
elle Medien (FH)" stellt in unserem ausführlichen Interview seinen Film "Kann nicht sein, was nicht sein darf!?" vor und äußerst sich kritisch zu den "alten Medien".

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Dr. Rüdiger Frank

ist Professor für Wirtschaft und Gesellschaft Ostasiens und lehrt an der Universität Wien. Frank zählt zum Kreis der renommiertesten Ostasien-Experten.

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Dr. Werner Kilian

Der Botschafter a. D. war zu Beginn seiner diplomatischen Karriere drei Jahre in Afghani-
stan und spricht im Interview über den deutschen Einsatz und die aktuelle, problematische Situation in dieser Region.

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Ingrid Nestle (GRÜNE)

Die Bundes-
tagsabge-
ordnete und Sprecherin für Energiewirt-
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miss der Bundesregierung, der keiner ist.

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Dirk Niebel (FDP)

Generalsekretär der FDP-Bundes-
partei über Ankerplätze, Krisen, Politik-
verdrossenheit und einer bedenklichen Entwicklung zu einer sozialistischen Marktwirtschaft.

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Dr. Hermann Bühlbecker

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nehmer steht seit 1977 an der Spitze des Unternehmens Lambertz in Aachen. Im Interview spricht er über Standorte, Verantwortung und den Wert guter Beziehungen.

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Dr. Volker Wissing (FDP)

MdB und Mitglied des FDP-Bundes-
vorstandes spricht über das Desaster HRE, Enteigungen, Versäumnisse, Intransparenz und einen Untersuchungsausschuss

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Sir Quett K. J. Masire

Masire war von 1980 bis 1998 Präsident von Botswana. In einem ausführ-
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Anna Maria Gadebusch

Spurensuche im Fall Marilyn Monroe:
Im Gespräch mit Anna Maria Gadebusch, Journalistin und Autorin des Radio-Features "Gute Nacht, Doktor!". Zum Interview


Volker Beck (Grüne)

Der Abgeordnete Bündnis 90/ Die Grünen spricht über Klimaschutz, Pseudoreformen und soziale Schieflagen.

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