Exchange Traded Funds (ETFs): Inflationsschutz durch börsengehandelte Aktienfonds
10. Juni 2011, 11:00
[Bernhard Fütterer] Paul Volcker, einst Chef der US-Notenbank, äußerte einmal, die einzige sinnvolle Finanzinnovation der vergangenen Jahre, die ihm einfalle, sei der Geldautomat. Tatsächlich gibt es die wichtigsten Anlageprodukte schon über hundert Jahre: Aktienfonds, Sparbücher, Lebensversicherungen und Bundesschatzbriefe. Doch damit gaben sich Banken nicht mehr zufrieden. Sie schufen Pakete aus hochriskanten, amerikanischen Immobilienkrediten beziehungsweise kauften diese von anderen Banken, um sie - selbstverständlich gegen satte Provisionen – an ihre Kunden weiter zu verhökern.Neue Alternative für den Anleger
Dabei existiert bereits eine – allerdings kostengünstige - Alternative zu Aktienfonds und erst recht zu zweifelhaften Neuschöpfungen der Finanzindustrie. Es handelt sich um die sogenannten ETFs. "Exchange Traded Funds" sind börsengehandelte Investmentfonds, deren Ziel eine möglichst genaue Abbildung eines Index ist, ohne dass hochbezahlte Fondsmanager mit einer teuren Rechercheabteilung im Rücken aktiv einzelne Aktien analysieren und kaufen. In den letzten Jahren werden diese ETFs im Wirtschaftsteil großer Tageszeitungen oder in Wirtschaftsmagazinen zunehmend beworben, die es in Deutschland erst seit etwa sechs Jahren für Privatkunden gibt.
Bereits etwas bekannter sind in Deutschland Indexzertifikate, die ähnlich passiv und breit und damit vergleichsweise risikoarm investieren. Indexzertifikate haben jedoch den Nachteil, dass es sich um Schuldverschreibungen handelt und im Insolvenzfall der Bank die Anleger aus der Insolvenzmasse bedient werden. Ebenso, wie alle anderen Gläubiger der Bank, beispielsweise auch Besitzer von Zertifikaten der insolventen Bank Lehman Brothers. Bei ETFs ist dies nicht der Fall. Sie ermöglichen es auch Privatanlegern, kleinere Volumina unter denselben Bedingungen handeln zu können wie institutionelle Investoren.
Verluste für Kleinsparer, Profit für die Politik
Doch warum sollten die Deutschen von Sparbüchern und Lebensversicherungen auf ETFs oder die wenigen guten und nicht leicht zu aufzuspürenden Aktienfonds setzen? Inzwischen haben sich fast alle Staaten auf ein gefährliches Spiel eingelassen, um die Wirtschaftskrise zu bewältigen. Mit Konjunkturprogrammen wurden die Staatsschulden massiv erhöht. Vor allem haben sich die Notenbanken - von Politikern dazu kräftig angestachelt - entschieden, den Banken zu niedrigsten Zinsen sehr viel Geld zu geben. Zudem kauften die Notenbanken den Geschäftsbanken Pakete mit zum Teil wertlosen Wertpapieren ab, die auch die amerikanischen Immobilienkredite enthalten, die an nicht kreditfähige Kleinstverdiener vergeben wurden. Auch dadurch wurde die Geldmenge stark erhöht.
Wird diese Geldmenge von den Notenbanken nicht rechtzeitig wieder abgeschöpft - das wäre politisch allerdings alles andere als willkommen - drohen bereits mittelfristig sehr hohe Inflationsraten. Eine erhöhte Inflationsrate käme Politikern deshalb willkommen, weil dadurch die Staatsschulden real weniger wert wären, sprich kaufkraftbezogen sinken und an Hartz-IV-Empfänger wie an andere Empfänger der Sozialstaatsausgaben weniger Transferleistungen gezahlt werden müssen. Dies alles, ohne sich durch Sparmaßnahmen per Gesetz beim Wähler unbeliebt zu machen.
Immense Schäden durch Inflation
Gerade Deutsche sollten noch in Erinnerung haben, welche Schäden Geldentwertung durch massive Preissteigerungsraten nach dem Ersten Weltkrieg 1923, nach der Weltwirtschaftskrise 1929 sowie nach dem Zweiten Weltkrieg vor Einführung der Deutschen Mark angerichtet haben. Die DDR-Bürger hatten 1989 im Unterschied zu Polen und Tschechen, die Anfang der 90er Jahre mit sehr hohen Inflationsraten zu kämpfen hatten, das Glück, dass es den reichen Bruder „Westen“ gab. Der tauschte die DDR-Währung, auch „Alu-Chip-Währung“ genannt, weit über Wert großzügig im Verhältnis von 2:1 in D-Mark um. Sparbücher und Kapitallebensversicherungen verloren davor häufig ebenso ihren Wert wie Bundesschatzbriefe und andere Schuldtitel des Staates. Letztlich sind diese Anlageformen nur bedrucktes Papier, das von dem Glauben und Vertrauen lebt. Vertrauen darauf, dass es eine Woche oder Jahre später noch in eine Währung getauscht werden kann, mit der sich die Menschen Lebensmittel und Kleidung kaufen sowie die Miete bezahlen können.
An Alternativen zu den relativ inflationsgeschützten ETFs, hinter denen reale Werte vieler Unternehmen stehen, gibt es in Form von Immobilien. Sie stehen jedoch leer und können grundsätzlich ebenfalls an Wert verlieren. Selbst mit Gold machten viel Anleger auch langfristig Verluste oder keinen Gewinn. So wie jene, die beispielsweise Anfang der 80er Jahre investierten und dann feststellten, dass mehr als zehn Jahre später das Gold bei Berücksichtigung der Preissteigerung im besten Fall soviel wert war, wie beim Kauf.
Schwellenländer fördern und davon profitieren
Letztlich profitieren nur jene Menschen an der globalen technologischen und wirtschaftlichen Entwicklung, die an börsennötierten Unternehmen weltweit beteiligt sind. Umgekehrt sind Schwellenländer auf das (Start-)Kapital aus den reichen Ländern angewiesen. Nur Deutschland und Europa, wo das Wachstums- und Entwicklungspotential inzwischen nicht mehr besonders hoch ist, in den Blick zu nehmen, wäre fahrlässig. Denn es verhindert die Erkenntnis, dass Milliarden Menschen in China, Indien, Südamerika, Südostasien, Afrika und Russland erfolgreich daran arbeiten, um den wirtschaftlichen Rückstand zumindest ein ordentliches Stück weit aufzuholen.
Neben den wenigen erfolgreichen und vergleichsweise teuren Aktienfonds bieten sich daher die ebenfalls täglich verkäuflichen ETFs an, um sich an den Entwicklungschancen der Inder und Chinesen zu beteiligen und ihnen letztlich das notwendige Kapital dafür zur Verfügung zu stellen. ETFs gibt es inzwischen für viele fest definierte Bereiche: Für Länder oder Ländergruppen, beispielsweise die BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China, für Branchen innerhalb der erneuerbaren Energien, für Rohstoffe oder für die jeweils zehn Unternehmen der Länder mit der höchsten Dividendenausschüttung.
Keine teuren Fondsmanager
Durch das passive Management ohne teure Fondsmanager fallen die Kosten der ETFs im Vergleich zu aktiv gemanagten Fonds wesentlich geringer aus. Denn der Fondsmanager eines ETFs muss sich nicht mit Recherchen, Gewichtungsfragen oder mit Timing Aspekten zur Optimierung der Aktienauswahl befassen. Dies erhöht die Ertragschance wesentlich, so dass sich ETFs einer immer größeren Beliebtheit erfreuen. Denn es ist für Privatanleger nur nach zeitaufwändiger Suche möglich, die wenigen guten Aktienfonds von den vielen schlechten zu unterscheiden. Gut und Schlecht definiert sich durch einen Vergleich mit der Entwicklung eines Indexes; also einem repräsentativer Korb an Aktien wie zum Beispiel der DAX für den deutsche Aktien.
Trotz der erwähnten zunehmenden Werbung für die ETFs werden sie nicht aktiv an Bankkunden in den Filialen verkauft. Denn provisionsorientierte Vertreiber empfehlen diese kostengünstigen Produkte nur selten, da die Provision bei Fonds in der Regel über den Ausgabeaufschlag gezahlt wird. Bei diesen Finanzgeschäften fällt dieser jedoch weg. Auch werden bei ETF-Geschäften keine Bestandesprovisionen - also Retrozessionen beziehungsweise Bestandespflegekommissionen - gezahlt, die aktiven Fonds regelmäßig aus der Verwaltungsgebühr finanziert werden. Die jährliche Verwaltungsgebühr beträgt dementsprechend bei ETFs manchmal nur 0,3 Prozent des angelegten Kapitals statt bis zu zwei Prozent bei Aktienfonds.
Selbstständig informieren und vergleichen
Nach einer Studie der Unternehmensberatung MC4MS im Auftrag der quirin bank 2008 wurden im Privatkundenvertrieb bisher häufig noch keine geeigneten Ansätze gefunden, , ETFs zu verkaufen. Ausnahmen bilden lediglich die Verpackungen in Dachfonds oder im Rahmen von Vermögensverwaltungen oder einem Beratungsmandat. Schließlich wollen die Bankmanager an den Kunden ordentlich verdienen. Entsprechend ist auch hier Eigeninitiative gefragt. Nur wer sich mit dem Thema beschäftigt und dann gezielt beim Bankberater - besser Bankverkäufer – nachfragt, bekommt auch die Produkte angeboten, die nicht der Bank, sondern dem Kunden eine ordentliche Verzinsung und Rendite bei kalkulierbarem Risiko einbringt. Mit dem Restrisiko muss der Anleger dann allerdings leben - so wie mit der Inflation, die Sparbuchguthaben bedroht; ähnlich, wie jeder Mensch in anderen Lebenssituationen wie etwa bei der eigenen Gesundheit oder beim Autokauf niemals absolute Sicherheit erwarten darf. Schließlich ist der Verbraucher auch nicht gut beraten, beim erstbesten Autoverkäufer ohne Vergleiche und Vorinformationen seinen Wagen zu kaufen. Selbst bei neuen Autos kann plötzlich das Gaspedal klemmen, wie die Rückrufaktion eines ansonsten für Qualität bekannten Autoherstellers aktuell zeigt.
Foto: © Andreas Morlok/Pixelio.de
Weiterführende Informationen zu Exchange Traded Funds:
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