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Frank Schäffler (FDP)

Der Bundestags-
abgeordnete und "Euro-Rebell" erklärt im Interview, dass die Schulden-
schirmpolitik den Euro zerstört, Europa spalten wird und schließlich das Sparvermögen aller vernichtet.

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Prof. Dr. Franz Hörmann

Der Univ.Prof. im Institut für Unterneh-
mensrechnung an der Wirtschafts-
universität Wien glaubt, dass es ein "systemisches Betrugsmodell einer Institution gebe, der in unserem Wirtschaftssystem das Monopol zur Geldschöpfung über Kredite eingeräumt wird".

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Sebastian Nerz (Piraten)

Die Piraten sind klar zum Ändern. Der Bundes-
vorsitzende der Piratenpartei Sebastian Nerz spricht in unserem Interview über Zukunftspläne, Ideologien und Visionen dieser noch sehr jungen Partei.

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Wolfgang Bosbach (CDU)

Der Bundestags
abgeordnete und Vorsit-
zende des Innen-
ausschusses des Deutschen Bundestages wird im Parla-
ment gegen die Erweiterung des EU-Rettungs-
schirms stimmen. Wir haben ihn nach den Gründen befragt.

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Prof. Dr. Uwe Kamenz

Früher oder später fliegt jedes Plagiat auf, glaubt Professor Kamenz von der FH-Dortmund. Unter Einsatz eines Fujitsu Scanners will er helfen, die Wahrheit schneller ans Licht zu bringen. Politiker zeigen sich wenig begeistert.

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Uwe Schummer (CDU)

Der Bundestags-
abgeordnete möchte "Hartz IV" abschaffen. Die Agenda 2010 sei abgearbeitet, glaubt er und verrät im Interview, was er stattdessen für richtig hält: Eine Agenda 2015 soll es nun richten!

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Michael Martens

Der FAZ-Redak-
teur spricht in unserem Inter-
view über das breite mediale Interesse zu der seltsamen Publi-
kation der Daniela Matijevic, die im Kosovo "knietief in Leichen stand". Dies, obwohl dort seit 1995 bis heute kein einziger deutscher Soldat bei Gefechten ums Leben gekommen ist.

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Dominic Schwickert

Der Politik-
berater spricht in unserem politischen Gespräch über "Strategiebera-
tung im Zen-
trum der Macht" und stellt seine diesbezüglich gerade erschienene Publikation vor.

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Dr. Jakob Sierig

Der Tübinger Geologe spricht im Interview über Sicherheit und Kosten-Nutzen zum Jahrhundert-
projekt "Stutt-
gart 21" und warnt vor nicht überschaubaren Folgekosten.

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Sebastian Knauer

Der SPIEGEL-Redakteur und Herausgeber der Publikation "Barschel - Die Akte" geriet 1987 auf dem Höhepunkt des Barschel-Skandals selbst in den Sumpf des Polit-Thrillers, als er den toten Politiker auffand.

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Prof. Dr. Herta Däubler-Gmelin (SPD)

Die SPD-
Politikerin und Rechtsanwältin ist Mitglied des Deutschen Bundestags und spricht in unserem Interview über Leiharbeit, Dumpinglöhne und weitere Schieflagen auf dem deutschen Arbeitsmarkt.

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Dieter Reicherter

Der ehemalige Richter war viele Jahre als Vorsitzender am Landge-
richt Stuttgart tätig und berichtet als Augenzeuge von gewalttätigen Übergriffen der Polizei bei einer Demo zum Projekt "Stuttgart 21".

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Dr. Gregor Gysi (PDL)

Der Fraktions-
vorsitzende im Deutschen Bundestag spricht über die Gründe der weiter um sich greifenden Politikverdrossenheit und erklärt, was er sich für seine Partei in der Zukunft wünscht.

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Wolfgang Grupp, Trigema

Der schwäbische Unternehmer spricht über Globalisierung, Exportwelt-
meister, Hoch-
lohnland Deutschland, Ethik, persönliche Haftungen und erfolgreiche Unternehmensführung.

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Omid Nouripour (Grüne)

Der Verteidi-
gungssexperte von Bündis 90/Die Grünen erklärt, warum ein schneller Abzug aus Afghanistan nicht möglich ist und was es mit den von General McChrystal angekündigten Groß-Offensiven auf sich hat.

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Prof. Dr. M. Hartmann

Sind Hartz IV-Empfänger Deutschlands Sozialschma-
rotzer oder verschleiern lautstarke populistische Parolen den Blick auf ganz andere Tatsachen?

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Omid Nouripour (Grüne)

Der Verteidungs-
Experte sieht viel Klärungsbedarf hinsichtlich des Luftangriffs im afghanischen Kundus. Ein Untersuchungs-
ausschuss soll nun klären, ob der Öffentlichkeit bewusst die Wahrheit vorenthalten wird.

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GEN - DEBATTE:
Gibt es ein Recht auf Dummheit?


SARRAZIN - Debakel


AFGHANISTAN - EINSATZ

HARTZ IV
Artikelsammlung zur größten Sozialreform in der Geschichte der Bundesrepublik

Arbeitsmarkt Deutschland:
Bankrotterklärung in einem der reichsten Länder der Welt

Prof. Dr. Ch. Broelsch

Die Staatsan-
waltschaft wirft dem Transplan-
tationschirurgen Betrug, Nötigung und Vorteilsge-
währung vor. Broelsch soll Patienten systematisch zu Spendenzahlungen erpresst haben. Wir haben nachgefragt.

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Graf von Faber-Castell

Der Top-
manager und Vorstands-
vorsitzende der Faber-Castell AG in Stein äußert sich im Interview zu Tradition und Fortschritt, unternehmerische Verantwortung und Nachwuchsförderung.

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Domenika Ahlrichs

Im Gespräch mit der derzeitigen Chefredakteurin der NETZEITUNG, die zum Jahres-
ende 2009 den redaktionellen Betrieb einstellt. Damit soll der Weg für ein automatisiertes Nachrichtenportal geebnet werden.

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Dr. Michael Maier

Der ehemalige Chefredakteur der NETZEITUNG ist sich sicher: Das Ende der Netzeitung ist auch ein Menetekel für die Branche.

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Dr. Hermann Otto Solms

Der Vizepräsi-
dent des Deut-
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tages hat in den vergangenen Jahren ein Gesamtkonzept zur Reform der direkten Steuern entwickelt. Wir haben mit ihm darüber gesprochen.

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DER MADOFF-SKANDAL

Banken-FLOP des Jahrzehnts:

Hypo Alpe Adria und
der Fall BayernLB

Prozess im Fokus:

Prof. Dr. Christian Broelsch
Ein Star-Chirurg auf der Anklagebank

DIE FINANZKRISE

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Der Vorstands-
vorsitzende der schnell wachsen-
den Piratenpartei in Deutschland spricht über Bürgerrechte im digitalen Zeitalter und mehr Transparenz in Politik und Behörden.

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Gerd Heidemann

Mehrteiliges Interview mit dem Ex-"Stern"-
Reporter und ehemaligen Kriegsbericht-
erstatter Gerd Heidemann, dessen Karriere mit dem Medien-Flop um die gefäl-
schten Hitler-Tagebücher ein jähes Ende fand.

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Prof. Dr. C. Pestalozza
Prof. Dr. C. G. Paulus

FU Berlin und Humboldt-Universität zu Berlin beantworten Fragen zum Finanzmarktstabili-
sierungsgesetz

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Ostasien-Experte Prof. Dr. Rüdiger Frank: Das Ende des Mittelstandes in Nordkorea?

13. Dezember 2009, 13:20
I N T E R V I E W
Prof. Dr. Rüdiger Frank[Ursula Pidun] Zu einer der wenigen, noch verbliebenen stalinistischen Staaten zählt Nordkorea. Die wohl restriktivste totalitäre Diktatur mit etwa 23 Millionen Einwohnern agiert völlig abgeschottet unter der Herrschaft von Kim Jong-il. Nur selten dringen Nachrichten aus dem hermetisch abgeriegelten Land an die Weltöffentlichkeit, dann allerdings beinhalten sie im wahren Wortsinn reichlich Sprengstoff. So machte Nordkorea erst kürzlich mit seinem umstrittenen Atomwaffenprogramm Schlagzeilen. Denn nach eigenen Angaben soll das Land über mehrere einsatzbereite Atombomben verfügen. Eine in Nordkorea entwickelte Interkontinentalrakete des Typs "Taepodong-2" soll – bestückt mit einem Atomsprengkopf – angeblich sogar die Westküste der USA erreichen können.

Seit einigen Tagen nun drängen neue Nachrichten aus Nordkorea. Diesmal geht es allerdings um die jüngst durchgeführte Währungsreform. Sie versetzt das Volk in große Aufregung, denn mit der einhergehenden Abwertung verlieren die Nord-Koreaner all ihre Ersparnisse. Bis zum 6. Dezember musste das Geld getauscht werden und das zu einem Verhältnis 1 zu 100. Wir haben nachgefragt. Im Gespräch mit dem Ostasien-Experten Prof. Dr. Rüdiger Frank, Professor für Wirtschaft und Gesellschaft Ostasiens am Institut für Ostasienwissenschaften der Universität Wien. Frank, der unter anderem auch in den Jahren 1991 und 1992 an der Kim Il-sung Universität Sprache studierte, zählt heute mit seinen vielfältigen und fachbezogenen Enagagements zum Kreis der renommiertesten Ostasien-Experten.

Professor Frank, die Menschen in Nordkorea haben mit einer Vielzahl an Problemen zu kämpfen: Angefangen bei mangelnder Nahrungsversorgung bis hin zu einer fast völlig brachliegenden Industrie. Wieso führt die Staatsführung ausgerechnet jetzt eine Währungsreform durch?

Zunächst geht es ganz simpel um Inflationsbekämpfung, da man nicht sämtliches Geld der Bürger umtauscht, sondern nur einen bestimmten Betrag; wir haben unterschiedliche Meldungen dazu, aber es ist wohl ungefähr so viel, wie 80-150 Kilogramm Reis kosten. Viele Menschen werden also einen Großteil ihres Kapitals verlieren, was die Zahlungsfähigkeit senkt und damit normalerweise auch das durchschnittliche Preisniveau am Markt. Es kann auch eine Nachfrageverlagerung in einzelne Güter erfolgen, was dort sogar einen Preisanstieg auslösen kann. Die Mehrheit der ärmeren Menschen ist nicht betroffen, da sie in der Regel kaum monetäre Ersparnisse haben.

Der politische Grund ist die angestrebte Vernichtung der gerade erst entstandenen neuen Mittelschicht, die sich als echte Gefahr herausgestellt hat. Nach den Wirtschaftsreformen von 2002 hat sich in Nordkorea schnell eine Situation herausgebildet, in der nicht alle, aber viele Menschen auf dem Wege des privaten wirtschaftlichen Handelns einen sozialen Aufstieg geschafft haben, den es zuvor nur in staatlichen Institutionen gegeben hat. Anstatt politische Loyalität zu demonstrieren, konnte man nun auch durch ökonomische Tätigkeit aufsteigen.

Das hat zu immer deutlicher werdenden Einkommensunterschieden geführt, die vor allen die Verlierer sehr kritisiert haben. Eine Folge war auch mehr Selbstbewusstsein bei den Bürgern. Der Staat war nicht mehr so wichtig, so zentral für das Leben der Menschen. Das ist in einem monolithischen politischen System wie Nordkorea eine ernste Bedrohung. Man hat in Pyongyang seinerzeit genau geschaut, was in Osteuropa passiert ist, und hat nun Angst vor einer Wiederholung der Ereignisse.
Auch die kompromisslose Politik der Bush-Regierung gegen die sogenannte Achse des Bösen hat große Sorge bei der Führung ausgelöst. Also versucht man seit ca. 5 Jahren, die erst 2002 eingeführten Marktreformen wieder rückgängig zu machen. Das geht aber nicht so einfach, daher nun diese de facto Enteignung eines großen Teils des Mittelstandes. Betroffen sind vor allen jene, die ihr Geld nicht in Devisen oder Sachwerte umgetauscht haben. Viele haben dies aber wohl noch rechtzeitig geschafft, es leiden also vor allem die kleinen Händler.

Ist das der richtige Weg, um die dramatisch fortschreitende Inflation zu bekämpfen? Natürlich nicht. Kurzfristig wird es funktionieren, aber das Grundproblem bleibt doch unverändert erhalten – die Nachfrage ist viel größer, als das Angebot. Das gilt für so ziemlich alles, von Reis bis Elektronik. Die Inflation kehrt also bald zurück. Die einzige wirkliche Lösung wäre eine Ausweitung des Angebotes, das aber braucht Wirtschaftswachstum. Damit sind wir dann wieder bei der Nuklearfrage, denn dieses Druckmittel wird auch eingesetzt, um Wirtschaftshilfen zu erhalten.

Wird man den neuen Mittelstand tatsächlich abschaffen können? Auch hier bin ich skeptisch. Die Menschen in Nordkorea haben erstmals gelernt, wie es ist, mit Geld umzugehen und individuell zu produzieren, zu verkaufen, zu handeln. Dieses Wissen kann man nicht hinwegkommandieren. Bei der nächsten Gelegenheit werden die Märkte wieder funktionieren.
Und vergessen wir nicht das politische Risiko. Wer de facto enteignet wurde, wird darüber nicht erfreut sein. Entweder, man macht das System gleich dafür verantwortlich und revoltiert, oder es baut sich Frustration auf, und zwar in hohem Maße. Dann genügt in Zukunft ein Funke, um die Bombe zum Platzen zu bringen. In den ehemaligen sozialistischen Ländern Europas war es schließlich genauso.

Die systematische Isolation des Staates sorgt dafür, dass glaubwürdige Meldungen und Informationen aus dem Land rar gesät sind. Haben Sie dennoch eine Vermutung, ob die Währungsreform möglicherweise erstmals Proteste – in welcher Form auch immer - hervorrufen könnte?

Es gibt dazu in der Tat einzelne Meldungen, doch ich bin da eher vorsichtig. Ein großes Risiko für die innere Stabilität war die Maßnahme auf jeden Fall. Wie auch immer dies jetzt ausgeht, Frustration ist mit Sicherheit entstanden. Dass diese irgendwann einmal offen ausbrechen wird, ist klar – nur wann, das wissen wir nicht. Denken Sie an die DDR: dort haben am 7. Oktober 1989 noch Zehntausende winkend, doch innerlich abwesend an der alternden Führung vorbeiparadiert. Der Staat hatte längst die Herzen der Menschen verloren, aber zum Aufstand kam es nicht. Doch nur zwei Tage später in Leipzig gab es die erste große Montagsdemonstration, in mehrfacher Hinsicht ein wahres Wunder. Nach einem Monat fiel die Mauer und weniger als ein Jahr später war die DDR verschwunden. So schnell kann es gehen, wenn die Menschen hinreichend unzufrieden sind.

Erst vor kurzem erhitzte eine militärische Auseinandersetzung in der Region die Gemüter. Ein nordkoreanisches Patrouillenboot ist in südkoreanische Gewässer eingedrungen und wurde daraufhin beschossen. Nebst eigenem Nuklearprogramm stellt dies nur eine der zahlreichen Provokationen seitens der kommunistischen Diktatur dar. Steht das Land am Rande einer Eskalation?

Dort steht es permanent. Außenpolitischer Druck ist eine Notwendigkeit für das Regime, um die Belagerungsmentalität im Lande aufrechtzuerhalten. Auch wäre es aus Sicht Nordkoreas fatal, wenn die umliegenden Länder das Interesse verlieren würden. Das ist schon einmal passiert, Anfang der 1960er Jahre, als sowohl Moskau wie auch Beijing plötzlich ihr Wetteifern um die Gefolgschaft Pyongyangs aufgaben. Einfach so ließen sie sich nicht mehr erpressen. Das Resultat war ein wirtschaftlicher Niedergang, dessen Folgen wir heute noch sehen. Das Atomprogramm ist in diesem Zusammenhang die Garantie, dass sich die USA, China, Südkorea und Japan ein erneutes Ignorieren Nordkoreas nicht mehr leisten können.

Das Regime wird bereits seit längerer Zeit verdächtigt, Raketentechnologie ins Ausland zu verkaufen. Könnte hier auch ein Zusammenhang zum internationalen Terrorismus bestehen?

Dazu habe ich keine Informationen. Ich halte diese Diskussion übrigens für ein Stück weit scheinheilig; der internationale Terrorismus operiert auch (primär?) mit Waffen aus den USA. Waffenhandel ist ein einträgliches Geschäft, das die "Großen" dieser Welt allesamt betreiben. Und Waffen dienen grundsätzlich nur einem, sehr offensichtlichen Zweck. Gute und schlechte Waffen – das ist ein fragwürdiges Konzept. Aus moralischer Sicht gilt es, den Waffenhandel an sich zu verurteilen, und nicht einzelne Staaten. Wer mit zweierlei Maß misst, macht sich schnell unglaubwürdig.

Welche Bedeutung hat die Volksrepublik China für die Aufrechterhaltung des Regimes? Man beachte nur die Vereinbarung der beiden Länder, nordkoreanische Flüchtlinge, die nach China fliehen und entdeckt werden, umgehend zurück ihre Heimat zu schicken – wo meist der sichere Tod wartet?

Die Strafe für Flucht nach China ist weniger hart als seinerzeit in der DDR. In der Regel gibt es Gefängnis beziehungsweise Umerziehungslager von wenigen Wochen oder Monaten. Das ist schlimm genug, aber eben keine Hinrichtung. Ausnahmen wird es leider sicherlich geben, wir sollten es uns aber trotzdem leisten können, aus dem vereinfachenden Kalten-Kriegs-Schema von "Gut gegen Böse" auszubrechen. So einfach ist die Welt nicht. Wenn wir moralisch die Überlegenen sein wollen, dann müssen wir den schweren Weg der differenzierten Sicht gehen. Gefühle sind da selten gute Ratgeber.

Was China angeht: Ohne China würde es Nordkorea sehr schwer fallen, wirtschaftlich und sicherheitspolitisch zu überleben. Beijing ist hier in einer Zwangslage. Nordkorea gilt als Verbündeter, wenngleich ein schwieriger. Wer eine Führungsrolle in der Region beansprucht, wird auch daran gemessen, wie er mit seinen Schutzbefohlenen umgeht. Und ein Zusammenbruch Nordkoreas würde zu vielen unangenehmen Fragen führen: Soll China einmarschieren und die öffentliche Sicherheit aufrechterhalten? Wie würde das international gewertet? Oder soll China zulassen, dass Südkorea den Norden übernimmt und sich damit der Einflussbereich der USA bis an die strategisch wichtige Grenze im Nordosten Chinas ausbreitet? Solange nicht völlig klar ist, wer die Kontrolle im Falle eines Kollapses übernimmt, wird China Nordkorea stabilisieren, wenn auch widerwillig. Andere Länder kalkulieren übrigens sehr ähnlich.

Klar ist: mit der Ausnahme Südkoreas hat keine der beteiligten Parteien ein genuines Interesse an Nordkorea selbst. Meist geht es um strategische Fragen, die weit über dieses kleine und unbedeutende Land hinausgehen. Eine Lösung ist also nicht in Nordkorea zu suchen, sondern eben da, wo diese Interessen liegen. An erster Stelle ist das die Frage des Verhältnisses China – USA, und die der Rolle Chinas in Ostasien. Solange diese Kernfragen nicht adressiert werden, wird der Tanz um Nordkorea noch lange ergebnislos andauern.

Kim Jong-un, der Sohn des amtierenden Diktators Kim Jong-il, wird als sicherer Nachfolger gehandelt. Immerhin besuchte er eine Schule in der Schweiz. Bedeutet dies vielleicht sogar eine Kehrtwende in der zukünftigen Politik?

Von "sicherer Nachfolger" kann überhaupt keine Rede sein. Es gibt in der Tat entsprechende Hinweise, aber diese sind nicht hinreichend belegt. Es wurde auch jahrelang unter Berufung auf „todsichere“ Quellen berichtet, dass Kim Jong-il nach einem Autounfall einen Sprachfehler hat – bis er dann beim Gipfeltreffen mit dem südkoreanischen Präsidenten Kim Dae-jung die Welt mit klaren und deutlichen Sätzen beeindruckte. Was für ein leichter, unverdienter Propagandasieg. Ich war damals im Juni 2000 in Südkorea und konnte die Wirkung mit eigenen Augen mit verfolgen. Unser Hunger nach Informationen über Nordkorea führt oft zu den seltsamsten Resultaten.

Ich erwarte allerdings tatsächlich eine Rückkehr zu Wirtschaftsreformen, allerdings aus sehr pragmatischen Gründen. Das ist von der Führungsperson weitgehend unabhängig. Man hat in Nordkorea verstanden, dass es ohne wirtschaftlichen Erfolg nicht möglich ist, auf Dauer Stabilität und Unabhängigkeit zu bewahren; von einer maßgeblichen Rolle bei der Wiedervereinigung ganz zu schweigen. Man hat auch begriffen, dass der angestrebte wirtschaftliche Erfolg im bestehenden staatswirtschaftlichen System nicht zu erreichen ist. Ferner haben die Versuche von 2002 gezeigt, dass ein Nachahmen des chinesischen Weges – Reformen erst einmal nur in der Landwirtschaft – in Nordkorea mit seiner sehr anderen, eher industriellen volkswirtschaftlichen Struktur nicht funktionieren wird. Es bleibt also nur die Reform in der Verarbeitenden Industrie, also der südkoreanische Weg ab 1961, als es dort eine Entwicklungsdiktatur mit einer Militärregierung an der Spitze gab.
Dafür braucht man aber Kredite aus dem Ausland, und man braucht Zugang zu Exportmärkten. Beides wird ohne Duldung - wenn nicht gar Unterstützung - aus den USA nicht gehen – daher das Atomprogramm und der massive Druck auf Washington, endlich die Beziehungen zu normalisieren, Nordkorea anzuerkennen, den Korea-Krieg zu beenden und die Sanktionen aufzuheben.

Was die Nachfolge von Kim Jong-il angeht, so gehe ich davon aus, dass es keinen dritten "Großen Führer" mehr geben wird, sondern eine kollektive Führung. Dieses Kollektiv wird eine Spitze brauchen, das könnte unter gewissen Umständen auch ein Sohn von Kim Jong-il sein. Aber er würde zweifellos eine andere Rolle als sein Vater und Großvater spielen. Eher wie ein Papst, nicht wie ein Enkel Gottes. Dieser Vergleich ist übrigens nicht so abwegig; Kim Il-sung erlebt in der Tat nahezu religiöse Verehrung in Nordkorea. Von Kim Jong-eun erwarte ich also eher wenig.
Aber hier werden wir abwarten müssen, dies ist eine Gleichung mit zu vielen Unbekannten. Als Ende des 19. Jahrhunderts eine Frau für den noch jungen König Koreas gesucht wurde, entschied man sich für eine Tochter aus einem kleinen, unbedeutenden Clan, in der Annahme, dass dieser keinen Schaden am Machtgefüge würde anrichten können. Das hat sich hinterher als schwere Fehleinschätzung herausgestellt.

Welche Möglichkeiten hat Europa, die Lage auf der Halbinsel zu stabilisieren?

Alle uns bekannten Risiken erwachsen letztlich aus einer Destabilisierung Nordkoreas. Das gilt für eine neue Hungersnot, den Kollaps mit möglichem Bürgerkrieg als Folge, gar eine militärischen Auseinandersetzung zwischen China und den USA um die Vorherrschaft auf der koreanischen Halbinsel. Auch die Verbreitung von Atomwaffen durch Nordkorea gehört zu diesen Risiken.
Was können wir dagegen tun? Da die EU aufgrund fehlender Instrumente kaum wirklich aktiv sein kann, was die direkte Machtprojektion angeht, bleibt uns eigentlich nur eine Stabilisierung Nordkoreas – etwa durch die Lieferung von Nahrungsmitteln im Falle einer drohenden Hungersnot.
Auch gezielte Maßnahmen zum Capacity Building sind sinnvoll, wobei sich in Nordkorea dazu eine erhebliche Skepsis herausgebildet hat. Ich habe seit 2004 mehrfach an solchen Maßnahmen aktiv teilgenommen, in Nordkorea und in der Schweiz, und habe den Wandel in der entsprechenden Haltung miterlebt. Die Führung reagiert sehr sensibel, wenn Europäer allzu offensichtlich versuchen, das System zu unterminieren. Dies ist nicht unverständlich.

Ich erkenne im Westen ein eklatantes Misstrauen in die Wirksamkeit des eigenen Systems. Das verleitet dann schnell zur "zentralen Planung des Wandels" in Nordkorea. Hinterher wundert man sich dann, dass zentrale Planung nicht funktioniert – dabei sollten wir das doch wirklich verstanden haben. Wir verändern das System schon, wenn wir mit Nordkoreanern interagieren, wenn sie uns und unseren Lebensstil kennenlernen und sich so ihre Gedanken machen. Auch Geld ist wichtig; schön ist es, wenn es bei den Armen ankommt, aber auch bei den Reichen ist es gut aufgehoben. Nichts delegitimiert ein System in den Augen seiner Bewohner so sehr wie offensichtliche Korruption der Machthaber.

Nicht zuletzt spielt Europa bereits eine sehr wichtige Rolle als Vermittler. Diese sollten wir uns nicht nehmen lassen, indem wir etwa den 6-Parteien-Gesprächen beitreten. Die EU als neutrale Partei ist immer dann besonders wichtig, wenn bei den offiziellen Gesprächen nichts mehr geht. Ich habe persönlich solchen Treffen auf "neutralem Gebiet" beigewohnt und habe gesehen, wie dankbar Nordkorea und seine gerade offiziell nicht gesprächsbereiten Partner solche Gelegenheiten wahrgenommen haben. Noch im Oktober 2002 war ich auch bei einem Gespräch mit dem nordkoreanischen Vize-Außenminister in Brüssel zugegen. Die damals geäußerten großen Vorhaben sind leider wenig später im Kontext des „Krieges gegen den Terror“ zugrunde gegangen.

Heute ist es schwer, unter den vielen Mitgliedsländern der EU eine einheitliche Meinung zu irgendetwas zu erreichen – von Nordkorea ganz zu schweigen. Es liegt auch zu weit weg und hat keine Lobby. Europas Stärke ist daher eher der bilaterale Multilateralismus, also eine Vielzahl von bilateralen Kontakten, die uns nicht nur eine, sondern viele Politiken erlauben. Natürlicherweise handelt es sich hierbei jedoch eher um Spiele mit kleinen Einsätzen.

Nordkorea hat sich erstmals seit 1966 wieder für die Fußballweltmeisterschaft qualifiziert: eine gute Gelegenheit, das Land ein Stück weit aus der Isolation bringen?

Sie spielen auf die Ping-Pong Diplomatie von Nixon an? Die Voraussetzung wäre, dass man sich im Prinzip schon einig ist und auf eine Gelegenheit wartet, diese Einigung der Öffentlichkeit schonend zu verkaufen. So weit sind wir mit Nordkorea noch lange nicht. Die Teilnahme Nordkoreas an der WM wird also über den puren Unterhaltungswert nicht hinausgehen, es sei denn, die Diplomaten erzielen vorher einen Durchbruch, oder die Realitäten ändern sich maßgeblich.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Christopher Pidun

EMail an Prof. Dr. Rüdiger Frank

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"Barschel – Die Akte": Im Gespräch mit SPIEGEL-Redakteur Sebastian Knauer

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Tel II: Ex-"Stern"-Reporter Gerd Heidemann: Kriege werden am Schreibtisch geplant
Teil III: Ex-"Stern"-Reporter Gerd Heidemann: NS-Recherchen führten zu Konsequenzen
Teil IV: Ex-"Stern"-Reporter Gerd Heidemann: "Journalisten sind immer nur so gut wie ihre letzte Geschichte"

Dschungelbuch: Auf den Spuren der Lobbyisten in Berlin
Prof. Dr. Hans-Joachim Selenz, Wirtschaftsethiker
Dr. Timo Grunden, Universität Duisburg-Essen
Andrea Titz, Staatsanwältin Staatsanwaltschaft München II
Prof. Dr. Joachim Bohnert, Freie Universität Berlin
Dieter Mörlein, Bürgermeister Eppelheim/Baden-Württemberg
Stephan Braun, MdL der SPD in Baden-Württemberg, Journalist
Prof. Dr. Perry Reisewitz, Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation (München)
Prof. Dr. Friedrich Thießen, Technische Universität Chemnitz
Dr. Werner Hoyer, Stellvertretender Vorsitzender und außenpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion
Univ.-Prof. Dr. Markus Heintzen, Dekan der Freien Universität Berlin
Dr. Hermann Otto Solms, FDP, Vizepräsident des Deutschen Bundestages
Prof. Dr. iur. Christian Pestalozza, Freie Universität Berlin
Dr. Heinrich Leonhard Kolb (MdB), Abgeordneter der FDP-Bundestagsfraktion
Prof. Dr. Dr. h.c. Gerhart von Graevenitz, Rektor der Universität Konstanz
Stefan Collet, Vorstandsvorsitzender Studentisches Magazin 360 Grad
Hans-Christian Ströbele, Bündnis 90/Die Grünen
Dr. Gregor Gysi, "Die Linke"
Rainer Brüderle, Stellvertretender Fraktionsvorsitzender der FDP
Dr. Alexander Freiherr von Paleske, Jurist und Mediziner, Südafrika
Bernhard Docke, Anwalt von Murat Kurnaz
Dr. Michael Philipp, Historiker und Publizist
Dr. Malte Olschewski, Journalist und Publizist in Wien
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Sehr informativ!

S. Maurer (Gast) - 9. Dez, 14:32
Sehr informatives Interview, das sich wohltuend von den doch recht oberflächlichen Meldungen anderer Journale abhebt. Auch ich nahm an, das die Nachfolge bereits klar geregelt worden sei. Danke für die Klarstellung und die vielen weiteren Hintergrundinformationen.

Tilmann (Gast) - 8. Jul, 18:20

Dem kann ich nur zustimmen. Ich bin die Redakteursarbeit, die sich die großen Zeitungen leisten, schon lange Leid!

wirklich

E. Schlüter (Gast) - 9. Dez, 14:43
wirklich ein gut verständliches Interview. Ihr seid klasse!

Lachmann, E. (Gast) - 9. Dez, 15:28
die frage ist: gab es jemals einen mittelstand in nordkorea? das bezweifel ich. insofern kann es auch kein ende des mittelstandes geben, wohl aber einen kräftigen rückschritt in sachen bemühungen um marktwirtschaftliche entwicklungen. ob aber die marktwirtchaft, wie wir sie kennen, wirklich so erstrebenswert ist, das mag noch dahingestellt sein. leider gibt es keine alternativen - bis auf jene, des anstands. der ist vielen schlichtweg verloren gegangen und sorgt jetzt für auftrieb im linken und ultralinken bereich.

Tobias (Gast) - 9. Dez, 17:32

Das mit dem Mittelstand ist sicherlich eine Definitionssache. Was wohl definitiv der Fall ist, ist das seit 2002 eine Gruppe von Menschen durch die privaten Märkte zu einem gewissen Wohlstand gekommen ist. Und auf diese Leute hat die Währungsreform wohl unter anderem abgezielt. Ob man das Kind jetzt Mittelstand nennt oder anders ist fast egal (Obwohl ich den Begriff ganz passend finde). Wichtig ist, dass es diese Gruppe von Leuten gibt und dass diese Gruppe in den letzten Jahren relativ autonom vom Staat agiert hat und so zu einem Träger für Veränderungen werden könnte. So oder so.
Lachmann, E. (Gast) - 9. Dez, 18:52

danke für die ausführungen. es läuft darauf hinaus die bevölkerung durch armut willig zu halten. mrktwirtschaftliches verhalten ist das kontraproduktiv.

spannendes thema

rouly20 (Gast) - 9. Dez, 16:24
das in der Öffentlichkeit leider oft untergeht. Zumal die Berichterstattung selten ausführlich und noch seltener fachkundig zu sein scheint. Was wissen wir schon tatsächlich von dieser Diktatur? Umso erfreulicher, an dieser Stelle mehr darüber zu erfahren,

Tolles Interview, Danke!

Tobias (Gast) - 9. Dez, 17:22
Ich kann mich meinen Vorrednern/schreiben eigentlich nur anschließen, endlich mal differenzierte Berichterstattung jenseits der gewöhnlichen, sensationslüsternen und meist auf Gerüchten beruhenden Panikmache die man sonst oft zum Thema Nordkorea zu lesen bekommt. Kompliment auch an Professor Frank, der die Fakten prägnant und klar an den Mann gebracht hat.

währung

Hallodri007 (Gast) - 9. Dez, 19:04
ist die Geldentwertung denn schon durch? Weiß da jemand mehr darüber? Dann gibt es auch neue Scheine und Münzen?

Tobias (Gast) - 9. Dez, 22:21

Also der Plan war, den Geldtausch bis letzten Samstag durchgezogen zu haben. Gibt aber Gerüchte das sich das Ganze etwas verzögert hat. Es gibt auch schon Bilder von den neuen Banknoten. Ich hab was kleines dazu geschrieben. Also wenn du dich dafür interessiert kannst dus auf meinem Blog angucken.
Hallodri007 (Gast) - 10. Dez, 07:52

Danke!

Mach, ich, vielen Dank!

Alle Achtung

rummelsweb (Gast) - 9. Dez, 19:56
ein wirklich guter Beitrag. Ich habe das mit großem Interesse gelesen. Ich selbst verstehe quasi nichts davon, doch vieles scheint mir jetzt viel klarer, was vorher böhmische Dörfer waren.

Dokumentationen

multikulti (Gast) - 9. Dez, 22:12
Gibt es über Nordkorea eigentlich Dokumentationen? Filme oder Videos, das würde mich sehr interessieren.

Tobias (Gast) - 10. Dez, 10:46

Da gibts schon einiges. Ne Youtube Suche bringt dich schon n gutes Stück weiter. Ich würde "Nordkorea - Von Innen" empfehlen. N Doku Film der auf Arte ausgestrahlt wurde und recht objektiv ist.
multikulti (Gast) - 12. Dez, 08:27

Filme

Ich habe jetzt einiges gefunden, vielen Dank für den Hinweis!

Verharmlosend und Unzutreffend

Daniel (Gast) - 10. Dez, 10:29
Bemerkungen wie „Strafen sind weniger hart als in der DDR“ und „es gibt nur Gefängnis bzw. Umerziehungslager von wenigen Wochen oder Monaten“ halte ich für verharmlosend und unverantwortlich. Tatsache ist, dass abgeschobene Flüchtlinge häufig gefoltert werden und in Umerziehungslagern willkürlich und nicht rechtsstaatlich behandelt werden (Sklavenarbeit, Hunger, Folter). Schwangere Frauen werden brutal zu Abtreibungen gezwungen. Auch bei der Flucht über die Grenzen wird häufig auf Flüchtlinge geschossen (wenn die Soldaten nicht bestochen wurden), so dass dort weitaus mehr Menschen ermordet wurden als an der innerdeutschen Grenze (es sind allerdings auch sehr viel mehr Menschen geflüchtet). Bei mehrfachen Fluchtversuchen, Kontakt mit westlichen Ausländern, wenn Flüchtlinge Christen wurden, wurde über Hinrichtungen berichtet. Dieses Interview ignoriert komplett die schlimme Menschenrechtssituation in Nordkorea. Nordkoreaner haben keine Rechte und sind weitaus mehr noch als in der früheren DDR der Willkür der Behörden ausgeliefert.

Lachmann, E. (Gast) - 10. Dez, 11:41

@Daniel: Nicht verstanden?

Vielleicht haben sie den gesamten Kontext des Interviews nicht richtig verstanden. Da wird nichts verharmlost sondern es geht eben genau darum, dass die meisten Sichtweisen auf reinen Spekulationen beruhen. Frank bestreitet nicht, dass es Sanktionen Allerdings lässt er wohl durchklingen, dass viele Äußerungen auch in den Medien einer sachlichen Prüfung kaum standhalten könnten.
Daniel (Gast) - 10. Dez, 14:30

Menschenrechtsverletzungen sind keine Spekulation

Die von mir zitierten Aussagen stehen oben genau so im Text. Wenn man es nicht genau weiß, dann sollte man nicht den Eindruck erwecken, als wäre die Lage der Flüchtlinge nicht so schlimm. Nordkorea ist eine Diktatur mit Unterdrückung, Überwachung und Bestrafung wie im Dritten Reich. Die nordkoreanischen Flüchtlinge kämpfen um ihr Leben. Manche bringen sich um, wenn sie nach Nordkorea deportiert werden sollen (eine sachliche Prüfung darüber wird weder China noch Nordkorea ermöglichen). Die Frage war sicher schlecht gestellt: „Der sichere Tod wartet“ für die Mehrzahl der Deportierten wohl nicht. Bestimmte Flüchtlinge müssen um ihr Leben fürchten. Die Mehrzahl wird gefoltert und nach vielen Monaten Sklavenarbeit und Hunger bei guter Führung als gesellschaftlich Benachteiligte entlassen.
Lachmann, E. (Gast) - 10. Dez, 17:37

widersprüchlich

Ihr Anmerkungen widersprechen sich nun aber ziemlich. Ich halte mich da lieber an die Ausführungen von Frank. Nichts für ungut.

Wirklich interessant

Kopernikus (Gast) - 10. Dez, 10:59
Ein wirklich interessantes Interview. Nur eine Frage dazu. Zitat: "Wir verändern das System schon, wenn wir mit Nordkoreanern interagieren, wenn sie uns und unseren Lebensstil kennenlernen und sich so ihre Gedanken machen."

Wie soll das funktionieren, wenn das Land nicht oder nur kaum bereist werden kann und auch Nord-Koreaner haben kaum Möglichkeiten, zu reisen.

Hinrichtungen in der DDR bei "Republikflucht" ?

TheHouty (Gast) - 10. Dez, 21:49
... eine Anmerkung zu etwas, was mit dem eigentl Thema eigentl nichts zu tun hat: Prof. Frank sagt im Zusammenhang mit dem "Zurückschicken" nordkoreanischer Flüchtlinge aus China nach Nordkorea:

"Die Strafe für Flucht nach China ist weniger hart als seinerzeit in der DDR. In der Regel gibt es Gefängnis beziehungsweise Umerziehungslager von wenigen Wochen oder Monaten. Das ist schlimm genug, aber eben keine Hinrichtung." (???)

Hier wird einfach mal unterschwellig suggeriert, dass in der DDR sog. "Republikflüchtige" (im Gegensatz zu Nordkorea) hingerichtet worden sein, was ein Prof. nun eigentl. besser wissen sollte. Dass die Leute dafür in den Knast gegangen sind, nur weil sie dass Land verlassen wollten oder gar an der Grenze mit ihrem Leben bezahlen mussten, ist furchtbar genug - aber zu behaupten, dass "Republikflüchtige" in der DDR hingerichtet wurden, ist unseriös !

Klarstellung: Hinrichtungen in der DDR

Selbstverständlich gab es in der DDR Hinrichtungen. Allein durch den Schießbefehl an Grenzen wurden viele Menschen kaltblütig erschossen, also hingerichtet. Die genaue Zahl de auf diese Weise getöteten Menschen ist nicht bekannt.

Insofern sind die Ausführungen von Prof. Frank absolut seriös und entsprechen leider den Tatsachen. Im Internet finden Sie reichlich Lektüre zu diesem finsteren Kapitel der ehemaligen DDR.
Daniel (Gast) - 11. Dez, 15:29

Hinrichtungen in Nordkorea

Und genauso gibt es Hinrichtungen in Nordkorea. Durch den Schießbefehl an der Grenze werden viele Menschen getötet und darüberhinaus werden auch Flüchtlinge zur Abschreckung öffentlich hingerichtet (siehe Link zu Amnesty International; sollte vielleicht auch @Lachmann mal lesen). Ich verstehe nicht, wieso Prof. Frank hier auf einen Unterschied zwischen Flucht aus Nordkorea und Flucht aus der DDR hinweisen möchte, den es meiner Meinung nach nicht gibt. Wenn die Anzahl der Flüchtlinge gleich groß wäre, wäre die Bestrafung dieselbe (war auch früher in Nordkorea so), nur bei einer so großen Menge Flüchtlingen kann Nordkorea nicht alle jahrelang inhaftieren oder gar hinrichten. Insofern sind die drohenden Strafen nicht weniger hart. Die absolute Anzahl hingerichteter Flüchtlinge ist in Nordkorea höher und lediglich der relative Anteil hart bestrafter Flüchtlinge ist durch die große Menge geringer.
FRANK (Gast) - 22. Jan, 18:12

Strafe bei Grenzverletzung

Mit meinem Hinweis "aber eben keine Hinrichtung" habe ich mich auf die Frage bezogen, in der es heißt, "wo meist der sichere Tod wartet"

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