Offener Brief: Lehman-Geschädigte sehen Nachbesserungsbedarf zum Entschädigungsangebot der Frankfurter Sparkasse
5. Dezember 2009, 06:00[up] Erfreulicherweise erhielten Lehman-Opfer kürzlich ein befristetes Entschädigungsangebot von der Frankfurter Sparkasse. Dies wird von den Betroffenen ausdrücklich begrüßt, allerdings sieht die Interessengemeinschaft für Lehman-Geschädigte noch einen dringenden Nachbesserungsbedarf. Mit einem Offenen Brief und einem eindringlichen Appell wendet sich Rechtsanwalt Matthias Schröder von der Sozietät LSS LEONHARDT SPÄNLE SCHRÖDER nun stellvertretend für die Lehman-Opfer an die Frankfurter Sparkasse.
Sehr geehrter Herr Vorstandsvorsitzender Grüntker,
sehr geehrte Damen und Herren,
am 26.11.2009 hat die Frankfurter Sparkasse in einer Pressemitteilung
verlautbart, ein Entschädigungsangebot für Lehman-Zertifikateinhaber
zu unterbreiten und hierfür EUR 44 Mio. bereitzustellen.
Die Verfasser dieses Briefes begrüßen es sehr, dass die Frankfurter Sparkasse
den ersten Schritt in die richtige Richtung geht, aber die bekannt gewordenen
näheren Einzelheiten Ihres Vergleichsangebotes werden unsererseits kritisch
gesehen. Sie, sehr geehrter Herr Grüntker, wollen die "Vertrauensbeziehung
zwischen Kunden und Sparkasse hiermit stärken". Das ist jedoch mit diesem
Angebot noch nicht gelungen. Im Einzelnen zu kritisieren ist:
- Das Vergleichsangebot ist bis zum 22.12.2009 befristet. Hierzu ist anzumerken,
dass noch kein Kunde der Frankfurter Sparkasse beziehungsweise keiner
der anwaltlichen Vertreter das ausformulierte Vergleichsangebot gesehen hat.
Die verbleibende Restzeit zu Überlegung und Abwägung ist demnach viel zu
kurz bemessen. Die Frist muss um mindestens drei Monate verlängert werden
und für diesen Zeitraum generell gegenüber allen Kunden auf die Einrede der
Verjährung verzichtet werden. Nur so ist gewährleistet, dass unter Abwägung
aller relevanten Faktoren und vor allem ohne Zeitdruck über das Angebot
entschieden werden kann. Hinsichtlich der Frist ist darauf hinzuweisen,
dass möglicherweise Rückfragen gegenüber der Frankfurter Sparkasse
aufkommen. Für die Beantwortung allgemeiner Fragen hat die Frankfurter
Sparkasse in letzter Zeit teilweise mehrere Wochen benötigt.
- Die Frankfurter Sparkasse verlangt bei Abschluss des Vergleichs nicht nur
einen Verzicht auf alle weiteren Ansprüche aus dem streitgegenständlichen
Geschäft; sie verlangt darüber hinaus die Rückgabe der vom Anleger erworbenen
Lehman-Zertifikate. Bei einer lediglich 50 %igen Entschädigung kann vom
Anleger nicht verlangt werden, dass er die von ihm vollständig bezahlten
Papiere an die Frankfurter Sparkasse zurückgibt und sich damit jedes
Anspruchs aus einer gegebenenfalls erfolgenden Insolvenzquote begibt.
- Anders als andere Sparkassen und Banken hat sich die Frankfurter Sparkasse
zu einem eindimensionalen pauschalen Entschädigungsangebot entschlossen.
Die Sparkasse Hannover hat z.B. ein zusätzliches zeitliches Kriterium in ihre
Vergleichsangebote eingebaut, welches von den Verantwortlichen dieses
Schreibens seinerzeit begrüßt wurde. Hiernach wurden Anleger, die die
Lehman-Zertifikate erst im Jahre 2008 auf Empfehlung erwarben, zu 75 %
entschädigt, während Anleger, die zeitlich vorher erwarben, zu 50 % entschädigt
wurden. Dieses Zeitkriterium ist sinnvoll, da zu erwarten ist, dass auch die
Gerichte dieses als Maßstab anlegen. Im Jahre 2008 war die Schieflage von
Lehman Brothers der Frankfurter Sparkasse bekannt oder hätte zumindest
bekannt sein müssen.
- Das Vergleichsangebot ist auch insoweit nachzubessern, als unstreitig
unerfahrenen Wertpapieranlegern ein weiterer Zuschlag zu zahlen ist.
Diese große Gruppe von Anlegern wird sich vor Gericht nach dem Dafürhalten
der Verantwortlichen dieses Schreibens vollständig durchsetzen. Ein Vergleich
muss immer solchen realen Prozesschancen und –risiken gerecht werden.
Um das Vertrauen Ihrer Kunden zurückzugewinnen, muss das Vergleichsangebot
im obigen Sinne nachgebessert werden. Wir haben Sie hierzu dringend
aufzufordern. Des Weiteren stehen wir Ihnen gern für ein Rundtischgespräch
zur Nachbesserung des Angebotes bereit.
Rechtsanwalt Matthias Schröder
Lehman Stammtisch II
Verweise:
12. EURO FINANCE WEEK: Lehman-Geschädigte mahnen Finanz-Elite ab
Jahrestag der Lehman-Pleite: "Business as usual", doch Kleinanleger stehen weiter im Regen
Verraten und verkauft - Kleinanleger stehen zu Tausenden im Regen
Finanzmarktstabilisierung: "Die sich daraus ergebenden Lasten werden uns bleiben"
Artikelsammlung: Die Finanzkrise
Sehr geehrter Herr Vorstandsvorsitzender Grüntker,
sehr geehrte Damen und Herren,
am 26.11.2009 hat die Frankfurter Sparkasse in einer Pressemitteilung
verlautbart, ein Entschädigungsangebot für Lehman-Zertifikateinhaber
zu unterbreiten und hierfür EUR 44 Mio. bereitzustellen.
Die Verfasser dieses Briefes begrüßen es sehr, dass die Frankfurter Sparkasse
den ersten Schritt in die richtige Richtung geht, aber die bekannt gewordenen
näheren Einzelheiten Ihres Vergleichsangebotes werden unsererseits kritisch
gesehen. Sie, sehr geehrter Herr Grüntker, wollen die "Vertrauensbeziehung
zwischen Kunden und Sparkasse hiermit stärken". Das ist jedoch mit diesem
Angebot noch nicht gelungen. Im Einzelnen zu kritisieren ist:
- Das Vergleichsangebot ist bis zum 22.12.2009 befristet. Hierzu ist anzumerken,
dass noch kein Kunde der Frankfurter Sparkasse beziehungsweise keiner
der anwaltlichen Vertreter das ausformulierte Vergleichsangebot gesehen hat.
Die verbleibende Restzeit zu Überlegung und Abwägung ist demnach viel zu
kurz bemessen. Die Frist muss um mindestens drei Monate verlängert werden
und für diesen Zeitraum generell gegenüber allen Kunden auf die Einrede der
Verjährung verzichtet werden. Nur so ist gewährleistet, dass unter Abwägung
aller relevanten Faktoren und vor allem ohne Zeitdruck über das Angebot
entschieden werden kann. Hinsichtlich der Frist ist darauf hinzuweisen,
dass möglicherweise Rückfragen gegenüber der Frankfurter Sparkasse
aufkommen. Für die Beantwortung allgemeiner Fragen hat die Frankfurter
Sparkasse in letzter Zeit teilweise mehrere Wochen benötigt.
- Die Frankfurter Sparkasse verlangt bei Abschluss des Vergleichs nicht nur
einen Verzicht auf alle weiteren Ansprüche aus dem streitgegenständlichen
Geschäft; sie verlangt darüber hinaus die Rückgabe der vom Anleger erworbenen
Lehman-Zertifikate. Bei einer lediglich 50 %igen Entschädigung kann vom
Anleger nicht verlangt werden, dass er die von ihm vollständig bezahlten
Papiere an die Frankfurter Sparkasse zurückgibt und sich damit jedes
Anspruchs aus einer gegebenenfalls erfolgenden Insolvenzquote begibt.
- Anders als andere Sparkassen und Banken hat sich die Frankfurter Sparkasse
zu einem eindimensionalen pauschalen Entschädigungsangebot entschlossen.
Die Sparkasse Hannover hat z.B. ein zusätzliches zeitliches Kriterium in ihre
Vergleichsangebote eingebaut, welches von den Verantwortlichen dieses
Schreibens seinerzeit begrüßt wurde. Hiernach wurden Anleger, die die
Lehman-Zertifikate erst im Jahre 2008 auf Empfehlung erwarben, zu 75 %
entschädigt, während Anleger, die zeitlich vorher erwarben, zu 50 % entschädigt
wurden. Dieses Zeitkriterium ist sinnvoll, da zu erwarten ist, dass auch die
Gerichte dieses als Maßstab anlegen. Im Jahre 2008 war die Schieflage von
Lehman Brothers der Frankfurter Sparkasse bekannt oder hätte zumindest
bekannt sein müssen.
- Das Vergleichsangebot ist auch insoweit nachzubessern, als unstreitig
unerfahrenen Wertpapieranlegern ein weiterer Zuschlag zu zahlen ist.
Diese große Gruppe von Anlegern wird sich vor Gericht nach dem Dafürhalten
der Verantwortlichen dieses Schreibens vollständig durchsetzen. Ein Vergleich
muss immer solchen realen Prozesschancen und –risiken gerecht werden.
Um das Vertrauen Ihrer Kunden zurückzugewinnen, muss das Vergleichsangebot
im obigen Sinne nachgebessert werden. Wir haben Sie hierzu dringend
aufzufordern. Des Weiteren stehen wir Ihnen gern für ein Rundtischgespräch
zur Nachbesserung des Angebotes bereit.
Rechtsanwalt Matthias Schröder
Lehman Stammtisch II
Verweise:
12. EURO FINANCE WEEK: Lehman-Geschädigte mahnen Finanz-Elite ab
Jahrestag der Lehman-Pleite: "Business as usual", doch Kleinanleger stehen weiter im Regen
Verraten und verkauft - Kleinanleger stehen zu Tausenden im Regen
Finanzmarktstabilisierung: "Die sich daraus ergebenden Lasten werden uns bleiben"
Artikelsammlung: Die Finanzkrise































































