"niiu"-Gründer Wanja Oberhof: "Unser Leser bestimmt, was er lesen möchte"
22. November 2009, 18:30I N T E R V I E W
[Ursula Pidun] Mit einem neuen, mutigen Zeitungsprojekt gingen am vergangenen Montag die Studenten Wanja Oberhof und Hendrik Tiedemann an den Start. Das neue Format einer gedruckten Zeitung soll den Markt erobern und spricht dabei vor allem eine jüngere Klientel an. Der Gedanke dahinter: Leser sollen über die Inhalte ihrer Zeitung weitgehend selbst entscheiden.
Bereits im Jahre 2003 gründeten die beiden Jungunternehmer die InterTi GmbH. Deren Zeitungsprodukt "niiu" ist nun seit Beginn der Woche in aller Munde. Hinter dem Namen verbirgt sich das gesamte Herstellungs- und Vertriebsmanagement, das erforderlich ist, um eine Zeitung auf den Markt zu bringen. Mit einem Mix aus Beiträgen verschiedener Tageszeitungen und kombiniert mit Blog-Inhalten aus dem Netz, soll die neue Zeitung künftig jede Menge Leserherzen erobern. Ganz individuell und gemäß den Vorlieben und Wünschen des Abonnenten werden die entsprechenden Beiträge auf der leicht zu navigierenden Webseite zusammengestellt. Bereits am nächsten Morgen landet die Wunschzeitung in aller Frühe im Briefkasten – und das zu einem fairen Preis.
Ob das Konzept aufgeht und sich am hart umkämpften Markt etablieren kann, steht heute noch in den Sternen. Doch getreu dem alten Sprichwort, "Wer nicht wagt, der nicht gewinnt", gratulieren wir zu dem erforderlichen Mut, den es braucht, um sich in diesen schweren Zeiten an ein StartUp zu wagen, noch dazu im Medienbereich. Wir hatten Gelegenheit, in der Startwoche schnell ein paar neugierige Fragen zu stellen. Im Gespräch mit dem Gründer der "niiu", Wanja Oberhof.
Wanja Oberhof, herzlichen Glückwunsch zum Start von "niiu" Wie kam es zu dieser Idee und was bedeutet der Name der neuen, individuellen Zeitung nach Eigenmaß?
Wir hatten die Idee unabhängig voneinander und wollen mit niiu den Lifestyle und das Informationsverhalten junger Leute abbilden. Wir jungen Leute sind es gewohnt uns vielfältig zu informieren und das nach unseren Interessen. Dieses Verhalten bilden die klassischen Tageszeitungen nicht mehr ab.
niiu ist ein Phantasiewort, welches phonetisch nah an new und news ist und uns auch dank seiner Symmetrie sehr gut gefallen hat.
Teilen Sie sich als "Macher" des neuen Projekts bestimmte Aufgaben?
Klar. Während Hendrik eher das finanzielle und strategische
übernimmt, bin ich für die Partner und die Außendarstellung zuständig.
Seit wann arbeiten Sie am Konzept und an der Umsetzung und wie groß ist das Team hinter "niiu"?
Wir arbeiten inzwischen seit zweieinhalb Jahren an der Idee und das mit einem jungen, zwölfköpfigen Team.
Sind die Mitarbeiter als Partner, Freiberufler oder als Angestellte für "niiu" tätig?
Wir haben alle Formen: studentische Hilfskräfte, Praktikanten, feste Mitarbeiter, freie Mitarbeiter…
Und wie hoch ist Auflage jetzt, zum Startzeitpunkt?
Die Startauflage kommunizieren wir nicht. Wir haben das Ziel, in sechs Monaten 5.000 Leser zu gewinnen und die ersten Zahlen stimmen uns sehr optimistisch.
"niiu" macht es möglich: "Oberhof am Morgen" (per klick zur Vergrößerung)
Gab es auch Startschwierigkeiten?
Ja. Das geben wir offen zu. niiu ist die weltweit erste verkaufte individualisierte Tageszeitung und es war klar, dass es hier und da Kinderkrankheiten geben würde. In den ersten zwei Tagen hatten wir gewisse Probleme mit der Software, die aber von unserem Partner, der Previon AG, schnell behoben wurden. Jetzt arbeiten wir mit Hochdruck an einer zuverlässigen Zustellung.
Sie haben Kooperationsverträge mit Verlagen bekannter Tageszeitungen. Wie schwierig (oder leicht) war es denn, die Verlage für diese Idee der Vermarktung zu gewinnen?
Es war ein langer Weg, die Partner zu gewinnen, aber als wir einige große Partner im Boot hatten wurde es generell sehr viel einfacher.
Sogar die New York Times zählt zu Ihren Partnern. Sind Sie dafür eigens in die Staaten gereist, um die Idee zu präsentieren und schließlich den Vertrag zu schließen?
Nein, die NYT ist glücklicherweise auch in Europa sehr gut aufgestellt und man war gegenüber unserer Idee sehr offen.
Es sollen weitere Kooperationspartner hinzukommen?
Es werden weiter Partner dazu kommen! Wir verhandeln aktuell mit verschiedenen nationalen und internationalen Partnern, werden aber erst Namen nennen, wenn die Verträge unterzeichnet sind.
Sie bieten eine Kombination aus Beiträgen bekannter Tageszeitungen mit Angeboten von Blogs. Das soll auch dazu dienen, diese beiden Komponenten näher zu bringen und noch ein wenig mehr zu befrieden? Die Skepsis gegenüber Blogs ist seitens der Verlage ja zumindest immer noch latent vorhanden, bei manchen Medien ist sie sogar noch recht groß.
Diese Skepsis teilen wir nicht. Generell nehmen wir uns mit einer Beurteilung der Medien zurück, denn unser Leser bestimmt und urteilt, was er lesen möchte.
Welche Kriterien sollten Blogs erfüllen, um teilnehmen zu können?
Sie sollten für niiu Leser relevant und interessant sein und natürlich nicht verfassungsfeindlich, pornographisch oder gegen die Würde des Menschen verstoßen.
Bisher gibt es das Angebot in Berlin. Was genau muss erreicht werden, um das Angebot auf andere Städte auszubauen?
Unser Ziel von 5.000 Lesern. Es gab aber schon jetzt Anfragen aus dem Ausland, das Modell zu lizensieren, auch das ist eine Überlegung wert….
Der wohl schwierigste Part wird sein, die Zeitung von der neuen Idee zu einem anerkannten und dann fast unverzichtbaren Bestandteil der Medienlandschaft zu entwickeln. Mit welchen Mitteln wollen Sie das schaffen?
Grundsätzlich sind wir überzeugt, dass unser Produkt einen solchen Mehrwert bietet, der niiu zu einem unverzichtbaren Teil der Medienlandschaft macht. Hier werden wir natürlich auf verschiedenen Kanälen dafür sorgen, dass niiu als Marke für individualisierte Informationen steht. Das überwiegend positive Feedback der ersten Tage bestärkt uns in der Ansicht, eine Marktlücke zu besetzen.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft im Verlagsbereich, sei es nun Print oder Online?
Ich wünsche mir, dass qualitativ hochwertiger Journalismus genauso eine Zukunft hat wie einfache seichte Informationen und ich bin überzeugt, dass die Diskussion online vs. Print am Thema vorbei geht. Es geht um Inhalte und jeder Leser soll selbst entscheiden, auf welchem Distributionskanal er seine Inhalte bekommt.
Viel Erfolg mit dem Projekt!
Vielen Dank für das Interesse!
Das Interview führte Ursula Pidun
Fotos: "niiu"/InterTi GmbH
Verweise:
Domenika Ahlrichs (NETZEITUNG): "In der Erinnerung verklärt man manches"
Dr. Michael Maier: "Das Ende der Netzeitung ist auch ein Menetekel für die Branche"
"Netzeitung" vom Netz: Bankrotterklärung der ersten deutschen Internet-Tageszeitung
Montgomery und das Wolkensystem der Netzeitung
Montgomerys neue Schäfchen im System
Rupert Murdoch – Der Retter des unabhängigen Qualitätsjournalismus?
Rupert Murdoch – Citizen Kane in der Ära der Globalisierung
Die ZEIT und das Jammern über das Sterben der Printmedien
Bürgerjournalismus als Totengräber der Tageszeitungen?
Zukunft der Medien: Zurück zum "Sturmgeschütz der Demokratie"
Prof. Dr. Perry Reisewitz: "Pressefreiheit ist nicht einfach da"
Weitere Interviews
[Ursula Pidun] Mit einem neuen, mutigen Zeitungsprojekt gingen am vergangenen Montag die Studenten Wanja Oberhof und Hendrik Tiedemann an den Start. Das neue Format einer gedruckten Zeitung soll den Markt erobern und spricht dabei vor allem eine jüngere Klientel an. Der Gedanke dahinter: Leser sollen über die Inhalte ihrer Zeitung weitgehend selbst entscheiden. Bereits im Jahre 2003 gründeten die beiden Jungunternehmer die InterTi GmbH. Deren Zeitungsprodukt "niiu" ist nun seit Beginn der Woche in aller Munde. Hinter dem Namen verbirgt sich das gesamte Herstellungs- und Vertriebsmanagement, das erforderlich ist, um eine Zeitung auf den Markt zu bringen. Mit einem Mix aus Beiträgen verschiedener Tageszeitungen und kombiniert mit Blog-Inhalten aus dem Netz, soll die neue Zeitung künftig jede Menge Leserherzen erobern. Ganz individuell und gemäß den Vorlieben und Wünschen des Abonnenten werden die entsprechenden Beiträge auf der leicht zu navigierenden Webseite zusammengestellt. Bereits am nächsten Morgen landet die Wunschzeitung in aller Frühe im Briefkasten – und das zu einem fairen Preis.
Ob das Konzept aufgeht und sich am hart umkämpften Markt etablieren kann, steht heute noch in den Sternen. Doch getreu dem alten Sprichwort, "Wer nicht wagt, der nicht gewinnt", gratulieren wir zu dem erforderlichen Mut, den es braucht, um sich in diesen schweren Zeiten an ein StartUp zu wagen, noch dazu im Medienbereich. Wir hatten Gelegenheit, in der Startwoche schnell ein paar neugierige Fragen zu stellen. Im Gespräch mit dem Gründer der "niiu", Wanja Oberhof.
Wanja Oberhof, herzlichen Glückwunsch zum Start von "niiu" Wie kam es zu dieser Idee und was bedeutet der Name der neuen, individuellen Zeitung nach Eigenmaß?Wir hatten die Idee unabhängig voneinander und wollen mit niiu den Lifestyle und das Informationsverhalten junger Leute abbilden. Wir jungen Leute sind es gewohnt uns vielfältig zu informieren und das nach unseren Interessen. Dieses Verhalten bilden die klassischen Tageszeitungen nicht mehr ab.
niiu ist ein Phantasiewort, welches phonetisch nah an new und news ist und uns auch dank seiner Symmetrie sehr gut gefallen hat.
Teilen Sie sich als "Macher" des neuen Projekts bestimmte Aufgaben?
Klar. Während Hendrik eher das finanzielle und strategische
übernimmt, bin ich für die Partner und die Außendarstellung zuständig.
Seit wann arbeiten Sie am Konzept und an der Umsetzung und wie groß ist das Team hinter "niiu"?
Wir arbeiten inzwischen seit zweieinhalb Jahren an der Idee und das mit einem jungen, zwölfköpfigen Team.
Sind die Mitarbeiter als Partner, Freiberufler oder als Angestellte für "niiu" tätig?
Wir haben alle Formen: studentische Hilfskräfte, Praktikanten, feste Mitarbeiter, freie Mitarbeiter…
Und wie hoch ist Auflage jetzt, zum Startzeitpunkt?
Die Startauflage kommunizieren wir nicht. Wir haben das Ziel, in sechs Monaten 5.000 Leser zu gewinnen und die ersten Zahlen stimmen uns sehr optimistisch.
"niiu" macht es möglich: "Oberhof am Morgen" (per klick zur Vergrößerung)
Gab es auch Startschwierigkeiten?
Ja. Das geben wir offen zu. niiu ist die weltweit erste verkaufte individualisierte Tageszeitung und es war klar, dass es hier und da Kinderkrankheiten geben würde. In den ersten zwei Tagen hatten wir gewisse Probleme mit der Software, die aber von unserem Partner, der Previon AG, schnell behoben wurden. Jetzt arbeiten wir mit Hochdruck an einer zuverlässigen Zustellung.
Sie haben Kooperationsverträge mit Verlagen bekannter Tageszeitungen. Wie schwierig (oder leicht) war es denn, die Verlage für diese Idee der Vermarktung zu gewinnen?
Es war ein langer Weg, die Partner zu gewinnen, aber als wir einige große Partner im Boot hatten wurde es generell sehr viel einfacher.
Sogar die New York Times zählt zu Ihren Partnern. Sind Sie dafür eigens in die Staaten gereist, um die Idee zu präsentieren und schließlich den Vertrag zu schließen?
Nein, die NYT ist glücklicherweise auch in Europa sehr gut aufgestellt und man war gegenüber unserer Idee sehr offen.
Es sollen weitere Kooperationspartner hinzukommen?
Es werden weiter Partner dazu kommen! Wir verhandeln aktuell mit verschiedenen nationalen und internationalen Partnern, werden aber erst Namen nennen, wenn die Verträge unterzeichnet sind.
Sie bieten eine Kombination aus Beiträgen bekannter Tageszeitungen mit Angeboten von Blogs. Das soll auch dazu dienen, diese beiden Komponenten näher zu bringen und noch ein wenig mehr zu befrieden? Die Skepsis gegenüber Blogs ist seitens der Verlage ja zumindest immer noch latent vorhanden, bei manchen Medien ist sie sogar noch recht groß.
Diese Skepsis teilen wir nicht. Generell nehmen wir uns mit einer Beurteilung der Medien zurück, denn unser Leser bestimmt und urteilt, was er lesen möchte.
Welche Kriterien sollten Blogs erfüllen, um teilnehmen zu können?
Sie sollten für niiu Leser relevant und interessant sein und natürlich nicht verfassungsfeindlich, pornographisch oder gegen die Würde des Menschen verstoßen.
Bisher gibt es das Angebot in Berlin. Was genau muss erreicht werden, um das Angebot auf andere Städte auszubauen?
Unser Ziel von 5.000 Lesern. Es gab aber schon jetzt Anfragen aus dem Ausland, das Modell zu lizensieren, auch das ist eine Überlegung wert….
Der wohl schwierigste Part wird sein, die Zeitung von der neuen Idee zu einem anerkannten und dann fast unverzichtbaren Bestandteil der Medienlandschaft zu entwickeln. Mit welchen Mitteln wollen Sie das schaffen?
Grundsätzlich sind wir überzeugt, dass unser Produkt einen solchen Mehrwert bietet, der niiu zu einem unverzichtbaren Teil der Medienlandschaft macht. Hier werden wir natürlich auf verschiedenen Kanälen dafür sorgen, dass niiu als Marke für individualisierte Informationen steht. Das überwiegend positive Feedback der ersten Tage bestärkt uns in der Ansicht, eine Marktlücke zu besetzen.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft im Verlagsbereich, sei es nun Print oder Online?
Ich wünsche mir, dass qualitativ hochwertiger Journalismus genauso eine Zukunft hat wie einfache seichte Informationen und ich bin überzeugt, dass die Diskussion online vs. Print am Thema vorbei geht. Es geht um Inhalte und jeder Leser soll selbst entscheiden, auf welchem Distributionskanal er seine Inhalte bekommt.
Viel Erfolg mit dem Projekt!
Vielen Dank für das Interesse!
Das Interview führte Ursula Pidun
Fotos: "niiu"/InterTi GmbH
Verweise:
Domenika Ahlrichs (NETZEITUNG): "In der Erinnerung verklärt man manches"
Dr. Michael Maier: "Das Ende der Netzeitung ist auch ein Menetekel für die Branche"
"Netzeitung" vom Netz: Bankrotterklärung der ersten deutschen Internet-Tageszeitung
Montgomery und das Wolkensystem der Netzeitung
Montgomerys neue Schäfchen im System
Rupert Murdoch – Der Retter des unabhängigen Qualitätsjournalismus?
Rupert Murdoch – Citizen Kane in der Ära der Globalisierung
Die ZEIT und das Jammern über das Sterben der Printmedien
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