Im Visier der Fahnder: BayernLB und Hypo Alpe Adria
16. Oktober 2009, 09:00[Dr. Alexander Frhr. von Paleske] 28 Staatsanwälte, 53 Beamte des Landeskriminalamtes und 18 Polizisten haben am vergangenen Mittwoch zeitgleich die BayernLB Zentrale in München und die Zentrale der Hypo Alpe Adria Bank in Klagenfurt durchsucht. Es geht um den Vorwurf der Untreue. Doch es geht durchaus auch um mehr: Konkret um 145 Millionen Euro, die der Finanzinvestor Tilo Berlin im Zusammenhang mit dem Verkauf der Skandalbank an die Bayern LB verdient haben soll. Zu Tilo Berlins Kunden und seiner Vermögensgesellschaft gehören unter anderem auch die Flick- Erben. Der seinerzeitige Aufsichtsratsvorsitzende und ehemalige Vorstand der Hypo Alpe Adria, Wolfgang Kulterer, ist Chef der Flick Stiftung.
Ein Blick zurück
Friedrich Karl Flick, wollte nicht, dass seine Erben eines Tages die angeblich zu hohen Erbschaftssteuern in Deutschland bezahlen müssen. Dort, wo sein Vater Friedrich Flick einst zum Milliardär wurde, nachdem er aus dem Kriegsverbrechergefängnis in Nürnberg entlassen worden war. Sohn FKF wanderte vor seinem Tod mit (Geld)sack und Pack in das Erbschaftssteuerparadies Österreich aus. Im Jahre 2004, also drei Jahre bevor die Bayern LB die Hypo Alpe Adria kaufte, hatte die Bank - damals noch mit Wolfgang Kulterer an der Spitze – mit SWAP-Geschäften bei der damals noch existenten Bank Lehman Broth. mit Hauptsitz in New York 300 Millionen Euro in den Sand gesetzt.
Kulterer ordnete daraufhin an, die Verluste über mehere Jahre in der Bilanz zu verstecken. Als die Sache aufflog - das war noch vor dem Verkauf an die BayernLB - musste er seinen Vorstandsposten räumen, wurde aber von dem mittlerweile verstorbenen Rechtsaußen und Landeshauptmann Kärntens, Jörg Haider, sogleich als Aufsichtsratsvorsitzender eingesetzt. Er zog weiter die Fäden und fädelte auch den Deal mit der Bayern LB ein. Und er wurde außerdem Vorstand der Flick Stiftung. Im vergangenen Jahr wurde Kulterer allerdings wegen Bilanzfälschung rechtskräftig verurteilt.
Tilo Berlin kreuzt auf
Rein zufällig taucht Anfang 2007 auch der mit den Flicks geschäftlich verbundene Tilo Berlin bei der Hypo Alpe- Adria- Bank auf und kauft sich dort mit 4,5 Prozent ein. Zu diesem Zeitpunkt nimmt Kulterer - selbstverständlich ebenfalls rein zufällig - Kontakte mit der Bayerischen Landesbank auf. Diese verlaufen "sehr erfolgreich" und als sich diese positive Entwicklung abzeichnet, kauft Berlin – auch dies natürlich aus reinem Zufall - noch einmal zehn Prozent der Aktien. Diese Aktien reicht er dann bis auf ein Prozent wenige Monate später an die Bayern LB weiter und macht damit 145 Millionen Euro gut. Tilo Berlin - ein geschäftstüchtiger Mann also, der natürlich den Vorwurf des Insiderhandels entrüstet zurückweisen würde. Doch auch seine Büros wurden inzwischen von der Polizei durchsucht. Doch ist er bisher) nicht Beschuldigter.
Zum Finanzskandal der politische Skandal
Die Hypo Alpe- Adria- Bank entwickelte sich nach der Übernahme durch die BayernLB zu einem Fass ohne Boden. Bereits wenige Monate nach dem Kauf im Mai 2007 wurden 441 Millionen Euro für eine Kapitalerhöhung der Hypo Alpe im Dezember 2007 fällig. Ein Jahr später - zu diesem Zeitpunkt hing die Hypo Alpe bereits am Tropf der bayerischen Landesregierung - zahlte sie erneut. Es gingen 699 Millionen Euro an die kostbare Tochter. Bekanntlich musste der österreichische Staat dann noch weiter 900 Millionen Euro aus dem Bankenrettungsfond zuschießen. Um die Verkaufsverhandlungen auch politisch erfolgreich zu gestalten, flog Jörg Haider am 16.5. 2007 nach München und traf dort mit BayernLB Chef Werner Schmidt, aber auch mit Finanzminister Faltlhauser zusammen. Dort folgte das, was die Europäische Union seinerzeit strikt abgelehnt hatte: Rechtsaußen Haider wurde für salonfähig erklärt. Doch nicht nur über die Hypo-Alpe wurde gesprochen , sondern auch über eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Bayern und Kärnten, sozusagen von Landeshauptmann zu Ministerpräsident in spe.
Rechtsaußen Haider und die Fremdenfeindlichkeit
Zur Erinnerung: Als Haiders FPÖ im Jahre 2000 eine Koalition mit der ÖVP einging, entschied die Europäische Union als Antwort darauf, die Kontakte zu Österreich einzuschränken. Haider erhielt Einreiseverbot nach Israel, auch zog Israel seinen Botschafter ab. Er hatte durch Bemerkungen wie etwa: ”Die österreichische Regierung solle sich Adolf Hitlers ordentliche Beschäftigungspolitik als Vorbild nehmen” auf sich aufmerksam gemacht. Fremdenfeindliche Äußerungen kamen im Wochentakt. Auch wollte er den damals noch nicht verurteilten Wirtschaftskriminellen Helmut Elsner des Landes Kärnten verweisen, getreu dem Motto: "Kärnten muss sauber bleiben". Die zweisprachigen Ortsschilder an der Grenze zu Slowenien - dort lebt eine slowenische Minderheit - wollte er entfernen lassen. Daran hinderte ihn jedoch ein Gerichtsbeschluss. Asylanten beschimpfte er als Parasiten. Die Chronik des Hypo Alpe- Skandals lässt sich in unserem Artikel Skandalbank in Österreich - Die Hypo Alpe Adria nachlesen. Nun also hat sich die Justiz der Sache angenommen.
Verweise:
Skandalpe: BayernLB-Tochter Hypo-Alpe-Adria macht weiter von sich reden
Hypo Alpe Adria: Neuer Vorstand Pinkl hüpft von einem Milliardengrab zum nächsten
Skandalbank in Österreich: Die Hypo Alpe Adria
Die Finanzkrise (Artikelsammlung)
Foto: Pressefoto Hypo Alpe Adria
Ein Blick zurück
Friedrich Karl Flick, wollte nicht, dass seine Erben eines Tages die angeblich zu hohen Erbschaftssteuern in Deutschland bezahlen müssen. Dort, wo sein Vater Friedrich Flick einst zum Milliardär wurde, nachdem er aus dem Kriegsverbrechergefängnis in Nürnberg entlassen worden war. Sohn FKF wanderte vor seinem Tod mit (Geld)sack und Pack in das Erbschaftssteuerparadies Österreich aus. Im Jahre 2004, also drei Jahre bevor die Bayern LB die Hypo Alpe Adria kaufte, hatte die Bank - damals noch mit Wolfgang Kulterer an der Spitze – mit SWAP-Geschäften bei der damals noch existenten Bank Lehman Broth. mit Hauptsitz in New York 300 Millionen Euro in den Sand gesetzt.
Kulterer ordnete daraufhin an, die Verluste über mehere Jahre in der Bilanz zu verstecken. Als die Sache aufflog - das war noch vor dem Verkauf an die BayernLB - musste er seinen Vorstandsposten räumen, wurde aber von dem mittlerweile verstorbenen Rechtsaußen und Landeshauptmann Kärntens, Jörg Haider, sogleich als Aufsichtsratsvorsitzender eingesetzt. Er zog weiter die Fäden und fädelte auch den Deal mit der Bayern LB ein. Und er wurde außerdem Vorstand der Flick Stiftung. Im vergangenen Jahr wurde Kulterer allerdings wegen Bilanzfälschung rechtskräftig verurteilt.
Tilo Berlin kreuzt auf
Rein zufällig taucht Anfang 2007 auch der mit den Flicks geschäftlich verbundene Tilo Berlin bei der Hypo Alpe- Adria- Bank auf und kauft sich dort mit 4,5 Prozent ein. Zu diesem Zeitpunkt nimmt Kulterer - selbstverständlich ebenfalls rein zufällig - Kontakte mit der Bayerischen Landesbank auf. Diese verlaufen "sehr erfolgreich" und als sich diese positive Entwicklung abzeichnet, kauft Berlin – auch dies natürlich aus reinem Zufall - noch einmal zehn Prozent der Aktien. Diese Aktien reicht er dann bis auf ein Prozent wenige Monate später an die Bayern LB weiter und macht damit 145 Millionen Euro gut. Tilo Berlin - ein geschäftstüchtiger Mann also, der natürlich den Vorwurf des Insiderhandels entrüstet zurückweisen würde. Doch auch seine Büros wurden inzwischen von der Polizei durchsucht. Doch ist er bisher) nicht Beschuldigter.
Zum Finanzskandal der politische Skandal
Die Hypo Alpe- Adria- Bank entwickelte sich nach der Übernahme durch die BayernLB zu einem Fass ohne Boden. Bereits wenige Monate nach dem Kauf im Mai 2007 wurden 441 Millionen Euro für eine Kapitalerhöhung der Hypo Alpe im Dezember 2007 fällig. Ein Jahr später - zu diesem Zeitpunkt hing die Hypo Alpe bereits am Tropf der bayerischen Landesregierung - zahlte sie erneut. Es gingen 699 Millionen Euro an die kostbare Tochter. Bekanntlich musste der österreichische Staat dann noch weiter 900 Millionen Euro aus dem Bankenrettungsfond zuschießen. Um die Verkaufsverhandlungen auch politisch erfolgreich zu gestalten, flog Jörg Haider am 16.5. 2007 nach München und traf dort mit BayernLB Chef Werner Schmidt, aber auch mit Finanzminister Faltlhauser zusammen. Dort folgte das, was die Europäische Union seinerzeit strikt abgelehnt hatte: Rechtsaußen Haider wurde für salonfähig erklärt. Doch nicht nur über die Hypo-Alpe wurde gesprochen , sondern auch über eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Bayern und Kärnten, sozusagen von Landeshauptmann zu Ministerpräsident in spe.
Rechtsaußen Haider und die Fremdenfeindlichkeit
Zur Erinnerung: Als Haiders FPÖ im Jahre 2000 eine Koalition mit der ÖVP einging, entschied die Europäische Union als Antwort darauf, die Kontakte zu Österreich einzuschränken. Haider erhielt Einreiseverbot nach Israel, auch zog Israel seinen Botschafter ab. Er hatte durch Bemerkungen wie etwa: ”Die österreichische Regierung solle sich Adolf Hitlers ordentliche Beschäftigungspolitik als Vorbild nehmen” auf sich aufmerksam gemacht. Fremdenfeindliche Äußerungen kamen im Wochentakt. Auch wollte er den damals noch nicht verurteilten Wirtschaftskriminellen Helmut Elsner des Landes Kärnten verweisen, getreu dem Motto: "Kärnten muss sauber bleiben". Die zweisprachigen Ortsschilder an der Grenze zu Slowenien - dort lebt eine slowenische Minderheit - wollte er entfernen lassen. Daran hinderte ihn jedoch ein Gerichtsbeschluss. Asylanten beschimpfte er als Parasiten. Die Chronik des Hypo Alpe- Skandals lässt sich in unserem Artikel Skandalbank in Österreich - Die Hypo Alpe Adria nachlesen. Nun also hat sich die Justiz der Sache angenommen.
Verweise:
Skandalpe: BayernLB-Tochter Hypo-Alpe-Adria macht weiter von sich reden
Hypo Alpe Adria: Neuer Vorstand Pinkl hüpft von einem Milliardengrab zum nächsten
Skandalbank in Österreich: Die Hypo Alpe Adria
Die Finanzkrise (Artikelsammlung)
Foto: Pressefoto Hypo Alpe Adria































































