Hans-Joachim Selenz: Offener Brief an den Bundestagsabgeordneten Otto Fricke (FDP)
12. Oktober 2009, 08:00Sehr geehrter Herr Fricke,
am 2. Oktober übersandte ich Herrn Wirtschaftsminister Freiherr zu
Guttenberg die anhängenden Informationen - wie auch in diesem Fall -
in Form eines offenen Briefes.
Da ich nicht weiß, ob das Wirtschaftsministerium Sie und Ihre Kollegen
als Mitglieder des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages
unterrichtet hat, sende ich Ihnen und Ihren Kollegen die Informationen
unmittelbar zu (*siehe Anhang).
Wichtig für die Arbeit des Haushaltsausschusses ist weiterhin, zu
wissen, dass die Preussag/TUI AG in der Vergangenheit massiv Einfluss
auf politische Entscheidungen genommen hat. Dazu wurden Abgeordnete
oder Beamte
" in klassischer Politik nämlich, Geschenke machen, Geld
in Umschlägen unter dem Tisch mit "WG""
aktiv bestochen, wie Ex-MdB Wolf-Dieter Zumpfort am 19. September
2003 als Repräsentant der Preussag/TUI AG in der Tagesschau im
Bericht aus Berlin berichtete.
Eine daraufhin gestellte Strafanzeige (Aktenzeichen 2 Wi Js 214/04)
wurde von der Staatsanwaltschaft Berlin niedergeschlagen.
Begründung: Herr Zumpfort habe die Namen der bestochenen Politiker
oder Beamten nicht genannt....
Sie sollten vor Ihrer Entscheidung bezüglich einer Bürgschaft für
Hapag-Lloyd die kriminelle Historie der Muttergesellschaft
Preussag/TUI AG zumindest berücksichtigen und zudem sicherstellen,
dass kein aktuelles Mitglied des Haushaltsauschusses des Deutschen
Bundestages Geschenke bzw. Geld in Umschlägen unter dem Tisch
mit "WG" von der Preussag/TUI AG erhalten hat.
Wichtige Personen der WestLB/Preusag/TUI-Gruppe, in der ich mich
als Organ der Preussag AG weigerte, eine gefälschte Bilanz zu
unterschreiben, wurden bereits im Jahre 2003 von der SZ
ausdrücklich als "Gangster in Nadelstreifen" bezeichnet.
Muss man sich als deutscher Bürger über den Zustand wichtiger Teile
unseres Staates wundern, wenn einerseits Sekretärinnen wegen des
Verzehrs von belegten Brötchen entlassen und rechtsstaatlich korrekt
arbeitende Manager abberufen werden, während andererseits unter
Aufsicht der informierten Justiz Manager Milliarden veruntreuen und
korrupte Politiker und Beamte gar nicht erst verfolgt werden?
Die relevanten Dokumente habe ich den Botschaften Frankreichs,
Großbritanniens und der USA vollumfänglich postalisch übersandt, da
durch die nicht verfolgte Kriminalität in Deutschland mittlerweile
auch andere Länder geschädigt worden sind.
Mit freundlichen Grüßen
Hans-Joachim Selenz
*Anhang:
-------- Original-Nachricht --------
Datum: Fri, 02 Oct 2009 22:35:23 +0200
Von: "Hans-Joachim Selenz"
An: "Karl-Theodor Guttenberg" , "Bundestag"
CC: "Rechtsausschuss Bundestag" , "BaFin" , "Bundeskanzleramt" ,
"BKA" , "Bundesgerichtshof" , "Generalbundesanwältin"
Betreff: Bürgschaft für Hapag-Lloyd
Sehr geehrter Herr zu Guttenberg,
angesichts der horrenden Beträge, die im Rahmen einer Bürgschaft
für Hapag-Lloyd aktuell bereitgestellt werden sollen, möchte ich
Sie auf die ausgesprochen kriminelle Historie der Muttergesellschaft
TUI AG - vormals Preussag AG - hinweisen.
Als Vorstand der Preussag AG weigerte ich mich im Januar 1998
ausdrücklich, die gefälschte Bilanz der Preussag AG zu unterschreiben
und forderte schriftlich eine Sonderprüfung durch einen zweiten,
unabhängigen WP. Es handelte sich damals um Bilanzmanipulationen
in Höhe von 2,5 Milliarden DM - insbesondere im Anlagenbau.
Die Sonderprüfung wurde formal tatsächlich durchgeführt, nicht
jedoch durch einen zweiten WP sondern durch die WP-Gesellschaft,
welche die gefälschte Bilanz zuvor aufgestellt hatte.
Dabei handelte es sich um C&L in Deutschland und Pw in den USA.
Die Firmen fusionierten kurze Zeit später zu PwC. PwC ist heute
noch WP der Preussag/TUI AG, obwohl sich später sogar herausstellte,
dass Mitglieder des Vorstands von C&L wie auch von Pw von der Preussag
aktiv bestochen worden waren.
Als Folge meiner Weigerung, die gefälschten Zahlen auch nach dieser
"Sonderprüfung" zu unterschreiben, wurde ich am 4. Februar 1998 vom
Aufsichtsrat abberufen, der sodann die gefälschte Bilanz offiziell
absegnete.
Am 16. November 2000 informierte ich die Staatsanwaltschaft Hannover
detailliert über die Betrugsvorgänge. Die Staatsanwälte wurden jedoch
nicht tätig. Als Folge dieser Untätigkeit kollabierte nicht einmal
zwei Jahre später die Babcock Borsig AG.
Die Preussag/TUI AG hatte das Unternehmen in Oberhausen als Müllhalde
für ihre kranken Tochterfirmen missbraucht. Der Finanzschaden allein
dort betrug 5 Milliarden Euro. Zehntausende von Mitarbeitern verloren
zudem ihre Arbeitsplätze.
Die Betrugsvorgänge hatte ich auch bei der Bundesanwaltschaft zur
Anzeige gebracht. Wie sich später herausstellte, ist die deutsche
Justiz jedoch komplett gelähmt, da es der WestLB als Muttergesellschaft
der Preussag TUI AG gelungen war, hochrangige Vertreter beider großen
Parteien in schmutzigste Abhängigkeiten zu bringen.
Als Folge der nicht gestoppten Wirtschaftskriminalität bei der
Preussag/TUI AG ist mittlerweile nicht nur das ehemalige Bundesvermögen
der staatlichen Salzgitter AG in Höhe von 15 Mrd. DM vollständig
vernichtet worden. Wie der Fall Hapag Lloyd zeigt, werden weitere
Milliarden den bereits verbrannten öffentlichen Finanzmitteln folgen.
Von den Schäden werden - wie im Fall VW/Porsche - mittlerweile auch
andere Staaten schwer in Mitleidenschaft gezogen.
Da mit einem korrekten Einschreiten der deutschen Justiz nicht zu
rechnen ist, habe ich die relevanten Dokumente inzwischen den
Botschaften der von der offenen Wirtschaftskriminalität in Deutschland
betroffenen Länder in vollem Umfang übersandt.
Mit freundlichen Grüßen
Hans-Joachim Selenz
P.S. Im Zusammenhang mit der Bürgschaft fuer Hapag Lloyd möchte
ich Sie auf das Gutachten von Cleanstate e. V. zur finanziellen
Situation der HSH Nordbank hinweisen - vorgestellt zusammen mit
Herrn Dr. Marnette im Rahmen einer PK am 21. September in Hamburg.
Sie finden es auf der Homepage des Vereins.
-------------------------------------
Prof. Dr. Ing. Hans-Joachim Selenz ist Wirtschaftsethiker und
1. Vorsitzender der Initiative CLEANSTATE e.V.
Für Recht und Gerechtigkeit in Politik, Staat und Wirtschaft
Verweise:
Dschungelbuch: Auf den Spuren der Lobbyisten in Berlin
am 2. Oktober übersandte ich Herrn Wirtschaftsminister Freiherr zu
Guttenberg die anhängenden Informationen - wie auch in diesem Fall -
in Form eines offenen Briefes.
Da ich nicht weiß, ob das Wirtschaftsministerium Sie und Ihre Kollegen
als Mitglieder des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages
unterrichtet hat, sende ich Ihnen und Ihren Kollegen die Informationen
unmittelbar zu (*siehe Anhang).
Wichtig für die Arbeit des Haushaltsausschusses ist weiterhin, zu
wissen, dass die Preussag/TUI AG in der Vergangenheit massiv Einfluss
auf politische Entscheidungen genommen hat. Dazu wurden Abgeordnete
oder Beamte
" in klassischer Politik nämlich, Geschenke machen, Geld
in Umschlägen unter dem Tisch mit "WG""
aktiv bestochen, wie Ex-MdB Wolf-Dieter Zumpfort am 19. September
2003 als Repräsentant der Preussag/TUI AG in der Tagesschau im
Bericht aus Berlin berichtete.
Eine daraufhin gestellte Strafanzeige (Aktenzeichen 2 Wi Js 214/04)
wurde von der Staatsanwaltschaft Berlin niedergeschlagen.
Begründung: Herr Zumpfort habe die Namen der bestochenen Politiker
oder Beamten nicht genannt....
Sie sollten vor Ihrer Entscheidung bezüglich einer Bürgschaft für
Hapag-Lloyd die kriminelle Historie der Muttergesellschaft
Preussag/TUI AG zumindest berücksichtigen und zudem sicherstellen,
dass kein aktuelles Mitglied des Haushaltsauschusses des Deutschen
Bundestages Geschenke bzw. Geld in Umschlägen unter dem Tisch
mit "WG" von der Preussag/TUI AG erhalten hat.
Wichtige Personen der WestLB/Preusag/TUI-Gruppe, in der ich mich
als Organ der Preussag AG weigerte, eine gefälschte Bilanz zu
unterschreiben, wurden bereits im Jahre 2003 von der SZ
ausdrücklich als "Gangster in Nadelstreifen" bezeichnet.
Muss man sich als deutscher Bürger über den Zustand wichtiger Teile
unseres Staates wundern, wenn einerseits Sekretärinnen wegen des
Verzehrs von belegten Brötchen entlassen und rechtsstaatlich korrekt
arbeitende Manager abberufen werden, während andererseits unter
Aufsicht der informierten Justiz Manager Milliarden veruntreuen und
korrupte Politiker und Beamte gar nicht erst verfolgt werden?
Die relevanten Dokumente habe ich den Botschaften Frankreichs,
Großbritanniens und der USA vollumfänglich postalisch übersandt, da
durch die nicht verfolgte Kriminalität in Deutschland mittlerweile
auch andere Länder geschädigt worden sind.
Mit freundlichen Grüßen
Hans-Joachim Selenz
*Anhang:
-------- Original-Nachricht --------
Datum: Fri, 02 Oct 2009 22:35:23 +0200
Von: "Hans-Joachim Selenz"
An: "Karl-Theodor Guttenberg" , "Bundestag"
CC: "Rechtsausschuss Bundestag" , "BaFin" , "Bundeskanzleramt" ,
"BKA" , "Bundesgerichtshof" , "Generalbundesanwältin"
Betreff: Bürgschaft für Hapag-Lloyd
Sehr geehrter Herr zu Guttenberg,
angesichts der horrenden Beträge, die im Rahmen einer Bürgschaft
für Hapag-Lloyd aktuell bereitgestellt werden sollen, möchte ich
Sie auf die ausgesprochen kriminelle Historie der Muttergesellschaft
TUI AG - vormals Preussag AG - hinweisen.
Als Vorstand der Preussag AG weigerte ich mich im Januar 1998
ausdrücklich, die gefälschte Bilanz der Preussag AG zu unterschreiben
und forderte schriftlich eine Sonderprüfung durch einen zweiten,
unabhängigen WP. Es handelte sich damals um Bilanzmanipulationen
in Höhe von 2,5 Milliarden DM - insbesondere im Anlagenbau.
Die Sonderprüfung wurde formal tatsächlich durchgeführt, nicht
jedoch durch einen zweiten WP sondern durch die WP-Gesellschaft,
welche die gefälschte Bilanz zuvor aufgestellt hatte.
Dabei handelte es sich um C&L in Deutschland und Pw in den USA.
Die Firmen fusionierten kurze Zeit später zu PwC. PwC ist heute
noch WP der Preussag/TUI AG, obwohl sich später sogar herausstellte,
dass Mitglieder des Vorstands von C&L wie auch von Pw von der Preussag
aktiv bestochen worden waren.
Als Folge meiner Weigerung, die gefälschten Zahlen auch nach dieser
"Sonderprüfung" zu unterschreiben, wurde ich am 4. Februar 1998 vom
Aufsichtsrat abberufen, der sodann die gefälschte Bilanz offiziell
absegnete.
Am 16. November 2000 informierte ich die Staatsanwaltschaft Hannover
detailliert über die Betrugsvorgänge. Die Staatsanwälte wurden jedoch
nicht tätig. Als Folge dieser Untätigkeit kollabierte nicht einmal
zwei Jahre später die Babcock Borsig AG.
Die Preussag/TUI AG hatte das Unternehmen in Oberhausen als Müllhalde
für ihre kranken Tochterfirmen missbraucht. Der Finanzschaden allein
dort betrug 5 Milliarden Euro. Zehntausende von Mitarbeitern verloren
zudem ihre Arbeitsplätze.
Die Betrugsvorgänge hatte ich auch bei der Bundesanwaltschaft zur
Anzeige gebracht. Wie sich später herausstellte, ist die deutsche
Justiz jedoch komplett gelähmt, da es der WestLB als Muttergesellschaft
der Preussag TUI AG gelungen war, hochrangige Vertreter beider großen
Parteien in schmutzigste Abhängigkeiten zu bringen.
Als Folge der nicht gestoppten Wirtschaftskriminalität bei der
Preussag/TUI AG ist mittlerweile nicht nur das ehemalige Bundesvermögen
der staatlichen Salzgitter AG in Höhe von 15 Mrd. DM vollständig
vernichtet worden. Wie der Fall Hapag Lloyd zeigt, werden weitere
Milliarden den bereits verbrannten öffentlichen Finanzmitteln folgen.
Von den Schäden werden - wie im Fall VW/Porsche - mittlerweile auch
andere Staaten schwer in Mitleidenschaft gezogen.
Da mit einem korrekten Einschreiten der deutschen Justiz nicht zu
rechnen ist, habe ich die relevanten Dokumente inzwischen den
Botschaften der von der offenen Wirtschaftskriminalität in Deutschland
betroffenen Länder in vollem Umfang übersandt.
Mit freundlichen Grüßen
Hans-Joachim Selenz
P.S. Im Zusammenhang mit der Bürgschaft fuer Hapag Lloyd möchte
ich Sie auf das Gutachten von Cleanstate e. V. zur finanziellen
Situation der HSH Nordbank hinweisen - vorgestellt zusammen mit
Herrn Dr. Marnette im Rahmen einer PK am 21. September in Hamburg.
Sie finden es auf der Homepage des Vereins.
-------------------------------------
Prof. Dr. Ing. Hans-Joachim Selenz ist Wirtschaftsethiker und
1. Vorsitzender der Initiative CLEANSTATE e.V.
Für Recht und Gerechtigkeit in Politik, Staat und Wirtschaft
Verweise:
- Spiegel-Artikel vom Juni 2003: "Größter Betrugsfall der deutschen Wirtschaftsgeschichte"
- Interview mit Prof. Dr. Hans-Joachim Selenz:
Polit-Eingriffe in unser Rechtssystem gefährden die Demokratie
Dschungelbuch: Auf den Spuren der Lobbyisten in Berlin































































