Wahlkampf 2009: Zahnlose Tiger in der Kampfarena
19. August 2009, 09:00K O M M E N T A R
[Ursula Pidun] "Wissen sie schon, wo Sie Ihr Kreuzchen machen?" fragt uns freundlich aufmunternd Maybrit Illner im ZDF. Sehr zum Missfallen der politischen Talkshow-Lady müssten einer Schätzung des Kanzlerkandidaten Steinmeier zufolge etwa 60 Prozent der Wähler heftig negierend den Kopf schütteln. Denn sie entscheiden erst kurz vor der Wahl, falls überhaupt. Und – glaubt man den unzähligen Kommentaren in Foren und Blogs - so wird sich so mancher Bürger noch an der Wahlurne unschlüssig zeigen. Grund genug also für die Parteien, sich kräftig und ernsthafter denn je um jede Stimme zu bemühen.
Das Fauchen der zahnlosen Tiger
Generell sind Kampf-Arenen darauf ausgelegt, Leistung zu zeigen. Dort kämpfen die Besten um das höchste Ranking und den Sieg, den sie im günstigsten Fall mit fairen Mitteln erringen. Doch viel mehr, als einzelne Versuche, mit Hilfe der neuen Medien so etwas wie frischen Wind in alte Strukturen zu bringen, geschieht dort nicht. So faucht zwar der eine oder andere zahnlose Tiger mehr zart als hart Richtung Gegner. Doch trifft er mit unsachlichen Statements allenfalls komplett daneben. Sind sie denn allesamt gedopt, fragt sich so mancher besorgte Bürger, wenn die CSU Front gegen die FDP macht und sie als "Partei ohne Köpfe und Konzept" bezeichnet. Wollte die Union nicht genau mit dieser vermeintlich "kopflosen" Partei eine Allianz eingehen, oder haben wir das bei den hochsommerlichen Temperaturen nur halluziniert?
Keine Antwort auf brennende Fragen
Verbal stark, doch inhaltlich schwächer denn je zeigt sich auch die SPD. Innerhalb von einem Jahrzehnt will sie Arbeit für vier Millionen Menschen schaffen. Sie lässt jedoch vorsichtshalber die Frage nach der Ausrichtung dieser Arbeitsplätze völlig offen. Verständlich, wenn das Misstrauen wächst, es könne sich um eine weitere Ausdehnung des durch die Hartz-Gesetze sprunghaft gestiegenen Billiglohnsektors handeln, der weitere Millionen Menschen in Bedrängnis, existentielle Not, Zukunftsangst und am Ende in Armutsrenten bringt. Während die Bürger geduldig auf die Beantwortung solcher wichtigen Fragen warten, keilt die SPD lieber Richtung CDU. "Die große Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist ihr egal", schimpft SPD-Chef Franz Müntefering und meint damit Kanzlerin Merkel. Sie denke mehr an ihre Karriere als an das Land, kritisiert er weiter. "Frau Merkel hat von Anfang an eine Politik unter der Maßgabe gemacht: Was muss ich tun, damit ich Kanzlerin bleibe?" soll er gepoltert haben. Dabei hat auch die Kanzlerin erst kürzlich medial verbreiten lassen, Arbeit habe Vorfahrt und sie zu schaffen sei sozial. Letzteres ist natürlich nur dann korrekt, wenn diese Arbeit anständig und ausreichend entlohnt wird.
Im Schatten der Vergangenheit
Viel mehr als das Kontern von Hessens Koch bietet die CDU derzeit allerdings auch nicht, auch wenn schwergewichtige Plakate anderes versprechen. Müntefering verhalte sich "unanständig" und seine Vorwürfe seien nichts anderes als ein "Ausraster", grummelt es aus dem Hessenland. Wie wahr, möchte der geneigte Leser zustimmend beipflichten und wartet weiter auf kluge Konzepte. Immerhin - es gibt noch eine Gnadenfrist von sechs Wochen. In der Zeit richtet die CDU die Adenauer-Festspiele aus und die Kanzlerin bereist im nostalgischen "Retro-Trend" die Bundesrepublik. "Auf Adenauers Spuren" soll die Losung in Anlehnung an 60 Jahre Bundesrepublik heißen. Vielleicht ist das ein gutes Zeichen. Der erste Kanzler unserer Republik Konrad Adenauer (Kanzler von 1949 bis 1963) wollte - ebenso wie der zweite Bundeskanzler Ludwig Erhard (Kanzler von 1963 bis 1966) - Wohlstand für alle und nicht nur für einzelne Kasten. Das haben beide Staatsmänner damals auch geschafft. Dies, obwohl die Zeiten zwar anders, aber keinesfalls leichter waren. Man nennt das Fortschritt und nur daran wird Politik bemessen.
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Das Fauchen der zahnlosen Tiger
Generell sind Kampf-Arenen darauf ausgelegt, Leistung zu zeigen. Dort kämpfen die Besten um das höchste Ranking und den Sieg, den sie im günstigsten Fall mit fairen Mitteln erringen. Doch viel mehr, als einzelne Versuche, mit Hilfe der neuen Medien so etwas wie frischen Wind in alte Strukturen zu bringen, geschieht dort nicht. So faucht zwar der eine oder andere zahnlose Tiger mehr zart als hart Richtung Gegner. Doch trifft er mit unsachlichen Statements allenfalls komplett daneben. Sind sie denn allesamt gedopt, fragt sich so mancher besorgte Bürger, wenn die CSU Front gegen die FDP macht und sie als "Partei ohne Köpfe und Konzept" bezeichnet. Wollte die Union nicht genau mit dieser vermeintlich "kopflosen" Partei eine Allianz eingehen, oder haben wir das bei den hochsommerlichen Temperaturen nur halluziniert?
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Verbal stark, doch inhaltlich schwächer denn je zeigt sich auch die SPD. Innerhalb von einem Jahrzehnt will sie Arbeit für vier Millionen Menschen schaffen. Sie lässt jedoch vorsichtshalber die Frage nach der Ausrichtung dieser Arbeitsplätze völlig offen. Verständlich, wenn das Misstrauen wächst, es könne sich um eine weitere Ausdehnung des durch die Hartz-Gesetze sprunghaft gestiegenen Billiglohnsektors handeln, der weitere Millionen Menschen in Bedrängnis, existentielle Not, Zukunftsangst und am Ende in Armutsrenten bringt. Während die Bürger geduldig auf die Beantwortung solcher wichtigen Fragen warten, keilt die SPD lieber Richtung CDU. "Die große Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist ihr egal", schimpft SPD-Chef Franz Müntefering und meint damit Kanzlerin Merkel. Sie denke mehr an ihre Karriere als an das Land, kritisiert er weiter. "Frau Merkel hat von Anfang an eine Politik unter der Maßgabe gemacht: Was muss ich tun, damit ich Kanzlerin bleibe?" soll er gepoltert haben. Dabei hat auch die Kanzlerin erst kürzlich medial verbreiten lassen, Arbeit habe Vorfahrt und sie zu schaffen sei sozial. Letzteres ist natürlich nur dann korrekt, wenn diese Arbeit anständig und ausreichend entlohnt wird.
Im Schatten der Vergangenheit
Viel mehr als das Kontern von Hessens Koch bietet die CDU derzeit allerdings auch nicht, auch wenn schwergewichtige Plakate anderes versprechen. Müntefering verhalte sich "unanständig" und seine Vorwürfe seien nichts anderes als ein "Ausraster", grummelt es aus dem Hessenland. Wie wahr, möchte der geneigte Leser zustimmend beipflichten und wartet weiter auf kluge Konzepte. Immerhin - es gibt noch eine Gnadenfrist von sechs Wochen. In der Zeit richtet die CDU die Adenauer-Festspiele aus und die Kanzlerin bereist im nostalgischen "Retro-Trend" die Bundesrepublik. "Auf Adenauers Spuren" soll die Losung in Anlehnung an 60 Jahre Bundesrepublik heißen. Vielleicht ist das ein gutes Zeichen. Der erste Kanzler unserer Republik Konrad Adenauer (Kanzler von 1949 bis 1963) wollte - ebenso wie der zweite Bundeskanzler Ludwig Erhard (Kanzler von 1963 bis 1966) - Wohlstand für alle und nicht nur für einzelne Kasten. Das haben beide Staatsmänner damals auch geschafft. Dies, obwohl die Zeiten zwar anders, aber keinesfalls leichter waren. Man nennt das Fortschritt und nur daran wird Politik bemessen.
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