Urteil im Fall Bernard Madoff: 150 Jahre Haft für einen Jahrhundert-Betrüger
29. Juni 2009, 17:35AUS NEW YORK CITY
[Jörg Frhr. von Oldershausen] Amerikas größter Anlagebetrüger, Bernard Madoff, verschwindet für immer hinter Gittern. So entschied heute Richter Denny Chin, Federal Court in Downtown Manhattan, New York City und verhängte mit 150 Jahren Haft die höchstmögliche Strafe. Noch im vergangenen Dezember galt Madoff als Geheimtipp unter gewieften Investoren und spielte jahrzehntelang perfekt die Rolle des herausragenden Börsen-Guru und Investmentspezialisten. Bei der letzten Sitzung und Urteilsverkündung in Sachen Madoff kannte Richter Chin kein Erbarmen mit dem Jahrhundertbetrüger, der unzählige Opfer köderte und sie teilweise um ihr gesamtes Vermögen brachte. Der inzwischen 71-jährige Madoff wird damit niemals mehr auch nur einen Schritt in Freiheit verbringen.
Alles nur Schein, Lug und Trug
Jahrzehntelang suggerierte der Anlagebetrüger einer Klientel, die seinen Finanzkünsten blind vertraute, solide Renditen im zweistelligen Bereich und sichere Investments mit horrenden Gewinnen. Alles Schein, Lug und Trug, wie sich herausstellte. Sowohl Investitionen als auch Gewinne, die stets in Abrechnungen fein säuberlich und penibel aufgeführt wurden, waren allesamt fiktiv. Der außergewöhnliche Ruf Madoffs, den der Betrüger durch einem aufwändigen Lebensstil mit Penthouse in New York, Sommerhäusern in Florida, auf Long Island und an der Rivera sowie Jachten, Luxuswagen, Juwelen und einem eigenen Jet-Set nobel und dezent unterstrich, war nicht mehr als eine riesige Luftnummer. Am 12. Dezember 2008 platzte sie und das gesamte betrügerische Konstrukt sackte in sich zusammen. Zurück blieb nicht nur ein Ponzi- Betrug, der in der Geschichte der Vereinigten Staaten seinesgleichen sucht. Auch unzähligen Geschädigten, die teilweise ihr gesamtes Vermögen verloren, werden Madoffs folgenschwere Machenschaften zeitlebens in Erinnerung bleiben.
Haft bis zum letzten Atemzug
Madoffs Anwalt Ira Sorkin hatte nochmals um Milde gebeten und für eine Haftstrafe plädiert, die nicht mehr als 12 Jahre betragen sollte. Die Staatsanwaltschaft unter Marc Litt zeigte sich hingegen hartgesotten und standhaft und verwies auf die 1341 Geschädigten, die teilweise in den Ruin getrieben wurden. Die Größenordnung des angerichteten Schadens sowie mangelnde Kooperations- und Aufklärungsbereitschaft durch Madoff führten schließlich zur Forderung der Staatsanwaltschaft. Sie verlangte das Maximum in Höhe von insgesamt 150 Jahren Haft. Dem folgte Richter Chin in voller Höhe. Unvorstellbare 150 Jahre, die schließlich als Strafmaß verkündet wurden, bedeuten für Bernard Madoff nicht nur einen Freiheitsentzug bis zum letzten Atemzug. Es dient gleichzeitig als Zeichen für die Unverzeihlichkeit seiner Taten und hochkarätigen Betrügereien. Vor der Urteilsverkündung bekundete Madoff sein Bedauern. "Ich weiß, dass ich viel Leid und Schaden angerichtet habe. Ich habe Schande über meinem Namen, meiner Familie und meine Enkelkinder gebracht", äußerte er und wandte sich mit den Worten "Es tut mir leid. Es ist mir klar, dass Ihnen das nicht hilft" an die im Gerichtssaal anwesenden Opfer.
Ermittler Picard schürft nach verschwundenen Milliarden
Abgeschlossen ist der Fall Fall Madoff mit diesem Urteil indes noch nicht. Irving Picard, der durch die FEC eingesetzte Trustee, versucht auch weiterhin, Anlagegelder aufzuspüren oder durch Klagen und Vergleiche einzutreiben. Erst am 26. Juni 2009 akzeptierte Ruth Madoff, die Frau des Beklagten, einen Deal mit der Staatsanwaltschaft und überschrieb das gesamte private Vermögen der Madoffs. Dabei ging es um satte 80 Millionen Dollar. Im Gegenzug behält Ruth Madoff ihre Freiheit und erst einmal 2,5 Millionen Dollar. Doch die werden in Kürze durch kostspielige Anwälte verschluckt. Hunderte Zivilklagen gegen das Ehepaar sind derzeit noch in Bearbeitung. So wird auch Ruth Madoff - ähnlich, wie so viele der Opfer – in Armut enden. Was neben dem unvorstellbar hohen Schaden bleibt, sind ungelöste Rätsel. So konnte bis zum heutigen Tage niemand erklären, wie Bernand Madoff überhaupt in der Lage war, einen Betrug in dieser Größenordnung und über einen derart langen Zeitraum durchzuführen.
Verweise: Der Madoff-Skandal:
Teil I: Vom Börsen-Guru zum größten Anlagebetrüger Amerikas
Teil II: Eintreiber Irving Picard offenbart unvorstellbares Desaster
Teil III: Pokern, tricksen und ein gigantischer Deal mit der Staatsanwaltschaft
Teil IV: Ein Börsen-Guru hinter Gittern
Teil V: Jahrhundertbetrüger Madoff und die Suche nach den verschwundenen Milliarden
Teil VI: Madoff hinter Gittern: Zum Geburtstag gratuliert nur das Schließpersonal
[Jörg Frhr. von Oldershausen] Amerikas größter Anlagebetrüger, Bernard Madoff, verschwindet für immer hinter Gittern. So entschied heute Richter Denny Chin, Federal Court in Downtown Manhattan, New York City und verhängte mit 150 Jahren Haft die höchstmögliche Strafe. Noch im vergangenen Dezember galt Madoff als Geheimtipp unter gewieften Investoren und spielte jahrzehntelang perfekt die Rolle des herausragenden Börsen-Guru und Investmentspezialisten. Bei der letzten Sitzung und Urteilsverkündung in Sachen Madoff kannte Richter Chin kein Erbarmen mit dem Jahrhundertbetrüger, der unzählige Opfer köderte und sie teilweise um ihr gesamtes Vermögen brachte. Der inzwischen 71-jährige Madoff wird damit niemals mehr auch nur einen Schritt in Freiheit verbringen.
Alles nur Schein, Lug und Trug
Jahrzehntelang suggerierte der Anlagebetrüger einer Klientel, die seinen Finanzkünsten blind vertraute, solide Renditen im zweistelligen Bereich und sichere Investments mit horrenden Gewinnen. Alles Schein, Lug und Trug, wie sich herausstellte. Sowohl Investitionen als auch Gewinne, die stets in Abrechnungen fein säuberlich und penibel aufgeführt wurden, waren allesamt fiktiv. Der außergewöhnliche Ruf Madoffs, den der Betrüger durch einem aufwändigen Lebensstil mit Penthouse in New York, Sommerhäusern in Florida, auf Long Island und an der Rivera sowie Jachten, Luxuswagen, Juwelen und einem eigenen Jet-Set nobel und dezent unterstrich, war nicht mehr als eine riesige Luftnummer. Am 12. Dezember 2008 platzte sie und das gesamte betrügerische Konstrukt sackte in sich zusammen. Zurück blieb nicht nur ein Ponzi- Betrug, der in der Geschichte der Vereinigten Staaten seinesgleichen sucht. Auch unzähligen Geschädigten, die teilweise ihr gesamtes Vermögen verloren, werden Madoffs folgenschwere Machenschaften zeitlebens in Erinnerung bleiben.
Haft bis zum letzten Atemzug
Madoffs Anwalt Ira Sorkin hatte nochmals um Milde gebeten und für eine Haftstrafe plädiert, die nicht mehr als 12 Jahre betragen sollte. Die Staatsanwaltschaft unter Marc Litt zeigte sich hingegen hartgesotten und standhaft und verwies auf die 1341 Geschädigten, die teilweise in den Ruin getrieben wurden. Die Größenordnung des angerichteten Schadens sowie mangelnde Kooperations- und Aufklärungsbereitschaft durch Madoff führten schließlich zur Forderung der Staatsanwaltschaft. Sie verlangte das Maximum in Höhe von insgesamt 150 Jahren Haft. Dem folgte Richter Chin in voller Höhe. Unvorstellbare 150 Jahre, die schließlich als Strafmaß verkündet wurden, bedeuten für Bernard Madoff nicht nur einen Freiheitsentzug bis zum letzten Atemzug. Es dient gleichzeitig als Zeichen für die Unverzeihlichkeit seiner Taten und hochkarätigen Betrügereien. Vor der Urteilsverkündung bekundete Madoff sein Bedauern. "Ich weiß, dass ich viel Leid und Schaden angerichtet habe. Ich habe Schande über meinem Namen, meiner Familie und meine Enkelkinder gebracht", äußerte er und wandte sich mit den Worten "Es tut mir leid. Es ist mir klar, dass Ihnen das nicht hilft" an die im Gerichtssaal anwesenden Opfer.
Ermittler Picard schürft nach verschwundenen Milliarden
Abgeschlossen ist der Fall Fall Madoff mit diesem Urteil indes noch nicht. Irving Picard, der durch die FEC eingesetzte Trustee, versucht auch weiterhin, Anlagegelder aufzuspüren oder durch Klagen und Vergleiche einzutreiben. Erst am 26. Juni 2009 akzeptierte Ruth Madoff, die Frau des Beklagten, einen Deal mit der Staatsanwaltschaft und überschrieb das gesamte private Vermögen der Madoffs. Dabei ging es um satte 80 Millionen Dollar. Im Gegenzug behält Ruth Madoff ihre Freiheit und erst einmal 2,5 Millionen Dollar. Doch die werden in Kürze durch kostspielige Anwälte verschluckt. Hunderte Zivilklagen gegen das Ehepaar sind derzeit noch in Bearbeitung. So wird auch Ruth Madoff - ähnlich, wie so viele der Opfer – in Armut enden. Was neben dem unvorstellbar hohen Schaden bleibt, sind ungelöste Rätsel. So konnte bis zum heutigen Tage niemand erklären, wie Bernand Madoff überhaupt in der Lage war, einen Betrug in dieser Größenordnung und über einen derart langen Zeitraum durchzuführen.
Verweise: Der Madoff-Skandal:
Teil I: Vom Börsen-Guru zum größten Anlagebetrüger Amerikas
Teil II: Eintreiber Irving Picard offenbart unvorstellbares Desaster
Teil III: Pokern, tricksen und ein gigantischer Deal mit der Staatsanwaltschaft
Teil IV: Ein Börsen-Guru hinter Gittern
Teil V: Jahrhundertbetrüger Madoff und die Suche nach den verschwundenen Milliarden
Teil VI: Madoff hinter Gittern: Zum Geburtstag gratuliert nur das Schließpersonal
































































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