Tony Buckingham: Vom Afrika-Söldner zum Milliardär
26. Juni 2009, 10:30
[Dr. Alexander Frhr. von Paleske] Anfang Juni lief eine Nachricht über den Ticker, von der in Deutschland praktisch keine Notiz genommen wurde: Die britische Firma "Heritage- Oil" schließt sich mit der türkischen Firma "Genel Energy International" zusammen. Dadurch entsteht ein Erdöl-Explorationskonzern, dessen Wert rund 5,5 Milliarden Dollar beträgt. Diese neue Firma ist einer der größten Exploratoren in Kurdistan, einer Gegend des Irak, in der reichlich Erdöl vermutet wird. Demnächst wird die neue Firma auch in die Hitliste jener britischen Firmen aufgenommen, die dem sogenannten FTSE-100-Aktienindex zuzuordnen sind. Normalerweise können wir solche Nachrichten getrost dem Wirtschaftsteil anderer Zeitungen überlassen. Doch der Blick hinter die Kulissen lohnt, denn 30-prozentiger Anteilseigner und Chef der Firma Heritage Oil ist der ehemalige Afrika- Söldner Tony Buckingham, der nun zum Milliardär wurde.
Buckingham – der Mann hinter der Meldung
Die Ursprünge seines Reichtums kommen aus Söldner- und Minengeschäften mit instabilen Regierungen in Afrika. Zwei Namen stehen für die Söldner-Geschäfte: Executive Outcomes und Sandline. Mit dabei seinerzeit auch Simon Mann, der zusammen mit dem missratenen Sohn der britischen Premierministerin Margaret Thatcher im März 2004 den ölreichen afrikanischen Staat Aequatorial Guinea erobern wollte. Simon Mann sitzt mittlerweile eine Gefängnisstafe von 34 Jahren in Malabo, der Hauptstadt Aequatorial Guineas ab. Der Deutsche Gerhard Eugen Merz, ebenfalls Mitglied des Eroberungskommandos, starb in diesem Gefängnis wenige Tage nach seiner Festnahme am 17. März 2004, wir berichteten darüber. Ebenfalls seinerzeit mit dabei war auch Tim Spicer, der sich im Jahre 2000 selbständig machte und eine neue Söldnerfirma namens Aegis gründete. Nach dem Einmarsch in den Irak erhielt Spicer nicht nur sofort einen 293-Millionen US Dollar Söldner-Vertrag von der US-Regierung, sondern im Jahre 2007 auch eine Vertragsverlängerung über mehr als 400 Millionen US Dollar.
Vom Soldaten zum Söldner
Wie so viele Söldnerkarrieren hatte auch die Karriere des Tony Buckingham bei der britischen Armee angefangen und zwar bei der Spezialeinheit SBS, das maritime Gegenstück zur SAS. Später wurde er Taucher im Dienste von Erdölfirmen, bevor er sich der einträglicheren Tätigkeit des Afrika-Söldners und Erdöl-Explorateurs zuwandte. In Afrika gründete Buckingham ein Anzahl von Firmen, einige davon zusammen mit dem Chef und Gründer von Executive Outcomes Eben Barlow. Barlow ist ein ehemaliges Mitglied der südafrikanischen Apartheid-Todesschwadron Civil Cooperation Bureau und er war es auch, der für Buckingham den Söldnernachschub organisierte. Diese Söldner waren ehemalige Mitglieder von Südafrikas Terror- , Mörder- und Zerstörungskommandos wie etwa dem 32. Buffalo Battalion, den 1-5 Reconnaissance Commandos (Recce), der 44. Parachute Brigade und eben der Todesschwadron Civil Cooperation Bureau.
Geschäftsprinzip: Minen gegen Söldner
Unter Buckingham entstand ein Minen- und Militärkonglomerat, das Dependancen in Angola, Sierra Leone, Zaire (jetzt Demokratische Republik Kongo) Kenia und Uganda unterhielt. Inklusive einer Fluglinie namens Ibis-Air, die von dem Johannesburger Flughafen Lanseria die Waffen- und Söldnertransporte übernahm. Zusammen mit Robert Friedland, ehemaliger Drogenbaron und nunmehr Minenmagnat, gründete Buckingham die Firma DiamondWorks, ebenfalls in Afrika unterwegs. Buckinghams Geschäftsprinzip: Minenrechte gegen Söldner und Waffen. Das funktionierte prächtig in Ländern wie Sierra Leone und Angola, also in bürgerkriegsgeschüttelten Ländern, die reich an Rohstoffen waren. In Kenia machte er darüberhinaus den nunmehr international gesuchten Verbrecher Sanjivan Ruprah zum Geschäftsführer seiner kenianischen Dependance "Branch Energy". Auch seine Ölexplorationen in Uganda sollten Erwähnung finden. Die Ölfunde in Uganda und jüngst auch jene in Kurdistan ließen den Kurs der Aktien seiner Firma "Heritage Oil" explodieren und machte sie für Merger interessant.
Verweise:
Mark Thatcher: frisch verheiratet, per Haftbefehl gesucht
Giftgas und Milliardenbetrug
Simon Mann packt aus
Der Wonga-Coup
Söldner, Gauner, Waffen und Rohstoffe
Toxic Bob alias Robert Friedland - die Erfolgsgeschichte eines Minenbarons und Umweltverschmutzers


























Institut für Staats-






























