Israel: Benyamin Netanyahu hat gesprochen, doch gesagt hat er nichts
12. Juni 2009, 11:35AUS TEL AVIV:
[Nirit Sommerfeld] Benyamin Netanyahu hat gesprochen. Die in Israel und den USA mit kritischer Spannung erwartete Replik auf die große, visionäre Rede des amerikanischen Präsidenten im Auditorium der Kairoer Universität fand in der Bar Ilan Universität bei Tel Aviv vor ausgewähltem Publikum statt. Doch sie war bestenfalls der Abklatsch einer historischen Ansprache. Trotz oder vielleicht gerade wegen ihrer Schalheit und hohler Phrasen hat sie unterschiedlichste Reaktionen in Israel hervorgebracht.
Linke, Aufgeklärte und Europäer wandten sich mit Abscheu und Ärger vor allem über das Nichtgesagte ab. Bereits während der Ansprache protestierten Rechts-Orthodoxe und Siedler vor den Toren der Universität. Die einen kritisierten vor allem das leere Pathos, die Auslassung der Siedlerproblematik, die nicht erwähnte arabische Friedensinitiative, Selbstgerechtigkeit und den Fingerzeig auf die Fehler der Gegenseite. Ohne jegliche Selbstkritik witterten. Andere in der Vorstellung eines demilitarisierten palästinensischen Staates bereits die drohende Gefahr eines möglichen Siedlerabzugs und bezichtigten den Premier des Verrats.
Über eines dürften sich ausnahmsweise beide Seiten allerdings einig sein: Die Rede hat die Erwartungen nicht erfüllt. Weder hat Netanyahu die Chance seines Lebens genutzt und eine Wende in der israelischen Politik eingeläutet, in dem er konkrete Schritte zu einem zumindest schrittweisen Abzug aus der Westbank und einem Ende der Besatzung angekündigt hätte. Andererseits hat er sich auch nicht eindeutig auf die Seite seines rechten Lagers geschlagen. Vielmehr hat er ausgesprochen, was im Grunde schon längst Fakt ist, nämlich das Bestehen eines von Israel kontrollierten einzigen Staates, der sich vom Mittelmeer bis an den Jordan erstreckt.
Stattdessen war er der Frontmann einer provinziellen Veranstaltung, wiederholte endlos die Plattitüden von der israelischen Sehnsucht nach Frieden, käute das Altbekannte wieder und reichte den Ball schnell weiter. Getreu dem Motto: "Wir wollen Frieden. Sollen die Anderen was dafür tun!". Erstaunlicherweise reagierte Präsident Obama positiv auf die Rede und äußerte, sie sei ein erster Schritt in die richtige Richtung. Das wertet zwar nicht die Rede, dafür aber Barack Obama auf. Denn offensichtlich versteht der amerikanische Präsident von diesem Nahostkonflikt mehr, als die meisten Politiker und vor allem mehr, als ihm bisher zugetraut wurde. Schließlich befinden wir uns im Orient. Und da wird gefeilscht. Ohne lange Verhandlungen kommt kein Handel zustande.
Das weiß auch Danny, ein befreundeter Fotograf, der die ganze Aufregung um die 'große Rede' nicht recht begreifen kann. "Who listens?" – Wer hört schon zu, wenn Benyamin Netanyahu – hierzulande auch Bibi – genannt - spricht? Seine Art zu reden sei farblos und unauthentisch, glaubt er. Davon abgesehen sei es vollkommen belanglos, was er sage. Seine Handlungen würden seine Worte ohnehin Lügen strafen. Ebenso gut hätte er vom sofortigen Abzug der Siedlungen sprechen können. Entscheidend sei schließlich, welche Taten folgten. Und dies bleibt abzuwarten. Bibi hat also gesprochen. Gesagt hat er nichts.
Rede Netanyahu in der Bar Ilan Universität bei Tel Aviv am 14. 06 2009:
Teil II:
Teil III:
Verweise:
Schlupfloch Sicherheitszaun: Palästinensische Arbeiter in Israel (1)
Sicherheitszaun: Palästinensische Arbeiter in Israel (2)
[Nirit Sommerfeld] Benyamin Netanyahu hat gesprochen. Die in Israel und den USA mit kritischer Spannung erwartete Replik auf die große, visionäre Rede des amerikanischen Präsidenten im Auditorium der Kairoer Universität fand in der Bar Ilan Universität bei Tel Aviv vor ausgewähltem Publikum statt. Doch sie war bestenfalls der Abklatsch einer historischen Ansprache. Trotz oder vielleicht gerade wegen ihrer Schalheit und hohler Phrasen hat sie unterschiedlichste Reaktionen in Israel hervorgebracht.
Linke, Aufgeklärte und Europäer wandten sich mit Abscheu und Ärger vor allem über das Nichtgesagte ab. Bereits während der Ansprache protestierten Rechts-Orthodoxe und Siedler vor den Toren der Universität. Die einen kritisierten vor allem das leere Pathos, die Auslassung der Siedlerproblematik, die nicht erwähnte arabische Friedensinitiative, Selbstgerechtigkeit und den Fingerzeig auf die Fehler der Gegenseite. Ohne jegliche Selbstkritik witterten. Andere in der Vorstellung eines demilitarisierten palästinensischen Staates bereits die drohende Gefahr eines möglichen Siedlerabzugs und bezichtigten den Premier des Verrats.
Über eines dürften sich ausnahmsweise beide Seiten allerdings einig sein: Die Rede hat die Erwartungen nicht erfüllt. Weder hat Netanyahu die Chance seines Lebens genutzt und eine Wende in der israelischen Politik eingeläutet, in dem er konkrete Schritte zu einem zumindest schrittweisen Abzug aus der Westbank und einem Ende der Besatzung angekündigt hätte. Andererseits hat er sich auch nicht eindeutig auf die Seite seines rechten Lagers geschlagen. Vielmehr hat er ausgesprochen, was im Grunde schon längst Fakt ist, nämlich das Bestehen eines von Israel kontrollierten einzigen Staates, der sich vom Mittelmeer bis an den Jordan erstreckt.
Stattdessen war er der Frontmann einer provinziellen Veranstaltung, wiederholte endlos die Plattitüden von der israelischen Sehnsucht nach Frieden, käute das Altbekannte wieder und reichte den Ball schnell weiter. Getreu dem Motto: "Wir wollen Frieden. Sollen die Anderen was dafür tun!". Erstaunlicherweise reagierte Präsident Obama positiv auf die Rede und äußerte, sie sei ein erster Schritt in die richtige Richtung. Das wertet zwar nicht die Rede, dafür aber Barack Obama auf. Denn offensichtlich versteht der amerikanische Präsident von diesem Nahostkonflikt mehr, als die meisten Politiker und vor allem mehr, als ihm bisher zugetraut wurde. Schließlich befinden wir uns im Orient. Und da wird gefeilscht. Ohne lange Verhandlungen kommt kein Handel zustande.
Das weiß auch Danny, ein befreundeter Fotograf, der die ganze Aufregung um die 'große Rede' nicht recht begreifen kann. "Who listens?" – Wer hört schon zu, wenn Benyamin Netanyahu – hierzulande auch Bibi – genannt - spricht? Seine Art zu reden sei farblos und unauthentisch, glaubt er. Davon abgesehen sei es vollkommen belanglos, was er sage. Seine Handlungen würden seine Worte ohnehin Lügen strafen. Ebenso gut hätte er vom sofortigen Abzug der Siedlungen sprechen können. Entscheidend sei schließlich, welche Taten folgten. Und dies bleibt abzuwarten. Bibi hat also gesprochen. Gesagt hat er nichts.
Rede Netanyahu in der Bar Ilan Universität bei Tel Aviv am 14. 06 2009:
Teil II:
Teil III:
Verweise:
Schlupfloch Sicherheitszaun: Palästinensische Arbeiter in Israel (1)
Sicherheitszaun: Palästinensische Arbeiter in Israel (2)































































