Machtkampf im Iran: Rafsandschani, der Mann im Hintergrund
12. Juni 2009, 16:45K O M M E N T A R
[Dr. Alexander Frhr. von Paleske] Wer heute die Demonstrationen in Teheran gesehen hat, der fühlt sich vielleicht unwillkürlich an die letzten Tage des Schahs im Jahre 1979, also vor dreißig Jahren, erinnert. Die Demonstranten wollen nicht aufgeben, vorerst jedenfalls nicht. Doch wer spielt die Rolle, die einst Ayatollah Khomeini im Jahre 1979 gespielt hat? Die Antwort lautet: Ali Akbar Hashemi Rafsandschani, der die Präsidentschaftswahlen vor vier Jahren gegen Mahmoud Ahmadinejad demokratisch und glatt verloren hatte.
Wer ist Rafsandschani?
Rafsandschani war iranischer Präsident von 1989 bis 1997 und enger Vertrauter des Ayatollah Khomeini. Und er war und ist ein Netzwerker, dessen Verbindungen bis tief in die Reihen der Geistlichen in Qom reichen. Dort, wo er einstmals studierte. Rafsandschanist ist derzeit Vorsitzender des Expertenrats. Und er ist steinreich, unpopulär und bis auf die Zähne korrupt.
Rafsandschani hat in den Jahren des Konflikts mit dem Irak und danach offenbar Milliarden an Waffengeschäften verdient. Waffengeschäfte, die zum großen Teil über Israel liefen, einschließlich der Transporte von chemischen Massenvernichtungswaffen. Rafsandschani hat Blut an den Händen, viel Blut. Gegner der Regierung des Iran hat er während seiner Regierungszeit reihenweise sowohl im Inland wie im Ausland töten lassen. Er gilt als pragmatisch, was immer man darunter verstehen mag und er war es auch, der Ayatollah Khomeini nach den Giftgasangriffen des Irak überzeugte, das vom Schah begonnene Atomprogramm wieder aufzunehmen, dessen Einstellung Khomeini angeordnet hatte. Khomeini sah in den Atomwaffen westliches Teufelszeug. Eine dahingehende Fatwa gibt es aber wohl nicht, oder sie wurde nicht veröffentlicht.
Rafsandschani gegen Khamenei
Der jetzige Machtkampf im Iran spielt sich nicht etwa zwischen Mousavi und Ahmadinejad ab, sondern zwischen Rafsandschani und dem Mann hinter Ahmadinejad und zwar dem Paten Ayatollah Khamenei. Rafsandschani soll sich angeblich in Qom aufhalten. Dort will er versuchen, die Versammlung der 86 Religionsexperten zu beeinflussen, entweder Khamenei abzuwählen, oder ihn zu Neuwahlen zu zwingen. Rafsandschani hat kein Geheimnis daraus gemacht, dass er die Politik von Ahmadinejad für falsch hält, für grundfalsch. Er macht ihn für die wirtschaftlichen Probleme des Iran verantwortlich und für die außenpolitische Isolierung. So verfolgt Rafsandschani - und mit ihm Mousavi - eine Doppelstrategie: Während die Proteste auf der Straße weiterlaufen, soll Khamenei über die Geistlichkeit zu Neuwahlen gezwungen werden.
Zur Gruppe Rafsandschani können neben der Kargozaran-Partei auch die prominenten Ali Akbar Velyati und Ali Akbar Nateq-Nuri gezählt werden. Ebenso Ali Arijani, der Parlamentssprecher und Mohammad Bagher Qalibaf, der Bürgermeister von Teheran. Die nächsten Tage im Iran werden zeigen, wer als Sieger aus dieser Auseinandersetzung hervorgeht.
Netanjahus Rede
Währenddessen wird die Rede Netanjahus vom gestrigen Tage in der Bar Ilan Universität von den USA und der EU als voll befriedigend eingestuft, von den Palästinensern hingegen verdammt. Dabei wird ein kleiner Satz Netanyahus in der Rede glatt übersehen: Israel sei für seine Sicherheit alleine verantwortlich, heißt es dort. Anders ausgedrückt: Wenn Israel es für erforderlich hält, wird es möglicherweise den Iran angreifen. Im Alleingang?
Verweise:
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[Dr. Alexander Frhr. von Paleske] Wer heute die Demonstrationen in Teheran gesehen hat, der fühlt sich vielleicht unwillkürlich an die letzten Tage des Schahs im Jahre 1979, also vor dreißig Jahren, erinnert. Die Demonstranten wollen nicht aufgeben, vorerst jedenfalls nicht. Doch wer spielt die Rolle, die einst Ayatollah Khomeini im Jahre 1979 gespielt hat? Die Antwort lautet: Ali Akbar Hashemi Rafsandschani, der die Präsidentschaftswahlen vor vier Jahren gegen Mahmoud Ahmadinejad demokratisch und glatt verloren hatte.
Wer ist Rafsandschani?
Rafsandschani war iranischer Präsident von 1989 bis 1997 und enger Vertrauter des Ayatollah Khomeini. Und er war und ist ein Netzwerker, dessen Verbindungen bis tief in die Reihen der Geistlichen in Qom reichen. Dort, wo er einstmals studierte. Rafsandschanist ist derzeit Vorsitzender des Expertenrats. Und er ist steinreich, unpopulär und bis auf die Zähne korrupt.
Rafsandschani hat in den Jahren des Konflikts mit dem Irak und danach offenbar Milliarden an Waffengeschäften verdient. Waffengeschäfte, die zum großen Teil über Israel liefen, einschließlich der Transporte von chemischen Massenvernichtungswaffen. Rafsandschani hat Blut an den Händen, viel Blut. Gegner der Regierung des Iran hat er während seiner Regierungszeit reihenweise sowohl im Inland wie im Ausland töten lassen. Er gilt als pragmatisch, was immer man darunter verstehen mag und er war es auch, der Ayatollah Khomeini nach den Giftgasangriffen des Irak überzeugte, das vom Schah begonnene Atomprogramm wieder aufzunehmen, dessen Einstellung Khomeini angeordnet hatte. Khomeini sah in den Atomwaffen westliches Teufelszeug. Eine dahingehende Fatwa gibt es aber wohl nicht, oder sie wurde nicht veröffentlicht.
Rafsandschani gegen Khamenei
Der jetzige Machtkampf im Iran spielt sich nicht etwa zwischen Mousavi und Ahmadinejad ab, sondern zwischen Rafsandschani und dem Mann hinter Ahmadinejad und zwar dem Paten Ayatollah Khamenei. Rafsandschani soll sich angeblich in Qom aufhalten. Dort will er versuchen, die Versammlung der 86 Religionsexperten zu beeinflussen, entweder Khamenei abzuwählen, oder ihn zu Neuwahlen zu zwingen. Rafsandschani hat kein Geheimnis daraus gemacht, dass er die Politik von Ahmadinejad für falsch hält, für grundfalsch. Er macht ihn für die wirtschaftlichen Probleme des Iran verantwortlich und für die außenpolitische Isolierung. So verfolgt Rafsandschani - und mit ihm Mousavi - eine Doppelstrategie: Während die Proteste auf der Straße weiterlaufen, soll Khamenei über die Geistlichkeit zu Neuwahlen gezwungen werden.
Zur Gruppe Rafsandschani können neben der Kargozaran-Partei auch die prominenten Ali Akbar Velyati und Ali Akbar Nateq-Nuri gezählt werden. Ebenso Ali Arijani, der Parlamentssprecher und Mohammad Bagher Qalibaf, der Bürgermeister von Teheran. Die nächsten Tage im Iran werden zeigen, wer als Sieger aus dieser Auseinandersetzung hervorgeht.
Netanjahus Rede
Währenddessen wird die Rede Netanjahus vom gestrigen Tage in der Bar Ilan Universität von den USA und der EU als voll befriedigend eingestuft, von den Palästinensern hingegen verdammt. Dabei wird ein kleiner Satz Netanyahus in der Rede glatt übersehen: Israel sei für seine Sicherheit alleine verantwortlich, heißt es dort. Anders ausgedrückt: Wenn Israel es für erforderlich hält, wird es möglicherweise den Iran angreifen. Im Alleingang?
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