Peru setzt Gesetze über Ausbeutung des Amazonas-Gebietes außer Kraft
5. Juni 2009, 08:30[Dr. Kira Welter] Das peruanische Parlament hat am vergangenen Mittwoch zwei Gesetze außer Kraft gesetzt, die zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen indianischen Ureinwohnern und Polizei nahe der Stadt Bagua im Amazonas-Gebiet geführt hatten. Mindestens 30 Tote und Hunderte Verletzte sind die vorläufige Bilanz der Proteste. Seit etwa zwei Monaten hatten Zehntausende Indianer gegen die so genannten "Urwald-Dekrete" demonstriert, die Bergbaugesellschaften und Ölkonzerne erlauben sollten, in das Amazonas-Gebiet einzudringen und in großem Maße nach Bodenschätzen zu suchen. Der Konflikt war am Freitag eskaliert, als die Polizei mit Schnellfeuergewehren und Hubschraubern gegen eine Straßenblockade vorrückte. Die Indios hatten im Gegenzug Polizisten entführt und festgehalten.
Die Regierung spricht von 23 getöteten Polizisten, 9 getöteten Indianern und 179 Verletzten (darunter 155 Indios und 24 Polizisten). Die Protestierenden selber sprechen von bis zu 30 Toten in ihren Reihen. Hunderten von Indios werden angeblich noch vermisst. Staatspräsident Alan García wertete die blutigen Unruhen als "subversive Aggression gegen Perus Demokratie". Demnach seien die Indianer von "politischen Feinden der Regierung und ausländischen Interessen manipuliert worden". um zu verhindern, dass es zu einer Ausbeutung der natürlichen Ressourcen des Landes kommt.
Die Regierung spricht von 23 getöteten Polizisten, neun getöteten Indianern und 179 Verletzten, darunter 155 Indios und 24 Polizisten. Die Protestierenden selber sprechen von bis zu 30 Toten in ihren Reihen. Hunderten von Indios werden angeblich noch vermisst. Staatspräsident Alan García bezeichnete die blutigen Unruhen als "subversive Aggression gegen Perus Demokratie". Die Indianer seien von "politischen Feinden der Regierung und ausländischen Interessen manipuliert worden", die verhindern wollten, dass das Land seine natürlichen Ressourcen ausbeute.
Messer und Speere kontra Hubschrauber
Alberto Pizango, der Führer der protestierenden Indianer, warf der Regierung "Genozid" vor. Während einer Pressekonferenz am vergangenen Freitag teilte er mit, dass die Indianer auf der Straße und aus Hubschraubern heraus mit Schnellfeuergewehren und Tränengas angegriffen worden seien. Die Protestierenden selbst sollen über keine Schusswaffen verfügt haben. Sie nutzten traditionelle Messer und Speere, betonte Pizango, der am Dienstag Asyl von Nicaragua erhielt. Pizango war am Montag in die nicaraguanische Botschaft in Lima geflüchtet, nachdem bekannt geworden war, dass er per Haftbefehl gesucht wird. Ob die Indianer tatsächlich keine Schusswaffen besaßen ist noch unklar. Eine große Zahl von Polizisten, die Opfer wurden, sowie durch Meldung bekannt gewordene Schusswunden sprechen dagegen.
Lebensgrundlagen der Ureinwohner bedroht
Mit der Entscheidung, das Gesetzt 90 Tage lang aufzuschieben, will das Parlament den Parteien mehr Zeit zur Verhandlung geben. Präsident García muss innerhalb von 15 Tagen den Einstellungsbefehl entweder unterzeichnen oder ihn an den Kongress zurückreichen. Entgegen der Konvention der Internationalen Arbeitsorganisation (International Labour Organisation, ILO) war die indianische Bevölkerung vor Erlass des strittigen Gesetzes nicht konsultiert worden. Die Ureinwohner sehen durch die wirtschaftliche Ausbeutung des Amazonasgebietes ihre Lebensgrundlagen bedroht. Dem Staatspräsident Alan García wird vorgeworfen, im Interesse der Konzerne zu handeln.
Freihandel auf Kosten der Indianer
Die Urwald-Dekrete wurden als Teil des Freihandelsabkommens verabschiedet, das Peru mit den USA unterzeichnet hat. Diese ermöglichen ausländischen Öl- und Bergbaukonzerne den Zugriff auf die Ressourcen des Landes. Laut "Rettet den Regenwald" sei zwischen 2002 und 2007 der Bergbau um mehr als 70 Prozent gewachsen. Indianergemeinschaften beklagen, dass bereits jetzt rund 70% des peruanischen Amazonasgebiets für die Öl- und Gas-Exploration konzessioniert ist. Das peruanische Amazonas-Gebiet soll bereits in hunderten von Parzellen für die Erschließung von Ölfeldern eingeteilt worden sein. Lizenzen werden angeblich ohne Rücksicht auf indianische Landrechte vergeben.
Die Unruhen in Peru sind die Schlimmsten im letzten Jahrzehnt. Das südamerikanische Land beherbergt nach Brasilien den größten Teil des Amazonas-Regenwaldes. Mit rund 25.000 gezählten Pflanzenarten ist nach Schätzungen von Wissenschaftlern etwa zehn Prozent der gesamten Flora der Erde dort beheimatet.
Weitere Informationen:
Infoseite Regenwald
EPO.de
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Photos: Comerstone / Pixelio.de) (1); SiepmannH / Pixelio.de (2)
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Die Regierung spricht von 23 getöteten Polizisten, neun getöteten Indianern und 179 Verletzten, darunter 155 Indios und 24 Polizisten. Die Protestierenden selber sprechen von bis zu 30 Toten in ihren Reihen. Hunderten von Indios werden angeblich noch vermisst. Staatspräsident Alan García bezeichnete die blutigen Unruhen als "subversive Aggression gegen Perus Demokratie". Die Indianer seien von "politischen Feinden der Regierung und ausländischen Interessen manipuliert worden", die verhindern wollten, dass das Land seine natürlichen Ressourcen ausbeute.
Messer und Speere kontra Hubschrauber
Alberto Pizango, der Führer der protestierenden Indianer, warf der Regierung "Genozid" vor. Während einer Pressekonferenz am vergangenen Freitag teilte er mit, dass die Indianer auf der Straße und aus Hubschraubern heraus mit Schnellfeuergewehren und Tränengas angegriffen worden seien. Die Protestierenden selbst sollen über keine Schusswaffen verfügt haben. Sie nutzten traditionelle Messer und Speere, betonte Pizango, der am Dienstag Asyl von Nicaragua erhielt. Pizango war am Montag in die nicaraguanische Botschaft in Lima geflüchtet, nachdem bekannt geworden war, dass er per Haftbefehl gesucht wird. Ob die Indianer tatsächlich keine Schusswaffen besaßen ist noch unklar. Eine große Zahl von Polizisten, die Opfer wurden, sowie durch Meldung bekannt gewordene Schusswunden sprechen dagegen.
Lebensgrundlagen der Ureinwohner bedroht
Mit der Entscheidung, das Gesetzt 90 Tage lang aufzuschieben, will das Parlament den Parteien mehr Zeit zur Verhandlung geben. Präsident García muss innerhalb von 15 Tagen den Einstellungsbefehl entweder unterzeichnen oder ihn an den Kongress zurückreichen. Entgegen der Konvention der Internationalen Arbeitsorganisation (International Labour Organisation, ILO) war die indianische Bevölkerung vor Erlass des strittigen Gesetzes nicht konsultiert worden. Die Ureinwohner sehen durch die wirtschaftliche Ausbeutung des Amazonasgebietes ihre Lebensgrundlagen bedroht. Dem Staatspräsident Alan García wird vorgeworfen, im Interesse der Konzerne zu handeln.
Freihandel auf Kosten der Indianer
Die Urwald-Dekrete wurden als Teil des Freihandelsabkommens verabschiedet, das Peru mit den USA unterzeichnet hat. Diese ermöglichen ausländischen Öl- und Bergbaukonzerne den Zugriff auf die Ressourcen des Landes. Laut "Rettet den Regenwald" sei zwischen 2002 und 2007 der Bergbau um mehr als 70 Prozent gewachsen. Indianergemeinschaften beklagen, dass bereits jetzt rund 70% des peruanischen Amazonasgebiets für die Öl- und Gas-Exploration konzessioniert ist. Das peruanische Amazonas-Gebiet soll bereits in hunderten von Parzellen für die Erschließung von Ölfeldern eingeteilt worden sein. Lizenzen werden angeblich ohne Rücksicht auf indianische Landrechte vergeben.
Die Unruhen in Peru sind die Schlimmsten im letzten Jahrzehnt. Das südamerikanische Land beherbergt nach Brasilien den größten Teil des Amazonas-Regenwaldes. Mit rund 25.000 gezählten Pflanzenarten ist nach Schätzungen von Wissenschaftlern etwa zehn Prozent der gesamten Flora der Erde dort beheimatet.
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