Prozessauftakt: Der mysteriöse Mordfall des französischen Bankiers Edouard Stern
12. Juni 2009, 21:30
[Stephan Fuchs] Edouard Stern, ein französischer Banker, wurde am 28. Februar 2005 tot in seiner Genfer Wohnung aufgefunden. Entdeckt wurde die Leiche von den Mitarbeitern seines IRR-Investmentfonds. Niedergestreckt von vier Schüssen, gekleidet in Latex. Stern und und das Callgirl Cécile B. sollen sich vor den Schüssen sado-masochistischen Sexspielen gewidmet haben. Die 40-jährige Cécile B. soll die Tat allerdings erst im zweiten Anlauf eingestanden haben. Aufzeichnungen der Überwachungskameras zeichneten das Kommen und Gehen des Callgirls auf. Demnach soll Cécile B. in jenem Haus ein- und ausgegangen sein, in dem sich die Luxuswohnung des Bankiers befand. Sterns Wohnung befand sich im Quartier Rive im fünften und obersten Geschoss eines Hauses. Dort ist auch stets ein Polizeiposten untergebracht. Die Türe zum Innern des Gebäudes ist verschlossen und der Eingang wird per Videokamera überwacht. Die Polizei fand keine Einbruchspuren. Gestern fand in Genf der erste Prozesstag in diesem mysteriösen Fall statt. Mit einem Urteil wird noch in diesem Monat gerechnet.Stern, die schillernde Persönlichkeit
Stern war in Hochfinanz-Kreisen eine schillernde Persönlichkeit und galt als knallharter Banker. Er entstammt einer Bankiersfamilie und war bereits im Alter von 22 Jahren in die familieneigenen Bank Stern eingestiegen. Schon zwei Jahre später zwang er seinen Vater, aus der Bank auszusteigen, um selbst sowohl Leitung, als auch die Aktienmehrheit der Bank zu übernehmen. Stern verkaufte die Bank an libanesische Partner, leitete sie aber noch bis 1998. Der Verkauf der Familienbank katapultierte Stern auf den 38sten Platz der 400 reichsten Franzosen. Als Schwiegersohn von Michel David-Weill, dem Chef der französischen Geschäftsbank Lazard, galt er lange als dessen Kronprinz. "Bis in fünf Jahren, weiß ich, ob Edouard in die Lazard Philosophie passt", meinte David-Weill in einem Interview mit Forbes. Schwiegersohn Stern zog schließlich 1997, also nach vier Jahren, im Kampf um die Nachfolge den Kürzeren. Lazards Pressesprecher Richard Silverman kommentierte Sterns Tod damals nicht.
Seltsame Geschäftsverbindungen
Im April 1998 gründete Stern die International Real Returns LLC (IRR) mit Eurazeo, einer Lazard Holding, Mainz Holdings Ltd, einer Stern Firma in den Virgin Islands und Jeffrey Keil Direktor der Republic New York Corporation. Laut Schweizer Handelsregister residierte die Firma IRR auch in Genf. Einer der IRR Verwaltungsräte war ebenfalls im Verwaltungsrat der Tradeco Limited aus Nassau / Bahamas und zwar an dessen Zweigniederlassung in Genf. Vertragsagent Richard Brennecke, ein als Lügner bekannter amerikanischer Geschäftsmann, soll einer Journalistin gegenüber geäußert haben, die Firma Tradeco sei eine der wichtigsten CIA Finanzgesellschaften in Europa gewesen. "Diese Firma befasste sich vor allem mit Waffenlieferungen in den Iran. Für gewisse Geschäfte verhandelte sie sogar direkt mit Teheran".
Waffenlieferungen und eine verbrannte Leiche
Der Geschäftsleiter von Tradeco, James R. Fees, verweigerte ein Gespräch mit den Journalisten, war aber einflussreich genug, deren Telefone abhören zu lassen. Fees arbeitete über 25 Jahre für den Geheimdienst und war als Stations Leiter in Ägypten, bevor er Ende der 70er Jahre nach Genf kam. Laut Brenneckes Aussagen, waren die Waffenlieferungen Teil des Geiselgeschäftes von 1980/81. 1999 berieten Stern und zwei ehemalige Lazard Banker Edmond Safra, den Gründer der Republic Bank of New York, bei dem 7.7 Milliarden Dollar schweren Verkauf von Safras Bank an die HSBC Holding Plc. Edmond Safra verbrannte 1999 in seiner Wohnung in Monaco. Das Feuer wurde von seinem Krankenpfleger gelegt, just bevor der Deal vollendet war. Die zur Republic Bank of New York gehörende Republic New York Corporation Air Transport, war jene Firma, die im Iran – Contra Skandal auftauchte. Ab 2000 begann Stern Aktien des Londoner Industrieunternehmens Delta PLC zu kaufen. Als er 26 Prozent der Aktien erworben hatte - und somit größter Einzelaktionär wurde, machte er sich so zum Vorsitzenden der Firma. Die Gesellschaft selbst habe am 2. März 2005 aufgrund von entsprechenden Berichten vom Tod von Stern in Genf erfahren, hieß es in einer Stellungnahme von Delta Plc.
Unzählige Aktivitäten und ein beträchtliches Vermögen
Im August 2000 übernahm die IRR Brasilien zusammen mit der Columbia University New York, der Penguin Holding, Eduardo Costantini Junior und Roger Wright 27 Prozent der erfolgreichen Kunsthändlerfirma Latinarte.com. Die Firma handelt mit südamerikanischer Kunst und hatte Stützpunkte in Buenos Aires, São Paulo, Mexico City, Miami, New York, Bogota, Caracas, Lima, Montevideo, Santiago und Quito. Der Verwaltungsrat setzt sich aus Eduardo Costantini, einem privaten Investor, Veronica Allende Serra von IRR, Marina Kessler & Hernan Fligler (Mitgründer von Latinarte.com) und Nicolas Helft Director of Art zusammen.
In den letzten Jahren versuchte Stern vergeblich, Unternehmen wie die Chemiegruppe Rhodhia oder den Brillenvertrieb GandVision zu übernehmen. Im April 2003 wurde Stern aus dem Verwaltungsrat der französischen Spezialitätenchemie-Gruppe Rhodia geworfen, nachdem er vergeblich versucht hatte, CEO Jean-Pierre Tirouflet aus dem Amt zu drängen. Der Financier verfügte über einen eigenen Jet und ein beträchtliches Vermögen, das er laut Tribune de Genève zuletzt zunehmend in osteuropäische Immobilien investiert hatte. Er präsidierte zuletzt den Verwaltungsrat des britischen Engineering-Unternehmens Delta Plc.
Verweise:
Madams explosiver Nuttenservice von Washington DC
Madame Palfreys explosive Sünderliste
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Photo: Pixelio.de


























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