Selenz`Kommentar: Wendelin Wiedekings Wundergage
2. September 2009, 15:00[Hans-Joachim Selenz] Die Managergagen beherrschen die Schlagzeilen. Landauf landab. Die Vorstandsvergütungen in deutschen Aktiengesellschaften haben abgehoben, schießen raketengleich in den Einkommenshimmel. Seit einiger Zeit sticht bei diesem Gagenfeuerwerk ein Manager ganz besonders hervor - Porsche-Chef Wendelin Wiedeking. Er ist der neue Shooting-Star in der nach oben hin offenen Gagen-Skala. Für 2007 erhielt er 60 Mio. Euro. Soviel wie 1000 Porsche-Werker. Im abgelaufenen Jahr waren es sogar satte 77,4 Mio. Euro. Dagegen läuft nun eine Klage. Kein noch so wohlhabender Mittelständler würde sich aus seinem Unternehmen derart unverschämt bedienen. Doch woher kommt das viele Geld? Hat Wiedeking bei Porsche den Dukaten-Esel gefunden?
Als Wiedeking in Zuffenhausen antrat, stand Porsche kurz vor der Pleite. Fast zeitgleich übernahm ein gewisser Ferdinand Piëch das Ruder bei VW. Er brachte das ihm anvertraute Unternehmen sogleich auf Porsche-Kurs. "Der VW-Konzern ist für Porsche von entscheidender Bedeutung," schrieb "BUSINESSNEWS" am 14. Februar 2007 "weil der Sportwagenbauer Ressourcen der Wolfsburger in den Bereichen Produktion und Entwicklung nutzt. Der Aufstieg Porsches, von einem Unternehmen am Rand des Bankrotts zum profitabelsten Autohersteller der Welt, wäre ohne den Rückgriff auf VW-Ressourcen undenkbar gewesen". Bis 2006 verschleierte VW seine intime Verbindung zu Porsche sogar im Geschäftsbericht. Das allein wäre schon schlimm genug. Es ist aber nur die halbe Wahrheit. Kaum bei VW am Ruder, umgab sich Piëch mit Lakaien und Ja-Sagern. Die stimmten Piëchs Porsche-Plänen servil zu. Im Nu waren weitere wichtige Vertriebslizenzen im Osten in der Hand der Piëch /Porsche-Familie. Wem der Kurs des Porsche-Eigners nicht passte, wurde gefeuert. Gnadenlos. Fachliche Qualifikation spielte keine Rolle bei VW. Kadavergehorsam war angesagt. Sogar Auto-Professor Seiffert wurde entsorgt.
Der Aufstieg Porsches vom Rand des Bankrotts mit Rückgriff auf VW-Ressourcen erfuhr mit dem Cayenne-Projekt seine finale Krönung. Piëch ließ den Geländewagen Touareg entwickeln. Porsche wurde Projektpartner. Nicht etwa die Konzerntochter Audi. Der Cayenne entstand auf der Touareg-Plattform. Sogar die Türen sind austauschbar. Damit öffnete Piëch der Sportwagenschmiede seiner Familie ein völlig neues Marktsegment. VW bestritt das Gros der Entwicklungskosten. VW stellt auch die Fabrik. Das schont den Geldbeutel der Porsches und der Piëchs ganz ungemein. Der Cayenne läuft in Bratislava mit dem Touareg vom Band, wie die FAZ schrieb. Das stimmt indes nicht ganz. Am Bandende lässt man Motor und Räder weg. Damit wird "eine Rohkarosse vorgetäuscht", so der Werksvorstand. Dessen Parole: "Vier Schrauben und der Porsche ist fertig." Motor und Räder montiert Wiedeking in seiner Tarnfabrik in Leipzig. So wird aus "Fake in Slovakia" dann "Made in Germany". Die slowakischen VW-Werker bekommen 1/6 der Löhne ihrer Wolfsburger Kollegen. An einem Top-Modell Turbo S verdienen die Piëchs und die Porsches VW-Angaben zufolge bis zu 50.000 Euro. In seinem Buch "Anders ist besser" kritisiert Wiedeking genau diese "krude Profitmaximierung" von "Sozial-Rambos" insbesondere im Osten. Über den Cayenne wurden Konkurrent Porsche Milliarden zugeschoben, statt sie im Konzern bei Audi zu heben. Mit diesen Milliarden von VW finanzierte Porsche den Einstieg bei VW. Die Heuschrecken, mit denen man die Öffentlichkeit narrte, saßen in Zuffenhausen. "Wir wollten einfach unser in den vergangenen Jahren so erfolgreiches Geschäftsmodell absichern", gesteht Wendelin Wiedeking in seinem Buch. Das ist zumindest ehrlich.
Das Cayenne-Projekt - gegen die Interessen von VW gerichtet - war eine Auslandsinvestition. Für die brauchte Piëch den Betriebsrat. "Ohne IG Metall und Zustimmung des Betriebsrates gibt es keinen Pfennig außerhalb der deutschen Grenzen", begründete Dr. Schuster gegenüber dem LKA die Bordellzahlungen über das Konto 1860. Das hatte VW-Revisionschef Reinecke zum kriminellen Freiraum erklärt. Reinecke unterstand direkt den VW-Chefs Piëch und Pischetsrieder. Piëch war zudem das einzige Organ bei VW, das von den Betrugsvorgängen über seine Familienfirma persönlich profitierte. Die FAZ formulierte es messerscharf: "Wann hat man Vergleichbares erlebt? Dass ein angestellter Manager - nichts anderes war Piëch in seinen aktiven VW-Jahren - einen Weltkonzern Zug um Zug unter die Kontrolle seiner Familie bringt". Wendelin Wiedekings Wundergage entpuppt sich somit als Teil dieser Milliarden-Beute zu Lasten der 325.000 VW-Werker und Tausender Aktionäre. Die Justiz verharrt derweil im Tiefschlaf.
Prof. Dr. Ing. Hans-Joachim Selenz ist Wirtschaftsethiker und
1. Vorsitzender der Initiative CLEANSTATE e.V.
Für Recht und Gerechtigkeit in Politik, Staat und Wirtschaft
Buchbesprechung: Wendelin Wiedekings Publikation "Anders ist besser"
Harte Bandagen gegen Bankenmanager: Kehrt Wulff auch vor der eigenen Tür?
Finanzmarktstabilisierung: "Die sich daraus ergebenden Lasten werden uns bleiben"
Volker Wissing (FDP): Die HRE-Enteigung kann auch zum Super-GAU werden
Hypo Alpe Adria: Neuer Vorstand Pinkl hüpft von einem Milliardengrab zum nächsten
Der Meinl-Skandal: Raus aus dem Knast Dank 100 Millionen
G20: Vom Gipfel der Macht zum Gipfel der Schulden
Abwrackprämie: Feldzug in Planwirtschaft geht unaufhaltsam weiter
Tritt gegen Wirtschaftssystem: Deutscher Bundestag mehrheitlich für Enteignung
Opel, zu Guttenberg und die süßen Verlockungen der Wählergunst
Amerikas Agenda der Zukunft: Obama sagt, was er meint und meint, was er sagt
Der Madoff-Skandal: Eintreiber Irving Picard offenbart unvorstellbares Desaster
Das Milliardenspiel und die Zeitenwende
Selenz' Kommentar: Wer holte die Finanzblasen über den Teich?
Bernard Madoff: Vom Börsen-Guru zum größten Anlagebetrüger Amerikas
2009: Krisenmanagement, Wahlen und der Weg in eine lebenswerte Moderne
"Armut, Not und wenig Brot" - ein realistischer Ausblick auf die Weltwirtschaftskrise
Sand im Getriebe: Opel in staatlicher Reparaturwerkstatt
G20: Götterdämmerung in Washington
Wundertüten - geheimnisvoll und nichts drin
Verraten und verkauft - Kleinanleger stehen zu Tausenden im Regen
Politiker sonnten sich in Werbeprospekten (ARD-Video)
Banken, Börsen und Regierungen
Das Geld, die Gier und der Hebel
Gipfel der Ratllosigkeit
Das Einmaleins der amerikanischen Finanzkrise
Hypo Real Estate: Krisenmanagement in der Krise
Wall Street letzte Woche: Was nun Amerika?
Sozialisierung der Verluste und Aus für das System?
Amerika, wer bist Du?
Verhalten wider die eigenen Regeln
New York: Wall Street, wie wir es kannten, ist nicht mehr
Steuerzahler stemmen milliardenschwere Zeche
Gauner, Geschädigte und die BaFin
Deutsche Bank, eine Turboanleihe und die Staatsanwaltschaft
Swap-Geschäfte: Kommunen zocken, Bürger haften
Faule Swaps: Die nächste Weltfinanzkrise rückt näher
Der Meinl-Skandal und die verschwundenen Millionen
Amis - Europas gigantischer Betrugsskandal
Skandalbank in Österreich - Die Hypo Alpe Adria
Khashoggi, Hypo Group Alpe Adria und ein Prozess, der (noch?) nicht stattfand
Die BAWAG: Es war einmal eine Arbeiterbank in Wien
Marko Perković und die Hypo-Alpe- Adria Bank
Söldner, Gauner, Waffen und Rohstoffe
BayernLB: Das dicke Ende kommt erst noch
Photo: Pixelio.de
Als Wiedeking in Zuffenhausen antrat, stand Porsche kurz vor der Pleite. Fast zeitgleich übernahm ein gewisser Ferdinand Piëch das Ruder bei VW. Er brachte das ihm anvertraute Unternehmen sogleich auf Porsche-Kurs. "Der VW-Konzern ist für Porsche von entscheidender Bedeutung," schrieb "BUSINESSNEWS" am 14. Februar 2007 "weil der Sportwagenbauer Ressourcen der Wolfsburger in den Bereichen Produktion und Entwicklung nutzt. Der Aufstieg Porsches, von einem Unternehmen am Rand des Bankrotts zum profitabelsten Autohersteller der Welt, wäre ohne den Rückgriff auf VW-Ressourcen undenkbar gewesen". Bis 2006 verschleierte VW seine intime Verbindung zu Porsche sogar im Geschäftsbericht. Das allein wäre schon schlimm genug. Es ist aber nur die halbe Wahrheit. Kaum bei VW am Ruder, umgab sich Piëch mit Lakaien und Ja-Sagern. Die stimmten Piëchs Porsche-Plänen servil zu. Im Nu waren weitere wichtige Vertriebslizenzen im Osten in der Hand der Piëch /Porsche-Familie. Wem der Kurs des Porsche-Eigners nicht passte, wurde gefeuert. Gnadenlos. Fachliche Qualifikation spielte keine Rolle bei VW. Kadavergehorsam war angesagt. Sogar Auto-Professor Seiffert wurde entsorgt.
Der Aufstieg Porsches vom Rand des Bankrotts mit Rückgriff auf VW-Ressourcen erfuhr mit dem Cayenne-Projekt seine finale Krönung. Piëch ließ den Geländewagen Touareg entwickeln. Porsche wurde Projektpartner. Nicht etwa die Konzerntochter Audi. Der Cayenne entstand auf der Touareg-Plattform. Sogar die Türen sind austauschbar. Damit öffnete Piëch der Sportwagenschmiede seiner Familie ein völlig neues Marktsegment. VW bestritt das Gros der Entwicklungskosten. VW stellt auch die Fabrik. Das schont den Geldbeutel der Porsches und der Piëchs ganz ungemein. Der Cayenne läuft in Bratislava mit dem Touareg vom Band, wie die FAZ schrieb. Das stimmt indes nicht ganz. Am Bandende lässt man Motor und Räder weg. Damit wird "eine Rohkarosse vorgetäuscht", so der Werksvorstand. Dessen Parole: "Vier Schrauben und der Porsche ist fertig." Motor und Räder montiert Wiedeking in seiner Tarnfabrik in Leipzig. So wird aus "Fake in Slovakia" dann "Made in Germany". Die slowakischen VW-Werker bekommen 1/6 der Löhne ihrer Wolfsburger Kollegen. An einem Top-Modell Turbo S verdienen die Piëchs und die Porsches VW-Angaben zufolge bis zu 50.000 Euro. In seinem Buch "Anders ist besser" kritisiert Wiedeking genau diese "krude Profitmaximierung" von "Sozial-Rambos" insbesondere im Osten. Über den Cayenne wurden Konkurrent Porsche Milliarden zugeschoben, statt sie im Konzern bei Audi zu heben. Mit diesen Milliarden von VW finanzierte Porsche den Einstieg bei VW. Die Heuschrecken, mit denen man die Öffentlichkeit narrte, saßen in Zuffenhausen. "Wir wollten einfach unser in den vergangenen Jahren so erfolgreiches Geschäftsmodell absichern", gesteht Wendelin Wiedeking in seinem Buch. Das ist zumindest ehrlich.
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1. Vorsitzender der Initiative CLEANSTATE e.V.
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- Interview mit Prof. Dr. Hans-Joachim Selenz:
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Photo: Pixelio.de































































