Der Meinl-Skandal: Raus aus dem Knast Dank 100 Millionen
3. April 2009, 10:00
[Dr. Alexander Frhr. von Paleske] - Am vergangenen Mittwoch wurde der Spross der austrischen Kaffeeröster-Dynastie Julius Meinl der Fünfte verhaftet und in das Wiener Gefängnis Josefstadt eingeliefert. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm nicht nur Betrug, Untreue und einiges mehr vor, sondern nahm auch Fluchtgefahr an. Nach Stellung einer Kaution in Höhe von 100 Millionen Euro, die höchste, jemals in Österreich verlangte Kaution, kam Meinl jedoch bereits nach 48 Stunden wieder frei. Dies ist der vorläufige Höhepunkt in einem der mittlerweile zahlreichen austrischen Finanzskandale.In unserer Reportage Der Meinl-Skandal und die verschwundenen Millionen haben wir ausführlich über diesen einst hoffnungsvollen Spross und seine Unternehmungen Meinl European Land, (MEL), Meinl Airports International (MAI) und Meinl International Power (MIP) berichtet. Mehr als 100.000 Österreicher, aber auch Tausende Deutsche, die seinerzeit die von Meinl angebotenen, dubiösen Papiere gekauft haben, mussten massive Verluste bis zu 80 Prozent hinnehmen. Dutzende Strafanzeigen gegen Julius Meinl V wurden erstattet und langsam aber stetig begannen die Mühlen der Justiz zu mahlen. Kräftig angespornt durch die neue Justizministerin Claudia Bandion-Ortner, einer ehemaligen Richterin, die eine Crew von Finanzartisten im Juli vergangenen Jahres im Zusammenhang mit den Betrügereien bei der ehemaligen Arbeiterbank BAWAG zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt hatte.
Guter Name, große Verluste
Julius Meinl hatte bei seinen Finanztransaktionen offenbar den außerordentlich guten Namen seiner Wiener Kaffeeröster-Dynastie gezielt für die kriminellen Agitationen genutzt und ihn dann gründlich ruiniert. Sein Geschäftsmodell bestand - abgesehen von ME - darin, bloße Geschäftsideen an die Börse zu bringen und mit den dann eingesammelten Geldern Firmen aufzubauen, die allesamt von der eigenen Meinl Bank verwaltet wurden. Dies geschah natürlich nicht kostenlos. Für den Service mussten die neugegründeten Firmen Managegement-Gebühren an Meinls Bank zahlen und außerdem wurde eine permanente Lizenzgebühr für die Benutzung des guten Namens Meinl fällig. So floss stetig Geld an Meinls Bank, Sommers wie Winters, ganz gleich, ob die Firmen Gewinne oder Verluste machten. Ein neuartiges, offenbar sehr einträgliches, aber nicht dauerhaftes, konjunkturunabhängiges Geschäftsmodell. Mehr als viel heiße Luft waren die Geschäftsideen MIP und MAI offenbar nicht, denn jetzt werden die Aktionäre ausgezahlt, soweit die Euros reichen. Anschließend werden die Firmen MAI und MIP liquidiert.
Von Meinl bleibt vermutlich nicht viel übrig, außer Erinnerung an eine einstmals traditionsreiche Kaffeerösterfamilie. Den Kleinaktionären, die oftmals ihre ganzen Lebensersparnisse im Vertrauen auf den guten Namen Meinl investiert und nun herbe Verluste zu beklagen haben, bleibt nur Wut, Enttäuschung und oftmals auch Verzweiflung.
Verweise:
Die BAWAG: Es war einmal eine Arbeiterbank in Wien
Marco Percovic und die Hypo Alpe Adria
Skandal-Bank in Österreich: Die Hypo Alpe Adria
Im Gespräch mit Dr. Alexander Freiherr von Paleske
Photo: Dr. A. v. Paleske































































