Jahrhundertbetrüger Madoff und die Suche nach den verschwundenen Milliarden
24. März 2009, 09:15AUS NEW YORK CITY:
[Jörg Frhr. von Oldershausen] 65 Milliarden US Dollar sollten sich eigentlich auf den Konten Bernard Madoffs befinden. Doch nur eine magere Milliarde konnte Irving Picard, Konkursvollstrecker im einzigartigen Betrugsskandal des ehemaligen Börsen-Guru, bis heute sichern. Unzählige Gläubiger, Staatsanwaltschaft und vor allem Aufklärer Picard stellen die Frage, wo die gigantischen Summen stecken. Bisher ausgemachte 75 Millionen US Dollar auf einem schwarzen Konto in Gibraltar oder einhundert Millionen US Dollar, die aus dem Verhökern des Madoff-Vermögens erhofft werden, können nicht über die enorme Diskrepanz in den Bilanzen hinwegtäuschen. Zumindest ein Betrag von 25 Milliarden Dollar - so die Kalkulation des Wall Street Journals – wurde an Kapital tatsächlich eingezahlt; Selbst unter Berücksichtigung der phantasievollen Scheingeschäfte und in Anerkennung dessen, dass es sich teilweise nur um fiktive Guthaben handelte.
Druck auf Madoff-Clan wächst täglich
Jener, der tatsächlich Licht in das Dunkel bringen kann, sitzt seit Mitte März sicher hinter Gittern. Aussicht, jemals wieder die Luft der Freiheit zu schnuppern, hat der einstmalige Börsen-Guru nicht. Derweil haben die Staatsanwaltschaft unter der Leitung von Marc Litt und die Geschädigten des Jahrhundertskandals die Jagdsaison eröffnet und zur Hatz auf den Madoffschen Familien-Clan und andere mögliche Mittäter geblasen. So wurden am 16. März alle im Namen von Madoffs Ehefrau Ruth gehaltenen Immobilien beschlagnahmt. Ebenso wurde die Beschlagnahmung von 62 Millionen US Dollar in Bargeld und Bonds, diversen Jachten, Limousinen, Schmuck, Uhren und sogar dem Tafelsilber beantragt. Mit einem schlauen Manöver, dem sogenannten homestead protection, einem besonderen Schutz des Hauseigentums gegen Vollstreckung durch Gläubiger, versucht Ruth Madoff zumindest die 9,4 Millionen Dollar Villa in Palm Beach Florida zu retten. Ob sie damit langfristig Erfolg haben wird, ist fraglich.
Andrew und Mark, die beiden Söhne Madoffs, die als Geschäftsführer in der vermeintlich ehrlichen Market Maker Brokerage Firma des Madoff-Imperiums tätig waren, wurden inzwischen aufgefordert, persönliche Gehälter in Höhe von 31,5 US Millionen Dollar unmittelbar zurückzuzahlen. Peter Madoff, der ältere Bruder und ebenfalls Mitarbeiter im Madoff-Konzern, sah am 25. März sein gesamtes Vermögen aufgrund einer Aktion eines der Geschädigten eingefroren. Nun steht ihm ein Termin vor dem Richter bevor. Am 3. April ist es soweit.
David Friehling, Madoffs Steuerberater, der den Phantasieabschlüssen Madoffs 17 Jahre lang das “Seal of Approval” gab, stellte sich am 18. März den Behörden. Zunächst wurde er aufgrund von sechs Verstößen gegen die “Securities Laws” angeklagt und vorübergehend verhaftet. Nach Hinterlegung von 2,5 Millionen US Dollar Kaution konnte er allerdings das Gericht als vorläufig freier Mann verlassen. Im Falle seiner Verurteilung steht auch ihm eine langjährige Gefängnisstrafe bevor. Maximal drohen für solche Fälle 105 Jahre Freiheitsentzug.
Klagen, Klagen, nichts als Klagen
Die Geschädigten haben die Schockstarre inzwischen überwunden und verfolgen ihre eigenen Strategien. Das bedeutet: Klagen, Klagen und nochmals Klagen. Jeder, der nur im Entferntesten mit Madoff zu tun hatte, wird mit Zivilklagen überhäuft: Banken, Zuträger, Aufsichtsbehörden und Mitarbeiter. Der nicht zu unterschätzende Einfluss der Geschädigten kommt in vollem Umfang zum Tragen. Die Steuerbehörde hat bereits kapituliert und alle bislang in Kraft stehenden Steuerregeln über Bord geworfen. Dem Argument, dass hier viele Jahre fiktive Gewinne mit realem Geld versteuert wurden, ist schwer entgegen zu halten. So werden vermutlich bis auf 13 Jahre hin rückwirkend zu viel gezahlte Steuern sowie Verluste des Investitionskapitals abgeschrieben. Nach vorsichtiger Schätzung handelt es sich dabei um satte 21 Milliarden US Dollar für die das Finanzamt, sprich die Steuerzahler, einspringen müssen. Zahlungen aus dem Versicherungsfond, der Investitionsverluste bis zu einer Summe von 500.000 US Dollar abdeckt, kommen nun, laut Irving Picard, erstmals zur Auszahlung.
Wiedergutmachung - egal wie
Mittlerweile richtet sich das Augenmerk auch auf die Filiale in London. Dorthin, so wird angenommen, wurde das Geld der Investoren transferiert und dann sogleich als vermeintlicher Gewinn der Börsenaktivitäten durch Madoff neu verteilt. Die Geschädigten wollen Wiedergutmachung, egal wie. Sie erhöhen nun den Druck gegen die gesamte Madoff-Familie. Da die Hoffnung schwindet, Madoff zum Reden zu bewegen, werden die erzürnten Gläubiger wohl nicht eher ruhen, bis Madoffs Frau, der Bruder und die Kinder das große Schweigen brechen. Bis dahin bleibt es bei Spekulation, denen keinerlei Grenzen gesetzt sind. Und die Gewissheit, dass Madoff für lange Zeiten als der bestbezahlte Dieb aller Zeiten gilt. Bei vorsichtiger Hochrechnung lag sein Stundenverdienst bei mehr als 400.000 US Dollar. Das stellt selbst die mit durchschnittlich 1.250 US Dollar pro Stunde und Anwalt eigentlich fürstlich bezahlten Horden von Rechtsvertretern, die sich mit diesem Skandal beschäftigen, weit in den Schatten.
Der Madoff-Skandal
Abwrackprämie: Feldzug in Planwirtschaft geht unaufhaltsam weiter
Tritt gegen Wirtschaftssystem: Deutscher Bundestag mehrheitlich für Enteignung
Opel, zu Guttenberg und die süßen Verlockungen der Wählergunst
Amerikas Agenda der Zukunft: Obama sagt, was er meint und meint, was er sagt
Der Madoff-Skandal: Eintreiber Irving Picard offenbart unvorstellbares Desaster
Das Milliardenspiel und die Zeitenwende
Selenz' Kommentar: Wer holte die Finanzblasen über den Teich?
Bernard Madoff: Vom Börsen-Guru zum größten Anlagebetrüger Amerikas
2009: Krisenmanagement, Wahlen und der Weg in eine lebenswerte Moderne
"Armut, Not und wenig Brot" - ein realistischer Ausblick auf die Weltwirtschaftskrise
Sand im Getriebe: Opel in staatlicher Reparaturwerkstatt
G20: Götterdämmerung in Washington
Wundertüten - geheimnisvoll und nichts drin
Verraten und verkauft - Kleinanleger stehen zu Tausenden im Regen
Politiker sonnten sich in Werbeprospekten (ARD-Video)
Banken, Börsen und Regierungen
Das Geld, die Gier und der Hebel
Gipfel der Ratllosigkeit
Das Einmaleins der amerikanischen Finanzkrise
Hypo Real Estate: Krisenmanagement in der Krise
Wall Street letzte Woche: Was nun Amerika?
Sozialisierung der Verluste und Aus für das System?
Amerika, wer bist Du?
Verhalten wider die eigenen Regeln
New York: Wall Street, wie wir es kannten, ist nicht mehr
Steuerzahler stemmen milliardenschwere Zeche
Gauner, Geschädigte und die BaFin
Deutsche Bank, eine Turboanleihe und die Staatsanwaltschaft
Swap-Geschäfte: Kommunen zocken, Bürger haften
Faule Swaps: Die nächste Weltfinanzkrise rückt näher
Der Meinl-Skandal und die verschwundenen Millionen
Amis - Europas gigantischer Betrugsskandal
Skandalbank in Österreich - Die Hypo Alpe Adria
Khashoggi, Hypo Group Alpe Adria und ein Prozess, der (noch?) nicht stattfand
Die BAWAG: Es war einmal eine Arbeiterbank in Wien
Marko Perković und die Hypo-Alpe- Adria Bank
Söldner, Gauner, Waffen und Rohstoffe
BayernLB: Das dicke Ende kommt erst noch
[Jörg Frhr. von Oldershausen] 65 Milliarden US Dollar sollten sich eigentlich auf den Konten Bernard Madoffs befinden. Doch nur eine magere Milliarde konnte Irving Picard, Konkursvollstrecker im einzigartigen Betrugsskandal des ehemaligen Börsen-Guru, bis heute sichern. Unzählige Gläubiger, Staatsanwaltschaft und vor allem Aufklärer Picard stellen die Frage, wo die gigantischen Summen stecken. Bisher ausgemachte 75 Millionen US Dollar auf einem schwarzen Konto in Gibraltar oder einhundert Millionen US Dollar, die aus dem Verhökern des Madoff-Vermögens erhofft werden, können nicht über die enorme Diskrepanz in den Bilanzen hinwegtäuschen. Zumindest ein Betrag von 25 Milliarden Dollar - so die Kalkulation des Wall Street Journals – wurde an Kapital tatsächlich eingezahlt; Selbst unter Berücksichtigung der phantasievollen Scheingeschäfte und in Anerkennung dessen, dass es sich teilweise nur um fiktive Guthaben handelte.
Druck auf Madoff-Clan wächst täglich
Jener, der tatsächlich Licht in das Dunkel bringen kann, sitzt seit Mitte März sicher hinter Gittern. Aussicht, jemals wieder die Luft der Freiheit zu schnuppern, hat der einstmalige Börsen-Guru nicht. Derweil haben die Staatsanwaltschaft unter der Leitung von Marc Litt und die Geschädigten des Jahrhundertskandals die Jagdsaison eröffnet und zur Hatz auf den Madoffschen Familien-Clan und andere mögliche Mittäter geblasen. So wurden am 16. März alle im Namen von Madoffs Ehefrau Ruth gehaltenen Immobilien beschlagnahmt. Ebenso wurde die Beschlagnahmung von 62 Millionen US Dollar in Bargeld und Bonds, diversen Jachten, Limousinen, Schmuck, Uhren und sogar dem Tafelsilber beantragt. Mit einem schlauen Manöver, dem sogenannten homestead protection, einem besonderen Schutz des Hauseigentums gegen Vollstreckung durch Gläubiger, versucht Ruth Madoff zumindest die 9,4 Millionen Dollar Villa in Palm Beach Florida zu retten. Ob sie damit langfristig Erfolg haben wird, ist fraglich.
Andrew und Mark, die beiden Söhne Madoffs, die als Geschäftsführer in der vermeintlich ehrlichen Market Maker Brokerage Firma des Madoff-Imperiums tätig waren, wurden inzwischen aufgefordert, persönliche Gehälter in Höhe von 31,5 US Millionen Dollar unmittelbar zurückzuzahlen. Peter Madoff, der ältere Bruder und ebenfalls Mitarbeiter im Madoff-Konzern, sah am 25. März sein gesamtes Vermögen aufgrund einer Aktion eines der Geschädigten eingefroren. Nun steht ihm ein Termin vor dem Richter bevor. Am 3. April ist es soweit.
David Friehling, Madoffs Steuerberater, der den Phantasieabschlüssen Madoffs 17 Jahre lang das “Seal of Approval” gab, stellte sich am 18. März den Behörden. Zunächst wurde er aufgrund von sechs Verstößen gegen die “Securities Laws” angeklagt und vorübergehend verhaftet. Nach Hinterlegung von 2,5 Millionen US Dollar Kaution konnte er allerdings das Gericht als vorläufig freier Mann verlassen. Im Falle seiner Verurteilung steht auch ihm eine langjährige Gefängnisstrafe bevor. Maximal drohen für solche Fälle 105 Jahre Freiheitsentzug.
Klagen, Klagen, nichts als Klagen
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Der Madoff-Skandal
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