Die Wirtschaftskrise trifft die Dritte Welt
31. Dezember 2008, 00:00
[Dr. Alexander Freiherr von Paleske] Vorgestern kam eine meiner jungen Patientinnen ziemlich bedrückt zur Behandlung. Sie arbeitet als Diamantenschleiferin. Sie und ihre Kolleginnen sind vorerst einmal in Urlaub geschickt worden. Es gibt zur Zeit keine Arbeit. Der Absatz von Diamanten ist eingebrochen. Das sind besonders schlechte Nachrichten für Botswana, dessen Hauptexport Diamanten sind. Gemessen an afrikanischen Standards haben sie dem Land einigen Wohlstand beschert. Das Land muss darüber hinaus den größten Teil des täglichen Bedarfs einführen, vorwiegend aus Südafrika. Und dafür benötigt es Devisen.Preise im freien Fall
Auch die Preise für andere Rohstoffe, die in Botswana gefördert werden, sind eingebrochen. Vor allem Nickel, deren Produktion sich kaum noch rentiert. Der Finanzminister Botswanas, Baledzi Gaolathe, stellte dazu im Parlament kürzlich fest: "For Botswana the impact of the recent financial crisis will be substantial with serious implications for the country. The main risk to our economy comes from the crisis on the mineral exports , in particular our diamond sales, which started to fall significantly in November 2008. In addition there has been a sharp decline in commodity prices in the past three months." Der freie Fall der Rohstoffpreise, der Preis für Nickel hatte sich in dem Zeitraum von August bis November diesen Jahres glatt halbiert und würde erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen auf die Staatseinnahmen haben, führte Gaolathe weiter aus. Auch Staatspräsident Ian Khama wies in seiner Weihnachts- und Neujahrsbotschaft auf die bitteren Konsequenzen hin, die sich aus dem Fall der Rohstoffpreise für sein Land ergeben. So müssen Länder der Dritten Welt die Konsequenzen der Weltfinanzkrise mittragen, ohne selbst in irgendeiner Weise Verursacher zu sein.
Kein Ende in Sicht
Dabei steht noch gar nicht fest, wie lange diese Krise noch andauern wird. Der weltgrößte Versicherungskonzern AIG, der Dank schwunghaften Handels mit den Zockerpapieren Swaps vor dem AUS stand und nun aufgrund einer Finanzspritze der US-Regierung in Höhe von 60 Milliarden US Dollar möglicherweise überleben kann, soll ein weiteres Finanzloch in Höhe von 30 Milliarden Dollar entdeckt haben. Wiederum bei Swaps, diesmal auf europäische Firmenkredite. Und auch dies dürfte noch nicht das Ende der Entdeckungsreise weiterer, großer Finanzlöcher darstellen.
Mittlerweile übersteigen die Kreditausfälle bei den Banken die Abschreibungen auf Wertpapiere. Ein klares Anzeichen, dass die Finanzkrise jetzt vollends zu einer zusätzlichen schweren Wirtschaftskrise geworden ist. Damit stimmt auch die Einschätzung der meisten amerikanischen Ökonomen hinsichtlich der Wirtschaftskrise in den USA überein, wie die ZEIT am 17.12. berichtete. Demnach soll das Schlimmste erst noch kommen, nämlich Massenpleiten und Massenarbeitslosigkeit.
Derweil melden sich in den USA Kritiker zu Wort, welche die den Banken zur Verfügung gestellten Milliardensummen in Hinblick auf das Fortschreiten der Finanz-und Wirtschaftskrise als wirkungslos bezeichnen. Hinter den Zuwendungen habe keinerlei Konzept gestanden. Keine guten Aussichten, auch nicht für Botswana.
Verweise:
2009: Krisenmanagement, Wahlen und der Weg in eine lebenswerte Moderne
"Armut, Not und wenig Brot" - ein realistischer Ausblick auf die Weltwirtschaftskrise
Sand im Getriebe: Opel in staatlicher Reparaturwerkstatt
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Das Einmaleins der amerikanischen Finanzkrise
Hypo Real Estate: Krisenmanagement in der Krise
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Photo: pixelio.de































































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