Im Namen der Freiheit: "Junge Freiheit" kritisch unter der Lupe
1. September 2008, 19:22
[Ursula Pidun] Sie trumpfen mit schillernden Autoren- Namen bekannter Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft und haben dennoch alle Hände voll damit zu tun, das rechtslastige und stramm konservativ anmutende Magazin mit zweifelhaften Werten in ein seriöses Licht zu setzen. Und - nicht selten muss es sich mit Angriffen auseinander setzen und klagt sich gerne durch sämtliche Instanzen. Die Rede ist von der Wochenzeitung für "Politik und Kultur" mit dem innovativ und juvenil klingenden Namen "Junge Freiheit", das in der Vergangenheit auch den Verfassungsschutz einiger Länder beschäftigte. Seit 2005, nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts, wird "Junge Freiheit" zwar in den Verfassungsschutzberichten nicht mehr geführt, bleibt aber weiter Beobachtungsobjekt. Im Namen der Freiheit
Dabei ist Freiheit in Deutschland mit inzwischen weit mehr als sechs Jahrzehnten so jung nicht mehr, hat sich das geschichtslastige Land doch nach dem Zweiten Weltkrieg mit seiner Erblast der schlimmsten Verbrechen der Weltgeschichte zu einer weltweit anerkannten freiheitlichen und demokratischen Republik mit Vorbildfunktion entwickeln können. Möglich wurde dies besonders auch durch die vielen wachsamen Augen und offenen Ohren, die lieber zweimal zu viel als einmal zu wenig hinsehen und zuhören, um niemals mehr auch nur ansatzweise eine Entwicklung in vergangene Verhaltensmuster mit all ihren nachfolgenden Gefahren zuzulassen.
So ist es auch der Freiheit dieses Landes zu "verdanken", dass rechtskonservative Magazine wie etwa "Junge Freiheit" auf der Grundlage der Pressefreiheit agieren können. Ebenfalls der freiheitlichen Performance dieses Landes ist es allerdings zu danken,.dass Meinungs- und Pressefreiheit nicht mit zweierlei Maß gemessen werden und umsichtige Beobachter und wachsame Analysten den rauschenden, medialen Blätterwald des Landes im Auge behalten, analysieren, kommentieren und in der Folge auch sachlich kritisieren können.
Mit offenem Visier
Zwei, die sich nicht scheuen, den Finger auf Wunden zu legen, die zwar augenscheinlich noch nicht eitern, dennoch aber deutliche Verletzungsspuren zeigen, sind Stephan Braun und Ute Vogt. Die beiden SPD-Politiker nehmen sich die Freiheit einer sachlichen Analyse der "Junge Freiheit" und bedienen sich dabei der in unserem Land seit Jahrzehnten zur Verfügung stehenden Instrumente der Presse- und Meinungsfreiheit. Mit ihrer im August 2007 gemeinsam veröffentlichten Publikation Die Wochenzeitung "Junge Freiheit" - Kritische Analysen zu Programmatik, Inhalten, Autoren und Kunden präsentieren sie eine beachtliche Sammlung an Veröffentlichungen bekannter Autoren, die Fragen in die gesellschaftliche Diskussionsrunde werfen, die es zu diskutieren lohnt. Dabei geht es den Herausgebern weder um Vorverurteilung noch um Diskreditierung. Vielmehr steht das im Vordergrund, was sich so manche wortgewaltige Instanz auf die Fahne schreibt, ohne es jemals tatsächlich selbst zu leben: Diskussions- Konflikt- und Kritikfähigkeit mit offenem Visier und jenseits von Tricks, Propaganda, leeren Worthülsen und falsch verstandenem und mitunter gefährlich überzogenem Nationalstolz. Und so verzichten Herausgeber und Autoren auch auf jeglichen Populismus und halten sich streng an Fakten.
Sprengstoff für Diskussionen
Mit einer Chronologie der "Junge Freiheit" von 1986 bis 2006 kann sich der Leser über die Entstehungsgeschichte des Blattes informieren und mit Thomas Pfeiffers und Michael Puttkamers Beitrag und der Frage befassen, "Warum das Land Nordrhein-Westfalen die "Junge Freiheit" in seinen Verfassungsschutzberichten geführt hat". Das Kapitel "Das Blatt im Grenzraum des Verfassungsbogens" weist auf Veröffentlichungen unterschiedlicher Autoren hin, die sich thematisch mit der Unvereinbarkeit des Blattes mit dem Grundgesetz sowie dem Geschichtsverständnis, dem christlichen Bild von Juden und Judentum in der "Junge Freiheit" sowie einem Beitrag zur Außen- und Militärpolitik für Volk und Nation beschäftigt. Klare Analysen über Autoren verspricht das zweite Kapitel, das Akteuren, Kunden und Kampagnen in das Blickfeld rückt und sowohl Einblicke in Werdegänge von Autoren der "Junge Freiheit" bietet, als auch Anzeigenkampagnen hinsichtlich einer Plattform für extreme Rechte analysiert. Im dritten Kapitel schließlich wird die Herausforderung angesprochen, der das Blatt "Junge Freheit" in Gesellschaft und Politik unterliegt. Zu einem der spannendsten Beiträge zählt dabei Helmut Lölhöffels Publikation "Die Interview-Falle. Wie die "Junge Freiheit" immer wieder Prominente und sogar Sozialdemokraten einspannte".
Mahnung und Ermunterung zugleich
Zweifelsfrei ist es den Herausgebern und Autoren auf erstklassige Weise gelungen, einem Blatt Paroli zu bieten, das sich im Namen der Meinungs- und Pressefreiheit eine Legitimation erringen konnte, die sie selbst anderen nur ungern zugesteht. Meisterhaft recherchiert und journalistisch auf hohem Niveau beweisen die Autoren, dass Mut nicht bedeutet, mittels rhetorischer Fertigkeiten und populistischer Parolen auf Menschenfang zu gehen. Mutig ist nicht, wer um des lieben Friedens Willen oder gar aus Angst Entwicklungen schweigend hinnehmen will, die Anlass zu großer Sorge geben. Mut bedeutet vielmehr, Zustände und Umstände beim Namen zu nennen, warnende Stimmen zu Wort kommen zu lassen und Kritik offen gegenüber zu stehen. Doch über Mut müssen diese beiden Herausgeber und ihre Autoren nicht diskutieren. Für sie ist ist es das, was er für alle in dieser Gesellschaft sein sollte: Eine Selbstverständlichkeit.
Das Buch ist im VS Verlag für Sozialwissenschaften/
GWV Fachverlage GmbH erschienen und kostet 39,90 EURO
Hrsg.: Braun, Stephan / Vogt, Ute
Die Wochenzeitung "Junge Freiheit"
Kritische Analysen zu Programmatik, Inhalten, Autoren und Kunden
2007. 358 S. Mit 6 Abb. Br.
ISBN: 978-3-531-15421-3
Verweise:
Rüstzeug für den Kampf gegen den Rechtsextremismus
Photo: VS-Verlag































































