Amerika, wer bist Du? Liebeserklärung an ein freiheitliches Land/Teil II
21. September 2008, 19:45[Jörg Frhr. von Oldershausen]
Konsum ist eine Bürgerpflicht
Amerika ist das Wunderland des Konsums. Kein Land kommt auch nur annähernd an ein derart konzentriertes Konsumverhalten heran. Seien es Energie, Wasser oder Verbrauchsgüter - ja verdammt nochmal, selbst im Müll sind wir die absoluten Weltmeister. Die Wirtschaft ist auf diesen Konsum ausgerichtet und profitiert davon. Niemand wagt es, diese heilige Kuh zu schlachten, egal wie schädlich die Auswirkungen auch sind. Konsum ist eine amerikanische Bürgerpflicht. Damit sich auch die Unvermögenden nicht ins Abseits gestellt fühlen, haben die Amerikaner wundersame Dinge erfunden.
"Credit cards", "lay away plans", "no payments the first 12 months", "no downpayment necessary-drive your car home today" und natürlich "no credit, bad credit – no matter, everybody qualifies". Die nachhaltigen Folgen dieser Masche müssen wir momentan schmerzlich durchleben. Wie im Leben geht auch in der Wirtschaft alles schneller. Jedes Quartal erwartet Wall Street einen Report. Wieviel Umsatz, wieviel Gewinn, welche Aussichten. Kein Wunder, wenn sich alles nur noch auf den "quarterly report" fixiert, hängt davon doch der Aktienpreis und nicht selten der fette Bonus ab. Schlechtes Quartal, schlechte Karten, da kann schon mal ein Aktienkurs um 30 Prozent innerhalb einer Stunde fallen. Kurzfristiges Denken beherrscht alles. Langfristige Strategien und Planungen sind kaum durch zuziehen. Die Qualität eines Produktes wird oftmals am Altar des Profits geopfert, ebenso wie der überflüssige Arbeiter. Amerika ist die Hochburg des Kapitalismus. Shareholders, zumeist riesige Funds, Versicherungen und Institutionen verlangen immer bessere und höhere Renditen. Wer nicht entsprechend produzieren kann, wird gnadenlos bestraft und wenn das nicht hilft, werden unsere Freunde vom "short selling" department ihre Magie wirken lassen. Nur in diesem Land konnte jemand auf die glorreiche Idee kommen, dass mehr Geld mit der Wette auf den Verlust und Untergang einer Firma verdient werden kann, als an deren Wohlergehen.
Rechtssprechung: Klagen, klagen und nochmals klagen
In Amerika ist jeder Anwalt ein Geschäftspartner. Das Geschäft? Klagen, klagen und nochmals klagen. Ein populärer Volkssport. Dein Hund hat auf meinen Rasen gepinkelt? Unverschämtheit, ich verklage auf zehn Millionen Dollar. Tatsächliche Schäden fallen in den Hintergrund zu den Standardfavoriten wie "pain and suffering" und "triple damage". Natürlich wird nie des schnöden Geldes wegen geklagt. Nein es geht darum, andere vor ähnlichem Schäden zu schützen. Das erreicht man am besten, so die Logik, indem man den größtmöglichen finanziellen Schmerz auf den Beklagten ausübt. Der Gewinn wird dann nach Abzug der Kosten getreu zu einem Drittel auf den Anwalt und zwei Dritteln auf den Kläger ausgeschüttet. Im so beliebten Medium Fernsehen werden die feinen Dienste dieser "ambulance chaser" ununterbrochen angeboten. Wer bislang noch nie daran dachte zu klagen, wird bei den animierten Darstellungen hellhörig und sagt sich: "Mensch, mein Arm tut eigentlich auch weh". Schon wurde ein neuer Kunde generiert. Exotische Erkrankungen, von denen noch niemand jemals etwas hörte, werden zu Schlag und Gebrauchswörtern und leiten neue profitable Klagegruppen ein. Nichts ist profitabler als eine “class action suit”. Dabei klagen Anwälte im Namen aller, ohne das den Betroffenen das bewusst wäre oder dieseetwa ein Mitspracherecht hätten.
Dies ist äußerst profitabel, zumindest für die Anwälte. Die Kläger selbst werden werden meistens mit Coupons oder lächerlichen zwei Dollar abgespeist. Die Beklagten hingegen kostet das nicht selten Millionen. Wer irgendein Produkt in diesem Lande kauft, schaut erstaunt auf unzählige Aufkleber mit kryptischen Warnungen, auch "Disclaimer" genannt, als Folge bereits verlorener "liability lawsuits"- also Haftpflichtprozesse. Jeder kann gegen jeden und alles klagen. Die Kosten, wie auch die Risiken für den Kläger sind im allgemeinen sehr gering. Ein beliebtes Spiel ist es, andere durch laufende Klagen in den Bankrott zu treiben. Nicht ein verlorener Prozess führt dies herbei, sondern die enormen Kosten, sich vor Gericht zu verteidigen. Ein wirtschaftlicher Dolchstoß sozusagen, daher ist es oft üblich, sich außergerichtlich zu einigen, sprich Erpressungsgeld zu zahlen. Obwohl es eigentlich keinerlei Basis für eine Klage gab, ist dies am Ende einfach billiger. Allein eine Androhung auf "Tort" oder "Litigation" verursacht Panik und schwache Beine, selbst bei gestandenen Kapitänen der Wirtschaft. Über 1,1 Millionen Anwälte vertrauen mit ihrer Existenz darauf.
Politik: Volksvertreter sind Schauspieler
Amerikas Politiker sind in erster Linie Schauspieler. Von daher war die Wahl Ronald Reagan’s ein Glückstreffer – er musste nicht heucheln. "To serve the country" ist die Antwort auf die Frage, warum man eine derart undankbare Beschäftigung auf sich nimmt. Es bedarf eines dicken Felles, denn man wird arg mit Schmutz beworfen. Je höher das Amt, je mehr Schmutz. Die Bezeichnung er ist ein "Teflonpräsident" gilt als höchste Ackolade, besitzt ein solcher doch die ausgeprägte Fähigkeit, jeden Schmutz wie Teflon abzuweisen. Unser Land ist politisch so ziemlich in der Mitte aufgeteilt, daher kommt es zu sehr interessanten Wahlen. Die eine Hälfte nennt sich Demokraten welche von der anderen, den Republikanern, wie folgt beschrieben werden: Unsichere Weicheier, die alles durch die Regierung lösen wollen und die hart arbeitende Oberschicht - zu der viele der demokratischen Politiker übrigens selbst zu zählen sind - bis auf die Knochen besteuern wollen. Um dann die hart verdienten Einkommen an die unproduktive Unterschicht zu verteilen. Die Definition der Republikaner aus der Sicht der Demokraten würde wie folgt lauten: Reiche, weiße Knacker, die mit gezogenem Colt die Nachbarschaft - und damit verstehen sie die ganze Welt - verunsichern und das Land gern für sich selbst behalten würden. Natürlich wird so etwas nur selten klar ausgesprochen.
Heutzutage ist man politisch korrekt, das heißt man lügt aus beiden Backen und benutzt "code-words", um zur Sache zu kommen. Ein erfolgreicher Politiker bringt den "bacon" home -dies bedeutet, er sorgt dafür, dass in seinem Regierungsbezirk für jedes noch so verrückte Projekt ausreichend Steuergelder zur Verfügung stehen. Das ist einfacher als man denkt. Will eine Partei ein wichtiges Gesetz zum Abschluss bringen, dann nutzt man die Gelegenheit, um Authorisierungen für "pet projects", sprich Ausgaben, die mit dem ganzen absolut nichts zu tun haben, anzuhängen. Das nennt sich unter dem Strich "earmarks" oder in plain speak "pork", wie Schweinefleisch. Eine Schamschwelle gibt es nicht mehr, jeder macht es und so mancher wird von den Kollegen ehrfürchtig zum "king of porc" ernannt. Politiker haben große Macht, aber verdienen wenig Geld. Das führt zu manchem Dilemma. Wer tagsüber Milliarden verplempern kann, beweihräuchert wird und davon überzeugt ist, der einzig berechtigte Schützer des Volkes zu sein, tut sich abends schwer, eine bescheidene Unterkunft mit dem Kollegen vom Nachbarstaat zu teilen und bei Vito eine Pizza zu bestellen. Jene Politiker mit schwachem Charakter erliegen dann Versuchungen und Korruption, doch sind solche Fälle insgesamt recht selten. Der Durchschnittspolitiker wartet seine Zeit ab, wird Lobbyist oder arbeitet als hochbezahlter Spezialist in der Wirtschaft. Möglichst für Firmen, die er vorher als Gesetzgeber reguliert hat – man will ja schließlich einen Fachmann. So sehr viel anders ist dieses Procedere aber in anderen Ländern wohl auch nicht.
"Commander in chief" kann Krieg erklären
In diesem Jahr erfreuen wir uns eines besonders interessanten Wahlkampfes. Nicht so sehr in der realen Politik. Obama erklärt er bringt "change" nach Washington, McCain erklärt er hatte schon immer "change" nach Washington gebracht und will da noch nachlegen. Das Interesse liegt daher in den Persönlichkeiten. Obama, der hohe Priester mit der goldenen Zunge. McCain, der tapfere Veteran, der seinen letzten Kampf für den Waehler fechten will. Selbst die vermeintlichen Vizepräsidenten haben zu regem Interesse geführt. Joseph Biden hat an Erfahrung massig was ihm an Haaren fehlt und Sarah Palin, die attractive, scharf schießende Dame aus dem hohen Norden, hat bei den alten weißen Knackern - sprich Republikanern - Begeisterung ausgelöst. Trotz all der Versprechen und den damit verbundenen irrsinnigen Kosten - man fragt sich, ob wir neben China nun auch noch Russland um seine Devisenreserven erleichtern müssen - hat der zukünftige Präsident, sei es nun Obama oder McCain, relativ wenig Macht, tatsächlich etwas zu ändern. Das Privileg der Änderung steht laut Verfassung nämlich dem Kongress zu. Dennoch - als "commander in chief" kann er natürlich Kriege erklären, Richter zum Supreme Court vorzuschlagen oder Begnadigungen aussprechen. Das ist immer dann von Vorteil, wenn es sich um ehemalige Mitglieder des eigenen Kabinetts handelt. So lassen sich weitere, literarisch oftmals erfrischende Enthüllungsromane vermeiden.
Fazit: Durch und durch eine Demokratie
Wir sind eine Demokratie. Hier kann jeder, der das 18. Lebensjahr erreicht hat und sich ordentlich beim Wahlamt registrieren ließ, am Wahltag seine Stimme abgeben. Übrigens - Alkohol darf ein Jugendlicher erst ab ab dem 21. Lebensjahr trinken, als Ausgleich dazu aber bereits mit 18 Jahren in den Krieg ziehen. Manchen gefällt das Wählen so gut, dass sie ihre Stimme gleich mehrfach abgeben oder in Erinnerung und zu Ehren an einen verstorbenen Freund wählen. Dies ist in der Tat eine unvollkommene aber funktionierende Demokratie mit "freedom, liberty and the pursuit of happiness" für alle. Und dies ist bei Weitem keine hohle Feststellung. Amerika ist nicht perfekt, aber hat sich in zweihundert Jahren gut gehalten. Keine anderes Land umarmt und integriert Immigranten so, wie es Amerika schafft. Wo wird der Zeitungsjunge zum Milliardär? Wo kann ein junger Mann mit afrikanischem Vater und weißer Mutter die Höhen der akademischen Welt ersteigen und unser nächster Präsident werden? In keinem anderen Land wird mehr erwirtschaftet, als hier. Nirgendwo leistet der Arbeiter höhere Produktivität. Die Vielzahl der Rassen, Religionen, Sprachen und Kulturen würden anderenorts zum Chaos führen. Das Gegenteil ist in Amerika der Fall. Hier werden alle durch diese enorme Vielfalt bereichert.
Keine Frage, ernste Probleme verdunkeln den Himmel und große Herausforderungen stehen uns bevor. Doch nicht mehr und nicht weniger als allen anderen Ländern dieser Erde. Und vergleichsweise setzt hier die Mehrheit alles, vor allem aber auch ihr Geld auf dieses Land. Große Herausforderungen haben immer das beste bei den Amerikanern bewirkt. Erfindungskraft und Vitalität der Amerikaner sind noch immer ohne Beispiel und werden auch in der Zukunft zu kreativen Lösungen führen. Veränderung ist in der Tat vonnöten, aber für jedes Misslingen gibt es Gegenbeispiele dafür, dass es glückt. Mögen die Lösungen dazu auch noch so skuril, einfach oder verrückt sein. Mit all seinen Imperfektionen ist Amerika ein Land, auf das seine Bürger durchaus mit Stolz blicken können.
Teil I: Amerika, wer bist Du? Liebeserklärung an ein freiheitliches Land
Verweise:
Sozialisierung der Verluste und Aus für das System?
Amerika, wer bist Du?
Verhalten wider die eigenen Regeln
New York: Wall Street, wie wir es kannten, ist nicht mehr
Steuerzahler stemmen milliardenschwere Zeche
Gauner, Geschädigte und die BaFin
Deutsche Bank, eine Turboanleihe und die Staatsanwaltschaft
Swap-Geschäfte: Kommunen zocken, Bürger haften
Faule Swaps: Die nächste Weltfinanzkrise rückt näher
Der Meinl-Skandal und die verschwundenen Millionen
Amis - Europas gigantischer Betrugsskandal
Skandalbank in Österreich - Die Hypo Alpe Adria
Khashoggi, Hypo Group Alpe Adria und ein Prozess, der (noch?) nicht stattfand
Die BAWAG: Es war einmal eine Arbeiterbank in Wien
Marko Perković und die Hypo-Alpe- Adria Bank
Söldner, Gauner, Waffen und Rohstoffe
BayernLB: Das dicke Ende kommt erst noch
Photos: Jörg Frh. von Oldershausen
Konsum ist eine Bürgerpflicht
Amerika ist das Wunderland des Konsums. Kein Land kommt auch nur annähernd an ein derart konzentriertes Konsumverhalten heran. Seien es Energie, Wasser oder Verbrauchsgüter - ja verdammt nochmal, selbst im Müll sind wir die absoluten Weltmeister. Die Wirtschaft ist auf diesen Konsum ausgerichtet und profitiert davon. Niemand wagt es, diese heilige Kuh zu schlachten, egal wie schädlich die Auswirkungen auch sind. Konsum ist eine amerikanische Bürgerpflicht. Damit sich auch die Unvermögenden nicht ins Abseits gestellt fühlen, haben die Amerikaner wundersame Dinge erfunden.
"Credit cards", "lay away plans", "no payments the first 12 months", "no downpayment necessary-drive your car home today" und natürlich "no credit, bad credit – no matter, everybody qualifies". Die nachhaltigen Folgen dieser Masche müssen wir momentan schmerzlich durchleben. Wie im Leben geht auch in der Wirtschaft alles schneller. Jedes Quartal erwartet Wall Street einen Report. Wieviel Umsatz, wieviel Gewinn, welche Aussichten. Kein Wunder, wenn sich alles nur noch auf den "quarterly report" fixiert, hängt davon doch der Aktienpreis und nicht selten der fette Bonus ab. Schlechtes Quartal, schlechte Karten, da kann schon mal ein Aktienkurs um 30 Prozent innerhalb einer Stunde fallen. Kurzfristiges Denken beherrscht alles. Langfristige Strategien und Planungen sind kaum durch zuziehen. Die Qualität eines Produktes wird oftmals am Altar des Profits geopfert, ebenso wie der überflüssige Arbeiter. Amerika ist die Hochburg des Kapitalismus. Shareholders, zumeist riesige Funds, Versicherungen und Institutionen verlangen immer bessere und höhere Renditen. Wer nicht entsprechend produzieren kann, wird gnadenlos bestraft und wenn das nicht hilft, werden unsere Freunde vom "short selling" department ihre Magie wirken lassen. Nur in diesem Land konnte jemand auf die glorreiche Idee kommen, dass mehr Geld mit der Wette auf den Verlust und Untergang einer Firma verdient werden kann, als an deren Wohlergehen.
Rechtssprechung: Klagen, klagen und nochmals klagen
In Amerika ist jeder Anwalt ein Geschäftspartner. Das Geschäft? Klagen, klagen und nochmals klagen. Ein populärer Volkssport. Dein Hund hat auf meinen Rasen gepinkelt? Unverschämtheit, ich verklage auf zehn Millionen Dollar. Tatsächliche Schäden fallen in den Hintergrund zu den Standardfavoriten wie "pain and suffering" und "triple damage". Natürlich wird nie des schnöden Geldes wegen geklagt. Nein es geht darum, andere vor ähnlichem Schäden zu schützen. Das erreicht man am besten, so die Logik, indem man den größtmöglichen finanziellen Schmerz auf den Beklagten ausübt. Der Gewinn wird dann nach Abzug der Kosten getreu zu einem Drittel auf den Anwalt und zwei Dritteln auf den Kläger ausgeschüttet. Im so beliebten Medium Fernsehen werden die feinen Dienste dieser "ambulance chaser" ununterbrochen angeboten. Wer bislang noch nie daran dachte zu klagen, wird bei den animierten Darstellungen hellhörig und sagt sich: "Mensch, mein Arm tut eigentlich auch weh". Schon wurde ein neuer Kunde generiert. Exotische Erkrankungen, von denen noch niemand jemals etwas hörte, werden zu Schlag und Gebrauchswörtern und leiten neue profitable Klagegruppen ein. Nichts ist profitabler als eine “class action suit”. Dabei klagen Anwälte im Namen aller, ohne das den Betroffenen das bewusst wäre oder dieseetwa ein Mitspracherecht hätten.
Dies ist äußerst profitabel, zumindest für die Anwälte. Die Kläger selbst werden werden meistens mit Coupons oder lächerlichen zwei Dollar abgespeist. Die Beklagten hingegen kostet das nicht selten Millionen. Wer irgendein Produkt in diesem Lande kauft, schaut erstaunt auf unzählige Aufkleber mit kryptischen Warnungen, auch "Disclaimer" genannt, als Folge bereits verlorener "liability lawsuits"- also Haftpflichtprozesse. Jeder kann gegen jeden und alles klagen. Die Kosten, wie auch die Risiken für den Kläger sind im allgemeinen sehr gering. Ein beliebtes Spiel ist es, andere durch laufende Klagen in den Bankrott zu treiben. Nicht ein verlorener Prozess führt dies herbei, sondern die enormen Kosten, sich vor Gericht zu verteidigen. Ein wirtschaftlicher Dolchstoß sozusagen, daher ist es oft üblich, sich außergerichtlich zu einigen, sprich Erpressungsgeld zu zahlen. Obwohl es eigentlich keinerlei Basis für eine Klage gab, ist dies am Ende einfach billiger. Allein eine Androhung auf "Tort" oder "Litigation" verursacht Panik und schwache Beine, selbst bei gestandenen Kapitänen der Wirtschaft. Über 1,1 Millionen Anwälte vertrauen mit ihrer Existenz darauf.
Politik: Volksvertreter sind Schauspieler
Amerikas Politiker sind in erster Linie Schauspieler. Von daher war die Wahl Ronald Reagan’s ein Glückstreffer – er musste nicht heucheln. "To serve the country" ist die Antwort auf die Frage, warum man eine derart undankbare Beschäftigung auf sich nimmt. Es bedarf eines dicken Felles, denn man wird arg mit Schmutz beworfen. Je höher das Amt, je mehr Schmutz. Die Bezeichnung er ist ein "Teflonpräsident" gilt als höchste Ackolade, besitzt ein solcher doch die ausgeprägte Fähigkeit, jeden Schmutz wie Teflon abzuweisen. Unser Land ist politisch so ziemlich in der Mitte aufgeteilt, daher kommt es zu sehr interessanten Wahlen. Die eine Hälfte nennt sich Demokraten welche von der anderen, den Republikanern, wie folgt beschrieben werden: Unsichere Weicheier, die alles durch die Regierung lösen wollen und die hart arbeitende Oberschicht - zu der viele der demokratischen Politiker übrigens selbst zu zählen sind - bis auf die Knochen besteuern wollen. Um dann die hart verdienten Einkommen an die unproduktive Unterschicht zu verteilen. Die Definition der Republikaner aus der Sicht der Demokraten würde wie folgt lauten: Reiche, weiße Knacker, die mit gezogenem Colt die Nachbarschaft - und damit verstehen sie die ganze Welt - verunsichern und das Land gern für sich selbst behalten würden. Natürlich wird so etwas nur selten klar ausgesprochen.
Heutzutage ist man politisch korrekt, das heißt man lügt aus beiden Backen und benutzt "code-words", um zur Sache zu kommen. Ein erfolgreicher Politiker bringt den "bacon" home -dies bedeutet, er sorgt dafür, dass in seinem Regierungsbezirk für jedes noch so verrückte Projekt ausreichend Steuergelder zur Verfügung stehen. Das ist einfacher als man denkt. Will eine Partei ein wichtiges Gesetz zum Abschluss bringen, dann nutzt man die Gelegenheit, um Authorisierungen für "pet projects", sprich Ausgaben, die mit dem ganzen absolut nichts zu tun haben, anzuhängen. Das nennt sich unter dem Strich "earmarks" oder in plain speak "pork", wie Schweinefleisch. Eine Schamschwelle gibt es nicht mehr, jeder macht es und so mancher wird von den Kollegen ehrfürchtig zum "king of porc" ernannt. Politiker haben große Macht, aber verdienen wenig Geld. Das führt zu manchem Dilemma. Wer tagsüber Milliarden verplempern kann, beweihräuchert wird und davon überzeugt ist, der einzig berechtigte Schützer des Volkes zu sein, tut sich abends schwer, eine bescheidene Unterkunft mit dem Kollegen vom Nachbarstaat zu teilen und bei Vito eine Pizza zu bestellen. Jene Politiker mit schwachem Charakter erliegen dann Versuchungen und Korruption, doch sind solche Fälle insgesamt recht selten. Der Durchschnittspolitiker wartet seine Zeit ab, wird Lobbyist oder arbeitet als hochbezahlter Spezialist in der Wirtschaft. Möglichst für Firmen, die er vorher als Gesetzgeber reguliert hat – man will ja schließlich einen Fachmann. So sehr viel anders ist dieses Procedere aber in anderen Ländern wohl auch nicht.
"Commander in chief" kann Krieg erklären
In diesem Jahr erfreuen wir uns eines besonders interessanten Wahlkampfes. Nicht so sehr in der realen Politik. Obama erklärt er bringt "change" nach Washington, McCain erklärt er hatte schon immer "change" nach Washington gebracht und will da noch nachlegen. Das Interesse liegt daher in den Persönlichkeiten. Obama, der hohe Priester mit der goldenen Zunge. McCain, der tapfere Veteran, der seinen letzten Kampf für den Waehler fechten will. Selbst die vermeintlichen Vizepräsidenten haben zu regem Interesse geführt. Joseph Biden hat an Erfahrung massig was ihm an Haaren fehlt und Sarah Palin, die attractive, scharf schießende Dame aus dem hohen Norden, hat bei den alten weißen Knackern - sprich Republikanern - Begeisterung ausgelöst. Trotz all der Versprechen und den damit verbundenen irrsinnigen Kosten - man fragt sich, ob wir neben China nun auch noch Russland um seine Devisenreserven erleichtern müssen - hat der zukünftige Präsident, sei es nun Obama oder McCain, relativ wenig Macht, tatsächlich etwas zu ändern. Das Privileg der Änderung steht laut Verfassung nämlich dem Kongress zu. Dennoch - als "commander in chief" kann er natürlich Kriege erklären, Richter zum Supreme Court vorzuschlagen oder Begnadigungen aussprechen. Das ist immer dann von Vorteil, wenn es sich um ehemalige Mitglieder des eigenen Kabinetts handelt. So lassen sich weitere, literarisch oftmals erfrischende Enthüllungsromane vermeiden.
Fazit: Durch und durch eine Demokratie
Wir sind eine Demokratie. Hier kann jeder, der das 18. Lebensjahr erreicht hat und sich ordentlich beim Wahlamt registrieren ließ, am Wahltag seine Stimme abgeben. Übrigens - Alkohol darf ein Jugendlicher erst ab ab dem 21. Lebensjahr trinken, als Ausgleich dazu aber bereits mit 18 Jahren in den Krieg ziehen. Manchen gefällt das Wählen so gut, dass sie ihre Stimme gleich mehrfach abgeben oder in Erinnerung und zu Ehren an einen verstorbenen Freund wählen. Dies ist in der Tat eine unvollkommene aber funktionierende Demokratie mit "freedom, liberty and the pursuit of happiness" für alle. Und dies ist bei Weitem keine hohle Feststellung. Amerika ist nicht perfekt, aber hat sich in zweihundert Jahren gut gehalten. Keine anderes Land umarmt und integriert Immigranten so, wie es Amerika schafft. Wo wird der Zeitungsjunge zum Milliardär? Wo kann ein junger Mann mit afrikanischem Vater und weißer Mutter die Höhen der akademischen Welt ersteigen und unser nächster Präsident werden? In keinem anderen Land wird mehr erwirtschaftet, als hier. Nirgendwo leistet der Arbeiter höhere Produktivität. Die Vielzahl der Rassen, Religionen, Sprachen und Kulturen würden anderenorts zum Chaos führen. Das Gegenteil ist in Amerika der Fall. Hier werden alle durch diese enorme Vielfalt bereichert.
Keine Frage, ernste Probleme verdunkeln den Himmel und große Herausforderungen stehen uns bevor. Doch nicht mehr und nicht weniger als allen anderen Ländern dieser Erde. Und vergleichsweise setzt hier die Mehrheit alles, vor allem aber auch ihr Geld auf dieses Land. Große Herausforderungen haben immer das beste bei den Amerikanern bewirkt. Erfindungskraft und Vitalität der Amerikaner sind noch immer ohne Beispiel und werden auch in der Zukunft zu kreativen Lösungen führen. Veränderung ist in der Tat vonnöten, aber für jedes Misslingen gibt es Gegenbeispiele dafür, dass es glückt. Mögen die Lösungen dazu auch noch so skuril, einfach oder verrückt sein. Mit all seinen Imperfektionen ist Amerika ein Land, auf das seine Bürger durchaus mit Stolz blicken können.
Teil I: Amerika, wer bist Du? Liebeserklärung an ein freiheitliches Land
Verweise:
Sozialisierung der Verluste und Aus für das System?
Amerika, wer bist Du?
Verhalten wider die eigenen Regeln
New York: Wall Street, wie wir es kannten, ist nicht mehr
Steuerzahler stemmen milliardenschwere Zeche
Gauner, Geschädigte und die BaFin
Deutsche Bank, eine Turboanleihe und die Staatsanwaltschaft
Swap-Geschäfte: Kommunen zocken, Bürger haften
Faule Swaps: Die nächste Weltfinanzkrise rückt näher
Der Meinl-Skandal und die verschwundenen Millionen
Amis - Europas gigantischer Betrugsskandal
Skandalbank in Österreich - Die Hypo Alpe Adria
Khashoggi, Hypo Group Alpe Adria und ein Prozess, der (noch?) nicht stattfand
Die BAWAG: Es war einmal eine Arbeiterbank in Wien
Marko Perković und die Hypo-Alpe- Adria Bank
Söldner, Gauner, Waffen und Rohstoffe
BayernLB: Das dicke Ende kommt erst noch
Photos: Jörg Frh. von Oldershausen































































