Zocker, Swaps und die Weltfinanzkrise
16. September 2008, 07:43
[Dr. Alexander Freiherr von Paleske] "Die Situation ist da", pflegte der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, Konrad Adenauer zu sagen. Und wie sie da ist auf den internationalen Finanzmärkten. Lehman Brothers ist pleite, Merrill Lynch wurde vor dem Bankrott schnell noch von der Bank of Amerika aufgekauft und die Aktienmärkte befinden sich im freien Fall. Das kann allerdings nur für jene überraschend kommen, der sich nicht mit dem internationalen Finanzbetrieb beschäftigt haben. Denn mittlerweile haben wir es nicht mehr mit soliden und geregelten Finanzmärkten zu tun, sondern eher mit einem Casino in schmuddeligen Hinterzimmern. "Rien ne va plus", denn die Casinochips sind in erster Linie Credit Default Swaps. Zocken wie im Spielcasino
Vor diesen Zockerpapieren, über die wir mehrfach berichteten, hatte der Finanzguru George Soros gewarnt. Sie könnten eine Weltfinanzkrise auslösen, äußerte er kürzlich. Und auch der US Grossinvestor Warren Buffet bezeichnete sie bereits im Jahre 2002 als finanzielle Massenvernichtungswaffen. Und diese haben nun kräftig gezündet. Nach der Übernahme der US-Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac wurden die Credit Default Swaps auf deren Obligationen fällig gestellt. Zahltag für eine Gesamtsumme von 1,5 Billionen US Dollar. Da Lehman Brothers einer der größten Zocker mit diesen Massenvernichtungsmitteln war, stand jetzt die Pleite an. Allein weltweit wurden einfach einmal soeben und mit einem Handstreich 20.000 Menschen auf die Straße gesetzt, in London allein mehrere Tausend. Doch dies ist keineswegs das Ende der Fahnenstange, denn auch den weltgrößten Versicherer AIG hat es böse erwischt. Der hatte bereits zuvor 13 Milliarden an Swap-Verlusten abschreiben müssen. Jetzt kommt eine weitere dicke Ladung auf ihn zu. Die Aktie befindet sich in einem freien Fall wie die Viktoria- und Niagarafälle zusammengenommen. Gleichzeitig werden Lügen verstreut, wie etwa jene, die AIG habe nur ein vorübergehendes Liquiditätsproblem.
Inventur enttarnt Nieten in Nadelstreifen
Jahrein, jahraus haben die Banken immer neue Finanzprodukte erfunden, wie auch die Auction Rate Securities, über die wir berichteten. 40 Prozent der Banken-Kredite wurden an nicht kreditwürdige Kunden vergeben, man war ja über Credit Default Swaps versichert. Jetzt steht die Inventur an. Und die sieht böse aus. Den Bankern gelten die Vorwürfe, die zu Casinobetreibern mutiert sind und Politiker haben restlos versagt. Sie griffen nicht ein, als dies dringend und zwingend erforderlich wurde. Die meisten Vorwürfe treffen allerdings Alan Greenspan, den ehemaligen Notenbankchef der USA, der das alles auch noch drastisch gefördert hat. Otto Normalverbraucher, nicht nur in den USA, werden nun für die Schäden aufkommen müssen, die sie gar nicht angerichtet haben. Man könnte es wohlwollend als eine Sozialisierung der Verluste bezeichnen. Doch Wohlwollen ist das Letzte, was angesichts des Desasters in Hinblick auf die Verantwortlichen angebracht ist.
Verweise:
Gauner, Geschädigte und die BaFin
Deutsche Bank, eine Turboanleihe und die Staatsanwaltschaft
Swap-Geschäfte: Kommunen zocken, Bürger haften
Faule Swaps: Die nächste Weltfinanzkrise rückt näher
Der Meinl-Skandal und die verschwundenen Millionen
Amis - Europas gigantischer Betrugsskandal
Skandalbank in Österreich - Die Hypo Alpe Adria
Khashoggi, Hypo Group Alpe Adria und ein Prozess, der (noch?) nicht stattfand
Die BAWAG: Es war einmal eine Arbeiterbank in Wien
Marko Perković und die Hypo-Alpe- Adria Bank
Söldner, Gauner, Waffen und Rohstoffe
BayernLB: Das dicke Ende kommt erst noch
Photo: Pixelio.de

































































