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    Bürgerjournalismus als Totengräber der Tageszeitungen?

    4. September 2008, 13:30
    pr1[Dr. Alexander Freiherr von Paleske] Josef Joffe, Mitglied im Herausgeber-Gremium der Wochenzeitschrift "Die ZEIT", zeigt sich um das Zeitungsgeschäft und den Journalismus besorgt. In einem Artikel in der gedruckten Ausgabe vom 14 August 2008 mit dem Titel: "Alles umsonst?"sieht er Schlimmes drohen und orakelt das völlige Verschwinden der Tageszeitungen im Jahre 2048, sollte der jährliche Auflagenrückgang von zwei Prozent anhalten. Internetzeitungen wie etwa die amerikanische "Huffington Post" macht er als Totengräber der etablierten Tageszeitungen aus. Was ist davon zu halten?

    Zweifelsfrei wäre ein solches Thema als Dossier besser geeignet gewesen, als eine Story auf Seite eins. Doch in der gleichen Ausgabe mit Joffes wehklagendem Leitartikel finden sich im Dossier Auslassungen des ehemaligen Außenministers Joschka Fischer. Einem Politiker, den der verstorbene Journalist Günter Gaus als den größten Opportunisten bezeichnete, den er je kennengelernt habe. Ob derartige Auslassungen wirklich Thema für ein Dossier sein sollten, mag man mit Fug und Recht bezweifeln. Und damit sind wir schon mitten drin im Thema und einer Analyse darüber, welchen vermeintlichen oder tatsächlichen Gefahren der Journalismus realistisch betrachtet ausgesetzt ist.

    Zustand der Zeitungen
    Um den aktuellen Zustand der Tageszeitungen - und nur um die geht es hier - einschätzen zu können und deren zukünftige Entwicklung zu prognostizieren, hilft ein Blick in die Vergangenheit. Hochkonjunktur hatten Tageszeitungen zweifelsfrei vor der Einführung von Rundfunk und Fernsehen. Damals waren Tageszeitungen die wesentliche Nachrichtenquelle überhaupt. Der Transport und die Aufbereitung der Nachrichten, die aus einer Fülle von Nachrichten ausgewählt und redaktionell aufbereitet wurden, sowie zusätzliche, Kommentierungen von Journalisten und Redakteuren mit viel Hintergrundwissen zum Thema, führten zu einem hohem Maß an Qualität. Dies änderte sich ansatzweise schon mit dem Hörfunk, Er trat als weiteres Medium zum Transport der Nachrichten in direkte Konkurrenz zu den Printmedien auf, deren Stärke vor allem in der steten Aktualisierung liegt. Mit dieser – oftmals minutenschnellen Aktualisierung konnten und können Tageszeitungen nicht konkurrieren.

    Demgegenüber standen jedoch die Vorteile. Zeitungen konnten eine größere Reichhaltigkeit bieten, detaillierter berichten und mit Photos unterfüttern. Und – Kunden konnten das Blatt lesen, wann immer sie wollten und Zeit dafür fanden. Doch es dauerte nicht lange und der nächste Konkurrent ging an den Start. Mit Einführung des Fernsehens wurden Nachrichten quasi lebendig, Information in Film und Ton fanden den Einzug in jeden noch so kleinen Haushalt. Doch noch immer verfügten Tageszeitungen über den gravierenden Vorteil der Reichhaltigkeit und einer Fülle an Informationen. Sie betrafen ganz besonders den Lokalteil, der sich letztlich ja auch bis heute als der beliebteste Teil der Zeitung in die Neuzeit hinüber retten konnte. Allerdings konnte auch dieser Teil die dunklen Wolken, die am Zeitungshimmel auftauchten, nicht abfangen. Denn das Anzeigengeschäft, die größte Einnahmequelle der Printmedien, brach extrem ein. Werbung in Radio und/oder Fernsehen kam wesentlich besser beim Konsumenten an und blieb tiefer haften. Umso entscheidender wurde die Qualität der jeweiligen Tageszeitung. Je fundierter, neutraler und professioneller berichtet wurde, umso eher konnten Zeitungen mit guten Auflagen und damit auch mit Werbekunden rechnen.
    .
    Nachrichtenagenturen nur für die Medien
    Zeitungen genossen früher den großen Vorteil des Zugangs zu den Nachrichtenagenturen wie dpa, UPI, AP, AFP. Die exklusiven Nachrichten waren ausschließlich den Medien zugänglich und quasi das Betriebskapital der Verlage. Nachrichten wurden damals per Funkfernschreib über Kurzwelle verbreitet. Die Deutsche Presse Agentur streute beispielsweise über die Sender der DENA. Ansonsten hatten nur Funkamateure mit angeschlossener Funkfernschreibmaschine Zugang zu den Nachrichtenagenturen. Auch Berichte der Korrespondenten aus allen Ländern erreichten so die Medien und insbesondere Zeitungen. Dieser Zugang war jedoch nicht nur exklusiv. Vielmehr hatten einzelne Medien damit eine Auswahlmöglichkeit der Nachrichten und damit in gewisser Weise auch eine Deutungshoheit. Sowohl bezüglich der Auswahl der Nachrichten als auch hinsichtlich deren Platzierung und Kommentierung.

    Allerdings bestand auch stets die Gefahr, Meinungsjournalismus zu produzieren und medial zu vertreiben. Gerade in Deutschland und hier schwerpunktmäßig in Hamburg und Berlin konnte diese Entwicklung deutlich beobachtet werden. Als eines der markantesten Beispiele dient die Springer-Presse mit ihrer Bildzeitung, die mit der Bekämpfung von Willy Brandts Ostpolitik und der Studentenbewegung einen solchen Meinungsjournalismus am deutlichsten zeigte. Wenngleich auch andere Medien nicht ganz so krass agierten und noch immer agieren, so werden doch nach wie vor Inhalte durch Eigentümer, Verleger und Herausgeber stark beeinflusst. Angesicht heutiger, demokratischer Verhältnisse im Nachrichtenbereich, wozu besonders das Internet beigetragen hat, gehört dieser Aspekt zu einer authentischen Analyse hinsichtlich des vermeintlichen Untergangs der Tageszeitungen. Josef Joffe lässt dies in seinem Artikel ganz aus. Und auch eine weitere Konkurrenz bleibt von Joffe unangesprochen, die in Gestalt kostenloser Anzeigenblätter auf den Plan tritt. Anders als in Deutschland, erreichen diese beispielsweise in England Leser oftmals jeden Tag und werden als Tageszeitungen aufbereitet und herausgebracht, um sich vorsorglich eine auswärtige Konkurrenz vom Leibe zu halten.

    Das Internet als Nachrichtenzugangsdemokratie
    Doch insbesondere mit der Informationstechnologie und dem Internet änderte sich praktisch über Nacht alles und zwar für jedes Medium, wobei Zeitungen aufgrund der statischen Aufmachung und verzögerten Berichterstattung am meisten betroffen wurden. Seit dieser wohl größten und spektakulärsten Erfindung im Informationsbereich sind Nachrichten in Echtzeit für jedermann und völlig frei zugänglich. Das Internet wurde zum zentralen Medium im Transport von Nachrichten schlechthin. Unschlagbar in Schnelligkeit, Fülle der Information und Reichhaltigkeit des Bildmaterials. Und - die Verbreitung der Nachrichten - anders als bei Druckmedien - kostet nichts. Dies kann man mit Fug und Recht als eine Demokratisierung des Zugangs zu den Nachrichtenquellen bezeichnet werden. Doch damit verloren die Tageszeitungen, die als alleiniger Nachrichtenträger mit der Einführung von Rundfunk und Fernsehen schon ein halbes Standbein eingebüßt hatten, nun auch noch den letzten Anker. Auch die Haupteinnahmequellen aus dem Anzeigengeschäft verringerten sich drastisch. Anzeigenkunden wanderten scharenweise in das Internet ab. Dorthin, wo Werbung den Kunden rund um die Uhr erreicht. Joffe geht in seinem Artikel auch auf diese Entwicklungen nicht ein und verschweigt, dass Zeitungen früher ohne Rücksicht auf Anzeigen- und Werbekunden berichten konnten. Denn Werbe-Kunden konnten auf eine Präsenz in den einschlägigen Print-Medien in keinem Fall verzichten, sie mussten dort präsent sein. Die Zeiten sind längst vorbei. Angesicht der gewaltigen Krise, in der sich Zeitungen und Journale befinden, werden Anzeigenkunden umworben und sei es auch zu einem extrem hohen Preis. Denn Redaktionen müssen oftmals Rücksicht auf Werbekunden nehmen, aus der Angst heraus, sie sonst zu verlieren. Dies, obwohl die Wettbewerbsregeln und Chancen auch für Tageszeitungen enorm sind, denn auch sie können – wie jedes andere Medium bis hin zu jedem einzelnen Bürger - Präsenz im Internet zeigen und Defizite im Print durch einen erstklassigen, hochwertigen Journalismus ausgleichen. Doch zumeist ist das Gegenteil der Fall und so verlagert Joffe die Ursachenanalyse und schreibt sie dem so genannten Bürgerjournalimus zu.

    Rotes Tuch: Der Bürgerjournalismus
    Hatten inzwischen also fast alle Zeitungen den Gang ins Internet gewagt, immer in der Hoffnung, hier Boden gut zu machen, trafen sie dort nun auf den von Joffe so beklagte Bürgerjournalismus. Dieser hatte sich bereits in ziemlich rasender Geschwindigkeit den Weg gebahnt, wird heute durchaus nachgefragt und ist nicht mehr aus diesem Medium wegzudenken. Soll man ihn also beklagen? Natürlich ist vieles, was sich Bürgerjournalismus nennt, nicht viel mehr als Stammtischgequassel. Worte ohne Inhalt, seitenlange Abhandlungen und doch nur Leere, Fehlanalysen und Rechtschreibfehler. Tagebücher von Bürgern eben, ein übersteigerter Äußerungsdrang ohne jedweden Nutzwert aber keinesfalls ein wie auch immer gearteter Journalismus. Und doch gibt es ihn, den etablierten, qualitativ hochwertigen Bürgerjournalismus. Von interessierten Bürgern oder auch Experten aus unterschiedlichen Themenbereichen. Ordentlich aufbereitet und gut präsentiert ist er in der Tat eine ernst zunehmende Konkurrenz. Das haben wohl auch Zeitungen bemerkt, denn als "User Generated Content" ohne jegliche Bezahlung werden sie gerne von den gleichen Medien "verwurstet", bei denen die Laien-Autoren zuvor anlässlich einer offiziellen Einreichung in der Redaktion abgeblitzt sind. Längst haben Zeitschriften wie etwa der "STERN" mit "Tausenreporter" oder SPIEGEL und andere damit begonnen, diesen Journalismus als kostenlosen Zubringerdienst für sich zu nutzen und zu benutzen. Eine Hassliebe sozusagen, deren Existenzberechtigung die Medien gönnerhaft nur durch ein solches, eigenes und kostenloses Nutzungspotenzial berechtigt sehen. Gleichzeitig aber daraus schöpfen, Userzahlen generieren und Aufmerksamkeit erreichen. Auch die "ZEIT" schöpft aus diesem Potenzial und veröffentlicht in ihrer Internetpräsenz "ZEIT-ONLINE" Artikel von den von Joffe derart beklagten Bürgerjournalisten. Vielleicht hat er es nur übersehen?

    Qualität entscheidet
    Dabei wird es dem Bürgerjournalismus nicht anders ergehen, wie dem Profi-Journalismus: Die Qualität entscheidet. Bei Bloggern und Bürgerjournalisten trennt sich mit der Zeit die Spreu vom Weizen. Blogs, ohne substantielle Inhalte werden nicht besucht und dann von den Betreibern auch irgendwann eingestellt. Blogs, die professionell Beiträge redigieren und auf Richtigkeit überprüfen, werden sich sicher am Markt etablieren und eine hohe Nachfrage erzielen. Doch was wird aus den Tageszeitungen? Werden sie die richtigen Konsequenzen aus Entwicklungen und deren Analysen ziehen und einen Weg einschlagen, der ein Weiterleben garantiert? Zumindest derzeit sieht es nicht danach aus. Anstatt qualitativ in Höchstform zu geraten und mit außergewöhnlichen Reportagen Leser und Werbekunden anzuziehen, haben Verleger mit einer radikalen Zurechtstutzung des Redaktionsstabes reagiert. Ganze Redaktionen wurden ausgelagert und bestimmte Teile der Zeitungen zentral versorgt, insbesondere der internationale Nachrichtenteil. Immer häufiger wird auf freie Journalisten zurückgegriffen, was einerseits aufgrund ihrer Unabhängikgeit sehr gut ist, bezüglich der Bezahlung jedoch eine einzige Schande darstellt.

    Mit der Schrumpfung des Redaktionsstabes verlieren die Printmedien alle Vorteile, die sie gegenüber dem Internet durchaus noch haben könnten. Mit professioneller Aufbereitung der Nachrichten, statt einem lieblosen und hastigen Content-Management im Sinne von "Hauptsache, die Seiten sind voll" und der Hinwendung zum investigativen Journalismus sowie nicht alltäglichen Interviews wäre die Schlacht schon halb geschlagen. Denn ansonsten haben sie keinerlei Standortvorteile mehr gegenüber der Flut an Nachrichten und den Kommentar-Bloggern im Internet. Derzeit schaufeln sicher nicht Bürgerjournalisten das Grab der Tageszeitungen. Vielmehr sind sie es selbst, die dieses älteste Geschäft im Nachrichtenbereich in die Knie zwingen. Kostenersparnis, kleinere Formate, entlassene Journalisten und Redakteure, abgezogene Korrespondenten – dies bestimmt derzeit das Tagesgeschäft der Zeitungen. Informationen werden nur noch aus dem Internet und von den Nachrichtenagenturen abgeschöpft und leicht umformuliert dem Konsumenten serviert. Dass Leser den Appetit verlieren, sollte niemanden erstaunen. Auch nicht Josef Joffe, denn auch die ZEIT baut kräftig ab. So gibt es unter anderem keinen Korrespondenten mehr in Afrika, seitdem Korrespondent Grill nach Deutschland zurückgekehrt ist und durch reisende Reporter, wie etwa Andrea Böhm ersetzt wurde. Dies angesichts der politisch brisanten Lage Afrikas, ganze Seiten füllen könnte.

    Wenige Zeitungen überleben
    Auch im Jahre 2048 wird es - entgegen Joffes Vorhersage - sicherlich noch Zeitungen geben, allerdings nicht mehr in der jetzigen Auflage. Überleben wird allerdings weniger der Meinungs- sondern vielmehr der Qualitätsjournalismus. Journalisten, die investigativ tätig sind und Zeit sowie ausreichend Bezahlung erhalten, einer Sache auf den Grund zu gehen, werden Hochkonjunktur haben. Blätter, die sich darauf konzentrieren und spezialisieren, werden gestärkt aus dieser größten Krise aller Zeiten innerhalb der Zeitungsbranche herausgehen. Und - Zeitungen werden ganz selbstverständlich gute Beiträge von Bürgerjournalisten drucken und erkennen deren Wert. Für alle anderen, insbesondere jene, die so weiterwursteln und das Allheilmittel allein in einer Kostensenkung und Qualitätsminderung sehen, werden das Nachsehen haben. Für sie haben die Druckerpressen schon bald gänzlich ausgedient.

    Der Verfasser dieses Artikels ist leitender Arzt in Gaborone/Botswana, ehemaliger Rechtsanwalt beim Landgericht Frankfurt, Ex Amateurfunker (DL2DS) und - Bürgerjournalist.

    Verweise:
    Montgomery und das Wolkensystem der Netzeitung
    Montgomerys neue Schäfchen im System

    Photo: Pixelquelle.de
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    Interessante Ausführungen

    Simon Winkler (anonym) - 27. Aug, 16:52
    Die Verlage graben sich selbst die Grube. Mir als Leser wäre weniger aber erstklassig wesentlich lieber, als die gebotene Masse an schlecht recherchierten und oftmals auch überflüssigen Themen.

    Gregor Keuschnig - 28. Aug, 09:00
    Der Artikel macht den Fehler, Joffes Lamento aufzunehmen und seine Trennungslinie (Bürgerjournalismus vs. "seriösen" Journalismus) zu übernehmen und einfach nur umzukehren. Dabei verwendet der Autor emphatische und auch ein bisschen holprige Begriffe wie "Nachrichtenzugangsdemokratie". Auch die Beschränkung auf die Darstellung von Problemen von Tageszeitungen wird nicht durchgehalten; es gibt ständig Verweise auf die "Zeit" sowie andere wöchentliche Medien wie "Stern" und "Spiegel". So wird eine notwendige Trennung zwischen den einzelnen Genres vermieden und Joffes larmoyantes Klagen nur ein euphorischer Duktus entgegengesetzt.

    Tatsache ist, dass das Internet die theoretischen Möglichkeiten der Nachrichtenbeschaffung vereinfacht hat. Tatsache ist aber auch, dass viele Leser sich aus der Informationsfülle, mit der sie nun konfrontiert werden sehr viel einfacher ihre Welt zusammenstricken können als vorher. Zu jedem Thema existiert neben den gängigen Mainstream-Meinungen auch Abseitiges. Die Berichterstattung über den aktuellen Konflikt in Georgien mag da als Beispiel klingen. Demjenigen, dem die relativ eindeutige Stossrichtung der deutschen Medien (Russland ist der Buhmann) widerstrebt, sucht so lange im Netz herum, bis es ihm – wenn er leicht beeinflussbar ist – eindeutig "klar" wird, dass der georgische Angriff von den USA initiiert wurde.

    Eine mögliche Erklärung, die normalerweise erst irgendwann von Historikern aufbereitet wird, wird schon jetzt als Tatsache dargestellt und der gängigen Berichterstattung entgegengesetzt, Journalistisch gewonnen ist mit diesem Verfahren – die blosse Negation des Bestehenden – allerdings nichts.

    Es ist – um sich ein bisschen von dem Beispiel zu entfernen – nicht nur damit getan, sich aus der Fülle der Informationen im Netz auf eine Version sozusagen als Antipode zur Mainstreammeinung zu konzentrieren. Hier begänne erst die Aufgabe des Journalisten: Welche der vorliegenden Informationen ist glaubwürdig? Wer sagt das? Warum sagt er das? Könnte es auch anders sein? Genau das würde einen Journalisten ausmachen. Ob er über Georgien berichtet oder – was fast noch wichtiger ist – über einen neuen U-Bahnbau in seiner Stadt.

    Stattdessen mutieren viele Journalisten zu Verlautbarungshanseln. Pressemitteilungen werden entweder leicht modifiziert oder (man sieht das hier) einfach nur abgeschrieben. Kein Wunder, dass sich Blogger zutrauen, aufgrund einer grösseren Distanz zu Institutionen und/oder Personen der Öffentlichkeit einen Gegenjournalismus durchzuziehen. Etliche dieser Gegenöffentlichkeiten sind zweifellos bemüht und auch sinnvoll. Viele verfallen aber nur in die gleiche Falle des vorauseilenden Gesinnungsjournalismus - wie die Medien, die sie eigentlich dafür kritisieren.

    Der moderne Journalist zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er in der Lage ist, aus dem Wust an Nachrichten das richtige herauszufiltern, Verschwörungstheoreien von Möglichem zu trennen und den Leser nicht mit einer vorgefassten Meinung zu penetrieren.

    Noch etwas zu dem Gedanken, dass substantielle Blog schon quasi automatisch reüssieren werden. Ich glaube nicht, dass das so stimmt. Zwar wird sich wohl auf Dauer alles Gute "am Markt" durchsetzen. Aber nicht alles, was sich durchsetzt, ist auch gut.

    Dr. A.v.Paleske (anonym) - 29. Aug, 15:13

    Nicht nur filtern!

    Der moderne Journalist zeichnet sich eben nicht nur dadurch aus, dass er Nachrichten filtert und Verschwörungstheorien entgegentritt, sondern eben auch investigativ tätig wird. Genau daran hapert es. Vielleicht hierzu die Bemerkung des Afrika-Korrespondenten der Frankfurter Rundschau mir gegenüber vor zwei Jahren "Investigativer Journalismus ist zeitaufwändig und lohnt sich nicht".
    Und das ist sicherlich nicht nur die Meinung eines einzelnen Journalisten. .
    Interessant auch, dass die FAZ einstmals zwei Korrespondenten im Afrika südlich der Sahara hatte, und zwar einen in der Elfenbeinküste und einen weiteren in Johannesburg. Heute ist es nur noch einer, nämlich der in Johannesburg.

    Sowohl der Artikel über den Deutschen Hans Mueller, seinerzeit Arzt im kommunistischen China, wie vor allem auch der Artikel über Moshe Regev "Giftgas und Milliardenbetrug" kamen nur über eigene Recherchen zustande, einschließlich der Befragung von Zeitzeugen. Gleiches gilt für die Aufdeckung der Beteiligung des Deutschen Gerhard Merz in den fehlgeschlagenen Putsch im ölreichen Aequatorial Guinea. Ich suchte seinerzeit während meines Deutschlandaufenthalt dessen Witwe auf.

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