Deutsche Bank, eine Turboanleihe und die Staatsanwaltschaft
23. August 2008, 11:10
[Dr. Alexander Freiherr von Paleske] Eine bemerkenswerte Meldung lief heute über den Nachrichten-Ticker. Die Deutsche Bank, Deutschlands größter Finanzdienstleister sei noch einmal mit einem "blauen Auge" davongekommen. "Nur" 15 Millionen US Dollar Strafe habe man zahlen müssen und Anleihen - so genannte "Auction Rate Securities" - im Werte von "nur" einer Milliarde US Dollar müssen von der Bank zurück gekauft werden. Für in Finanzfragen kaum Eingeweihte macht die Meldung wenig Sinn. Doch wenn Strafzahlungen in Höhe von fünfzehn Millionen US Dollar – Peanuts in der Sprache der Deutschen Bank – gezahlt wurden, muss es sich offenbar doch wieder um kriminelle Bankgeschäfte gehandelt haben. Chefankläger Cuomo auf dem Plan
Diesen Vorwurf brachte jedenfalls die New Yorker Staatsanwaltschaft mit ihrem Chefankläger Andrew Cuomo auf den Plan und der ermittelte auch unverzüglich und unerbittlich wegen Betrugs. Allerdings nicht nur gegen die Deutsche Bank, sondern auch gegen die feine aber krisengeschüttelte UBS Bank aus dem Schweizer Ländle, sowie gegen eine Reihe von US Großbanken wie Merill Lynch, Goldman Sachs, Morgan Stanley, der Citibank - die Bank die angeblich nie schläft - und andere. Am Ende zahlten alle die mit der Staatsanwaltschaft ausgehandelten Geldbußen. UBS war beispielsweise mit 150 Millionen Dollar dabei und die Citigroup mit satten 100 Millionen Dollar. Gleichzeitig verpflichteten sie sich, die in Frage stehenden Papiere, die sie gegen das Versprechen von absoluter Sicherheit mit angeblich hohen Zinsvolumen verhökert hatten, wieder aufzukaufen. Etwas, was die Banken zuvor strikt abgelehnt hatten. UBS muss beispielsweise nun für 19.4 Milliarden US Dollar zurückkaufen. Auch in der Sprache der Deutschen Bank sind das nun keine Peanuts mehr.
Was war geschehen?
In guten alten Tagen des Finanzmarktes, etwa bis in die 60er und 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts, gab es übersichtliche Anlagemöglichkeiten auf den Finanzmärkten, in erster Linie Aktien und festverzinsliche Wertpapiere. Letztere werden auf Englisch auch Bonds genannt. Wenn also der Staat oder Unternehmen Geld brauchten, dann gab es neben einer Kapitalerhöhung im Wesentlichen zwei Möglichkeiten der Geldbeschaffung: Einmal die direkte Kreditaufnahme bei einer Bank mit dem Nachteil einer hohen Verzinsung oder aber die Emission einer Anleihe mit einem festen Zinssatz und einer Laufzeit über mehrere Jahre. Gerade Letzteres wurde gerne von Staat und Gemeinden weltweit als Instrument der Kreditbeschaffung eingesetzt. Es hatte allerdings den Nachteil der umständlichen Emisson über mehrere Bankhäuser, die diese Anleihen – zumeist gegen Discount - auf dem Anleihemarkt platzierten. Der Wert dieser Anleihen schwankte in gewissen Grenzen, immerhin konnte aber der Wert werktäglich auf dem Bond-Markt ermittelt werden. Zu diesem Wert konnte man also seine festverzinslichen Wertpapiere auch wieder verkaufen. Diese festverzinslichen Papiere hatten allerdings für den Käufer den Nachteil, dass in Zeiten hoher Kreditmarktzinsen diese Bonds an Wert verloren und in Zeiten niedriger Zinsen die Emittenten der Bonds einen vergleichsweise hohen Zins zahlen mussten.
Goldman Sachs und die Turbo-Anleihe
Im Jahre 1988 verfiel die Goldman Sachs Bank in den USA daher auf die zündende Idee, eine Turbo-Anleihe zu entwickeln, die angeblich so sicher sei wie Bargeld mit dem Vorteil hoher Zinsen - immer weit über dem gerade von der Zentralbank festgelegten Kapitalmarktzins - dabei gleichzeitig aber so sicher wie Fort Knox. Die Auction Rate Securitries und alle Großbanken auf dem US-Markt folgten diesem Prozedere. Die Papiere wurden nicht täglich gehandelt, es fand also kein täglicher Handel wie etwa an der Börse.statt, sondern zu festgesetzten Zeitpunkten und zwar im Wege einer Auktion. Bei dieser Auktion wurde dann auch der jeweils neue Zins festgesetzt, der sich wiederum aus Angebot und Nachfrage ergab. Wir wollen es uns hier ersparen, im einzelnen aufzuzeigen, wie das Festsetzen der Zinsen und die Auktion im einzelnen vonstatten ging, Details dazu finden sich hier. Mittlerweile flossen in diesen Auktionsmarkt jedenfalls mehr als 200 Milliarden US Dollar. Die Banken konnten sich die Hände reiben. Doch der große Nachteil war es, dass niemand wusste, was diese Papiere wirklich wert waren.
Zum Ersten...zum Zweiten...und zum...Dritten
Das ganze System funktionierte also nur, wenn bei den Auktionen auch Bieter für diese Papiere auftraten, die den Kurs hochtrieben.Gerade so, wie es auch üblich bei Auktionen. Als Hochtreiber fungierten wiederum die Banken. Wer allerdings bei Auktionen nur zum Zwecke des Hochtreibens mitbietet, der kann auch das Pech haben, den Zuschlag tatsächlich zu erhalten. Das wiederum war so lange kein Problem, wie die Banken liquide und die Bankkunden gutgläubig waren. Präziser gesagt: Genau zwanzig Jahre lang funktionierte das System bis zum bitteren Ende im vergangenen Februar. Denn seitdem sind die Banken aufgrund der Hypothekenkrise in den USA nicht mehr liqide. Sie wollen daher auch nicht mehr bei den Auktionen mitbieten und dann auf den Papieren sitzenbleiben. Denn es gibt bei den Bankkunden keine Nachfrage mehr nach diesen Papieren Die Folge: Der Markt für diese „schönen“ Anlageformen kollabierte. Wer im Besitz solcher Papiere ist, bleibt auf ihnen sitzen. Wo kein Käufer da kein Verkauf. Qunitessenz: Einlagerung.
Oh Du schöne heile Bankenwelt
Doch bekanntlich werden nur Holzäpfel und gute Weine durch Lagerung besser. Da diese Papiere meistens Laufzeiten zwischen zehn und zwanzig Jahren haben und dann erst eingelöst werden können, sofern die Firma dann überhaupt noch existiert, erinnerte man sich daran, dass die Banken die Papiere ja als "so gut wie Bargeld" angeboten hatten. Die logische Folge waren Strafanzeigen bei der Staatsanwaltschaft wegen Prospektbetrugs. Und die Staatsanwaltschaft reagierte auch sofort. Cuomo, Cuomo ick hör dir trapsen. So müssen die Banken nun neben den Peanut-Strafzahlungen auch die Auktionen wieder durch das Mitbieten beleben, und werden natürlich als alleinige Bieter prompt auf den Papieren sitzenbleiben. Doch das ist nur ein Intermezzo. Denn im im Hintergrund wartet schon das nächste Finanz-Debakel: Die Swap Krise. Ohne diese Krise beim Namen zu nennen, meldet die Rating-Agentur STANDARD AND POORS, die US Banken würden in den nächsten drei Jahren Verluste bis zu 250 Milliarden US Dollar erleiden. Das ist wohl eher zu tief gegriffen. Oh du schöne, heile Bankenwelt!
Verweise:
Swap-Geschäfte: Kommunen zocken, Bürger haften
Faule Swaps: Die nächste Weltfinanzkrise rückt näher
Der Meinl-Skandal und die verschwundenen Millionen
Amis - Europas gigantischer Betrugsskandal
Skandalbank in Österreich - Die Hypo Alpe Adria
Khashoggi, Hypo Group Alpe Adria und ein Prozess, der (noch?) nicht stattfand
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Photo: Pixelio.de































































