Simbabwe: Ein fauler Kompromiss wird Wirklichkeit
20. Juli 2008, 21:40[Dr. Alexander Freiherr von Paleske] Sofern alles planmäßig verläuft, ist es morgen soweit: In Simbabwe will die Mugabe-Regierung zusammen mit der Opposition ein Absichtspapier unterzeichnen, das den Weg zu einer Koalition ebnen soll. Südafrikas Präsident Thabo Mbeki, ein Freund Mugabes, will eigens zu dieser Zeremonie anreisen. Zur Erinnerung: Die Oppositionspartei MDC hatte am 29. März die Parlamentswahlen absolut und die Präsidentschaftswahlen relativ gewonnen. Eine Präsidentschaftsstichwahl wurde erforderlich.
Bereits eine Woche nach den Wahlen hatten wir darauf hingewiesen, dass Mugabe diese anstehenen Stichwahlen nur über einen brutalen Terrorwahlkampf gewinnen konnte und wollte. Diesen Terrorwahlkampf inszenierte Mugabe in den folgenden Wochen mit den Befehlshabern von Polizei und Militär. Schreckliches spielte sich daraufhin in den ländlichen Gebieten ab. Mehr als einhundert vermeintliche und tatsächliche Oppositionsaktivisten wurden getötet, Hunderte sind noch vermisst, Tausende zum Teil schwer verletzt. Zehntausende flüchteten, Tausende von Häusern und Hütten wurden abgebrannt. Doch auch nach den Stichwahlen geht der Terror weiter. So zog Oberterrorist Joseph Chinotimaba, über dessen Gewalttaten wir hier bereits berichtet haben, mit seinen Schlägertrupps weiter durch den Distrikt Buhera. Sein erklärtes Ziel war es, den am 29 März demokratisch gewählten Parlamentsabgeordneten der Opposition für Buhera, Matinenga, zur Rückgabe seines Mandats zu zwingen.
Unvorstellbare Brutalität
Noch immer werden Tote gefunden. Letzte Woche wurde der Leichnam des Aktivisten Bakacheza nach tagelangem Suchen auf einer Farm südlich von Harare entdeckt, er wurde vergangene Woche unter großer Anteilnahme der Bevölkerung in Banket beerdigt. Die Trauerfeier geriet zu einer emotionalen Anti-Mugabe Demonstration. Oftmals fehlen den Getöteten Augen und Zunge - Zeichen schwerster Misshandlungen. Auch häufen sich Berichte, dass Mugabe Hutu-Milizen aus dem Kongo ins Land geholt hat. Fremdsprachige Schlägertrupps mit extremer Brutalität tauchten in mehreren Gegenden auf und plötzlich häuften sich Berichte über abgeschlagene Arme und Beine. Bisher war so etwas eine in Simbabwe ungewöhnliche Terrorart. Im Distrikt-Krankenhaus von Gokwe wurden die Verletzten auf eine Station gelegt, zu der Schwestern und Ärzte keinen Zutritt hatten. Auch der Abtransport der Patienten nach Harare wurde vom Armeemajor Ronald Mpofu und dem Kriegsveteranen Davis Masvisvi verhindert.
Terror soll Opposition gefügig machen
Das alles dient dazu, die Opposition zu einer Unterwerfungsregierung der nationalen Einheit zu zwingen. Und damit scheint Mugabe tatsächlich Erfolg zu haben. Er kann sich dabei der Unterstützung des südafrikanischen Präsidenten Thabo Mbeki sicher sein, der sein jammervolles Versagen in Südafrika vor seinem Abtritt im April nächsten Jahres mit einem faulen Kompromiss in Simbabwe zu übertünchen versucht. Dabei hätte gerade er es in der Hand gehabt, Mugabe zu einem wesentlich früheren Zeitpunkt zum Einlenken zu zwingen. Beide verbindet ein schwarzer Rassismus gepaart mit einer ausgeprägten Menschenverachtung. Die zeigte sich im Falle Mbekis gerade auch in der Behandlung der HIV-Aids Katastrophe in Südafrika.
Oppostion als Mittel zum Zweck
Doch Mugabe weiß auch, dass die wirtschaftliche Lage so katastrophal ist, dass ein Volksaufstand nicht mehr auszuschließen ist. Daher will er die Opposition mit in die Regierung integrieren, die zunächst einmal ausländische Kredite ins Land holen soll. Oppositionsführer Morgan Tsvangirai ist zwar ein aufrechter Mann, allerdings leider ohne nennenswerte Standfestigkeit und mit bescheidenem Intellekt ausgestattet. Ein Mann, der heute dies und morgen jenes sagt, dem eine klare Linie fehlt und dessen Hin und Her auch die ihm wohlgesonnenen Regierungschefs der Nachbarländer, wie Sambia und Botswana, stark irritiert. So wird es also nach den Plänen Mugabes laufen und eine Amnestie wird alle begangenen Verbrechen seiner Schergen unter den Teppich kehren. Auch eine Wahrheitskommission wird es nicht geben und dem Land steht ein langer Weg bevor, die durch Mugabe angerichteten wirtschaftlichen Zerstörungen zu reparieren. Eine Rückkehr zu einer Lage wie in den 90er Jahren scheint so gut wie ausgeschlossen. Lediglich eine bescheidene wirtschaftliche Erholung scheint langfristig realistisch. Aber die Bevölkerung wäre zunächst auch schon zufrieden, wenn sie nicht mehr hungern müsste.
Verweise:
Eine Tragödie wird zur Farce
Vereidigung eines Wahlbetrügers
Mugabe: Mit Gewalt zum Sieg
Terror siegt - Mugabe offenbar vor dem Ziel
Südafrika - Ende der Regenbogen-Nation?"
Biografie Thabo Mbeki: "Ein zurückgestellter Traum"
Südafrika: Diamanten, Zynismus und ein Vorzeigestaat
Giftgas, Aids und Leichen
Tuberkulose: In Europa ein Problem, in der Dritten Welt eine Katastrophe
Helen Suzman: Das liberale Gewissen Südafrikas feiert Geburtstag
Südafrika, 46662, Boris Becker und ein Kampf gegen AIDS
Südafrika: Auswärtssieg im Rugby und Heimniederlage der Demokratie
Besuch in Afrika: Was hat Kanzlerin Merkel im Gepäck?
"Land unter" und das regensichere ARD-Studio in Nairobi
Heuchler, Helden und Pillendreher
Eine Verhaftung und ein Todestag
Simbabwes Erzbischof Ncube erklärt Rücktritt
Maulkorb und Rassismus – folgt Südafrika Zimbabwe?
US-Africom im südlichen Afrika unerwünscht
Gipfel in Lusaka – Applaus für Mugabe
Eastern Congo: Ethnic conflict is the plunder of resources
Bereits eine Woche nach den Wahlen hatten wir darauf hingewiesen, dass Mugabe diese anstehenen Stichwahlen nur über einen brutalen Terrorwahlkampf gewinnen konnte und wollte. Diesen Terrorwahlkampf inszenierte Mugabe in den folgenden Wochen mit den Befehlshabern von Polizei und Militär. Schreckliches spielte sich daraufhin in den ländlichen Gebieten ab. Mehr als einhundert vermeintliche und tatsächliche Oppositionsaktivisten wurden getötet, Hunderte sind noch vermisst, Tausende zum Teil schwer verletzt. Zehntausende flüchteten, Tausende von Häusern und Hütten wurden abgebrannt. Doch auch nach den Stichwahlen geht der Terror weiter. So zog Oberterrorist Joseph Chinotimaba, über dessen Gewalttaten wir hier bereits berichtet haben, mit seinen Schlägertrupps weiter durch den Distrikt Buhera. Sein erklärtes Ziel war es, den am 29 März demokratisch gewählten Parlamentsabgeordneten der Opposition für Buhera, Matinenga, zur Rückgabe seines Mandats zu zwingen.
Unvorstellbare Brutalität
Noch immer werden Tote gefunden. Letzte Woche wurde der Leichnam des Aktivisten Bakacheza nach tagelangem Suchen auf einer Farm südlich von Harare entdeckt, er wurde vergangene Woche unter großer Anteilnahme der Bevölkerung in Banket beerdigt. Die Trauerfeier geriet zu einer emotionalen Anti-Mugabe Demonstration. Oftmals fehlen den Getöteten Augen und Zunge - Zeichen schwerster Misshandlungen. Auch häufen sich Berichte, dass Mugabe Hutu-Milizen aus dem Kongo ins Land geholt hat. Fremdsprachige Schlägertrupps mit extremer Brutalität tauchten in mehreren Gegenden auf und plötzlich häuften sich Berichte über abgeschlagene Arme und Beine. Bisher war so etwas eine in Simbabwe ungewöhnliche Terrorart. Im Distrikt-Krankenhaus von Gokwe wurden die Verletzten auf eine Station gelegt, zu der Schwestern und Ärzte keinen Zutritt hatten. Auch der Abtransport der Patienten nach Harare wurde vom Armeemajor Ronald Mpofu und dem Kriegsveteranen Davis Masvisvi verhindert.
Terror soll Opposition gefügig machen
Das alles dient dazu, die Opposition zu einer Unterwerfungsregierung der nationalen Einheit zu zwingen. Und damit scheint Mugabe tatsächlich Erfolg zu haben. Er kann sich dabei der Unterstützung des südafrikanischen Präsidenten Thabo Mbeki sicher sein, der sein jammervolles Versagen in Südafrika vor seinem Abtritt im April nächsten Jahres mit einem faulen Kompromiss in Simbabwe zu übertünchen versucht. Dabei hätte gerade er es in der Hand gehabt, Mugabe zu einem wesentlich früheren Zeitpunkt zum Einlenken zu zwingen. Beide verbindet ein schwarzer Rassismus gepaart mit einer ausgeprägten Menschenverachtung. Die zeigte sich im Falle Mbekis gerade auch in der Behandlung der HIV-Aids Katastrophe in Südafrika.
Oppostion als Mittel zum Zweck
Doch Mugabe weiß auch, dass die wirtschaftliche Lage so katastrophal ist, dass ein Volksaufstand nicht mehr auszuschließen ist. Daher will er die Opposition mit in die Regierung integrieren, die zunächst einmal ausländische Kredite ins Land holen soll. Oppositionsführer Morgan Tsvangirai ist zwar ein aufrechter Mann, allerdings leider ohne nennenswerte Standfestigkeit und mit bescheidenem Intellekt ausgestattet. Ein Mann, der heute dies und morgen jenes sagt, dem eine klare Linie fehlt und dessen Hin und Her auch die ihm wohlgesonnenen Regierungschefs der Nachbarländer, wie Sambia und Botswana, stark irritiert. So wird es also nach den Plänen Mugabes laufen und eine Amnestie wird alle begangenen Verbrechen seiner Schergen unter den Teppich kehren. Auch eine Wahrheitskommission wird es nicht geben und dem Land steht ein langer Weg bevor, die durch Mugabe angerichteten wirtschaftlichen Zerstörungen zu reparieren. Eine Rückkehr zu einer Lage wie in den 90er Jahren scheint so gut wie ausgeschlossen. Lediglich eine bescheidene wirtschaftliche Erholung scheint langfristig realistisch. Aber die Bevölkerung wäre zunächst auch schon zufrieden, wenn sie nicht mehr hungern müsste.
Verweise:
Eine Tragödie wird zur Farce
Vereidigung eines Wahlbetrügers
Mugabe: Mit Gewalt zum Sieg
Terror siegt - Mugabe offenbar vor dem Ziel
Südafrika - Ende der Regenbogen-Nation?"
Biografie Thabo Mbeki: "Ein zurückgestellter Traum"
Südafrika: Diamanten, Zynismus und ein Vorzeigestaat
Giftgas, Aids und Leichen
Tuberkulose: In Europa ein Problem, in der Dritten Welt eine Katastrophe
Helen Suzman: Das liberale Gewissen Südafrikas feiert Geburtstag
Südafrika, 46662, Boris Becker und ein Kampf gegen AIDS
Südafrika: Auswärtssieg im Rugby und Heimniederlage der Demokratie
Besuch in Afrika: Was hat Kanzlerin Merkel im Gepäck?
"Land unter" und das regensichere ARD-Studio in Nairobi
Heuchler, Helden und Pillendreher
Eine Verhaftung und ein Todestag
Simbabwes Erzbischof Ncube erklärt Rücktritt
Maulkorb und Rassismus – folgt Südafrika Zimbabwe?
US-Africom im südlichen Afrika unerwünscht
Gipfel in Lusaka – Applaus für Mugabe
Eastern Congo: Ethnic conflict is the plunder of resources































































