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Der SPIEGEL-Redakteur und Herausgeber der Publikation "Barschel - Die Akte" geriet 1987 auf dem Höhepunkt des Barschel-Skandals selbst in den Sumpf des Polit-Thrillers, als er den toten Politiker auffand.

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Dr. Hermann Otto Solms

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Dr. Volker Wissing (FDP)

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Der Meinl-Skandal und die verschwundenen Millionen

20. Juli 2008, 14:35
kapital1[Dr. Alexander Freiherr von Paleske] Zu den Finanzskandalen der Arbeiterbank BAWAG, der Hypo-Alpe Adria Bank und der Betrugsfirma Amis im Alpenland gesellt sich seit Monaten ein weiterer Finanzskandal, über den es zu berichten lohnt: Der Meinl-Skandal. Die Firma Meinl ist in Österreich das, was in Deutschland unter Tchibo bekannt ist. Ein Unternehmen mit langer Tradition im Kaffeerösten aber auch im Lebensmittelhandel und mittlerweile noch dazu im Banken- und Immobiliengeschäft äußerst rege tätig.

Julius Meinl Nummer fünf
Der jetzige geschäftsführende Spross der Meinl Dynastie, Julius Meinl der Fünfte wollte nicht nur rösten, sondern auch banken und expandieren. Also stampfte er flugs die kleine aber feine Privatbank Meinl aus dem Boden. Und er freundete sich mit einem Finanzakrobaten an, der uns schon durch den BAWAG Skandal auffällig wurde. Die Rede ist von Wolfgang Flöttl. Er brachte in der Karibik das Geld der BAWAG durch und der Gewerkschaftsbund opferte in der Folge die Streikkasse zur Abdeckung der Schulden. Schließlich musste die BAWAG wegen weiterer Verluste im Zusammenhang mit der Refco-Pleite "verheuschreckt" werden und die Republik Österreich übernahm für die Verluste eine Bürgschaft, um die BAWAG vor dem Konkurs zu bewahren. Erst vor zwei Wochen wurde Flöttl von einem Schöffengericht in Wien wegen Beihilfe zur Untreue zu 30 Monaten Gefängnis verurteilt. Wolfgang Flöttl war über seinen Vater, dem damaligen Chef der BAWAG, außerordentlich hilfreich, als die Meinl Bank die Unternehmen an die Börse brachte. Umgekehrt lieh diese Bank Wolfgang Flöttl auch schnell einmal Geld, wenn dieser beispielsweise ein paar wertvolle Gemälde kaufen wollte, aber finanziell klamm war. Angeblich soll ein solcher Kredit dann mit BAWAG- Geldern getilgt worden sein. Meinl brachte aber in den letzten Jahren nicht nur fremde Firmen an die Börse, sondern auch drei eigene Unternehmen, deren Aktivitäten von Flugplatzverwaltung über Energie bis zu Immobilien reichten. Letztere fungierte unter dem Namen "Meinl European Land" (MEL) und deren Einkaufszentren vor allem in Osteuropa.

Die Meinl-Firmen sind nun Gegenstand eines Skandals, der auch nach Deutschland reicht, denn nicht nur mehr als 100.000 Kleinanleger in Österreich, sondern auch über 10.000 Kunden in Deutschland kauften die angepriesenen Zertifikate - zumeist Bezieher mittlerer und kleiner Einkommen. Verkauft wurden diese Zertifikate auf Aktien durch die Firma Meinl Success - nomen est omen - über ein Netz von Vermögensberatern, welche das Wochenmagazin "Die Zeit" auch treffend "die Keilertruppe" nannte. "Das Vertriebsmodell der Zukunft" nannte Meinl-Success-Chef Karl Mauracher frohlockend diese Geschäftstätigkeit, die jener im Amis-Skandal sehr ähnelt. Doch auch die Betrugsfirma Amis verkaufte Meinl Zertifikate - gegen eine schöne Provision versteht sich. Der Verkauf gestaltete sich vor allem auch deshalb so erfolgreich, da Meinl in Österreich durch den Lebensmittelhandel und die mehr als 100- jährige Kaffeeröst-Tradition eine ausgezeichnete Reputation besaß.

Satte Renditen und Mündelsicherheit versprochen
Renditen zwischen 10 und 15 Prozent wurden Interessenten versprochen und dazu eine Mündelsicherheit. Wer konnte da noch widerstehen und wollte nicht mit dabei sein. Der umtriebige Julius Meinl erfand allerdings für seine Firmen ein besonderes Betriebssystem und das sah so aus: Kleinanleger kauften die Zertifikate, dann wurden über die Meinl-Bank diese Firmen als zu bezahlende Dienstleistung gemanagt. Dabei wurde die Nutzung des Namens Meinl auch noch kostenpflichtig – ähnlich einer Lizenzgebühr. Dies, obgleich der gute Name Meinl überhaupt erst einmal den reibungslosen Absatz der Zertifikate ermöglichte. Doch doppelt gemoppelt bringt doppelt soviel und so floss an Meinl immer mehr Geld. Sommers wie Winters und ganz gleichgültig, ob die Firmen Gewinne oder Verluste machten. Denn dies waren ja gewinnunabhängige zu bezahlende „Dienstleistungen“. Um präzise zu sein: 325 Millionen Euro von 2002 - als MEL an die Börse gebracht wurde - bis zum Jahr 2007. Im Jahr 2006 waren dies immerhin 60 Prozent der Gesamtbetriebserträge für die Meinl Bank. Dies alles befand sich allerdings nur im Kleingedruckten und fiel den meisten Kleinanlegern zunächst gar nicht auf. Zudem zeigte der Kurs zu Beginn nur in eine Richtung und das war nach oben. Weitere schöne Kleingelder fielen durch das Emittieren der Aktien an, die Meinl Bank war das einzige Emissionshaus. Von November 2002 bis Februar 2007 wurden auf diese Weise 300 Millionen MEL-Zertifikate im Werte von insgesamt 4,3 Milliarden Euro platziert.

Parkgebühren im Finanzparadies Jersey
Das ging alles eine gewisse Zeit gut. Diese erste an die Börse gebrachte Meinl-Firma, Meinl European Land oder MEL, war aus "Steuer"- und sonstigen Gründen - wie auch später die anderen Unternehmen – im Finanzparadies der Kanalinsel Jersey angesiedelt. Dort gibt es angenehmerweise keine strengen Börsengesetze. Doch nicht nur mit Dienstleistungen für die Meinl Firma verdiente die Meinl Bank Geld, sondern im Jahre 2005 angeblich auch mit Anleihen im Karussell. Geld wurde geliehen, obgleich man angeblich genug Bargeld hatte. Davon sollte angeblich profitieren, wer Zinsen für diese Anleihen zahlen musste. Und das soll rein zufällig die Meinl Bank gewesen sein. Geparkt wurden diese Anleihen angeblich in der Karibik, bei der Meinl-Filiale in Antigua. Dort unterhielt auch Flöttl seine Briefkastenfirmen, Die Meinl Bank verdiente dabei kleine "Parkgebühren", also gab es wohl weniger Zahlungen für die Anleger. Auch gegen lästige Fragen von Kleinaktionärsvertretern auf Hauptversammlungen und in der Öffentlichkeit wappnete man sich offenbar. Der Aktionärsvereinigung IVA, deren Vorsitzender Wilhelm Rasinger war, wurde beispielsweise Geld für "Beratergespräche" überwiesen - kleine Zuwendungen erhalten die Freundschaft. Der Kommentar Rasingers zu diesem Prozedere lautete später, er "habe sich gegen diese Zuwendungen nicht wehren können".

Weitere Meinls an die Börse
Da alles wie am Schnürchen lief, wurden in der Folge gleich zwei weitere Firmen gegen gutes Geld im Jahre 2007 an die Börse gebracht. Und zwar Meinl International Airports MAI und Meinl International Power MIP. Im Gegensatz zu MEL, die immerhin eine Reihe von Grundstücken mit Einkaufszentren in Osteuropa besaß und über einen alten Meinl Kundenstamm verfügte, hatten diese neuen Firmen nichts dergleichen zu bieten. Es gab nur eine Geschäftsidee, die mit dem Verkauf der Aktien verwirklicht werden sollte. Mittlerweile stockte der Verkauf der Zertifikate und nun drängt sich der Verdacht auf, dass die MEL den eigenen Kurs hochhielt um den Absatz von Zertifikaten der MIP zu ermöglichen und dabei auf die Geschäftsidee des Aktienrückkaufs verfiel, ein Strohfeuer.

Kurspflege nach Meinl-Art
1,9 Milliarden Euro aus einer Kapitalerhöhung der MEL, die eigentlich für Immobilienaquisitionen vorgesehen waren, wurden benutzt um das Aktienrückkaufprogramm zu starten. Als dessen Folge sollte der Kurs ansteigen, zumindest aber nicht abfallen. Die Aktionäre vorab von dieser "Pflegeaktion" zu unterrichten,wie es sonst bei Aktiengesellschaften üblich ist, hielt MEL offenbar nicht für nötig. 30 Prozent der Aktien wurden zurückgekauft, was in Österreich strikt verboten ist. Im Alpenland dürfen es maximal 10 Prozent sein. Da man aber in Jersey logierte, ging es deutlich freizügiger zu. Dumm nur, dass nicht ein Anstieg der Kurse eintraf, sondern das Gegenteil, als der Aktienrückkauf schließlich aufflog. Der Kurs aller Aktien MAI, MEL und MIP stürzte ins Bodenlose, bei MEL von 20 Euro auf lächerliche sechs Euro. 70 Prozent rauschten auf diese Weise durch den Schornstein, allerdings erst nachdem der Großteil des Verkaufs von MIP in trockenen Tüchern lag. Für die Aktionäre der MEL war dies also keine "Kurspflegeaktion" sondern eine "Vermögensvernichtungsaktion". Durch den anschließenden Kursverfall verlor die MEL ordentlich Geld – von wegen also ein 10-15-prozentiger Gewinn. Das Papier flog in der Folge aus dem Premiumsegment der Wiener Börse heraus. Dort also, wo sich die mündelsicheren Papiere, zu denen die MEL ja gehörte, tummeln dürfen. Vorbei war es damit dann endgültig mit der so hoch gepriesenen Mündelsicherheit. Kein Wunder also, wenn sich der Verdacht aufdrängte, dass diese "Kurspflegeaktion" nur unternommen wurde, um für die Emission einer anderen Meinl-Firma, nämlich der Meinl International Power (MIP), eine guten Kurs zu erzielen. Dies wird allerdings von Meinl heftig bestritten.

Klagewelle rollt
Wie einst die BAWAG war nun die MEL reif zum Verkauf. Zum Teilverkauf, um präzise zu sein. In Teilen verkauft wurde an die CitiGroup und Gazit – und zwar zum Absturzpreis. Und weil das bei der "Kurspflegeaktion" verjubelte Geld für Investitionen fehlt, müssen nun Schulden gemacht werden. Eine Wandelanleihe soll aufgenommen werden, die mit mehr als zehn Prozent zu verzinsen ist. Da werden die Kleinaktionäre, die oftmals ihre ganzen Ersparnisse gerade auch auf die versprochene Mündelsicherheit der Papiere gesetzt haben, wohl etliches abschreiben müssen. Denn der Teilverkauf wurde auf der MEL Hauptversammlung in der letzten Woche abgesegnet. Kleinanleger – davon gibt es über 100.000 allein in Österreich – wollen nun klagen. Doch solche Solche Prozesse können lange dauern und teuer werden. In den anderen Meinl Firmen - Meinl International Power (MIP)) und Meinl International Airports (MAI) - haben die Aktionäre mittlerweile außerordentliche Hauptversammlungen einberufen, um das mit der Meinl Bank verwobene Management auszuwechseln.

Tricksen gegen Wut der Anleger
Doch auch hier haben sich die Meinl Firmen MAI und MIP offenbar etwas einfallen lassen, um sich nicht der geballten Wut der Aktionäre auszusetzen. Die Hauptversammlungen der zwei Gesellschaften MAI und MIP finden zeitgleich am 28. Juli an verschiedenen Orten statt. Zum einen in Jersey, wo die Firmen Briefkästen als Firmensitz unterhalten zum anderen in Wien. Teile und herrsche, könnte man sagen oder lateinisch "divide et impera". Derweil kann Julius Meinl zügig weiter seinen Geschäften und Vergnügungen nachgehen. Zum Letzteren gehören auch Jagdgesellschaften für den Geld-und Hochadel oder fidele Flüge mit zwei Hawker 800 XP Jets und einem Learjet. Wem der Appetit auf Meinl nicht vergangen ist, dem sei ein Besuch in der Nobelschänke "Meinl am Graben" in Wien empfohlen - Kleingeld bitte nicht vergessen.

Verweise:
Amis - Europas gigantischer Betrugsskandal
Skandalbank in Österreich - Die Hypo Alpe Adria
Khashoggi, Hypo Group Alpe Adria und ein Prozess, der (noch?) nicht stattfand
Die BAWAG: Es war einmal eine Arbeiterbank in Wien
Marko Perković und die Hypo-Alpe- Adria Bank
Söldner, Gauner, Waffen und Rohstoffe
BayernLB: Das dicke Ende kommt erst noch

Photo: Pixelio.de
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