Faule Swaps: Die nächste Weltfinanzkrise rückt näher
29. Juni 2008, 19:17
[Dr. Alexander Freiherr von Paleske] Finanz-Guru George Soros hat in einer Stellungnahme vor einer neuen Finanzkrise gewarnt, welche die jetzige Krise mit den faulen Hypotheken - den so genannten Subprimes - noch in den Schatten stellen soll. Die Subprime Krise in den USA hatte bereits auch die SachsenLB zum Absturz und die BayernLB in die Krise getrieben. Handelt es sich bei Soros nur um das Gerede eines alternden Spekulanten, der einst mit seinen brisanten Geschäften die Bank von England in die Knie zwang und dabei Multimillionengewinne machte? Oder sind es berechtigte Warnungen eines Mannes mit bestem Insiderwissen, der wie kein anderer den spekulativen Markt mit so genannten Derivaten überblickt. Swaps - wie man mit Wetten Geld macht
Bevor wir uns mit dieser Frage beschäftigen können, müssen wir uns näher mit den so genannten Swaps auseinander setzen. Es handelt sich bei diesen Finanzprodukten um eine Kombination aus traditionellem Bankgeschäft, dem Ausleihen von Geld, einer Versicherung - in diesem Fall eine Versicherung gegen den Ausfall des Kredits - und einem Wettbüro wie bei einem Pferde -oder Hunderennen. Dabei wird auf ein Ereignis gewettet, beispielsweise darauf, dass Pferd A oder Hund B gewinnt.
Bis dato war das Gewähren von Krediten beziehungsweise die Vermarktung von Anleihen ein Geschäft zwischen der Bank und dem Kunden. Ein Wechsel des Gläubigers, also der Bank, konnte im Regelfall nicht ohne Zustimmung des Kunden stattfinden. Und selbst wenn dies möglich war wie etwa bei Hypotheken, so konnten diese nicht wie Wertpapiere an der Börse gehandelt werden. Spekulation also ausgeschlossen. Um sich gegen die Fäulnis von Krediten, die ja im Risiko-Bereich der Bank lagen, abzusichern, unterhielten die Banken aufwändige Kreditabteilungen, die sich der Mühe unterziehen mussten, die Bonität der Kunden zu prüfen. Damit konnten zweifelhafte Kunden ausgeschlossen und große Risiken so weit wie möglich gemindert werden. Das war bei Kleinkunden recht einfach, mit Hilfe einer Auskunftei, auch Schufa genannt. Bei Großkunden musste schon ein genauer Blick in die Bücher geworfen werden, bis dann schließlich die grüne oder rote Lampe aufleuchtete.
Offenbar war das nun für viele Banken viel zu aufwändig, also weg damit. Die Kreditabteilungen wurden bis zur Unkenntlichkeit verkleinert und durch Versicherungen gegen faule Kredite ersetzt. Wie bei den Subprime Hypotheken wurden überhaupt keine, beziehungsweise völlig ungenügende Prüfungen der Objekte und der Zahlungsfähigkeit der Kunden vorgenommen.
War ja alles – hoffentlich – versichert...!
Damit wurde das traditionelle Bankgeschäft völlig auf den Kopf gestellt, denn es war ja gerade die Bank, welche die Risiken des Ausfalls eines Kredits tragen musste, genau so wenig wie sich eine Firma traditionell gegen einen Konkurs versichern kann. Für diese Versicherung des Kreditausfalls musste die Bank an eine Versicherung zahlen, und zwar dauerhaft, halbjährlich oder vierteljährlich. Und diese Versicherung war nicht etwa die Allianz, sondern wieder eine Bank. Doch anders als bei der Allianz mit einem Versicherungsvertrag, gab es hier die Ausstellung eines Wettscheins, der damit handelbar wurde. Das Risiko des Kredits wurde also von dem Kreditgeber gelöst.
Topp, die Wette gilt
Zahlen also und hoffen, dass das Ereignis, nämlich ein fauler Kredit, nicht eintritt. Falls doch, wird die „Versicherungssumme“ kassiert. Da solche Risiken von keiner normalen Versicherung übernommen worden wären – die Summen waren einfach nicht mehr versicherbar - geht die Sache nur so lange gut, wie sich die Schadensfälle, sprich Pleiten, nur in einem sehr begrenzten Rahmen bewegen. Sobald sich solche Pleiten oberhalb eines bestimmten Limits bewegen, bricht das gesamte ausgeklügelte System zusammen. Mit ihm die Banken, sofern diese Geschäfte einen gewissen Rahmen überstiegen haben. Und genau dies droht offenbar in der nahen Zukunft. Im normalen Versicherungsgeschäft schützen sich Versicherungen bei Massenschadensfällen durch eine Rückversicherung bei einer entsprechenden Rückversicherungsgsellschaft wie beispielsweise der Münchener Rück. Eine solche Rückversicherung gibt es aber bei diesen Swaps-Geschäften nicht. Es kann sie auch gar nicht geben, da es schon eine traditionelle Versicherung selbst nicht gibt.
Der Gang zum Wettbüro
Nun sind wir beim dritten Teil des Swaps-Geschäfts angekommen und es geht um Zockerei und das funktioniert so: Swaps sind handelbar und deren Bewertung ändert sich täglich. Bei einer Lebensversicherung wäre das so, als hinge deren Bewertung davon ab, ob sich der Versicherte gerade in einer Lebenskrise befindet, das Rauchen angefangen hat, bzw. aufgegeben hat und ähnliche Merkmale. Insofern ähneln Swaps Aktienkursen, die sich ja auch täglich ändern, wobei dort Aktien-Gesellschaften dahinter stehen, welche produzieren oder Dienstleistungen erbringen. Hinter den Swaps steht aber nur ein so genanntes Risiko und sonst rein gar nichts. Und da heute das traditionelle Bankgeschäft angeblich nicht genug einbringt, verlagert man sich auf Zockerei. Feiner ausgedrückt, man verlagert sich auf das Investmentbanking und es wird gezockt, was das Zeug hält.
Mittlerweile ist in dieser Abteilung des Casinobetriebs die unvorstellbare Summe von 62.000 Millarden Dollar angekommen. Das ist, wie die ZEIT recherchiert hat, doppelt so viel wie der Aktienwert von 2500 Unternehmen, die an der New Yorker Börse gelistet sind. Die Versicherungssumme kann dann außerdem auch noch erheblich höher liegen, als der Konkurs selbst als Verluste mit sich bringt. Im normalen Versicherungsgeschäft ist so etwas als Tatbestand der „Überversicherung“ bekannt und daher auch verboten. Beim Swapsen gelten jedoch andere Gesetze. Hier können die Risiko-Papiere beliebig vermehrt werden. Als der US Auto-Zulieferer Delphi in Konkurs ging, betrug laut ZEIT der Konkursausfall rund fünf Milliarden Dollar, die versicherte Gesamt-Risikosumme wurde jedoch mit 25 Milliarden Dollar festgelegt.
Tollhaus Swapsgebäude
Ein wahres Tollhaus also, dieses Swaps-Gebäude. Und so genannte Hedge Fonds, die oftmals Swaps gekauft haben, zeigen ein brennendes Interesse daran, dass der "Versicherungsfall" eintritt, also eine Firma beispielsweise Bankrott geht, um dann die Versicherungssumme zu kassieren. Im normalen Leben zieht das „Herbeiführen des Versicherungsfalls“ die Leistungsfreiheit des Versicherers gem. §81 VVG
nach sich, beim Swapsen gelten eigene Gesetze. Beschleunigt wird diese Geisterfahrt des Finanz-Horrors nun noch von anderen Faktoren. So bewegt sich die Weltkonjunktur im Abschwung, die Subprime-Krise vertieft sich weiter und der Ölpreis steigt ins Unermessliche. Mit einer erheblichen Zunahme der Pleiten muss also gerechnet werden. Soros hat also recht: Die Gefahr für eine Weltfinanzkrise wächst.
Verweise:
Amis - Europas gigantischer Betrugsskandal
Skandalbank in Österreich - Die Hypo Alpe Adria
Khashoggi, Hypo Group Alpe Adria und ein Prozess, der (noch?) nicht stattfand
Die BAWAG: Es war einmal eine Arbeiterbank in Wien
Marko Perković und die Hypo-Alpe- Adria Bank
Söldner, Gauner, Waffen und Rohstoffe
BayernLB: Das dicke Ende kommt erst noch


























Institut für Staats-






























