Mugabe: Mit Gewalt zum Sieg
24. Juni 2008, 06:43
[Dr. Alexander Freiherr von Paleske] Erst kämpfte Simbabwes Regierungschef Mugabe mit seiner Befreiungsarmee ZANLA gegen das Siedlerregime in Rhodesien und gewann. Dann kämpfte er mit seiner 5. Brigade gegen den Widersacher im Matabeleland, Joshua Nkomo, tötete rund 20.000 Menschen und zwang damit Nkomo in eine gemeinsame Koalition. Seit dem Jahre 2000 kämpft er gegen sein eigenes Volk.Die Volksabstimmung gegen eine neue Verfassung verlor er im Jahre 2000, die im gleichen Jahr durchgeführten Parlamentswahlen gewann er nur mit Terror in den ländlichen Gebieten knapp. Seit dieser Zeit kämpft er auch gegen den Oppositionsführer Morgan Tsvangirai und dessen Partei MDC – Movement for Democratic Change. Im Jahre 2002, nach einer erneuten massiven Terrorkampagne und Wahlfälschung, gewann Mugabe die Präsidentschaftswahlen. Im Jahre 2005. Vor den anstehenden Senatswahlen, ließ der Diktator die ärmlichen Behausungen von mehr als 500.000 Menschen in den Städten zerstören und jagte sie ins Freie, mitten im Winter. Dort in den Städten hat die Oppositionspartei ihre Basis.
Mugabes Irrglauben
Vor den Wahlen am 29 März diesen Jahres war Robert Mugabe überzeugt, einen großen Wahlsieg zu erringen. Woher er diese Überzeugung nahm, nachdem das Land durch seine Politik wirtschaftlich völlig zugrunde gerichtet wurde, die Inflationsrate irgendwo zwischen 100.000 und einer Millionen Prozent liegt, die Arbeitslosenquote bei 80 Prozent liegt, die Geschäfte leer sind und alles zum Leben Notwendige nur auf dem Schwarzmarkt erhältlich ist, bleibt rätselhaft. Der Wahlausgang hat ihn jedenfalls wie einen Schock getroffen: Keine Mehrheit im Parlament und in der Präsidentschaftswahl nur Zweiter hinter Tsvangirai, so zeigte sich das für ihn desaströse Resultat. Doch das Politbüro der Regierungspartei ZANU richtete ihn in seiner Sitzung in der ersten Aprilwoche wieder auf und versprach, ihn in der Stichwahl mittels Terror zum Sieg zu verhelfen.
Terrorversprechen gehalten
Die Chefs von Armee, Polizei und Sicherheitsdiensten haben ihr Versprechen eingehalten. Unter Führung eines hohen Armeeoffiziers in jeder Provinz wurden Terrorbrigaden in die ländlichen Gebiete geschickt, deren Aufgabe es war und ist, die Bevölkerung massiv einzuschüchtern. Die Terrorbrigaden bestehen aus in Trainingslagern – den so genannten Border Gezi-Camps - zum Verprügeln und Töten abgerichteten Jugendlichen und Veteranen aus dem Befreiungskampf. Die lokale Bevölkerung, die oftmals nicht genug besitzt, um sich selbst zu ernähren, wird gezwungen, die Peiniger durchzufüttern. Jeden Tag muss Essen angeliefert werden. Nachts kommt dann der Terrorhaufen in die Ortschaften, um Umerziehungsveranstaltungen – so genannte Pungwes - durchzuführen und angebliche Mitglieder der Opposition zu verprügeln oder auch zu töten.
Mehr als 100 Aktivisten der Opposition wurden ermordet, mehr als 10.000 körperlich misshandelt, mehr als 100.000 mussten fliehen. Zweihundert Menschen sind verschwunden, vermutlich wurden sie ebenfalls getötet. Um der Bevölkerung das weitere Erleiden dieses Terrors zu ersparen, hat Oppositionsführer Tsvangirai gestern seine Teilnahme an der für Freitag vorgesehenen Stichwahl abgesagt.
Mugabe will Opposition völlig niederwerfen
Doch der Ausstieg reicht Mugabe nicht, er will keinen Punktsieg durch Terror sondern das vollständige k.o. So ließ er heute die Zentrale der Opposition in Harare stürmen und meherere Hundert Menschen verhaften, die vor dem Terror Zuflucht gesucht hatten. Der Oppositionsführer Tsvangirai ist in die Botschaft der Niederlande geflüchtet. Mittlerweile hat Mugabe seine Terrorbanden auch in die Städte einrücken lassen. Dort nehmen sie Bewohnern die Personalausweise ab, um sie an der Wahl zu hindern und zwingen sie, an nächtlichen Pungwes teilzunehmen. Verdächtige werden in Straflager gebracht und dort schwer misshandelt. Als neueste Variante in Sachen Sadismus kippen Mugabes Schergen Insektenvernichtungsmittel, wie etwa Paraquat, in die Wunden ihrer Opfer, woran diese dann unter Höllenqualen versterben.
Bestehen auf Stichwahl
Obwohl die Stichwahl überflüssig geworden ist, besteht Mugabe offenbar dennoch auf deren Durchführung am kommenden Freitag. Er will sich und der Welt mit dieser Farce beweisen, wie sehr sein Volk ihm vertraut. Danach strebt er wohl eine Regierung der nationalen Einheit mit der Opposition an, die bereits heute "Interesse an Gesprächen" bekundet hat.
Vom Drama über die Tragödie, vom Schurkenstück bis zur Farce, der Wahlkampf in Simbabwe bietet alles, außer einem Ausweg oder auch nur Hoffnungsschimmer für die gequälte und hungernde Bevölkerung.
Verweise:
Terror siegt - Mugabe offenbar vor dem Ziel
Südafrika - Ende der Regenbogen-Nation?"
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Institut für Staats-
































