Pressefreiheit gerät immer mehr unter Druck
8. Juni 2008, 21:30[Dr. Kira Welter] Frieden, Medien und Pressefreiheit waren die Themen des Deutsche Welle Global Media Forums in Bonn. Zu den prominenten Gästen zählte Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi, die die Zensurmaßnahmen im Iran, aber auch in manchen westlichen Ländern stark kritisierte. Zum Abschluss des dreitägigen Kongresses äußerte der Intendant des deutschen Auslandsrundfunks, Erik Bettermann, die Sorge, dass die Pressefreiheit weltweit immer mehr unter Druck gerate. Er appellierte an die rund 900 Teilnehmer aus 100 Ländern, einer drohenden "publizistischen Verarmung und einem Verlust an Pluralismus" entgegenzuwirken.
Vom 2. bis 4. Juni 2008 fand zum ersten Mal das "Deutsche Welle Global Media Forum" in Bonn statt. Drei Tage lang diskutierten Repräsentanten aus Medien, Politik, Kultur, Wirtschaft, Entwicklungszusammenarbeit und Wissenschaft über die Rolle der Medien in Friedensstiftung und Konfliktprävention. 2009 soll die Konferenzreihe fortgesetzt werden. "Mit der regelmäßig geplanten Veranstaltung schaffen wir eine Plattform für interkulturellen Austausch zwischen Akteuren der Globalisierung", so Bettermann.
Zensur und Selbstzensur
Zu den Höhepunkten der Konferenz gehörte die Rede der Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi. Die Iranerin kritisierte die zahlreichen Zensurmaßnahmen gegen Journalisten in ihrem Land. "Einige der besten iranischen Journalisten und Autoren sind derzeit im Gefängnis", so Ebadi. Sie verwies aber zugleich auf mehr "subtile Formen der Zensur in westlichen Ländern". Als Beispiel nannte sie die USA, wo die Medien monopolisiert seien und nur die Interessen ihrer Aktionären vertreten würden. Zum Ende ihrer Rede forderte die Nobelpreisträgerin nachdrücklich "die digitale Kluft zwischen Nord und Süd möglichst rasch zu schließen". Während jeder zweite Westeuropäer einen Computer besitze, komme in Angola auf 3000 Menschen nur ein PC. Der ungleiche Zugang zu elektronischen Kommunikationsmitteln führe zu einem "ungleichen Rennen", so die Juristin aus Hamadan. "Aus diesem Grund gehen etwa Preise für literarische Leistungen überwiegend an Vertreter westlicher Länder".
Außenminister Steinmeier sagte ab
Frank-Walter Steinmeier war ebenfalls als "Keynote-Sprecher" eingeladen. Doch der Bundesaußenminister musste kurzfristig aufgrund einer dringenden Auslandsreise absagen. An seiner Stelle trat der Staatssekretär des Auswärtigen Amts, Georg Boomgaarden, auf. Der Diplomat betonte die Wichtigkeit unabhängiger Medien zur Absicherung der Demokratie. "Freie Medien und ihre vielfältigen Informationsangebote sind eine Voraussetzung dafür, dass demokratische und rechtsstaatliche Strukturen funktionieren können". Leider leben derzeit etwa zwei Drittel der Menschheit in Staaten ohne Medienfreiheit. Ist die weltweite Demokratie vielleicht ein zu hoch gestecktes Ziel? Zudem sprach der Vertreter des Außenministeriums über die Gefahren der Berichterstattung in Krisengebieten. Über 1000 Journalisten seien allein in den letzten zehn Jahren bei der Berichterstattung getötet worden, äußerte Boomgaarden. Wie gefährlich die Berichterstattung über Krieg und Kriminalität sein kann, konnten Teilnehmer des Deutsche Welle Global Media Forums aus erster Hand erfahren. Zu einem der Workshops wurden Marcelo Moreira von TV Globo aus Rio de Janeiro und Stefano Marcelli aus Italien eingeladen. Die zwei renommierten Journalisten berichten seit vielen Jahren über Mafia, Drogen und organisierte Kriminalität - und das nicht ohne Gefahr.
Schwerpunkte Afrika und Asien
Hauptthema der diesjährigen Konferenz war die Situation der Medien in den Krisengebieten von Afrika und Asien. Namhafte Medienvertreter aus Afghanistan, Zimbabwe, Malaysia, Nigeria, Nepal, Pakistan, Sri Lanka, Israel und vielen anderen Ländern nahmen an den Diskussionen im World Conference Center in Bonn teil. Im Krieg ist die Wahrheit bekanntermaßen ein knappes Gut. Genau dann spielen Medien eine wichtige Rolle. Sie können ihren großen Einfluss nutzen, um die Spannung zwischen den Kriegsparteien zu entschärfen, oder sie können dagegen selbst zu einem Teil des Konflikts werden. Dies zeigte sich beispielsweise im Falle der Rundfunkstation 'Radio Mille Collines', die 1994 vor dem Völkermord in Ruanda Hass-Propaganda gegen Tutsi betrieb. Was aber zeichnet Journalismus für den Frieden aus? Und können Medien überhaupt Frieden schaffen? Sie können auf jeden Fall viel erreichen, meint Nobelpreisträgerin Ebadi. Medien entlarven Gewalt und rütteln auf. Deshalb sei Journalismus eine "heilige Tätigkeit", sagte sie am vergangenen Montag zum Auftakt der Konferenz.
Pressefreiheit in Lateinamerika auch ein Thema
In einem Workshop über "Populismus und Pressefreiheit" wurde zudem die Situation der Medien in Lateinamerika unter die Lupe genommen. Bekannte Journalisten aus Argentinien, Bolivien, Mexiko und Venezuela waren dazu eingeladen, unter ihnen Marcel Granier, Generaldirektor des venezolanischen Privatfernsehsenders RCTV, der im vergangenen Jahr wegen der Nichtverlängerung der Sendelizenz durch die Regierung weltweit bekannt wurde. Seit Mai 2007 sendet RCTV nur noch über Satellit, Kabel und Internet.
Die Journalisten aus Lateinamerika berichteten über ihre Erfahrungen und diskutierten die Perspektiven der Medienlandschaft in ihrer Region. Wichtige Themen waren der zunehmende Erfolg populistischer Politiker in einigen Ländern und die wachsende Selbstzensur in vielen Medien. Außerdem sprach der Mexikaner Jorge Ochoa über die immer größer werdende Macht der Drogenmafia in seinem Land - ein Problem, das derzeit nicht nur Mexiko, sondern auch Kolumbien und Brasilien stark betrifft. Dies führe ebenfalls zu Selbstzensur, so Ochoa, denn viele Journalisten haben Angst um ihr Leben. Für ihn ist eine Militäreinbindung die einzige plausible Lösung. Die Polizei in Mexiko sei in hohem Maße korrupt und demzufolge machtlos, sagte der Korrespondent der Zeitung El Universal. Der Venezolaner Granier zeigte sich da eher skeptisch. Eine Militärbeteiligung würde das Problem leider nicht lösen, meinte der Geschäftsmann aus Caracas. "Drogen beschädigen alles, womit sie in Kontakt kommen". Da wäre also nicht auszuschließen, dass auch das Militär irgendwann bestechlich wird. Nur eine ehrliche Überzeugung seitens der Bevölkerung könnte etwas bewirken, so Granier.
Guter Journalismus braucht gute Journalisten
"Die Voraussetzung für guten Journalismus sind gute Journalisten". Unter diesem Motto organisierte die DW-Akademie ein Symposium über Journalistische Ausbildung in Konfliktsituationen. Die ganztägige Veranstaltung fand am zweiten Tag des Forums statt. Dabei ging es vor allem um journalistische Qualität und Integrität. Doch die wachsende Vielfalt der Medien und die Rolle von modernen Technologien wie Internet und Mobiltelefone bei der Berichterstattung in Konfliktsituationen wurden auch diskutiert. Wie können diese neuen Technologien am Besten eingesetzt werden? Inwiefern können sie bei der Umgehung von Zensur helfen? Diese und viele anderen Fragen wurden während einer Sitzung über Mediavielfalt behandelt. Zu den Gästen dieser Sitzung zählte beispielsweise der Blogger Jotman, der am Frühmorgen des 20. Septembers 2006 einige der ersten Fotos vom Militärputsch in Bangkok veröffentlichte. Für diese Bilder und die Berichterstattung über die Protestbewegung in Burma erhielt das Weblog aus Thailand den Best of the Blogs 2007 Preis der Menschenrechtsorganisation Reporter ohne Grenzen.
Am 4. Juni ging die dreitägige Konferenz zu Ende. "Staatliche Willkür und übersteigerte wirtschaftliche Interessen gefährden die Presse- und Meinungsfreiheit. Diktatoren ebenso wie ‚Heuschrecken", fasste der Intendant der Deutschen Welle in seiner Abschlussrede zusammen. "Medien müssen ihrer Verantwortung gerecht werden können, damit sie unvoreingenommen und unparteiisch Informationen zugänglich machen". So könnten sie in Konfliktsituationen deeskalierend wirken und Friedensprozesse nachhaltig unterstützen.
Photos:
1) Erik Bettermann, Intendant der Deutschen Welle und Schirin Ebadi, Anwältin und Friedensnobelpreisträgerin 2003 © Deutsche Welle/A. Schottka
2) Journalist in Afghanistan © DW-Akademie
3) Jorge Ochoa, Korrespondent der mexikanischen Zeitung "El Universal", und Marcel Granier, Generaldirektor des venezolanischen Rundfunksenders RCTV
4) Logo Deutsche Welle Global Media Forum © Deutsche Welle
Vom 2. bis 4. Juni 2008 fand zum ersten Mal das "Deutsche Welle Global Media Forum" in Bonn statt. Drei Tage lang diskutierten Repräsentanten aus Medien, Politik, Kultur, Wirtschaft, Entwicklungszusammenarbeit und Wissenschaft über die Rolle der Medien in Friedensstiftung und Konfliktprävention. 2009 soll die Konferenzreihe fortgesetzt werden. "Mit der regelmäßig geplanten Veranstaltung schaffen wir eine Plattform für interkulturellen Austausch zwischen Akteuren der Globalisierung", so Bettermann.
Zensur und Selbstzensur
Zu den Höhepunkten der Konferenz gehörte die Rede der Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi. Die Iranerin kritisierte die zahlreichen Zensurmaßnahmen gegen Journalisten in ihrem Land. "Einige der besten iranischen Journalisten und Autoren sind derzeit im Gefängnis", so Ebadi. Sie verwies aber zugleich auf mehr "subtile Formen der Zensur in westlichen Ländern". Als Beispiel nannte sie die USA, wo die Medien monopolisiert seien und nur die Interessen ihrer Aktionären vertreten würden. Zum Ende ihrer Rede forderte die Nobelpreisträgerin nachdrücklich "die digitale Kluft zwischen Nord und Süd möglichst rasch zu schließen". Während jeder zweite Westeuropäer einen Computer besitze, komme in Angola auf 3000 Menschen nur ein PC. Der ungleiche Zugang zu elektronischen Kommunikationsmitteln führe zu einem "ungleichen Rennen", so die Juristin aus Hamadan. "Aus diesem Grund gehen etwa Preise für literarische Leistungen überwiegend an Vertreter westlicher Länder".
Außenminister Steinmeier sagte ab
Frank-Walter Steinmeier war ebenfalls als "Keynote-Sprecher" eingeladen. Doch der Bundesaußenminister musste kurzfristig aufgrund einer dringenden Auslandsreise absagen. An seiner Stelle trat der Staatssekretär des Auswärtigen Amts, Georg Boomgaarden, auf. Der Diplomat betonte die Wichtigkeit unabhängiger Medien zur Absicherung der Demokratie. "Freie Medien und ihre vielfältigen Informationsangebote sind eine Voraussetzung dafür, dass demokratische und rechtsstaatliche Strukturen funktionieren können". Leider leben derzeit etwa zwei Drittel der Menschheit in Staaten ohne Medienfreiheit. Ist die weltweite Demokratie vielleicht ein zu hoch gestecktes Ziel? Zudem sprach der Vertreter des Außenministeriums über die Gefahren der Berichterstattung in Krisengebieten. Über 1000 Journalisten seien allein in den letzten zehn Jahren bei der Berichterstattung getötet worden, äußerte Boomgaarden. Wie gefährlich die Berichterstattung über Krieg und Kriminalität sein kann, konnten Teilnehmer des Deutsche Welle Global Media Forums aus erster Hand erfahren. Zu einem der Workshops wurden Marcelo Moreira von TV Globo aus Rio de Janeiro und Stefano Marcelli aus Italien eingeladen. Die zwei renommierten Journalisten berichten seit vielen Jahren über Mafia, Drogen und organisierte Kriminalität - und das nicht ohne Gefahr.
Schwerpunkte Afrika und Asien
Hauptthema der diesjährigen Konferenz war die Situation der Medien in den Krisengebieten von Afrika und Asien. Namhafte Medienvertreter aus Afghanistan, Zimbabwe, Malaysia, Nigeria, Nepal, Pakistan, Sri Lanka, Israel und vielen anderen Ländern nahmen an den Diskussionen im World Conference Center in Bonn teil. Im Krieg ist die Wahrheit bekanntermaßen ein knappes Gut. Genau dann spielen Medien eine wichtige Rolle. Sie können ihren großen Einfluss nutzen, um die Spannung zwischen den Kriegsparteien zu entschärfen, oder sie können dagegen selbst zu einem Teil des Konflikts werden. Dies zeigte sich beispielsweise im Falle der Rundfunkstation 'Radio Mille Collines', die 1994 vor dem Völkermord in Ruanda Hass-Propaganda gegen Tutsi betrieb. Was aber zeichnet Journalismus für den Frieden aus? Und können Medien überhaupt Frieden schaffen? Sie können auf jeden Fall viel erreichen, meint Nobelpreisträgerin Ebadi. Medien entlarven Gewalt und rütteln auf. Deshalb sei Journalismus eine "heilige Tätigkeit", sagte sie am vergangenen Montag zum Auftakt der Konferenz.
Pressefreiheit in Lateinamerika auch ein Thema
In einem Workshop über "Populismus und Pressefreiheit" wurde zudem die Situation der Medien in Lateinamerika unter die Lupe genommen. Bekannte Journalisten aus Argentinien, Bolivien, Mexiko und Venezuela waren dazu eingeladen, unter ihnen Marcel Granier, Generaldirektor des venezolanischen Privatfernsehsenders RCTV, der im vergangenen Jahr wegen der Nichtverlängerung der Sendelizenz durch die Regierung weltweit bekannt wurde. Seit Mai 2007 sendet RCTV nur noch über Satellit, Kabel und Internet.
Die Journalisten aus Lateinamerika berichteten über ihre Erfahrungen und diskutierten die Perspektiven der Medienlandschaft in ihrer Region. Wichtige Themen waren der zunehmende Erfolg populistischer Politiker in einigen Ländern und die wachsende Selbstzensur in vielen Medien. Außerdem sprach der Mexikaner Jorge Ochoa über die immer größer werdende Macht der Drogenmafia in seinem Land - ein Problem, das derzeit nicht nur Mexiko, sondern auch Kolumbien und Brasilien stark betrifft. Dies führe ebenfalls zu Selbstzensur, so Ochoa, denn viele Journalisten haben Angst um ihr Leben. Für ihn ist eine Militäreinbindung die einzige plausible Lösung. Die Polizei in Mexiko sei in hohem Maße korrupt und demzufolge machtlos, sagte der Korrespondent der Zeitung El Universal. Der Venezolaner Granier zeigte sich da eher skeptisch. Eine Militärbeteiligung würde das Problem leider nicht lösen, meinte der Geschäftsmann aus Caracas. "Drogen beschädigen alles, womit sie in Kontakt kommen". Da wäre also nicht auszuschließen, dass auch das Militär irgendwann bestechlich wird. Nur eine ehrliche Überzeugung seitens der Bevölkerung könnte etwas bewirken, so Granier.
Guter Journalismus braucht gute Journalisten
"Die Voraussetzung für guten Journalismus sind gute Journalisten". Unter diesem Motto organisierte die DW-Akademie ein Symposium über Journalistische Ausbildung in Konfliktsituationen. Die ganztägige Veranstaltung fand am zweiten Tag des Forums statt. Dabei ging es vor allem um journalistische Qualität und Integrität. Doch die wachsende Vielfalt der Medien und die Rolle von modernen Technologien wie Internet und Mobiltelefone bei der Berichterstattung in Konfliktsituationen wurden auch diskutiert. Wie können diese neuen Technologien am Besten eingesetzt werden? Inwiefern können sie bei der Umgehung von Zensur helfen? Diese und viele anderen Fragen wurden während einer Sitzung über Mediavielfalt behandelt. Zu den Gästen dieser Sitzung zählte beispielsweise der Blogger Jotman, der am Frühmorgen des 20. Septembers 2006 einige der ersten Fotos vom Militärputsch in Bangkok veröffentlichte. Für diese Bilder und die Berichterstattung über die Protestbewegung in Burma erhielt das Weblog aus Thailand den Best of the Blogs 2007 Preis der Menschenrechtsorganisation Reporter ohne Grenzen.
Am 4. Juni ging die dreitägige Konferenz zu Ende. "Staatliche Willkür und übersteigerte wirtschaftliche Interessen gefährden die Presse- und Meinungsfreiheit. Diktatoren ebenso wie ‚Heuschrecken", fasste der Intendant der Deutschen Welle in seiner Abschlussrede zusammen. "Medien müssen ihrer Verantwortung gerecht werden können, damit sie unvoreingenommen und unparteiisch Informationen zugänglich machen". So könnten sie in Konfliktsituationen deeskalierend wirken und Friedensprozesse nachhaltig unterstützen.
Photos:
1) Erik Bettermann, Intendant der Deutschen Welle und Schirin Ebadi, Anwältin und Friedensnobelpreisträgerin 2003 © Deutsche Welle/A. Schottka
2) Journalist in Afghanistan © DW-Akademie
3) Jorge Ochoa, Korrespondent der mexikanischen Zeitung "El Universal", und Marcel Granier, Generaldirektor des venezolanischen Rundfunksenders RCTV
4) Logo Deutsche Welle Global Media Forum © Deutsche Welle
































































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