Parteitag "Die Linke": Am Ende bleibt nur der Wind
25. Mai 2008, 11:41K O M M E N T A R
[Ursula Pidun] Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg bemüht er als Vorbilder, die SPD und den Kapitalismus benennt er als seine Feinde. Oskar Lafontaine, "talentiertester Redner der Bundesrepublik", begeistert auf dem ersten offiziellen Parteitag der im letzten Jahr neu gegründeten Partei "Die Linke" über 400 anwesende Delegierte mit einer flammenden Rede pro soziale Gerechtigkeit und wider den Turbokapitalismus. Den Wind der Geschichte verspürend schmettert er tiefrote Parolen in den bis auf den letzten Platz besetzten Saal der Cottbusser Messehalle und rudert rhetorisch einmal quer durch die marxistisch-stalinistische Vergangenheit. Segel will er setzen, auf einem Piratenschiff, das angesichts entliehener 50 Milliarden zu kentern droht, noch bevor es den sicheren Hafen verlässt. Kaum hilfreich scheint da die Horde der assistierenden Leichtmatrosen, die bis dato noch keine ordentliche Kadettenschule absolviert zu haben scheint. Immerhin – sie wählt ihn mit leichten Abschlägen und 78,5 Prozent erneut zum Kapitän des rot-roten Liners und zum Steuermann gleich dazu.
Lotse Gysi hält sich derweil bedeckt und gibt allenfalls vom Ausguck die über den Daumen gepeilte Richtung an, während Purser Axel Troost alle Hände voll damit zu tun hat, finanzpolitisch fixe Ideen in eine sprachlich kompetent wirkende Fassung zu bringen. Sahra Wagenknecht, in Wachs gegossene Segelmacherin und derzeit noch nicht wirklich an Bord, spinnt viel Seemannsgarn und wartet auf die Reinkarnation einer längst verwesten kommunistischen Strömung, die uns in Seenot bringen soll. Vollbeladen mit Kapital, das sie eigentlich hasst wie Pest und Cholera gleichermaßen, will sie Gesellschaft und Menschheit retten, auf den Weg der Tugenden zurückführen und in die Fußstapfen jener treten, die in relativ überschaubarem Zeitraum die Segel streichen.
Doch was bleibt, wenn der Kapitän das sinkende Schiff zuerst verlässt? Für ihn, den brillanten Redner, sicher die bittere Erkenntnis, als Zugpferd vor einen Karren gespannt worden zu sein, der zwangsläufig in Seenot geraten muss. Historisch wird man ihn stets damit in Verbindung bringen und nicht etwa – wie sicher von ihm gewünscht – als Initiator und intelligenten Lenker einer dringend erforderlichen, neuen Bewegung in Sachen soziale Gerechtigkeit. Die vom Ausland mit Staunen betrachtete Bewegung selbst wird sich in Luft auflösen, wenn sie sich nicht den Realitäten stellt. Denn ohne ihren großen Populisten bleibt nicht mehr, als die Erkenntnis eines Irrweges und maximal eine Handvoll strammer und unverbesserlicher Kommunisten unter Führung einer aus der Zeit gekommenen jungen und doch uralten Frau und Engels-Anbeterin. Segel wollten sie setzen an diesem ersten offiziellen Parteitag in Cottbus, doch am Ende bleibt nur der Wind.
Verweise:
Wirtschaft im Aufschwung - Bürger in Not?
Bedingungsloses Grundeinkommen - Chance oder Bedrohung?
Silberstreif am Horizont: Paul Kirchof, ein ernsthafter Reformer
Hermann Otto Solms: "Wir brauchen ein einfaches Steuersystem ohne Ausnahmen"
Dr. Gregor Gysi: "Wir brauchen eine neue Definition von Arbeit"
Photo: pixelio.de
[Ursula Pidun] Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg bemüht er als Vorbilder, die SPD und den Kapitalismus benennt er als seine Feinde. Oskar Lafontaine, "talentiertester Redner der Bundesrepublik", begeistert auf dem ersten offiziellen Parteitag der im letzten Jahr neu gegründeten Partei "Die Linke" über 400 anwesende Delegierte mit einer flammenden Rede pro soziale Gerechtigkeit und wider den Turbokapitalismus. Den Wind der Geschichte verspürend schmettert er tiefrote Parolen in den bis auf den letzten Platz besetzten Saal der Cottbusser Messehalle und rudert rhetorisch einmal quer durch die marxistisch-stalinistische Vergangenheit. Segel will er setzen, auf einem Piratenschiff, das angesichts entliehener 50 Milliarden zu kentern droht, noch bevor es den sicheren Hafen verlässt. Kaum hilfreich scheint da die Horde der assistierenden Leichtmatrosen, die bis dato noch keine ordentliche Kadettenschule absolviert zu haben scheint. Immerhin – sie wählt ihn mit leichten Abschlägen und 78,5 Prozent erneut zum Kapitän des rot-roten Liners und zum Steuermann gleich dazu.Lotse Gysi hält sich derweil bedeckt und gibt allenfalls vom Ausguck die über den Daumen gepeilte Richtung an, während Purser Axel Troost alle Hände voll damit zu tun hat, finanzpolitisch fixe Ideen in eine sprachlich kompetent wirkende Fassung zu bringen. Sahra Wagenknecht, in Wachs gegossene Segelmacherin und derzeit noch nicht wirklich an Bord, spinnt viel Seemannsgarn und wartet auf die Reinkarnation einer längst verwesten kommunistischen Strömung, die uns in Seenot bringen soll. Vollbeladen mit Kapital, das sie eigentlich hasst wie Pest und Cholera gleichermaßen, will sie Gesellschaft und Menschheit retten, auf den Weg der Tugenden zurückführen und in die Fußstapfen jener treten, die in relativ überschaubarem Zeitraum die Segel streichen.
Doch was bleibt, wenn der Kapitän das sinkende Schiff zuerst verlässt? Für ihn, den brillanten Redner, sicher die bittere Erkenntnis, als Zugpferd vor einen Karren gespannt worden zu sein, der zwangsläufig in Seenot geraten muss. Historisch wird man ihn stets damit in Verbindung bringen und nicht etwa – wie sicher von ihm gewünscht – als Initiator und intelligenten Lenker einer dringend erforderlichen, neuen Bewegung in Sachen soziale Gerechtigkeit. Die vom Ausland mit Staunen betrachtete Bewegung selbst wird sich in Luft auflösen, wenn sie sich nicht den Realitäten stellt. Denn ohne ihren großen Populisten bleibt nicht mehr, als die Erkenntnis eines Irrweges und maximal eine Handvoll strammer und unverbesserlicher Kommunisten unter Führung einer aus der Zeit gekommenen jungen und doch uralten Frau und Engels-Anbeterin. Segel wollten sie setzen an diesem ersten offiziellen Parteitag in Cottbus, doch am Ende bleibt nur der Wind.
Verweise:
Wirtschaft im Aufschwung - Bürger in Not?
Bedingungsloses Grundeinkommen - Chance oder Bedrohung?
Silberstreif am Horizont: Paul Kirchof, ein ernsthafter Reformer
Hermann Otto Solms: "Wir brauchen ein einfaches Steuersystem ohne Ausnahmen"
Dr. Gregor Gysi: "Wir brauchen eine neue Definition von Arbeit"
Photo: pixelio.de

































































