Südafrika – Ende der Regenbogen-Nation?
15. März 2008, 11:00[Dr. Alexander Freiherr von Paleske] Ende der 80er Jahre wurden sie laut, die Prognosen vieler Kenner der Apartheidszene. So orakelten viele, das Ende der Apartheid-Gesellschaft in Südafrika würde in einem Blutbad enden. Der Hass Schwarz gegen Weiß nach 40 Jahren brutaler Unterdrückung durch das Apartheidregime würde keinen anderen Ausweg zulassen. Es kam bekanntermaßen alles anders.
Nelson Mandelas Versöhnungswerk, als "Regenbogen-Nation" gefeiert, brachte einen friedlichen Ausweg in einer scheinbar unlösbaren Situation. Mit seiner unangreifbaren moralischen Autorität setzte er einen "Friedensvertrag" durch, der auch die Aufarbeitung der Vergangenheit durch die Wahrheitskommission umfasste. Anders ausgedrückt, er heilte den "Patienten" Südafrika und entliess ihn direkt von der Intensivstation in die Rehabilitation.
Der Patient ist nunmehr in das Krankenhaus zurückgekehrt. Noch liegt er in der Ambulanz und es steht noch nicht fest, ob auch eine stationäre Einweisung erforderlich wird. Doch eine Reihe von Krankheitssymptomen sind in den letzten Wochen aufgetreten und deutlich sichtbarer zutage getreten, die Besorgnis erregen.
Die Krankheitssymptome sind:
Rassismus? Man möchte sich die Augen reiben, der Rassismus war doch gerade durch das Versöhnungswerk Nelson Mandelas beseitigt worden. Stimmt, er wurde oberflächlich beseitigt, doch kommt jetzt wieder zum Vorschein, wobei allerdings noch nicht klar ist, ob die Vorfälle symptomatisch sind oder nicht. Beginnen wir also mit dem Video, aufgenommen von Studenten der Universität des Free State in Bloemfontein, im Herzland der Buren. Dort gibt es in den Studentenwohnheimen Integration weitgehend auf dem Papier. Die schlimmsten weißen Rassisten hatten es sich im Reitz-Hostel“ gemütlich gemacht. Dort wurde nicht nur Afrikaans gesprochen, dort ließ man die weiße Vergangenheit hochleben und die nähere Umgebung des Hotels wurde zu einer „No Go Zone“ für schwarze Kommilitonen erklärt. Wer es als Schwarzer dennoch wagte, näher zu kommen, wurde mit übelsten rassistischen Schimpfworten bedacht.
Universität war informiert
Damit nicht genug, die Reitz-Crew drehte ein Video der besonderen Art. Schwarze Bedienstete nahmen Essen zu sich, auf das Studenten zuvor uriniert hatten. Als Untermalung dienten jede Menge rassistischer Sprüche und Szenen. Das Video landete zur besseren Verbreitung im Internet und der Skandal war perfekt. Nun stellte sich heraus, dass die Universitätsverwaltung diesem rassistischen Treiben offenbar lange tatenlos zugeschaut hatte. Und dies alles von Studenten, die unter der Versöhnungspolitik von Nelson Mandela aufwuchsen.
Weitere Fälle bekant
In den letzten Monaten machten Kriminalfälle Schlagzeilen. In einem Fall hatte ein weißer Farmer einen ehemaligen Arbeiter bewusstlos geprügelt, ihn in sein Löwengehege geworfen und den Raubtieren zum Fraß überlassen. Ein anderer Farmer erschoss einen schwarzen Jugendlichen auf seiner Farm und behauptete später, er habe ihn mit einem Hund verwechselt. Ein anderer Farmer hat einen seiner Arbeiter gefesselt, ihn dann an sein Auto gebunden und die Straße entlang geschleift. Schließlich wurde erst in der letzten Woche ein schwarzer Farm-Arbeiter von weißen Farmern geschlagen, anschließend fuhr man mit dem Auto über seine Beine.
Neuer exklusiver Journalistenverband
Die Kehrseite des Rassismus: Schwarze Journalisten gründeten vor zwei Wochen eine Vereinigung, in der nur schwarze Journalisten Aufnahme finden können. Auch das ein klarer Akt von Rassismus. Wobei sich dann - wie zu Apartheidzeiten, allerdings in umgekehrter Richtung - die Frage stellt, wer ist "schwarz". Kann beispielsweise ein "Coloured" Aufnahme finden? Immerhin war auch ANC-Ikone Walter Sisulu ein "Coloured". All dies gab es schon, man glaubte, es überwunden zu haben.
Ausufernde Kriminalität
Die ausufernde Gewaltkriminalität, über die wir mehrfach berichtet haben, erzeugt ein gehöriges Maß an Unsicherheit und Zynismus gerade auch unter den Weißen und einen guten Nährboden für den aufflammenden weißen Rassismus. Dabei ist die schwarze Bevölkerungsmehrheit ungleich häufiger Opfer dieser Gewaltkriminalität.
Derweil bereichern sich ehemaliger Poltiker schamlos, die gemäß der Devise „die jahrzehntelange Benachteiligung auszugleichen“ sozusagen über Nacht Rand-Milliardäre werden. Auch der Versuch des Vorsitzenden der Regierungspartei ANC, Jacob Zuma, mit allen Mitteln die Hinzuziehung von Belastungsmaterial zu verhindern, das ihn möglicherweise der Korruption im Zusammenhang mit Waffengeschäften überführen könnte, passt gut in das derzeitige Gesamtbild. Eigens zu diesem Zweck hat Zuma nicht nur eine Klage beim Verfassungsgericht angestrengt, über die in dieser Woche verhandelt wurde. Vielmehr reiste er persönlich nach Mauritius. Dort befindet sich in den Händen der Staatsanwaltschaft angeblich Belastungsmaterial gegen ihn, deren Weiterleitung an die Staatsanwaltschaft in Südafrika er zu verhindern sucht.
Immerhin - Zuma ist als nächster Staatspräsident Südafrikas vorgesehen. In zwei Jahren soll dort die Fußballweltmeisterschaft stattfinden. Spätestens zu diesem Zeitpunkt soll der Patient Südafrika das Krankenhaus verlassen haben. Hoffentlich!.
Verweise:
Biografie Thabo Mbeki: "Ein zurückgestellter Traum"
Südafrika: Diamanten, Zynismus und ein Vorzeigestaat
Giftgas, Aids und Leichen
Tuberkulose: In Europa ein Problem, in der Dritten Welt eine Katastrophe
Helen Suzman: Das liberale Gewissen Südafrikas feiert Geburtstag
Südafrika, 46662, Boris Becker und ein Kampf gegen AIDS
Südafrika: Auswärtssieg im Rugby und Heimniederlage der Demokratie
Besuch in Afrika: Was hat Kanzlerin Merkel im Gepäck?
"Land unter" und das regensichere ARD-Studio in Nairobi
Heuchler, Helden und Pillendreher
Eine Verhaftung und ein Todestag
Simbabwes Erzbischof Ncube erklärt Rücktritt
Maulkorb und Rassismus – folgt Südafrika Zimbabwe?
US-Africom im südlichen Afrika unerwünscht
Gipfel in Lusaka – Applaus für Mugabe
Eastern Congo: Ethnic conflict is the plunder of resources
Weitere Artikel von Dr. Alexander Freiherr von Paleske
Nelson Mandelas Versöhnungswerk, als "Regenbogen-Nation" gefeiert, brachte einen friedlichen Ausweg in einer scheinbar unlösbaren Situation. Mit seiner unangreifbaren moralischen Autorität setzte er einen "Friedensvertrag" durch, der auch die Aufarbeitung der Vergangenheit durch die Wahrheitskommission umfasste. Anders ausgedrückt, er heilte den "Patienten" Südafrika und entliess ihn direkt von der Intensivstation in die Rehabilitation.
Der Patient ist nunmehr in das Krankenhaus zurückgekehrt. Noch liegt er in der Ambulanz und es steht noch nicht fest, ob auch eine stationäre Einweisung erforderlich wird. Doch eine Reihe von Krankheitssymptomen sind in den letzten Wochen aufgetreten und deutlich sichtbarer zutage getreten, die Besorgnis erregen.
Die Krankheitssymptome sind:
- Rassismus
- Ausufernde Kriminalität, vor allem Gewaltkriminalität
- Schamlose Bereicherung von ehemaligen Politikern
- Drogenkonsum
- Politiker mit Flecken auf der Weste, die an die Macht drängen
Rassismus? Man möchte sich die Augen reiben, der Rassismus war doch gerade durch das Versöhnungswerk Nelson Mandelas beseitigt worden. Stimmt, er wurde oberflächlich beseitigt, doch kommt jetzt wieder zum Vorschein, wobei allerdings noch nicht klar ist, ob die Vorfälle symptomatisch sind oder nicht. Beginnen wir also mit dem Video, aufgenommen von Studenten der Universität des Free State in Bloemfontein, im Herzland der Buren. Dort gibt es in den Studentenwohnheimen Integration weitgehend auf dem Papier. Die schlimmsten weißen Rassisten hatten es sich im Reitz-Hostel“ gemütlich gemacht. Dort wurde nicht nur Afrikaans gesprochen, dort ließ man die weiße Vergangenheit hochleben und die nähere Umgebung des Hotels wurde zu einer „No Go Zone“ für schwarze Kommilitonen erklärt. Wer es als Schwarzer dennoch wagte, näher zu kommen, wurde mit übelsten rassistischen Schimpfworten bedacht.
Universität war informiert
Damit nicht genug, die Reitz-Crew drehte ein Video der besonderen Art. Schwarze Bedienstete nahmen Essen zu sich, auf das Studenten zuvor uriniert hatten. Als Untermalung dienten jede Menge rassistischer Sprüche und Szenen. Das Video landete zur besseren Verbreitung im Internet und der Skandal war perfekt. Nun stellte sich heraus, dass die Universitätsverwaltung diesem rassistischen Treiben offenbar lange tatenlos zugeschaut hatte. Und dies alles von Studenten, die unter der Versöhnungspolitik von Nelson Mandela aufwuchsen.
Weitere Fälle bekant
In den letzten Monaten machten Kriminalfälle Schlagzeilen. In einem Fall hatte ein weißer Farmer einen ehemaligen Arbeiter bewusstlos geprügelt, ihn in sein Löwengehege geworfen und den Raubtieren zum Fraß überlassen. Ein anderer Farmer erschoss einen schwarzen Jugendlichen auf seiner Farm und behauptete später, er habe ihn mit einem Hund verwechselt. Ein anderer Farmer hat einen seiner Arbeiter gefesselt, ihn dann an sein Auto gebunden und die Straße entlang geschleift. Schließlich wurde erst in der letzten Woche ein schwarzer Farm-Arbeiter von weißen Farmern geschlagen, anschließend fuhr man mit dem Auto über seine Beine.
Neuer exklusiver Journalistenverband
Die Kehrseite des Rassismus: Schwarze Journalisten gründeten vor zwei Wochen eine Vereinigung, in der nur schwarze Journalisten Aufnahme finden können. Auch das ein klarer Akt von Rassismus. Wobei sich dann - wie zu Apartheidzeiten, allerdings in umgekehrter Richtung - die Frage stellt, wer ist "schwarz". Kann beispielsweise ein "Coloured" Aufnahme finden? Immerhin war auch ANC-Ikone Walter Sisulu ein "Coloured". All dies gab es schon, man glaubte, es überwunden zu haben.
Ausufernde Kriminalität
Die ausufernde Gewaltkriminalität, über die wir mehrfach berichtet haben, erzeugt ein gehöriges Maß an Unsicherheit und Zynismus gerade auch unter den Weißen und einen guten Nährboden für den aufflammenden weißen Rassismus. Dabei ist die schwarze Bevölkerungsmehrheit ungleich häufiger Opfer dieser Gewaltkriminalität.
Derweil bereichern sich ehemaliger Poltiker schamlos, die gemäß der Devise „die jahrzehntelange Benachteiligung auszugleichen“ sozusagen über Nacht Rand-Milliardäre werden. Auch der Versuch des Vorsitzenden der Regierungspartei ANC, Jacob Zuma, mit allen Mitteln die Hinzuziehung von Belastungsmaterial zu verhindern, das ihn möglicherweise der Korruption im Zusammenhang mit Waffengeschäften überführen könnte, passt gut in das derzeitige Gesamtbild. Eigens zu diesem Zweck hat Zuma nicht nur eine Klage beim Verfassungsgericht angestrengt, über die in dieser Woche verhandelt wurde. Vielmehr reiste er persönlich nach Mauritius. Dort befindet sich in den Händen der Staatsanwaltschaft angeblich Belastungsmaterial gegen ihn, deren Weiterleitung an die Staatsanwaltschaft in Südafrika er zu verhindern sucht.
Immerhin - Zuma ist als nächster Staatspräsident Südafrikas vorgesehen. In zwei Jahren soll dort die Fußballweltmeisterschaft stattfinden. Spätestens zu diesem Zeitpunkt soll der Patient Südafrika das Krankenhaus verlassen haben. Hoffentlich!.
Verweise:
Biografie Thabo Mbeki: "Ein zurückgestellter Traum"
Südafrika: Diamanten, Zynismus und ein Vorzeigestaat
Giftgas, Aids und Leichen
Tuberkulose: In Europa ein Problem, in der Dritten Welt eine Katastrophe
Helen Suzman: Das liberale Gewissen Südafrikas feiert Geburtstag
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