360 Grad: Studenten publizieren mit eigenem Journal
[Ursula Pidun] Zeiten, zu denen umfassendes Wissen, kritische Blicke über den Tellerrand und fachspezifische Essays Studierender und Wissenschaftler in spe kaum beachtet in deutschen Schubladen vermodern, gehören seit drei Jahren der Vergangenheit an. Denn bereits 2005 hob Dominic Schwickert, Student der Universität Münster, die Idee zu einem Magazin für Politik und Gesellschaft aus der Taufe, das seither Erfolgsgeschichte schreibt. Eine Idee für Deutschland
Dabei war die Idee des gewitzten Studenten an sich nicht neu. In anderen Ländern, wie beispielsweise den USA, gehört das Publizieren studentischer Hausaufgaben und Referate zum selbstverständlichen Prozedere innerhalb eines Studiums. Deutschland zeigte sich bis dato allerdings konsistent ignorant gegenüber dergestalten Veröffentlichungen angehender Akademiker. Solange, bis Schwickert gemeinsam mit einem halben Dutzend Kommilitonen das Wissen der zukünftigen Gestalter unseres Landes aus dem unangemessenen Schattendasein holte und für Verbreitung sorgte. Seither glänzt es auf hochwertigen Seiten eines anspruchsvollen Journals oder professionell aufbereitet auf der eigenen Website und lässt sich zweifelsfrei in den Bereich des fundierten Fachjournalismus einordnen.
Anspruchsvolles Ziel
Doch bis das erste Exemplar die Druckerpresse verlassen konnte, gab es viel zu tun für das Team, das stetig anwächst und heute aus über 40 Mitarbeitern besteht. Immerhin hatte sich die studentische Redaktion ein anspruchsvolles Ziel gesetzt, sowohl bezüglich der Inhalte, als auch in Sachen Aufmachung. Doch ganz nach Plan und nach einer Musterausgabe lief im Januar 2006 die erste offizielle Ausgabe vom Band. 3500 Exemplare mit Leitartikel und vielen weiteren Arbeiten, die das Schwerpunkt-Thema "China, als globaler Faktor im 21. Jahrhundert" umrahmten, bahnten sich den Weg in den Blätterwald. Heute, zwei Jahre später, hat das Journal nicht nur innerhalb der Studentenschaft Wurzeln geschlagen. Aus "Studenten für Studenten" wurde "Studenten für alle", zumindest für jene Zeitgenossen, die sich für soziologische und politische Themen begeistern und den Horizont gerne um 360° schweifen lassen.
Außergewöhnliches studentisches Engagement
Einmal pro Semester erscheint das Journal, dessen Autoren inzwischen Schlange stehen. Wer sich dem gestrengen Auswahlverfahren des studentischen Lektorats plus Dozentenbeirat stellt und überzeugt, sieht seine Ausführungen möglicherweise bald in einer neuen Ausgabe. Für das aktuelle Heft ist jedoch schon Redaktionsschluss. "Wer hat die Macht?" lautet der Titel der Ende April erscheinenden Ausgabe und wer es genau wissen will, sollte sich unbedingt ein Exemplar sichern. Das kostet zwar 3,60 Euro. Doch die Schutzgebühr dient ausschließlich dem entstandenen Kostenaufwand. Das gesamte Projekt wird durchgängig ehrenamtlich gestemmt und die Mitarbeiter bringen Engagement, Fleiß und viel Zeit ohne jegliche materielle Gegenleistung ein.
Soviel Einsatzbereitschaft muss belohnt werden. Und so erhielt das Journal 360° bereits große Anerkennung durch die Westfälische Wilhelms- Universität zu Münster, die einen mit 2500 Euro dotierten Preis für außergewöhnliches studentisches Engagement an die Macher des Projekts verlieh. Grund genug, das innovative Projekt in Zukunft weiter auszubauen, damit Wissen nicht länger in Schubladen schlummert, sondern die Köpfe interessierter Menchen erreicht.
Im Gespräch mit Stefan Collet
Vorstandsvorsitzender Journal 360°
Student der Poltikwissenschaften und Volkswirtschaftslehre
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