Wonga Coup und der Prozess in Malabo
3. Februar 2008, 18:35[Dr. Alexander Freiherr von Paleske] Mit der Auslieferung des Chefsöldners Simon Mann von Simbabwe nach Aequatorial Guinea gerät der fehlgeschlagene Putschversuch wieder in die Schlagzeilen. Grund genug, die damaligen Ereignisse und Beteiligten noch einmal in Augenschein zu nehmen.
Die Geschichte handelt von einer Meute ehemaliger Absolventen britischer High Society Schulen (Public Schools), die einen ölreichen afrikanischen Staat im Jahre 2004 erobern wollte. Die Vorwürfe richten sich an: Sir Mark Thatcher, Simon Mann, Greg Wales, David Hart, Eli Calil, Lord Archer, Howard Flight sowie ehemalige Apartheid Söldner aus Südafrika. Ebenfalls mit dabei als Transportoffizier: der Deutsche Gerhard Eugen Merz.
Coupisten wollten an das große Geld
Im März 2004 versuchte eine Gruppe von Söldnern den Regierungschef von Aequatorial Guinea, Obiang Mbasogo Nguema durch einen Putsch zu beseitigen und ein Marionetten-Regime unter dem im spanischen Exil lebenden Oppositionspolitiker Severo Moto Nsa unter Dauerbewachung südafrikanischer Söldner zu errichten. Der Versuch, der fehlgeschlagen war, erhielt den Namen "Wonga Coup", Wonga ist ein Slangwort für Geld, das mehrere der “Coupisten” effizient zu nutzen wußten. Der versuchte Coup erregte damals erst ein derart großes Aufsehen, als Mark Thatcher, der Sohn der ehemaligen britischen Premierministerin Margaret Thatcher wegen seiner Beteiligung in Südafrika verhaftet wurde. Die Coupisten wollten offenbar an Geld, viel Geld und Äquatorial Guinea ist der drittgrößte Erdölproduzent in Afrika, nach Nigeria und Angola.
Am 4. März 2004 landete eine betagte Boeing 727 auf dem Flughafen der simbabweschen Hauptstadt Harare. An Bord mehrere Dutzend Söldner aus dem ehemaligen Terroreinheiten des südafrikanischen Apartheidregimes. Die Maschine, die dort einen Zwischenstopp zum Aufladen von Waffen eingelegt hatte, steht noch heute dort. Die Söldner sind nach einem mehr als einjährigen Zwischenaufenthalt im Hochsicherheitsgefängnis von Harare wieder nach Südafrika zurückgekehrt, bis auf einen, Simon Mann.. Dieser wurde nun in das Land ausgeliefert, das er eigentlich erobern wollte. Gleichzeitig wurden in Malabo eine Reihe von Südafrikanern festgenommen und zum Teil zu langjährigen Gefängnisstrafen verurteilt. Der Deutsche Gerhard Merz starb dort nach weniger als zwei Wochen im berüchtigten Black Beach Gefängnis, vermutlich an den Folgen von Folter.
Angeblicher Drahtzieher aus dem Vereinigten Königreich
Werfen wir zunächst einen Blick auf die angeblichen Drahtzieher und Hintermänner aus dem Vereinigten Königreich Großbritannien. Da ist zunächst Simon Mann zu nennen, ein Eton Absolvent, Sprössling einer reichen Bierbrauerfamilie. Er diente nach Absolvierung der Offiziersschule in Sandhurst dereinst für Königin und Vaterland in der Traditionseinheit Scots Guards und später in der Spezialeinheit SAS, vergleichbar der deutschen GSG9, bevor er sich der ertragreicheren Tätigkeit eines hauptberuflichen Söldners zuwandte.
Sein Ziehvater in Sachen Söldnergeschäeft war ein Herr Tony Buckingham, Inhaber der Söldnerfirma Sandline und Gründer und Direktorder Ölfirma Heritage Oil. Simon Mann kümmerte sich vorwiegend um dessen Ölfelder und Diamantenminen in Angola, letztere firmierten unter dem Namen DiamandWorks. Dort arbeitete er eng mit dem Apartheiddreck der südafrikanischen Söldnertruppe Executive Outcomes zusammen, die von der Regierung Angolas angeheuert worden war, um den Bürgerkrieg zu ihren Gunsten zu gestalten. Simon Mann soll der Organisator des Putsches gewesen sein. Er wurde in Harare rechtzeitig verhaftet und zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Nach Verbüßung der Strafe wurde er nun ausgeliefert.
Als nächstes ist Eli Calil zu nennen, ein Libanese mit britischem Pass. Calil, bekannt für seine windigen Ölgeschäfte, hat in Frankreich ein Verfahren wegen Geldwäsche und mehr gegen sich laufen. Er sorgte auch dafür, dass das nigerianische Ölgeld, das der ehemalige Diktator Sunny Abacha zusammengerafft hatte, auf sicheren Konten in Europa landete, alles illegal natürlich. Calil ist auch ein guter Freund von Tony Blairs Skandalminister Peter Mandelson, der zweimal das Blairsche Kabinett verlassen musste, weil er es nicht lassen konnte, Geschenke von Leuten wie Calil anzunehmen. Tony Blair fand allerdings wieder eine Beschäftigung für ihn, diesmal in Brüssel als EU-Handelskommissar. Ein richtiger Freund ist eben ein guter Freund. Mandelson hat heftig bestritten, etwas mit dem Coup zu tun gehabt zu haben. Man wird sehen.
Calil soll Simon Mann mit dem äquatorialguineaschen Oppositionspolitiker Severo Moto Nsa zusammengebracht haben. Moto war als Regierungschef nach dem Coup mit eingeschränkten Vollmachten und unter Dauerbewachung südafrikanischer Söldner vorgesehen. Calil streitet natürlich alles ab.
Ein vorbestrafter Lord aus dem Oberhaus
Der nächste Mitspieler ist Lord Jeffrey Archer, ehemaliger Vorsitzender der Konservativen Partei Maggie Thatchers. Archer hatte gerade eine mehrjährige Freiheitsstrafe wegen Meineids und Behinderung der Justiz verbüßt und soll ein wenig Taschengeld auf Simon Manns Coup-Sparkonto eingezahlt haben, das in dem Finanzparadies Guernsey eingerichtet war. Dabei handelte es sich um die kleine Summe von 100.000 Pfund. Er bestreitet das natürlich, doch es findet sich dort ein Eingang von einem J.H. Archer - ein Namensvetter? Ebenfalls involviert sein soll Greg Wales, eine Figur aus der Londoner Geschäftswelt mit Afrika Erfahrung. Auch er bestreitet sämtliche Vorwürfe, doch ein vorliegender Brief bezeugt das genaue Gegenteil.
Unter Verdacht einer Beteiligung steht auch David Hart, ein guter Freund von Maggie Thatcher. Er händigte während des Streiks der Arbeiter in den Kohlezechen in den 80er Jahren Geld an Streikbrecher aus, und zwar von einer Suite des Hotels Claridges aus, einem Ort, an dem eine einzelne Übernachtung so viel kostet, wie ein Zechenarbeiter im Monat verdient. Weiter geht es mit Howard Flight, ehemaliger Vizechef der Konservativen Partei. Er hatte einen Kredit in Höhe von 30 Millionen Euro für die Not leidende Landbevölkerung in Äquatorial Guinea klargemacht und zwar über die Investec Bankengruppe, für die Zeit nach einem erfolgreichen Putsch, versteht sich. Schließlich sei auch Mark Thatcher erwähnt, der immer für eine Schlagzeile gut ist, meistens unerfreuliche. Mama Maggies liebstes Kind war nicht nur ein enger Freund von Simon Mann, sondern kümmerte sich als Aviator des Putsches um die fliegerische Logistik. Einen Hubschrauber wollte er zu dem Unternehmen beisteuern, gekauft mit eigem Geld war der bereits verfügbar. Mark Thatcher hatte sich einem Kapstädter Gericht gegenüber bereits schuldig bekannt, gegen Südafrikas Anti-Söldnergesetze verstoßen zu haben. Er wurde zu einer saftigen Geldstrafe und einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Dadurch vermied er es, nach Äquatorial Guinea ausgeliefert zu werden, einer Reise ohne sichere Rückfahrkarte.
Die südafrikanischen Drahtzieher
Auch die südafrikanische Seite muss natürlich benannt werden, doch nicht etwa die einfachen Söldner, die für das Kämpfen und Sterben vorgesehen waren. Vielmehr geht es um die Drahtzieher Nick du Toit, Teil des Vorauskommandos, hatte als angeblicher Fischfangunternehmer sich in Äquatorial Guinea schon mit einem Fischkutter eingenistet, der allerdings niemals Fische fangen sollte. Nick du Toit kann auf eine lange Karriere in den Terror- und Mörderkommandos des Apartheidregimes zurückblicken. Vor 21 Jahren kam er mit seiner Gang, genannt Reconnaissance Commando oder kurz RECCE nach Gaborone. Die Gang brachte 14 Menschen um, darunter eine schwangere Frau und ein sechsjähriges Kindund jagte anschliessend eine Reihe von Häusern in die Luft. Das ist hier keineswegs vergessen und viele Mitarbeiter am hiesigen Krankenhaus können sich noch gut daran erinnern.
Als nächstes ist “Bones” Boonzaaier zu benennen, auch er ein alter RECCE Mann. Dokumentiert ist sein Einsatz im Juli 1975, als er mit einem Kommando in Sambia einfiel und 190 Befreiungskämpfer der namibischen Befreiungsbewegung SWAPO in deren Lager Schatowa im Morgengrauen überraschte und im wahren Sinne des Wortes abschlachtete. Er ist aus gesundheitlichen Gründen aus der Haft in Malabo entlassen worden. Ihm wurde Mitleid demonstriert, das er selbst gegenüber Schwarzen zeitlebens nie aufbringen konnte.
Und ein Deutscher...
Auch ein Deutscher, Gerhard Eugen Merz, ehemaliger Transporteur von Massenvernichtungswaffen in den Iran war als Putschisten-Transportoffizier mit von der Partie. Sein Arbeitgebner war die Frachtfirma ACL/CAL, mit Sitz in Frankfurt und Hahn im Hunsrück. Für ihn war es die letzte Reise und das Deutsche Auswärtige Amt tat alles, um die Sache unter den Teppich zu kehren. Angelegenheit unbekannt, obwohl sie mehrfach durch die Presse hier im südlichen Afrika ging. Erst als meinerseits Strafanzeige bei der Generalstaatsanwaltschaft beim Landgericht Berlin erstattet wurde, wusste man auf einmal Bescheid. Umgekehrt hatte das Auswärtige Amt sofort nach der Festnahme von Merz die Deutsche Botschaft in Kamerun, zuständig auch für Äquatorial Guinea über den Hintergrund von Merz informiert. Ein Beamter der Botschaft, der keinerlei medizinische Kenntnisse hatte, beeilte sich festzustellen, dass die Leiche keinerlei Anzeichen von Folter aufwies, während der in Kamerun stationierte Botschaftsarzt keine Veranlassung sah, dorthin zu reisen. Herr Merz sei ja schon tot, wurde mir gegenüber erklärt. War Merz ein Mitarbeiter des BND? Hat man ihn dort schlichtweg "absaufen“ lassen"?
Gerhard Merz kam mit einer in Armenien gecharterten Antonow samt Crew angereist. Die Maschine hatte jedoch technische Probleme und so kaufte Simon Mann kurzerhand eine betagte Boeing 727 in den USA. Diese hob am 4, März 2004 vom Flughafen Wonderboom nahe Pretoria ab. Nicht ahnend, dass man sie in Harare, der Hauptstadt Zimbabwes bereits erwartete um dem Söldnerspiel den Garaus zu machen.
Viele Fragen beileben offen
Dennoch bleiben noch einige Fragen zu beantworten: Wie weit war die Blair Regierung, die zwei Monate zuvor detaillierte Informationen über den geplanten Putsch erhielt, selbst involviert? Das Foreign Office, man höre und staune, bestellte daraufhin den Obersöldner Tim Spicer, einen ehemaligen Arbeitskollegen von Simon Mann, zum Gespräch ein. Um was ging es in diesen Gesprächen und welche Vereinbarungen wurden gegebenenfalls getroffen? Welche Rolle spielte der Auslandsgeheimdienst MI6? Chef des Dienstes war seinerzeit Sir Dearlove. Sein Neffe, Justin Longley, war in der Söldnerfirma Simon Manns beschäftigt.
Wie weit war Tony Buckingham involviert, der seine Söldnerfirma Sandline sechs Wochen nach dem Coup dichtmachte, mit der Begründung, nicht genug Unterstützung von der britischen Regierung zu bekommen? Inwieweit war Spanien, die frühere Kolonialmacht involviert? Eine spanische Fregatte soll sich mit mehr als 100 Soldaten "rein zufällig" zum damaligen Zeitpunkt in der Nähe aufgehalten haben. Der jetzt anstehende Prozess in Malabo könnte noch einiges ans Tageslicht befördern.
Verweise:
Britischer Chefsöldner Simon Mann ausgeliefert
Giftgas und Milliardenbetrug
Weitere Artikel von Dr. Alexander Freiherr von Paleske
Die Geschichte handelt von einer Meute ehemaliger Absolventen britischer High Society Schulen (Public Schools), die einen ölreichen afrikanischen Staat im Jahre 2004 erobern wollte. Die Vorwürfe richten sich an: Sir Mark Thatcher, Simon Mann, Greg Wales, David Hart, Eli Calil, Lord Archer, Howard Flight sowie ehemalige Apartheid Söldner aus Südafrika. Ebenfalls mit dabei als Transportoffizier: der Deutsche Gerhard Eugen Merz.
Coupisten wollten an das große Geld
Im März 2004 versuchte eine Gruppe von Söldnern den Regierungschef von Aequatorial Guinea, Obiang Mbasogo Nguema durch einen Putsch zu beseitigen und ein Marionetten-Regime unter dem im spanischen Exil lebenden Oppositionspolitiker Severo Moto Nsa unter Dauerbewachung südafrikanischer Söldner zu errichten. Der Versuch, der fehlgeschlagen war, erhielt den Namen "Wonga Coup", Wonga ist ein Slangwort für Geld, das mehrere der “Coupisten” effizient zu nutzen wußten. Der versuchte Coup erregte damals erst ein derart großes Aufsehen, als Mark Thatcher, der Sohn der ehemaligen britischen Premierministerin Margaret Thatcher wegen seiner Beteiligung in Südafrika verhaftet wurde. Die Coupisten wollten offenbar an Geld, viel Geld und Äquatorial Guinea ist der drittgrößte Erdölproduzent in Afrika, nach Nigeria und Angola.
Am 4. März 2004 landete eine betagte Boeing 727 auf dem Flughafen der simbabweschen Hauptstadt Harare. An Bord mehrere Dutzend Söldner aus dem ehemaligen Terroreinheiten des südafrikanischen Apartheidregimes. Die Maschine, die dort einen Zwischenstopp zum Aufladen von Waffen eingelegt hatte, steht noch heute dort. Die Söldner sind nach einem mehr als einjährigen Zwischenaufenthalt im Hochsicherheitsgefängnis von Harare wieder nach Südafrika zurückgekehrt, bis auf einen, Simon Mann.. Dieser wurde nun in das Land ausgeliefert, das er eigentlich erobern wollte. Gleichzeitig wurden in Malabo eine Reihe von Südafrikanern festgenommen und zum Teil zu langjährigen Gefängnisstrafen verurteilt. Der Deutsche Gerhard Merz starb dort nach weniger als zwei Wochen im berüchtigten Black Beach Gefängnis, vermutlich an den Folgen von Folter.
Angeblicher Drahtzieher aus dem Vereinigten Königreich
Werfen wir zunächst einen Blick auf die angeblichen Drahtzieher und Hintermänner aus dem Vereinigten Königreich Großbritannien. Da ist zunächst Simon Mann zu nennen, ein Eton Absolvent, Sprössling einer reichen Bierbrauerfamilie. Er diente nach Absolvierung der Offiziersschule in Sandhurst dereinst für Königin und Vaterland in der Traditionseinheit Scots Guards und später in der Spezialeinheit SAS, vergleichbar der deutschen GSG9, bevor er sich der ertragreicheren Tätigkeit eines hauptberuflichen Söldners zuwandte.
Sein Ziehvater in Sachen Söldnergeschäeft war ein Herr Tony Buckingham, Inhaber der Söldnerfirma Sandline und Gründer und Direktorder Ölfirma Heritage Oil. Simon Mann kümmerte sich vorwiegend um dessen Ölfelder und Diamantenminen in Angola, letztere firmierten unter dem Namen DiamandWorks. Dort arbeitete er eng mit dem Apartheiddreck der südafrikanischen Söldnertruppe Executive Outcomes zusammen, die von der Regierung Angolas angeheuert worden war, um den Bürgerkrieg zu ihren Gunsten zu gestalten. Simon Mann soll der Organisator des Putsches gewesen sein. Er wurde in Harare rechtzeitig verhaftet und zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Nach Verbüßung der Strafe wurde er nun ausgeliefert.
Als nächstes ist Eli Calil zu nennen, ein Libanese mit britischem Pass. Calil, bekannt für seine windigen Ölgeschäfte, hat in Frankreich ein Verfahren wegen Geldwäsche und mehr gegen sich laufen. Er sorgte auch dafür, dass das nigerianische Ölgeld, das der ehemalige Diktator Sunny Abacha zusammengerafft hatte, auf sicheren Konten in Europa landete, alles illegal natürlich. Calil ist auch ein guter Freund von Tony Blairs Skandalminister Peter Mandelson, der zweimal das Blairsche Kabinett verlassen musste, weil er es nicht lassen konnte, Geschenke von Leuten wie Calil anzunehmen. Tony Blair fand allerdings wieder eine Beschäftigung für ihn, diesmal in Brüssel als EU-Handelskommissar. Ein richtiger Freund ist eben ein guter Freund. Mandelson hat heftig bestritten, etwas mit dem Coup zu tun gehabt zu haben. Man wird sehen.
Calil soll Simon Mann mit dem äquatorialguineaschen Oppositionspolitiker Severo Moto Nsa zusammengebracht haben. Moto war als Regierungschef nach dem Coup mit eingeschränkten Vollmachten und unter Dauerbewachung südafrikanischer Söldner vorgesehen. Calil streitet natürlich alles ab.
Ein vorbestrafter Lord aus dem Oberhaus
Der nächste Mitspieler ist Lord Jeffrey Archer, ehemaliger Vorsitzender der Konservativen Partei Maggie Thatchers. Archer hatte gerade eine mehrjährige Freiheitsstrafe wegen Meineids und Behinderung der Justiz verbüßt und soll ein wenig Taschengeld auf Simon Manns Coup-Sparkonto eingezahlt haben, das in dem Finanzparadies Guernsey eingerichtet war. Dabei handelte es sich um die kleine Summe von 100.000 Pfund. Er bestreitet das natürlich, doch es findet sich dort ein Eingang von einem J.H. Archer - ein Namensvetter? Ebenfalls involviert sein soll Greg Wales, eine Figur aus der Londoner Geschäftswelt mit Afrika Erfahrung. Auch er bestreitet sämtliche Vorwürfe, doch ein vorliegender Brief bezeugt das genaue Gegenteil.
Unter Verdacht einer Beteiligung steht auch David Hart, ein guter Freund von Maggie Thatcher. Er händigte während des Streiks der Arbeiter in den Kohlezechen in den 80er Jahren Geld an Streikbrecher aus, und zwar von einer Suite des Hotels Claridges aus, einem Ort, an dem eine einzelne Übernachtung so viel kostet, wie ein Zechenarbeiter im Monat verdient. Weiter geht es mit Howard Flight, ehemaliger Vizechef der Konservativen Partei. Er hatte einen Kredit in Höhe von 30 Millionen Euro für die Not leidende Landbevölkerung in Äquatorial Guinea klargemacht und zwar über die Investec Bankengruppe, für die Zeit nach einem erfolgreichen Putsch, versteht sich. Schließlich sei auch Mark Thatcher erwähnt, der immer für eine Schlagzeile gut ist, meistens unerfreuliche. Mama Maggies liebstes Kind war nicht nur ein enger Freund von Simon Mann, sondern kümmerte sich als Aviator des Putsches um die fliegerische Logistik. Einen Hubschrauber wollte er zu dem Unternehmen beisteuern, gekauft mit eigem Geld war der bereits verfügbar. Mark Thatcher hatte sich einem Kapstädter Gericht gegenüber bereits schuldig bekannt, gegen Südafrikas Anti-Söldnergesetze verstoßen zu haben. Er wurde zu einer saftigen Geldstrafe und einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Dadurch vermied er es, nach Äquatorial Guinea ausgeliefert zu werden, einer Reise ohne sichere Rückfahrkarte.
Die südafrikanischen Drahtzieher
Auch die südafrikanische Seite muss natürlich benannt werden, doch nicht etwa die einfachen Söldner, die für das Kämpfen und Sterben vorgesehen waren. Vielmehr geht es um die Drahtzieher Nick du Toit, Teil des Vorauskommandos, hatte als angeblicher Fischfangunternehmer sich in Äquatorial Guinea schon mit einem Fischkutter eingenistet, der allerdings niemals Fische fangen sollte. Nick du Toit kann auf eine lange Karriere in den Terror- und Mörderkommandos des Apartheidregimes zurückblicken. Vor 21 Jahren kam er mit seiner Gang, genannt Reconnaissance Commando oder kurz RECCE nach Gaborone. Die Gang brachte 14 Menschen um, darunter eine schwangere Frau und ein sechsjähriges Kindund jagte anschliessend eine Reihe von Häusern in die Luft. Das ist hier keineswegs vergessen und viele Mitarbeiter am hiesigen Krankenhaus können sich noch gut daran erinnern.
Als nächstes ist “Bones” Boonzaaier zu benennen, auch er ein alter RECCE Mann. Dokumentiert ist sein Einsatz im Juli 1975, als er mit einem Kommando in Sambia einfiel und 190 Befreiungskämpfer der namibischen Befreiungsbewegung SWAPO in deren Lager Schatowa im Morgengrauen überraschte und im wahren Sinne des Wortes abschlachtete. Er ist aus gesundheitlichen Gründen aus der Haft in Malabo entlassen worden. Ihm wurde Mitleid demonstriert, das er selbst gegenüber Schwarzen zeitlebens nie aufbringen konnte.
Und ein Deutscher...
Auch ein Deutscher, Gerhard Eugen Merz, ehemaliger Transporteur von Massenvernichtungswaffen in den Iran war als Putschisten-Transportoffizier mit von der Partie. Sein Arbeitgebner war die Frachtfirma ACL/CAL, mit Sitz in Frankfurt und Hahn im Hunsrück. Für ihn war es die letzte Reise und das Deutsche Auswärtige Amt tat alles, um die Sache unter den Teppich zu kehren. Angelegenheit unbekannt, obwohl sie mehrfach durch die Presse hier im südlichen Afrika ging. Erst als meinerseits Strafanzeige bei der Generalstaatsanwaltschaft beim Landgericht Berlin erstattet wurde, wusste man auf einmal Bescheid. Umgekehrt hatte das Auswärtige Amt sofort nach der Festnahme von Merz die Deutsche Botschaft in Kamerun, zuständig auch für Äquatorial Guinea über den Hintergrund von Merz informiert. Ein Beamter der Botschaft, der keinerlei medizinische Kenntnisse hatte, beeilte sich festzustellen, dass die Leiche keinerlei Anzeichen von Folter aufwies, während der in Kamerun stationierte Botschaftsarzt keine Veranlassung sah, dorthin zu reisen. Herr Merz sei ja schon tot, wurde mir gegenüber erklärt. War Merz ein Mitarbeiter des BND? Hat man ihn dort schlichtweg "absaufen“ lassen"?
Gerhard Merz kam mit einer in Armenien gecharterten Antonow samt Crew angereist. Die Maschine hatte jedoch technische Probleme und so kaufte Simon Mann kurzerhand eine betagte Boeing 727 in den USA. Diese hob am 4, März 2004 vom Flughafen Wonderboom nahe Pretoria ab. Nicht ahnend, dass man sie in Harare, der Hauptstadt Zimbabwes bereits erwartete um dem Söldnerspiel den Garaus zu machen.
Viele Fragen beileben offen
Dennoch bleiben noch einige Fragen zu beantworten: Wie weit war die Blair Regierung, die zwei Monate zuvor detaillierte Informationen über den geplanten Putsch erhielt, selbst involviert? Das Foreign Office, man höre und staune, bestellte daraufhin den Obersöldner Tim Spicer, einen ehemaligen Arbeitskollegen von Simon Mann, zum Gespräch ein. Um was ging es in diesen Gesprächen und welche Vereinbarungen wurden gegebenenfalls getroffen? Welche Rolle spielte der Auslandsgeheimdienst MI6? Chef des Dienstes war seinerzeit Sir Dearlove. Sein Neffe, Justin Longley, war in der Söldnerfirma Simon Manns beschäftigt.
Wie weit war Tony Buckingham involviert, der seine Söldnerfirma Sandline sechs Wochen nach dem Coup dichtmachte, mit der Begründung, nicht genug Unterstützung von der britischen Regierung zu bekommen? Inwieweit war Spanien, die frühere Kolonialmacht involviert? Eine spanische Fregatte soll sich mit mehr als 100 Soldaten "rein zufällig" zum damaligen Zeitpunkt in der Nähe aufgehalten haben. Der jetzt anstehende Prozess in Malabo könnte noch einiges ans Tageslicht befördern.
Verweise:
Britischer Chefsöldner Simon Mann ausgeliefert
Giftgas und Milliardenbetrug
Weitere Artikel von Dr. Alexander Freiherr von Paleske































































