Toxic Bob alias Robert Friedland - die Erfolgsgeschichte eines Minenbarons und Umweltverschmutzers
30. Dezember 2007, 12:20[Dr. Alexander Frhr. von Paleske] Ob in Asien, Afrika oder in den USA, bei der Jagd nach Rohstoffen im Globalmassstab steht nicht nur die Firma Barrick Gold sowie der ehemalige Inhaber einer Söldnerfirma und Minenbaron Tony Buckingham (Heritage Oil) an vorderster Front. Im Wetbewerb der Gier nach Profit treibt es auch andere Global Player um, deren Machenschaften rund um den Erdball und oftmals unter Hinterlassung gewaltiger Umweltschäden nicht unerwähnt bleiben sollen. Eine besonders prominente Persönlichkeit auf diesem Gebiet ist Robert Friedland, auch als "Toxic Bob" bekannt.
Lehrjahre in den USA
Friedland stammt aus Chicago. Nach dem Schulbesuch schreibt er sich im Bowdoin College im US Bundesstaat Maine als Student ein und beginnt zügig eine rasante Karriere als Geschäftsmann. Er handelt mit Drogen, überwiegend LSD, seine Geschäftsbasis ist das Studentenwohnheim, bis er eines Tages von Kriminalbeamten in Zivil geschnappt wird. 8000 Trips wollte er angeblich den Under Cover Agents verkaufen. Im anschließenden Strafverfahren versuchte er dem Richter zu vermitteln, welch schöne Sache LSD sei, der Dealer als Wohltäter sozusagen. Der Richter sah es zu Recht anders und schickte ihn ins Gefängnis. Sein weiterer aufregender Lebensweg führt ihn in eine Hippie Kommune. Anlässlich einer Exkursion außerhalb der Kommune stolpert Friedland über eine verlassene Goldmine. Im Sand glitzert etwas, war das etwa Gold? Friedland beschließt, das uneinträgliche Hippieleben gegen die einträgliche Tätigkeit eines Minenbarons zu tauschen. Unter tatkräftiger Unterstützung der gesamten Verwandtschaft kauft er Goldminen, von denen eine Mine im Bundesstaat Colorado besondere Erwähnung finden soll.
Die Summitville Mine
Die Mine, erstmals im Jahre 1870 in Betrieb genommen, war verlassen worden, weil der Goldgehalt das Schürfen nicht lohnte. Friedland fand mit seiner Firma Galactic Resources eine billige und gleichzeitig für die Umwelt brandfährliche Methode, mittels dem hochgiftigen "Heap Leaching Prozess" das Goldschürfen in Summitville wieder äußert profitabel zu gestalten. Das Gestein wurde aufgetürmt und dann mit einer zyanidhaltigen Flüssigkeit beregnet, womit das Gold extrahiert werden konnte. Die zyanidhaltige Flüssigkeit wurde dann in einem Becken aufgefangen. Ein Teil wanderte direkt ins Grundwasser, das abgepumpt wurde. Bei den Mengen an zyanidhaltiger Flüssiigkeit, die zur Beregnung gebraucht wurden, konnte das natürlich nur eine bestimmte Weile gutgehen. Dann lief das Becken über und ein Teil gelang schliesslich in die umliegenden Bäche – mit katastrophalen Folgen.
1984 geht es los. Nach acht ertragreichen Jahren ist die Mine 1992 endgültig erschöpft. Friedland hat sein Geld gemacht, insgesamt neun Tonnen Gold und neun Tonnen Silber. In den USA wird er als große Erfolgsgeschichte gefeiert, man reißt sich darum, ihn als Redner zum Thema, "Wie kann man preiswert Gold schürfen?" zu gewinnen – bis zum Jahre 1992.
Das Summitville Desaster
Angestossen durch einen annonymen Telefonanruf, werden im Jahr 1992 staatliche Stellen in Colorado auf die Umweltkatastrophe aufmerksam, die sich da zusammengebraut hat: eine Art "Erin Brokovic Geschichte". Wer sich an das Desaster in Rumänien vor wenigen Jahren erinnert, bei dem in einem Nebenfluss der Donau nach dem Übertritt zyanidhaltiger Flüssigkeit die gesamte Fischwelt ausgerottet wurde, der weiß, wovon hier die Rede ist. Nun könnte man meinen, dass ein Teil des Profits verwendet wurde, um die Umweltschäden zu beseitigen. Fehlanzeige, denn dies entsprach so gar nicht der Denkweise eines Friedlands. Der Betreiber der Mine, Galactic Resources, dessen Chairman der Minenbaron war, geht zunächst einmal bankrott. Friedland tritt von seinem Vorstandsposten bei Galactic Resources nach dem Eintreffen der Staatsbeamten schnell zurück, entsprechend dem Motto: Staat, übernimm die Aufräumarbeiten. Die auf 150 Millionen Dollar geschätzten Kosten werden sodann dem Staat überlassen. Nachdem die Gewinne privatisiert werden, kommt es sozusagen zur Sozialisierung der Umweltschäden: Elf Kubikmeter toxische Flüssigkeit pro Minute und jede Menge Aufräumarbeiten. Friedland selbst bequemt sich erst nach einem gegen ihn angestrengten Prozess zu einem Vergleich und muss sich schließlich mit einem lächerlichen Betrag von 30 Millionen US Dollar beteiligen. Um einem drohenden Strafverfahren zu entgehen, setzt er sich zunächst nach Kanada, später nach Singapur ab.
Für Friedland Gold-Glück, für die Umwelt Zyanid
Nur drei Monate später macht Friedland in Guayana/Suedamerika munter mit derselben Methode weiter. Diesmal ist es die "Heap Leaching", in der Omai Mine, an der Friedland über die Firma "Golden Star Resources" massgeblich beteiligt war. Und er kann sich sogar der Unterstützung der Weltbank erfreuen, die Druck auf Guayana ausgeübt hat, Minengesellschaften endlich ins Land zu lassen. 1995 endet seine Minentätigkeit jedoch ebenso wie in Summitville mit einem Desaster. Wieder ist es Zyanid, was ausläuft, diesmal in den Essequibo-Fluss. Insgesamt sollen es vier Milliarden Liter zyanidhaltiges Abwasser gewesen sein. Den Fischen und Krokodilen dort hat das gar nicht gut getan, doch Friedland kann sich wieder rechtzeitig absetzen - Summitville lässt grüssen.
Heute in den USA - morgen in der ganzen Welt
Ermutigt durch seine bisherigen "Erfolge" geht Friedland geschäftlich im Jahre 1994 nach Namibia auf Diamentensuche. Dort geht auch Tony Buckingham, über den wir mehrfach berichtet haben, seinen zwielichtigen Gechäften als Besitzer einer Söldnerfirma und Minen-Baron nach. Doch erst 1996 wird Friedland näher mit Buckingham bekannt durch Vermittlung des Geschäftsführers von Buckinghams Söldnerfirma Sandline, Michael Grunberg. Grunberg wurde einigen Lesern in Deutschland durch ein SPIEGEL-Interview bekannt. Das Magazin gab dem Minenbaron im Rahmen des Interviews "Mit einem Fuß im Grabe" im Mai 2004 Gelegenheit, allerhand Märchen über die Söldnerfirma zu verbreiten.
Friedland trifft nun auf einen Mann namens Raymond Boulle, einem ehemaligen Diamantenhändler für das südafrikanische Diamantenkonglomerat "de Beers". Beide arbeiten für eine Weile zusammen und landen einen gemeinsamen Knüller mit der Entdeckung einer Mine in Kanada. Zunächst nehmen sie fälschlicherweise an, dass es sich um eine Diamantenmine "Diamond Fields" handelt. In Wahrheit aber stoßen sie auf eines der größten Nickelvorkommen der Welt.
Entdecken und verkaufen
Boulle und Friedland reiben sich die Hände. Die Mine kann ein Jahr später an den größten Nickelproduzenten in der Welt, INCO, für satte 4,3 Milliarden Canadian Dollar verkauft werden. Da Friedland und Boulle jeweils 13 Prozent der Aktien an der Explorations-Firma halten, bringt dies jedem runde 500 Millionen, cash to carry. Nun will sich die Regierung der USA einen Teil der Kosten fuer das Summitville-Desaster aus diesen Windfall-Profiten zurückholen, und lässt Friedlands Konten in Kanada beschlagnahmen. Doch wieder Fehlanzeige, da das von Friedland angerufene kanadische Gericht es als einen inner-US-amerikanischen Zivilrechtsstreit ansieht und die USA keinen international volltsreckbaren Titel gegen Friedland vorlegen können. Nun hat Friedland wieder vollen Zugriff auf das Geld und es kann global so richtig losgehen. Die Wahl fällt auf Afrika - dort, wo es Ressourcen ohne Ende gibt.
Zwei Männer und ein Ziel: Plünderung von Rohstoffen
500 Millionen Dollar - the plunder must go on. Friedland und Tony Buckingham gründen nun die Minenfirma "Diamond Works", vormals "Carson Gold", die überall dort tätig wird, wo Schürfrechte billig zu bekommen sind. In Sierra Leone für Diamanten und Bauxit, mit dabei auch der internationale Großbetrüger Rakesh Saxena. In Angola Erdöl und ebenfalls Diamanten. Immer dort also, wo der Bürgerkrieg tobte und man als Gegenleistung statt Geld Söldner anbieten konnte, um der Regierung "zu helfen": Die Hilfe bestand nicht etwa dahingegehend, dass Geld zur Verbesserung der Infrastruktur zur Verfügung gestellt wurde, sondern Menschen- und Kriegsmaterial zur Kriegführung. Die Söldner stammen meist aus den Apartheidtruppen Südafrikas und werden von der südafrikanischen Söldnerfirma Executive Outcomes angeheuert. Es handelt sich um ehemalige Miglieder von Terror und Mörderkommandos wie der 44. Parachute Brigade, dem 32. Buffalo Battalion, Koevoet, den Reconnaissance Commandos (Recce) und der Todesschwadron Civil Cooperation Bureau.
Burma, Junta und Friedland
Doch auch dort, wo die blanke Diktatur herrscht und der Umweltschutz nur eine untergeordnete Rolle spielt, sodass sich Friedland und seine Firma Ivanhoe nicht mit Protesten der Bevölkerung herumschlagen müssen, dort investiert er gerne. Beispielsweise in Burma - Friedland soll beste Kontakte zu Junta unterhalten - die ihn wiederum ungestört im Burmas Indegenous Central Valley in der Monywa Mine nach Kupfer und Gold buddeln lassen. 1996 taucht Friedland schließlich in Tasmanien auf, was umgehend die Grünen auf den Plan ruft. Denn dort erhält der Minenbaron angeblich eine Mine quasi auf dem Silbertablett überreicht: Keine Verpflichtung zur Beseitigung von eventuellen Umweltschäden sowie Steuerfreiheit zu Beginn. Wer möchte da nicht investieren?
Im Dschingis Khan Land
Friedland ist nun in der Mongolei unterwegs und die Wirtschaftsblätter jubeln. Zunächst kauft er Schuldscheine der Regierung im Wert von 50 Millionen Dollar. Kleine Geschenke begründen und erhalten schließlich Freundschaften. Die Schuldscheine datieren noch aus der Zeit der Sowjetunion. Solche Schuldscheine werden gerne von Geierfonds aufgekauft, die dann gnadenlos das Geld eintreiben. Und Friedland ist ein Minenunternehmer und natürlich kein Geierfond, ein Wohltäter sozusagen. Die Regierung der Mongolei zeigt sich ausgesprochen dankbar. Obwohl die Rohstoffreserven (Gold und Kupfer) in Oyu Tolgoi auf rund 60 Milliarden Dollar geschätzt werden und die Investitionskosten nur eine Milliarde betragen, sollen Friedland und seine Ivanhoe für drei Jahre völlige Steuerfreiheit erhalten und später nur Abgaben leisten müssen, wenn die Rohstoffpreise über einem gewissen Level liegen. Was könnte schöner sein für einen Investor? Anlässlich einer Investorenkonferenz im Jahre 2005 über seine geplanten Aktivitäten in der Mongolei äußerte Friedland siegessicher:
So we’re coming from outer space and landing at Oyu Tolgoi[...]. And the nice thing about this: There are no people around, there is no NGO’s (Deutsch: Nichtregierungsorganisationen) We are only 70 kilometers from the Chinese border, it does not snow there. You have got lots of room for waste dumps.
Die Bevölkerung der Mongolei sieht das hingegen anders. Und so kommt es im Frühjahr 2006 wegen der befürchteten Umweltschäden zu Massenprotesten, da die Schürfrechte in Oyu Tolgoi nur für Friedland und Ivanhoe vorteilhaft waren, nicht jedoch für die lokale Bevölkerung. Am 18. April 2006 marschieren schließlich mehr als 12 000 Anhänger verschiedener Bürgerbewegungen zum Regierungsgebäude und forderten Regierung, Präsident und Parlament zum Rücktritt auf.
Unter Beifallsstürmen verbrennen sie Papierpuppen, die Robert Friedland, Staatspräsident Nambaryn Enchbajar, Ministerpräsident Mijegombyn Enchbold und den Parlamentspräsidenten Tsendiin darstellen. Sprecher der Demonstraten werfen Friedland und seiner Firma Ivanhoe vor, die Rohstoffe des Landes ausbeuten zu wollen, ohne das Land gebührend am Gewinn zu beteiligen. Sie fordern Friedland auf, das Land zu verlassen. Friedland, den Drogenhändler, Minenbaron, Diktatorenfreund und Umweltverschmutzer - und seine Spiessgesellen. Friedland, dessen Privatvermögen mittlerweile auf eine Milliarde Dollar geschätzt wird - macht Platz 644 auf der Reichenliste des Forbes-Magazins. Friedland, der wahrlich erfolgreiche Geschäftsmann, aus bescheidenen Anfängen hochgearbeitet. Friedland, der zur Wirklichkeit gewordene "American Dream".
Weitere Artikel von Dr. Alexander von Paleske
Lehrjahre in den USA
Friedland stammt aus Chicago. Nach dem Schulbesuch schreibt er sich im Bowdoin College im US Bundesstaat Maine als Student ein und beginnt zügig eine rasante Karriere als Geschäftsmann. Er handelt mit Drogen, überwiegend LSD, seine Geschäftsbasis ist das Studentenwohnheim, bis er eines Tages von Kriminalbeamten in Zivil geschnappt wird. 8000 Trips wollte er angeblich den Under Cover Agents verkaufen. Im anschließenden Strafverfahren versuchte er dem Richter zu vermitteln, welch schöne Sache LSD sei, der Dealer als Wohltäter sozusagen. Der Richter sah es zu Recht anders und schickte ihn ins Gefängnis. Sein weiterer aufregender Lebensweg führt ihn in eine Hippie Kommune. Anlässlich einer Exkursion außerhalb der Kommune stolpert Friedland über eine verlassene Goldmine. Im Sand glitzert etwas, war das etwa Gold? Friedland beschließt, das uneinträgliche Hippieleben gegen die einträgliche Tätigkeit eines Minenbarons zu tauschen. Unter tatkräftiger Unterstützung der gesamten Verwandtschaft kauft er Goldminen, von denen eine Mine im Bundesstaat Colorado besondere Erwähnung finden soll.
Die Summitville Mine
Die Mine, erstmals im Jahre 1870 in Betrieb genommen, war verlassen worden, weil der Goldgehalt das Schürfen nicht lohnte. Friedland fand mit seiner Firma Galactic Resources eine billige und gleichzeitig für die Umwelt brandfährliche Methode, mittels dem hochgiftigen "Heap Leaching Prozess" das Goldschürfen in Summitville wieder äußert profitabel zu gestalten. Das Gestein wurde aufgetürmt und dann mit einer zyanidhaltigen Flüssigkeit beregnet, womit das Gold extrahiert werden konnte. Die zyanidhaltige Flüssigkeit wurde dann in einem Becken aufgefangen. Ein Teil wanderte direkt ins Grundwasser, das abgepumpt wurde. Bei den Mengen an zyanidhaltiger Flüssiigkeit, die zur Beregnung gebraucht wurden, konnte das natürlich nur eine bestimmte Weile gutgehen. Dann lief das Becken über und ein Teil gelang schliesslich in die umliegenden Bäche – mit katastrophalen Folgen.
1984 geht es los. Nach acht ertragreichen Jahren ist die Mine 1992 endgültig erschöpft. Friedland hat sein Geld gemacht, insgesamt neun Tonnen Gold und neun Tonnen Silber. In den USA wird er als große Erfolgsgeschichte gefeiert, man reißt sich darum, ihn als Redner zum Thema, "Wie kann man preiswert Gold schürfen?" zu gewinnen – bis zum Jahre 1992.
Das Summitville Desaster
Angestossen durch einen annonymen Telefonanruf, werden im Jahr 1992 staatliche Stellen in Colorado auf die Umweltkatastrophe aufmerksam, die sich da zusammengebraut hat: eine Art "Erin Brokovic Geschichte". Wer sich an das Desaster in Rumänien vor wenigen Jahren erinnert, bei dem in einem Nebenfluss der Donau nach dem Übertritt zyanidhaltiger Flüssigkeit die gesamte Fischwelt ausgerottet wurde, der weiß, wovon hier die Rede ist. Nun könnte man meinen, dass ein Teil des Profits verwendet wurde, um die Umweltschäden zu beseitigen. Fehlanzeige, denn dies entsprach so gar nicht der Denkweise eines Friedlands. Der Betreiber der Mine, Galactic Resources, dessen Chairman der Minenbaron war, geht zunächst einmal bankrott. Friedland tritt von seinem Vorstandsposten bei Galactic Resources nach dem Eintreffen der Staatsbeamten schnell zurück, entsprechend dem Motto: Staat, übernimm die Aufräumarbeiten. Die auf 150 Millionen Dollar geschätzten Kosten werden sodann dem Staat überlassen. Nachdem die Gewinne privatisiert werden, kommt es sozusagen zur Sozialisierung der Umweltschäden: Elf Kubikmeter toxische Flüssigkeit pro Minute und jede Menge Aufräumarbeiten. Friedland selbst bequemt sich erst nach einem gegen ihn angestrengten Prozess zu einem Vergleich und muss sich schließlich mit einem lächerlichen Betrag von 30 Millionen US Dollar beteiligen. Um einem drohenden Strafverfahren zu entgehen, setzt er sich zunächst nach Kanada, später nach Singapur ab.
Für Friedland Gold-Glück, für die Umwelt Zyanid
Nur drei Monate später macht Friedland in Guayana/Suedamerika munter mit derselben Methode weiter. Diesmal ist es die "Heap Leaching", in der Omai Mine, an der Friedland über die Firma "Golden Star Resources" massgeblich beteiligt war. Und er kann sich sogar der Unterstützung der Weltbank erfreuen, die Druck auf Guayana ausgeübt hat, Minengesellschaften endlich ins Land zu lassen. 1995 endet seine Minentätigkeit jedoch ebenso wie in Summitville mit einem Desaster. Wieder ist es Zyanid, was ausläuft, diesmal in den Essequibo-Fluss. Insgesamt sollen es vier Milliarden Liter zyanidhaltiges Abwasser gewesen sein. Den Fischen und Krokodilen dort hat das gar nicht gut getan, doch Friedland kann sich wieder rechtzeitig absetzen - Summitville lässt grüssen.
Heute in den USA - morgen in der ganzen Welt
Ermutigt durch seine bisherigen "Erfolge" geht Friedland geschäftlich im Jahre 1994 nach Namibia auf Diamentensuche. Dort geht auch Tony Buckingham, über den wir mehrfach berichtet haben, seinen zwielichtigen Gechäften als Besitzer einer Söldnerfirma und Minen-Baron nach. Doch erst 1996 wird Friedland näher mit Buckingham bekannt durch Vermittlung des Geschäftsführers von Buckinghams Söldnerfirma Sandline, Michael Grunberg. Grunberg wurde einigen Lesern in Deutschland durch ein SPIEGEL-Interview bekannt. Das Magazin gab dem Minenbaron im Rahmen des Interviews "Mit einem Fuß im Grabe" im Mai 2004 Gelegenheit, allerhand Märchen über die Söldnerfirma zu verbreiten.
Friedland trifft nun auf einen Mann namens Raymond Boulle, einem ehemaligen Diamantenhändler für das südafrikanische Diamantenkonglomerat "de Beers". Beide arbeiten für eine Weile zusammen und landen einen gemeinsamen Knüller mit der Entdeckung einer Mine in Kanada. Zunächst nehmen sie fälschlicherweise an, dass es sich um eine Diamantenmine "Diamond Fields" handelt. In Wahrheit aber stoßen sie auf eines der größten Nickelvorkommen der Welt.
Entdecken und verkaufen
Boulle und Friedland reiben sich die Hände. Die Mine kann ein Jahr später an den größten Nickelproduzenten in der Welt, INCO, für satte 4,3 Milliarden Canadian Dollar verkauft werden. Da Friedland und Boulle jeweils 13 Prozent der Aktien an der Explorations-Firma halten, bringt dies jedem runde 500 Millionen, cash to carry. Nun will sich die Regierung der USA einen Teil der Kosten fuer das Summitville-Desaster aus diesen Windfall-Profiten zurückholen, und lässt Friedlands Konten in Kanada beschlagnahmen. Doch wieder Fehlanzeige, da das von Friedland angerufene kanadische Gericht es als einen inner-US-amerikanischen Zivilrechtsstreit ansieht und die USA keinen international volltsreckbaren Titel gegen Friedland vorlegen können. Nun hat Friedland wieder vollen Zugriff auf das Geld und es kann global so richtig losgehen. Die Wahl fällt auf Afrika - dort, wo es Ressourcen ohne Ende gibt.
Zwei Männer und ein Ziel: Plünderung von Rohstoffen
500 Millionen Dollar - the plunder must go on. Friedland und Tony Buckingham gründen nun die Minenfirma "Diamond Works", vormals "Carson Gold", die überall dort tätig wird, wo Schürfrechte billig zu bekommen sind. In Sierra Leone für Diamanten und Bauxit, mit dabei auch der internationale Großbetrüger Rakesh Saxena. In Angola Erdöl und ebenfalls Diamanten. Immer dort also, wo der Bürgerkrieg tobte und man als Gegenleistung statt Geld Söldner anbieten konnte, um der Regierung "zu helfen": Die Hilfe bestand nicht etwa dahingegehend, dass Geld zur Verbesserung der Infrastruktur zur Verfügung gestellt wurde, sondern Menschen- und Kriegsmaterial zur Kriegführung. Die Söldner stammen meist aus den Apartheidtruppen Südafrikas und werden von der südafrikanischen Söldnerfirma Executive Outcomes angeheuert. Es handelt sich um ehemalige Miglieder von Terror und Mörderkommandos wie der 44. Parachute Brigade, dem 32. Buffalo Battalion, Koevoet, den Reconnaissance Commandos (Recce) und der Todesschwadron Civil Cooperation Bureau.
Burma, Junta und Friedland
Doch auch dort, wo die blanke Diktatur herrscht und der Umweltschutz nur eine untergeordnete Rolle spielt, sodass sich Friedland und seine Firma Ivanhoe nicht mit Protesten der Bevölkerung herumschlagen müssen, dort investiert er gerne. Beispielsweise in Burma - Friedland soll beste Kontakte zu Junta unterhalten - die ihn wiederum ungestört im Burmas Indegenous Central Valley in der Monywa Mine nach Kupfer und Gold buddeln lassen. 1996 taucht Friedland schließlich in Tasmanien auf, was umgehend die Grünen auf den Plan ruft. Denn dort erhält der Minenbaron angeblich eine Mine quasi auf dem Silbertablett überreicht: Keine Verpflichtung zur Beseitigung von eventuellen Umweltschäden sowie Steuerfreiheit zu Beginn. Wer möchte da nicht investieren?
Im Dschingis Khan Land
Friedland ist nun in der Mongolei unterwegs und die Wirtschaftsblätter jubeln. Zunächst kauft er Schuldscheine der Regierung im Wert von 50 Millionen Dollar. Kleine Geschenke begründen und erhalten schließlich Freundschaften. Die Schuldscheine datieren noch aus der Zeit der Sowjetunion. Solche Schuldscheine werden gerne von Geierfonds aufgekauft, die dann gnadenlos das Geld eintreiben. Und Friedland ist ein Minenunternehmer und natürlich kein Geierfond, ein Wohltäter sozusagen. Die Regierung der Mongolei zeigt sich ausgesprochen dankbar. Obwohl die Rohstoffreserven (Gold und Kupfer) in Oyu Tolgoi auf rund 60 Milliarden Dollar geschätzt werden und die Investitionskosten nur eine Milliarde betragen, sollen Friedland und seine Ivanhoe für drei Jahre völlige Steuerfreiheit erhalten und später nur Abgaben leisten müssen, wenn die Rohstoffpreise über einem gewissen Level liegen. Was könnte schöner sein für einen Investor? Anlässlich einer Investorenkonferenz im Jahre 2005 über seine geplanten Aktivitäten in der Mongolei äußerte Friedland siegessicher:
So we’re coming from outer space and landing at Oyu Tolgoi[...]. And the nice thing about this: There are no people around, there is no NGO’s (Deutsch: Nichtregierungsorganisationen) We are only 70 kilometers from the Chinese border, it does not snow there. You have got lots of room for waste dumps.
Die Bevölkerung der Mongolei sieht das hingegen anders. Und so kommt es im Frühjahr 2006 wegen der befürchteten Umweltschäden zu Massenprotesten, da die Schürfrechte in Oyu Tolgoi nur für Friedland und Ivanhoe vorteilhaft waren, nicht jedoch für die lokale Bevölkerung. Am 18. April 2006 marschieren schließlich mehr als 12 000 Anhänger verschiedener Bürgerbewegungen zum Regierungsgebäude und forderten Regierung, Präsident und Parlament zum Rücktritt auf.
Unter Beifallsstürmen verbrennen sie Papierpuppen, die Robert Friedland, Staatspräsident Nambaryn Enchbajar, Ministerpräsident Mijegombyn Enchbold und den Parlamentspräsidenten Tsendiin darstellen. Sprecher der Demonstraten werfen Friedland und seiner Firma Ivanhoe vor, die Rohstoffe des Landes ausbeuten zu wollen, ohne das Land gebührend am Gewinn zu beteiligen. Sie fordern Friedland auf, das Land zu verlassen. Friedland, den Drogenhändler, Minenbaron, Diktatorenfreund und Umweltverschmutzer - und seine Spiessgesellen. Friedland, dessen Privatvermögen mittlerweile auf eine Milliarde Dollar geschätzt wird - macht Platz 644 auf der Reichenliste des Forbes-Magazins. Friedland, der wahrlich erfolgreiche Geschäftsmann, aus bescheidenen Anfängen hochgearbeitet. Friedland, der zur Wirklichkeit gewordene "American Dream".
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