Südafrika, 46662, Boris Becker und ein Kampf gegen AIDS
31. Oktober 2007, 23:01[Dr. Alexander Freiherr von Paleske] Zum fünften Mal wird in Südafrika ein Benefiz Rock-Konzert mit internationaler Starbesetzung veranstaltet, dessen Einnahmen ausschließlich dem Kampf gegen die Immunschwächekrankheit AIDS dienen. Es findet unter der Schirmherrschaft Nelson Mandelas und mit dem Logo seiner Gefängnisnummer 466 aus dem Jahre 1962 oder kurz 46662 statt.
Zugesagt haben Annie Lennox, Corinne Bailey Rae, Ludacris, Peter Gabriel, Razorlight, Jamelia and the Goo Goo Dolls sowie aus Südafrika Johnny Clegg, Arno Carstens, Loysio, Yvonne Chaka Chaka, The Parlotones, der Soweto Gospel Chor, der kürzlich auch in Deutschland auftrat, und einige mehr.
Versäumtes nachholen
Bei der Vorstellung der Künstler am vergangenen Montag im Ellis Park Stadium in Johannesburg war auch Boris Becker dabei. "Sport und Musik gehören zusammen", wie er meinte. Es sollte aber nicht vergessen werden, dass Boris Becker 1986 seinerzeit in Sun City, dem Casiono-Paradies im damaligen Apartheid-Homeland Bophutatswana, an einem Tennis-Derby gegen viel Bares teilnahm, und damit den Sportboykott gegen Apartheid-Südafrika ignorierte. Aber auch ein Herr Becker kann ja dazulernen.
Die Initiative 46662, von Mandela ins Leben gerufen, ist auch Mandelas Nachholen von Versäumtem. Denn während seiner Regierungszeit ignorierte er das Thema AIDS weitgehend, was er später zutiefst bedauerte. Mittlerweile gibt es in Südafrika 1500 Neuinfektionen und 950 AIDS-Tote – täglich.
Thabo Mbeki, der Mandela nachfolgte, hatte nichts besseres zu tun, als sich die Irrlehren von HIV-AIDS Leugnern zu eigen zu machen und sich dann auf eine sechsjährige Wahnfahrt in Sachen AIDS zu begeben. Wir berichteten mehrfach darüber, dass dies vielen Menschen das Leben kostete und noch kosten wird. Selbst in seiner diesjährigen Rede zu den Plänen für seine vorläufig letzten zwei Jahre als Staatspräsident, kam das Thema HIV/AIDS praktisch nicht vor und dies angesichts der Tatsache, dass rund fünf Millionen Südafrikaner mit dem Virus infiziert sind.
Neues Buch berichtet Details über Beginn der Wahnfahrt
Der ehemalige Parlamentsabgeordnete der Regierungspartei ANC, Andrew Feinstein, hat gerade ein Buch herausgebracht mit dem Titel „After the Party“. Hier beschreibt er, wie seinerzeit, am 28 September 2000, Mbeki die Wahnfahrt in Sachen AIDS vor der ANC Parlamentsfraktion startete und begründete.
Zitate:
Worthülsen gegen eine katastrophale Epidemie. Feinstein war fassungslos, die Masse der ANC Kader hingegen begeistert und rief „Viva Mbeki“.
Von Mandela zu Mbeki oder: vom Debattier-Zirkel zum Gesangsverein
Erschreckend ist auch, was Feinstein über den Verlust des politischen Diskurses berichtet. Während unter Mandela die leidenschaftlichen politischen Debatten an der Pagesordnung waren, gab es nun unter Mbeki Parteidisziplin, politische Ausrichtung und ein Absterben der Debatten - die Parlamentarier darauf bedacht, sich auf der politischen Linie Mbekis zu bewegen und in ständiger Furcht vor ihm.
Neuer Kandidat für Mbeki-Nachfolge benannt
Cyril Ramaphosa, seinerzeit Wunschkandidat Nelson Mandelas für seine Nachfolge, ist nunmehr vom ANC Kapstadt als Nachfolgekandidat nominiert worden. Es ist aber noch unklar, ob er sich als Kandidat neben Jacob Zuma, Tokyo Sexwale, und Thabo Mbeki zur Verfügung stellen wird. Mittlerweile werden Stimmen laut, die sowohl Mbeki als auch Zuma auffordern, nicht für die ANC-Präsidentschaft im Dezember zu kandidieren.
Bei Thabo Mbeki werden sie da wohl auf taube Ohren stoßen.
Der Führungszirkel des ANC hat derweil beschlossen, dass das Tragen von T-Shirts mit dem Konterfei von Politikern auf der entscheidenden Konferenz im Dezember dieses Jahres untersagt ist. Abgesehen natürlich von dem Konterfei Thabo Mbekis – da sonst die Einheit der Partei nicht gewahrt sei. Auch eine Form der Demokratie.
Verweise:
Giftgas, Aids und Leichen
Weitere Artikel von Dr. Alexander Freiherr von Paleske
Zugesagt haben Annie Lennox, Corinne Bailey Rae, Ludacris, Peter Gabriel, Razorlight, Jamelia and the Goo Goo Dolls sowie aus Südafrika Johnny Clegg, Arno Carstens, Loysio, Yvonne Chaka Chaka, The Parlotones, der Soweto Gospel Chor, der kürzlich auch in Deutschland auftrat, und einige mehr.
Versäumtes nachholen
Bei der Vorstellung der Künstler am vergangenen Montag im Ellis Park Stadium in Johannesburg war auch Boris Becker dabei. "Sport und Musik gehören zusammen", wie er meinte. Es sollte aber nicht vergessen werden, dass Boris Becker 1986 seinerzeit in Sun City, dem Casiono-Paradies im damaligen Apartheid-Homeland Bophutatswana, an einem Tennis-Derby gegen viel Bares teilnahm, und damit den Sportboykott gegen Apartheid-Südafrika ignorierte. Aber auch ein Herr Becker kann ja dazulernen.
Die Initiative 46662, von Mandela ins Leben gerufen, ist auch Mandelas Nachholen von Versäumtem. Denn während seiner Regierungszeit ignorierte er das Thema AIDS weitgehend, was er später zutiefst bedauerte. Mittlerweile gibt es in Südafrika 1500 Neuinfektionen und 950 AIDS-Tote – täglich.
Thabo Mbeki, der Mandela nachfolgte, hatte nichts besseres zu tun, als sich die Irrlehren von HIV-AIDS Leugnern zu eigen zu machen und sich dann auf eine sechsjährige Wahnfahrt in Sachen AIDS zu begeben. Wir berichteten mehrfach darüber, dass dies vielen Menschen das Leben kostete und noch kosten wird. Selbst in seiner diesjährigen Rede zu den Plänen für seine vorläufig letzten zwei Jahre als Staatspräsident, kam das Thema HIV/AIDS praktisch nicht vor und dies angesichts der Tatsache, dass rund fünf Millionen Südafrikaner mit dem Virus infiziert sind.
Neues Buch berichtet Details über Beginn der Wahnfahrt
Der ehemalige Parlamentsabgeordnete der Regierungspartei ANC, Andrew Feinstein, hat gerade ein Buch herausgebracht mit dem Titel „After the Party“. Hier beschreibt er, wie seinerzeit, am 28 September 2000, Mbeki die Wahnfahrt in Sachen AIDS vor der ANC Parlamentsfraktion startete und begründete.
Zitate:
- "Die internationalen Wissenschaftler haben Quatsch über Ugandas Erfolg im Kampf gegen AIDS berichtet"
- "Impfen wäre keine Lösung, weil Impfen neue Krankheiten hervorruft"
- "Wenn wir sagen, dass HIV AIDS erzeugt, dann müssen wir auch von Medikamenten und damit von Pharma-Konzernen reden, denn die können ihren Kram nur verkaufen, wenn AIDS die Folge der HIV Infektion ist"
- "Es gibt eine ganze Reihe von anderen Faktoren und Bedingungen, die Immunschwäche erzeugen, die USA leugnen das, weil sie uns ihre Pillen verkaufen wollen"
Worthülsen gegen eine katastrophale Epidemie. Feinstein war fassungslos, die Masse der ANC Kader hingegen begeistert und rief „Viva Mbeki“.
Von Mandela zu Mbeki oder: vom Debattier-Zirkel zum Gesangsverein
Erschreckend ist auch, was Feinstein über den Verlust des politischen Diskurses berichtet. Während unter Mandela die leidenschaftlichen politischen Debatten an der Pagesordnung waren, gab es nun unter Mbeki Parteidisziplin, politische Ausrichtung und ein Absterben der Debatten - die Parlamentarier darauf bedacht, sich auf der politischen Linie Mbekis zu bewegen und in ständiger Furcht vor ihm.
Neuer Kandidat für Mbeki-Nachfolge benannt
Cyril Ramaphosa, seinerzeit Wunschkandidat Nelson Mandelas für seine Nachfolge, ist nunmehr vom ANC Kapstadt als Nachfolgekandidat nominiert worden. Es ist aber noch unklar, ob er sich als Kandidat neben Jacob Zuma, Tokyo Sexwale, und Thabo Mbeki zur Verfügung stellen wird. Mittlerweile werden Stimmen laut, die sowohl Mbeki als auch Zuma auffordern, nicht für die ANC-Präsidentschaft im Dezember zu kandidieren.
Bei Thabo Mbeki werden sie da wohl auf taube Ohren stoßen.
Der Führungszirkel des ANC hat derweil beschlossen, dass das Tragen von T-Shirts mit dem Konterfei von Politikern auf der entscheidenden Konferenz im Dezember dieses Jahres untersagt ist. Abgesehen natürlich von dem Konterfei Thabo Mbekis – da sonst die Einheit der Partei nicht gewahrt sei. Auch eine Form der Demokratie.
Verweise:
Giftgas, Aids und Leichen
Weitere Artikel von Dr. Alexander Freiherr von Paleske





























Institut für Staats-

































Das eigentliche Desaster begann m.E. danach - mit dem völligen Versagen der Regierungen Mbeki und der noch desaströseren Politik seiner Gesundheitsministerin. Hätte es nicht die Aktivisten um Zackie Achmat und TAC gegeben, die ständig Druck gemacht haben, sähe es noch düsterer aus ...
Zutreffend!
Die Gesundheitsministerin Manto Tshabalala-Msimang, in Botswana seinerzeit wegen Diebstahls an Patienten rechtskraeftig verurteilt und für 10 Jahre des Landes verwiesen trägt genauso Mitschuld an dem AIDS-Debakel.
wie Präsident Thabo Mbeki.