Besuch in Afrika: Was hat Kanzlerin Merkel im Gepäck?
5. Oktober 2007, 17:00[Dr. Alexander Freiherr von Paleske] Bundeskanzlerin Merkel besucht in diesen Tagen einige wenige Staaten in Afrika: Äthiopien, Liberia und Südafrika stehen auf dem Reiseprogramm. Nach Ghana braucht sie nicht. Deren Präsident Kufuor, der auch derzeit Präsident der Afrikanischen Union ist, kam nach Äthiopien. Was nun hat die Kanzlerin im Gepäck? Da lohnt es sich, das Interview in der Wochenzeitung "ZEIT" zu lesen, das sich auf drei Eckpunkte reduzieren lässt.
1.China und Afrika
Langsam dämmert es auch der deutschen Regierung, dass Europa und Deutschland gegenüber China ins Hintertreffen geraten. China leistet in großem Umfang Entwicklungshilfe und hat seit dem Bau der Tazara-Eisenbahn - eine 1850 km lange Eisenbahnstrecke, die Dar-es-Salaam/Tansania mit dem Kupfergürtel Sambias verbindet - enormen "Good Will" in Afrika. Die Strecke wurde vor 32 Jahren nach zehnjähriger Bauzeit von Zehntausenden chinesischer Arbeiter und Ingenieure zusammen mit weiteren Zehntausend afrikanischen Arbeitern fertiggestellt. Und dies zu einem Zeitpunkt, als China selbst noch ein Entwicklungsland war. China hatte darüber hinaus konsequent alle Befreiungsbewegungen in Afrika unterstützt und verfolgte und verfolgt noch immer eine strikte Politik der Nichteinmischung. Der legendäre tansanische Staatspräsident Julius Nyerere war insgesamt 13 Mal zum Staatsbesuch in China. Das Interesse an Afrika konzentriert sich in erster Linie auf die Rohstoffe, wobei an der Spitze Erdöl, Eisenerz, Kohle, Coltan und neuerdings wieder Uran stehen. In zweiter Linie steht der Absatzmarkt. Die Antwort der USA auf diese Herausforderung, die 25% des international geförderten Erdöls für sich verbrauchen, kennen wir: Es ist eine militärische Antwort und heißt Africa-Command (Africom), zur Zeit noch mit Sitz in Stuttgart- Möhringen, der aber in Kürze nach Botswana verlegt werden soll. Mittlerweile liefert Angola einen erheblichen Teil seiner Erdölausfuhren nach China und hat dabei insoweit Saudi-Arabien überholt.
2. Europa und Afrika
Im Dezember soll die europäisch-afrikanische Konferenz in Portugal stattfinden, ein Gegenstück zu dem chinesisch-afrikanischen Gipfeltreffen im November letzten Jahres in Beijing. Hier macht allerdings der britische Premier Gordon Brown Probleme, weil er auf gar keinen Fall mit Simbabwes Diktator Robert Mugabe zusammentreffen will. Das verwundert, denn Großbritannien hatte sich ja auch nicht gescheut, über Jahrzehnte das Apartheid-Regime in Südafrika zu unterstützen und Sanktionen strikt abgelehnt. Ganz zu schweigen von den guten Kontakten zu Zaire’s (heute Demokratische Republik Kongo) seinerzeitigen Präsidenten Mobuto Sese Seko. Da zeigt sich Kanzlerin Merkel einfach pragmatischer im Sinne von: Wir können wegen Robert Mugabe doch Afrika nicht einfach China überlassen.
3. Klimaschutz
Hier hätte man gerne gehört, wie dem Treiben der internationalen Holzkonzerne, die jetzt in Angola und im Kongo, aber auch in Westafrika dem Tropenwald den Garaus machen, Einhalt geboten werden kann. Beispielsweise durch das Verbot oder zumindest einer Beschränkung der Einfuhr dieser Tropenhölzer. Leider Fehlanzeige!
Südafrika und die "ZEIT"
Zu Südafrika findet sich ein längerer Artikel von Bartholomäus Grill, dem ehemaligen Südafrika-Korrespondenten der "ZEIT". Der Artikel überrascht, weil er Thabo Mbeki über den grünen Klee lobt und gleichzeitig das Gespenst einer drohenden Nachfolge durch den ehemaligen Vizepräsidenten Jacob Zuma an die Wand malt. Vergessen machen will der Artikel, der vor allem auf das gute Wirtschaftswachstum Südafrikas unter Mbeki verweist, dass
Verweise:
Im Gespräch mit Dr. Alexander Freiherr von Paleske
"Land unter" und das regensichere ARD-Studio in Nairobi
Heuchler, Helden und Pillendreher
Simbabwes Erzbischof Ncube erklärt Rücktritt
Maulkorb und Rassismus – folgt Südafrika Zimbabwe?
US-Africom im südlichen Afrika unerwünscht
Photo: Screenshot der Webseite "Business Day"
1.China und Afrika
Langsam dämmert es auch der deutschen Regierung, dass Europa und Deutschland gegenüber China ins Hintertreffen geraten. China leistet in großem Umfang Entwicklungshilfe und hat seit dem Bau der Tazara-Eisenbahn - eine 1850 km lange Eisenbahnstrecke, die Dar-es-Salaam/Tansania mit dem Kupfergürtel Sambias verbindet - enormen "Good Will" in Afrika. Die Strecke wurde vor 32 Jahren nach zehnjähriger Bauzeit von Zehntausenden chinesischer Arbeiter und Ingenieure zusammen mit weiteren Zehntausend afrikanischen Arbeitern fertiggestellt. Und dies zu einem Zeitpunkt, als China selbst noch ein Entwicklungsland war. China hatte darüber hinaus konsequent alle Befreiungsbewegungen in Afrika unterstützt und verfolgte und verfolgt noch immer eine strikte Politik der Nichteinmischung. Der legendäre tansanische Staatspräsident Julius Nyerere war insgesamt 13 Mal zum Staatsbesuch in China. Das Interesse an Afrika konzentriert sich in erster Linie auf die Rohstoffe, wobei an der Spitze Erdöl, Eisenerz, Kohle, Coltan und neuerdings wieder Uran stehen. In zweiter Linie steht der Absatzmarkt. Die Antwort der USA auf diese Herausforderung, die 25% des international geförderten Erdöls für sich verbrauchen, kennen wir: Es ist eine militärische Antwort und heißt Africa-Command (Africom), zur Zeit noch mit Sitz in Stuttgart- Möhringen, der aber in Kürze nach Botswana verlegt werden soll. Mittlerweile liefert Angola einen erheblichen Teil seiner Erdölausfuhren nach China und hat dabei insoweit Saudi-Arabien überholt.
2. Europa und Afrika
Im Dezember soll die europäisch-afrikanische Konferenz in Portugal stattfinden, ein Gegenstück zu dem chinesisch-afrikanischen Gipfeltreffen im November letzten Jahres in Beijing. Hier macht allerdings der britische Premier Gordon Brown Probleme, weil er auf gar keinen Fall mit Simbabwes Diktator Robert Mugabe zusammentreffen will. Das verwundert, denn Großbritannien hatte sich ja auch nicht gescheut, über Jahrzehnte das Apartheid-Regime in Südafrika zu unterstützen und Sanktionen strikt abgelehnt. Ganz zu schweigen von den guten Kontakten zu Zaire’s (heute Demokratische Republik Kongo) seinerzeitigen Präsidenten Mobuto Sese Seko. Da zeigt sich Kanzlerin Merkel einfach pragmatischer im Sinne von: Wir können wegen Robert Mugabe doch Afrika nicht einfach China überlassen.
3. Klimaschutz
Hier hätte man gerne gehört, wie dem Treiben der internationalen Holzkonzerne, die jetzt in Angola und im Kongo, aber auch in Westafrika dem Tropenwald den Garaus machen, Einhalt geboten werden kann. Beispielsweise durch das Verbot oder zumindest einer Beschränkung der Einfuhr dieser Tropenhölzer. Leider Fehlanzeige!
Südafrika und die "ZEIT"
Zu Südafrika findet sich ein längerer Artikel von Bartholomäus Grill, dem ehemaligen Südafrika-Korrespondenten der "ZEIT". Der Artikel überrascht, weil er Thabo Mbeki über den grünen Klee lobt und gleichzeitig das Gespenst einer drohenden Nachfolge durch den ehemaligen Vizepräsidenten Jacob Zuma an die Wand malt. Vergessen machen will der Artikel, der vor allem auf das gute Wirtschaftswachstum Südafrikas unter Mbeki verweist, dass
- - Mbeki eine sechsjährige Wahnfahrt in Sachen AIDS hinter sich hat, die vielen Menschen in Südafrika das Leben gekostet hat und noch kosten wird.
- - Mbekis Gesundheitsministerin Manto Tshabalala-Msimang, die wegen Diebstahls an Patienten in Botswana vorbestraft ist und dort für zehn Jahre des Landes verwiesen wurde, wird politisch massiv unterstützt, anstatt sie zu feuern oder auf das Altenteil zu schieben. Eine Gesundheitsministerin, die Südafrika außerdem durch die Propagierung von Knoblauch und Rote Beete als Mittel gegen AIDS sich selbst und Südafrika der Lächerlichkeit preisgegeben hat.
- - Mbeki die stellvertretende Gesundheitsministerin Madlala-Routledge, die ein vernünftiges Programm gegen AIDS auf die Beine gestellt hat, unter fadenscheinigen Begründungen feuerte. Die Ministerin Manto Tshabalala-Msimang war zu der Zeit krankheitsbedingt abwesend, sie erhielt eine Lebertransplantation aufgrund alkoholbedingter Leberzirrhose.
- - Mbeki gegen den ausdrücklichen Rat seines Vorgängers Nelson Mandela, statt Cyril Ramaphosa den angeblich korrupten Jacob Zuma zum Vizepräsidenten machte. Der aber, so lamentiert Grill, nun Präsident werden könnte. Mbeki schlug den Rat Mandelas in den Wind und suchte stattdessen einen schwachen Vizepräsidenten und fand jemanden, von dem er glaubte, dass er nach seiner Pfeife tanzen würde: ein großer Irrtum!
- - die Kriminalität - vor allem die unbeschreibliche Gewaltkriminalität unter Mbeki - massiv weiter angestiegen ist und damit viele Professionals ins Ausland treibt.
- - das Problem Robert Mugabe im heruntergekommenen Nachbarland Simbabwe trotz siebenjähriger diplomatischer Bemühungen Mbekis keinen Schritt einer Lösung näher gebracht wurde. Ein Kollossalversagen Mbekis, des Mannes, der gerne Shakespeare zitiert, wobei ihm offenbar der "Hamlet" nicht so geläufig ist: "Es ist etwas faul im Staate..."
Verweise:
Im Gespräch mit Dr. Alexander Freiherr von Paleske
"Land unter" und das regensichere ARD-Studio in Nairobi
Heuchler, Helden und Pillendreher
Simbabwes Erzbischof Ncube erklärt Rücktritt
Maulkorb und Rassismus – folgt Südafrika Zimbabwe?
US-Africom im südlichen Afrika unerwünscht
Photo: Screenshot der Webseite "Business Day"































































