EU-Krisenmanagement - großer Wurf oder tiefer Fall?
27. November 2011, 15:25
[Ursula Pidun] Stellen Sie sich vor, Politiker, die sich eklatante Fehler leisten, würden ihre Defizite zugeben. Was dann? Gängige Praxis - und dies nicht erst seit heute - ist das Gegenteil. Merkel beschwichtigt hinsichtlich der "Euro-Krise", den ganz großen Wurf in ihrem extravaganten und sehr teuren Krisenmanagement würde es nicht geben. Dabei hat sie mit ihrem Regierungsteam nicht einmal den ganz kleinen Wurf gefunden geschweige denn gewagt. Das macht einen tiefen Fall der Protagonisten wahrscheinlich. Ahnungslose Abgeordnete
Wetten, dass mindestens 80 Prozent der Abgeordneten inklusive Teile der Bundesregierung nicht wirklich wissen worum es geht und was angerichtet wird? Allein der Begriff "Euro-Krise", den die Kanzlerin anlässlich der großspurigen Rettungsversuche auf Kosten der Allgemeinheit permanent in den Mund nimmt, beweist die erschreckende Unkenntnis. Der stabile Euro jedenfalls steckt keinesfalls in der Krise. Vielmehr bricht das Drumherum angesichts unregulierter Märkte und einem Euro-Chaos-Management zusammen. Daran ändern auch milliarden- bzw. billionenschwere Stützprogramme im Sinne eines "trillion plus dollar bazooka"zur Rettung der Finanzen und Wirtschaften insolventer Banken und Länder oder ein Griechenland-Haircut à la Ackermann nichts.
Politische Akteure im Scheinwerferlicht
Stellen Sie sich also vor, Politiker, die sich eklatante Fehler leisten, würden sich aufrichtig vor ihren Auftraggebern - dem Volk - erklären und zugeben, dass sie gar nicht die Allgemeinheit und das Wohl des Volkes sondern die Interessen der Finanzmärkte vertreten. Was dann? Gängige Praxis ist das Gegenteil. Selbstgefällig stellen sich die politischen Akteure ins Scheinwerferlicht, lassen sich als Euroretter feiern und erklären, diese Rettungsaktionen dienen dem Schutz des Volkes. Beispielsweise sollen damit die Rentenzahlungen, Versicherungen und das heilige Sparguthaben der "ganz normalen" Bürger gesichert werden, sagen die "nicht ganz normalen" Taktgeber. Mit anderen Worten: Ihr sauer Verdientes ist dank grober politischer Fehlleistungen nicht mehr sicher und ihre Altersversorgung liegt auf dem grünen Filz im Spielcasino dieser Welt? Eine makabere Vorstellung wird zur Realität.
Wenn schnödes Regieren zu langweilig wird
Überhaupt scheint das normale, schnöde und damit gähnend langweilige Regieren im Sinne des Volkes aus der Mode gekommen zu sein. Schließlich müssen ja auch mal unpopuläre Entscheidungen getroffen werden. Auch dann, wenn sie inzwischen pausenlos unpopulär sind, mehr und mehr dekadente Züge tragen und sich immer häufiger vom verfassungskonformen Terrain hinweg bewegen. Regieren bedeutet nicht mehr, sich um das Wohlergehen der Bürger, Fortschritte für jedermann und Steigerungsmaßnahmen der Lebensverhältnisse zu bemühen. Regieren wird erst so richtig krass und global sichtbar, wenn Volksvertreter über rote Euro-Teppiche schweben und von einem Krisengipfel zum anderen rasen. Politiker inszenieren sich als systemrelevante Retter eines ganzen Kontinents und würdigen sich schließlich gegenseitig mit Auszeichnungen und Orden. Alles andere wären ja doch nur Peanuts.
Warten auf ein Wunder
Stellen Sie sich einmal vor, Politiker mit solchen Glanzleistungen würden sich plötzlich von ihren Taten distanzieren, zur Vernunft kommen und auf dem Teppich der Realität landen. Was dann? Haften müssen die Akteure diese Schauspiels jedenfalls nicht und schämen werden sie sich ebenfalls kaum. Vor dem Rest schützt die Immunität und auch eine Abwahl schreckt mangels geeigneter Nachfolger nur wenig. Ein tiefer Fall der politischen Initiatoren wird damit unwahrscheinlich. Viele Politiker fallen in eher weiche Lobby-Netze mit blendenden Karriereaussichten. Warten wir also weiter auf den ganz großen Wurf oder glauben wir einfach an ein Wunder. Denn "das Wunderbarste an den Wundern ist, dass sie manchmal wirklich geschehen", wusste schon der englische Schriftsteller Gilbert Keith Chesterton zu philosophieren. Angesichts der angerichteten Schäden lässt sich nur hoffen, dass er Recht behält.
So retten unsere Abgeordneten den Euro:
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Foto: Gerd Altmann/Shapes:AllSilhouettes.com / pixelio.de

































































