Heuchler, Helden und Pillendreher
17. September 2007, 17:26[Dr. Alexander Freiherr von Palseke]
Am 12. September war der 30. Todestag von Steve Biko. In Deutschland nahm kaum jemand Notiz davon, in Afrika dafür umso mehr. Und wie das an Gedenktagen so üblich ist, gab es an Heuchlern keinen Mangel.
Beginnen wir also mit der offiziellen Gedenkfeier an, die am 12. September in Kapstadt stattfand. Dort lamentierte Mbeki über die steigende und immer brutaler werdende Kriminalität und stellte die Frage, ob dies das Südafrika sei, für das Biko gekämpft habe. Noch vor wenigen Monaten hatte derselbe Mbeki die Berichte über die Kriminalität als „von Weißen aufgebauscht“ bezeichnet.
Natürlich hätte Biko das nicht so akzeptiert und Thabo Mbeki vermutlich für sein Versagen angegriffen. Ein nicht unerheblicher Teil der Kriminellen stammt - wie auch hier in Botswana - aus Zimbabwe, einem Staat, der vor der Implosion steht und wo Thabo Mbeki sich seit nunmehr sieben Jahren in stiller, hingebungsvoller und vergeblicher Diplomatie übt. Täglich kommen bis zu 2000 Wirtschaftsflüchtlinge nach Südafrika, in ein Land, das ohnehin schon mit einer hohen Arbeitslosigkeit zu kämpfen hat. Als ich vor einem Monat hier vor Ort bei einer Hochzeit einen Deutschen fragte, der in Johannesburg arbeitet und wohnt, ob er auch schon einmal Opfer der steigenden Kriminalität geworden sei, antworte er: Nicht einmal, sondern dreimal - in den letzten zwei Jahren sei er Opfer von Raubüberfällen geworden.
Manto und Biko
Die Gesundheitsministerin Manto Tshabalala Msimang vergaß bei einer Ansprache während einer Galaveranstaltung der südafrikanischen Ärztevereinigung am vergangenen Freitag natürlich auch nicht, an Steve Biko und seine Selbstlosigkeit zu erinnern, der dafür gekämpft habe, dass alle Menschen Zugang zu einer medizinischen Grundversorgung haben. Diese Grundversorgung, die heute natürlich auch die Behandlung mit antiretroviralen Medikamenten gegen die HIV Krankheit beinhalten würde, hat besagte Gesundheitsministerin jedoch jahrelang sabotiert und stattdessen Rote Bete und Knoblauch empfohlen. Steve Biko hätte sie sicherlich genauso angegriffen, wie es die TAC mit Zackie Achmat seit Jahren macht..
Wirkliche Helden
Doch es gab auch wirkliche Helden zu sehen, lebende Helden und Heldinnen. Eine davon ist Ramphele. Sie war bei der Veranstaltung in Kapstadt dabei. Einst mit Steve Biko befreundet, studierte sie Medizin und schloss das Studium erfolgreich ab.
Sie wurde seine Gefährtin im politischen Kampf. Doch nicht nur das, später wurde daraus eine Liebesbeziehung. Als er umgebracht wurde, erwartete sie gerade ein zweites Kind von ihm Ein gemeinsames erstes Kind starb mit zwei Monaten. Die Apartheidregierung verbannte sie in das 1200 Kilometer entfernte Tzwanee, das man auch als das „Sibirien Südafrikas“ bezeichnen könnte. Sie beherrschte nicht die Sprache der dortigen Bevölkerung und kannte auch niemanden dort. Auf diese Weise sollte sie psychologisch ausgehungert werden.
Die Schwangerschaft verlief nicht ohne Komplikationen und die Nachricht vom Tode Bikos zerstörte alle ihre Hoffnungen. Doch sie war umso fester entschlossen, dieses Kind zu bekommen und nannte es Hlumelo, was soviel heißt wie „grüner Zweig von einem toten Baum“.Nach der Geburt begann sie mit einfachsten Mitteln einen Gesundheitsdienst aufzubauen, getreu der Gedanken Steve Bikos, der solche Selbsthilfeprojekte als Teil der Emanzipation propagiert hatte.
Sie baute die Ithuseng Klinik dort auf, die schließlich 18.000 Patienten pro Jahr behandelte und sie organisierte eine ganze Reihe von weiteren Projekten. Nicht wenige Menschen verglichen sie mit Albert Schweitzer. Als der Bann, der sie, statt zu brechen, nur angespornt hatte, nach sechs Jahren aufgehoben wurde, blieb sie ein weiteres Jahr vor Ort, um sicherzustellen, dass die Projekte auch ohne sie weiterlaufen würden.
In der gleichen Zeit war die Gesundheitsministerin Manto Tshabalala Msimang als Ärztin in Botswana beschäftigt, wo sie Patienten und Krankenhaus bestahl. Dafür wurde sie rechtskräftig verurteilt und für zehn Jahre des Landes verwiesen. Ihr Interesse am Wohlergehen von Patienten sei nicht sehr ausgeprägt gewesen um, es vorsichtig auszudrücken. So jedenfalls berichtete eine Krankenschwester, die mit ihr zusammen gearbeitet hat.
"Meiner Freiheit keine Grenzen"
Mamphela Ramphele ging dann an die Universität von Kapstadt, machte ihren PhD und wurde später die erste schwarze Vizepräsidentin der Universität und eine Expertin auf dem Gebiet der Armutsbekämpfung in ländlichen Gebieten. Ihre Lebenserinnerungen wurden 1997 auch in deutscher Sprache unter dem Titel: „Meiner Freiheit keine Grenzen“ veröffentlicht.
Doch auch den Pillendrehern wollen wir Beachtung schenken. Genauer gesagt diejenigen, die mit unwirksamen Tabletten gegen die HIV Krankheit schmutzige Geschäfte machen. Kriminelle, die ein Küchenlabor betreiben? Weit gefehlt!
Pillendreher Nummer eins
Hier greifen gleich zwei Skandale ineinander. Thabo Mbeki ist dabei, den Rundfunkrat des Staatsrundfunks SABC mit ihm genehmen Leuten zu besetzen. Da der Rundfunkrat jedoch vom Parlament bestimmt wird, erhielten die zuständigen Abgeordneten kurzfristig eine Liste mit Kandidaten zugestellt, für die sie zu stimmen hatten. Das Parlament als Gesangsverein sozusagen. Eine der auf diese Weise zu ernennende Mitglieder des Rundfunkrates ist Christine Qunta. Und bei diesem Namen klingelten bei der TAC um Zackie Achmat die Alarmglocken, denn diese Frau ist auch in einer Firma fest verwurzelt, die Medikamente gegen die HIV Krankheit ohne nachgewiesene Wirksamkeit verkauft.
Pillendreher Nummer zwei
Hier handelt es sich um einen Skandal, der schon etwas länger zurückliegt, aber jetzt erst aufgedeckt wurde. Es handelt sich um das angebliche Anti Aids Medikament - oder besser gesagt das Gift Virodene. Produziert wurde es von einem einem Pärchen names Olga und Zigi Visser, Laboranten von Beruf. Thabo Mbeki, der damals gerade seine AIDS Wahnfahrt startete, war begeistert von dieser Medizin, insbesondere, weil sie in Südafrika entwickelt wurde. Doch das das Pärchen brauchte Geld zur Weiterentwicklung. Dieses Geld soll nun angeblich von Thabo Mbekis Staatskanzlei in Millionenhöhe bereitgestellt worden sein, Abgeholt wurde es angeblich direkt in den Union Buildings, in großen Scheinen, cash to carry sozusagen. Und zwar in dem Gebäude, in dem der Staatspräsident seinen Amtsgeschäften beziehungsweise seinen Pillengeschäften nachgegangen sein soll. Südafrika, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, in jeder Hinsicht.
Was fehlt ist nun ein Präsident der aufräumt. Kandidaten stehen bereit, denen man diese Aufgabe zutrauen könnte. Einer davon ist Tokyo Sexwale.
Verweise:
Im Gespräch mit Dr. Alexander Freiherr von Paleske
Am 12. September war der 30. Todestag von Steve Biko. In Deutschland nahm kaum jemand Notiz davon, in Afrika dafür umso mehr. Und wie das an Gedenktagen so üblich ist, gab es an Heuchlern keinen Mangel.
Beginnen wir also mit der offiziellen Gedenkfeier an, die am 12. September in Kapstadt stattfand. Dort lamentierte Mbeki über die steigende und immer brutaler werdende Kriminalität und stellte die Frage, ob dies das Südafrika sei, für das Biko gekämpft habe. Noch vor wenigen Monaten hatte derselbe Mbeki die Berichte über die Kriminalität als „von Weißen aufgebauscht“ bezeichnet.
Natürlich hätte Biko das nicht so akzeptiert und Thabo Mbeki vermutlich für sein Versagen angegriffen. Ein nicht unerheblicher Teil der Kriminellen stammt - wie auch hier in Botswana - aus Zimbabwe, einem Staat, der vor der Implosion steht und wo Thabo Mbeki sich seit nunmehr sieben Jahren in stiller, hingebungsvoller und vergeblicher Diplomatie übt. Täglich kommen bis zu 2000 Wirtschaftsflüchtlinge nach Südafrika, in ein Land, das ohnehin schon mit einer hohen Arbeitslosigkeit zu kämpfen hat. Als ich vor einem Monat hier vor Ort bei einer Hochzeit einen Deutschen fragte, der in Johannesburg arbeitet und wohnt, ob er auch schon einmal Opfer der steigenden Kriminalität geworden sei, antworte er: Nicht einmal, sondern dreimal - in den letzten zwei Jahren sei er Opfer von Raubüberfällen geworden.
Manto und Biko
Die Gesundheitsministerin Manto Tshabalala Msimang vergaß bei einer Ansprache während einer Galaveranstaltung der südafrikanischen Ärztevereinigung am vergangenen Freitag natürlich auch nicht, an Steve Biko und seine Selbstlosigkeit zu erinnern, der dafür gekämpft habe, dass alle Menschen Zugang zu einer medizinischen Grundversorgung haben. Diese Grundversorgung, die heute natürlich auch die Behandlung mit antiretroviralen Medikamenten gegen die HIV Krankheit beinhalten würde, hat besagte Gesundheitsministerin jedoch jahrelang sabotiert und stattdessen Rote Bete und Knoblauch empfohlen. Steve Biko hätte sie sicherlich genauso angegriffen, wie es die TAC mit Zackie Achmat seit Jahren macht..
Wirkliche Helden
Doch es gab auch wirkliche Helden zu sehen, lebende Helden und Heldinnen. Eine davon ist Ramphele. Sie war bei der Veranstaltung in Kapstadt dabei. Einst mit Steve Biko befreundet, studierte sie Medizin und schloss das Studium erfolgreich ab.
Sie wurde seine Gefährtin im politischen Kampf. Doch nicht nur das, später wurde daraus eine Liebesbeziehung. Als er umgebracht wurde, erwartete sie gerade ein zweites Kind von ihm Ein gemeinsames erstes Kind starb mit zwei Monaten. Die Apartheidregierung verbannte sie in das 1200 Kilometer entfernte Tzwanee, das man auch als das „Sibirien Südafrikas“ bezeichnen könnte. Sie beherrschte nicht die Sprache der dortigen Bevölkerung und kannte auch niemanden dort. Auf diese Weise sollte sie psychologisch ausgehungert werden.
Die Schwangerschaft verlief nicht ohne Komplikationen und die Nachricht vom Tode Bikos zerstörte alle ihre Hoffnungen. Doch sie war umso fester entschlossen, dieses Kind zu bekommen und nannte es Hlumelo, was soviel heißt wie „grüner Zweig von einem toten Baum“.Nach der Geburt begann sie mit einfachsten Mitteln einen Gesundheitsdienst aufzubauen, getreu der Gedanken Steve Bikos, der solche Selbsthilfeprojekte als Teil der Emanzipation propagiert hatte.
Sie baute die Ithuseng Klinik dort auf, die schließlich 18.000 Patienten pro Jahr behandelte und sie organisierte eine ganze Reihe von weiteren Projekten. Nicht wenige Menschen verglichen sie mit Albert Schweitzer. Als der Bann, der sie, statt zu brechen, nur angespornt hatte, nach sechs Jahren aufgehoben wurde, blieb sie ein weiteres Jahr vor Ort, um sicherzustellen, dass die Projekte auch ohne sie weiterlaufen würden.
In der gleichen Zeit war die Gesundheitsministerin Manto Tshabalala Msimang als Ärztin in Botswana beschäftigt, wo sie Patienten und Krankenhaus bestahl. Dafür wurde sie rechtskräftig verurteilt und für zehn Jahre des Landes verwiesen. Ihr Interesse am Wohlergehen von Patienten sei nicht sehr ausgeprägt gewesen um, es vorsichtig auszudrücken. So jedenfalls berichtete eine Krankenschwester, die mit ihr zusammen gearbeitet hat.
"Meiner Freiheit keine Grenzen"
Mamphela Ramphele ging dann an die Universität von Kapstadt, machte ihren PhD und wurde später die erste schwarze Vizepräsidentin der Universität und eine Expertin auf dem Gebiet der Armutsbekämpfung in ländlichen Gebieten. Ihre Lebenserinnerungen wurden 1997 auch in deutscher Sprache unter dem Titel: „Meiner Freiheit keine Grenzen“ veröffentlicht.
Doch auch den Pillendrehern wollen wir Beachtung schenken. Genauer gesagt diejenigen, die mit unwirksamen Tabletten gegen die HIV Krankheit schmutzige Geschäfte machen. Kriminelle, die ein Küchenlabor betreiben? Weit gefehlt!
Pillendreher Nummer eins
Hier greifen gleich zwei Skandale ineinander. Thabo Mbeki ist dabei, den Rundfunkrat des Staatsrundfunks SABC mit ihm genehmen Leuten zu besetzen. Da der Rundfunkrat jedoch vom Parlament bestimmt wird, erhielten die zuständigen Abgeordneten kurzfristig eine Liste mit Kandidaten zugestellt, für die sie zu stimmen hatten. Das Parlament als Gesangsverein sozusagen. Eine der auf diese Weise zu ernennende Mitglieder des Rundfunkrates ist Christine Qunta. Und bei diesem Namen klingelten bei der TAC um Zackie Achmat die Alarmglocken, denn diese Frau ist auch in einer Firma fest verwurzelt, die Medikamente gegen die HIV Krankheit ohne nachgewiesene Wirksamkeit verkauft.
Pillendreher Nummer zwei
Hier handelt es sich um einen Skandal, der schon etwas länger zurückliegt, aber jetzt erst aufgedeckt wurde. Es handelt sich um das angebliche Anti Aids Medikament - oder besser gesagt das Gift Virodene. Produziert wurde es von einem einem Pärchen names Olga und Zigi Visser, Laboranten von Beruf. Thabo Mbeki, der damals gerade seine AIDS Wahnfahrt startete, war begeistert von dieser Medizin, insbesondere, weil sie in Südafrika entwickelt wurde. Doch das das Pärchen brauchte Geld zur Weiterentwicklung. Dieses Geld soll nun angeblich von Thabo Mbekis Staatskanzlei in Millionenhöhe bereitgestellt worden sein, Abgeholt wurde es angeblich direkt in den Union Buildings, in großen Scheinen, cash to carry sozusagen. Und zwar in dem Gebäude, in dem der Staatspräsident seinen Amtsgeschäften beziehungsweise seinen Pillengeschäften nachgegangen sein soll. Südafrika, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, in jeder Hinsicht.
Was fehlt ist nun ein Präsident der aufräumt. Kandidaten stehen bereit, denen man diese Aufgabe zutrauen könnte. Einer davon ist Tokyo Sexwale.
Verweise:
Im Gespräch mit Dr. Alexander Freiherr von Paleske






























Institut für Staats-


































