Söldner, Gauner, Waffen und Rohstoffe
21. August 2007, 09:00[Dr. Alexander Freiherr von Paleske] Werfen wir heute einen Blick auf das Spinnennetz von Privatarmeen, Waffenhändlern, Finanzakrobaten und Politikern. Mitwirkende unter anderem: Adnan Khashoggi, Tim Spicer, Rakesh Saxena, Tony Buckingham, Simon Mann, Wiktor But(Butt), Sanjivan Ruprah, Amador Pastrana und viele andere, sowie die Firmen Ägis, Sandline, Executive Outcomes und die Deutsche Bank.
Während Präsident Bush - wie vor ihm der ehemalige britische Premier Blair - Truppenrückzuge aus dem Irak ankündigt, nimmt umgekehrt die Zahl der Söldner in diesem Gebiet ständig zu: mittlerweile sind es rund 40.000. "Divisionskommandeur" dieser zweifelhaften Truppe, die weder der irakischen Gerichtsbarkeit noch irgendeiner Militärgerichtsbarkeit unterliegt, also in einem rechtsfreien Raum operiert, ist der Britische Oberst Tim Spicer mit seiner Firma Aegis. Grund genug einen Blick auf das Spinnennetz zu werfen, dem er angehört.
Das Spinnennetz
Als erster wäre Adnan Khashoggi zu benennen, Veteran des illegalen Waffenhandels und des Betrugs. Khashoggi ist ein Onkel von Dodi Fayed, letzter Partner der verstorbenen Diana Prinzessin von Wales, geschiedene Windsor und damit Schwager des Inhabers von Harrods, eines Supermarktes in London und langjähriger Freund der Bin Laden Großfamilie. Er kommt ursprünglich aus Saudi-Arabien, sein bevorzugter Aufenthaltsort ist Marbella an Spaniens Costa del Sol. Bevorzugtes Tätigkeitsfeld: der illegale Waffenhandel und die Börse von Vancouver in Kanada. Zur Zeit favorisiert er allerdings mehr die Strände der Vereinigten Arabischen Emirate, weil er glaubt, dort vor Strafverfolgung und Auslieferungsbegehren anderer Länder sicher zu sein.
Khashoggi war einer der Hauptakteure in der Iran-Contra Affäre, die knapp 20 Jahre zurückliegt. Das Pentagon verkaufte seinerzeit Waffen über Israel an den Iran und die Profite wurden benutzt, um eine rechtsradikale Terrorgruppe in Nicaragua, die Contras, über den CIA zu finanzieren. Alles illegal natürlich, aber ein Mann des Militärs namens Oliver North packte alle Dokumente rechtzeitig in den Reißwolf, als die Affäre ruchbar wurde. Gut, solch vertrauenswürdige Leute im Hause zu haben.
Khashoggi war auch bei der BCCI Bank (Bank of international Credit and Commerce) tief involviert, eine Waschmaschine für schmutzige Dollar aus dem Drogen- und Waffengeschäft. Das kolumbianische Medellin Kartell war dort gern gesehener Kunde. Die Bank wurde 1992 geschlossen. Doch Khashoggi war darauf nicht angewiesen, er hatte viele Freunde in der Welt. Begeben wir uns also nach Thailand zur Bangkok Bank of Commerce. Dort führte in den neunziger Jahren Krikkiat Jalichanda als Direktor Regie.
Duo Infernale
Auf einem Golfplatz wurde Jalichanda einem gewissen "Promising Potential" namens Rakesh Saxena vorgestellt. Saxena wurde in Indien steckbrieflich wegen Totschlags an einen Keksfabikanten gesucht. Wen kümmerts, er war während des Studiums auch einmal Kommunist gewesen. Und getreu dem Motto, wer mit 20 kein Kommunist ist, hat kein Herz und wer mit 40 noch Kommunist ist, hat keinen Verstand - und den glaubte er ja zu haben - vergaß er ganz schnell Marx und Engels und konzentrierte sich auf den ganz großen Betrug und die Korruption. Er und sein Mentor Jalichandra wurden sozusagen ein "Duo Infernale". In ein Labyrinth von Firmen wurde viel Geld gesteckt und schöne Geldgeschenke an Politiker und andere Personen von Einfluss verteilt.
Auch Khashoggi, ein Freund von Saxena, wurde mit einem 140 Millionen US Dollar- Kredit (nicht rückzahlbar) bedacht. Peanuts in der Sprache der Deutschen Bank. Geld wurde in ein Netz von verschachtelten Briefkastenfirmen gepumpt, bei dem jeder erfahrene Steuerberater die Übersicht verloren hätte. Solch ein Riesenbetrug kann natürlich nur eine gewisse Zeit gutgehen. Irgendwann platzt die Blase und das war im Jahre 1996 dann auch der Fall. Sie löste die "Asiatische Bankenkrise" aus, die viele Firmen in den Bankrott und viele Finanziers und Firmeninhaber in den Selbstmord trieb.
Abgesetzt mit dem Pass eines Toten
Saxena ahnte, was da kommen würde und setzte sich mit dem Pass eines toten Kroaten nach Kanada ab. Auch eine Altersversorgung nahm er gleich mit: 88 Millionen US Dollar! Kleingeld. Peanuts, gemessen an dem Schaden, den er und Jalichandra angerichtet hatten. Der nämlich belief sich auf satte 2,2 Milliarden US Dollar. Jalichandra war nicht so "lucky", er wurde zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt und außerdem zu einer saftigen Geldstrafe.
Thailand verlangte von Kanada die Auslieferung Saxenas. Doch das wollte Saxena nicht und heuerte erst einmal die besten Advokaten Kanadas an. Sie sorgte dafür, dass sich das Auslieferungsverfahren nun schon seit zehn Jahren hinzieht. Ursprünglich wollte ihn die Regierung Kanadas ins Auslieferungsgefängnis stecken. Dort hätte er allerdings nicht im Betrugssektor arbeiten können. So überzeugte er die Behörde, dass es Vater Staat billiger kommen würde, wenn er unter Hausarrest stehen würde, für den er selbst aufkommen wollte. So weilte also Saxena immer noch in Kanada, aber keineswegs im Ruhestand. Der erste, der an seine Tür klopfte war Tim Spicer, ehemaliger Oberst der britischen Armee und ganz früher mal ein Hippie.
Das Buffalo Battalion
Der war gerade mit Tony Buckingham, einem Direktor der Ölfirma Heritage Oil dabei, in Sierra Leone militärisch tätig zu werden. Dazu brauchte er Geld, um die südafrikanischen Söldner der Firma Executive Outcomes zu bewaffnen und entlohnen zu können. Diese Söldner waren vorher bei den Apartheidtruppen Südafrikas, dem so genannten 32. Buffalo Battalion tätig, das für die komplette Zerstörung des Südens von Angola und die Tötung unzähliger Befreiungskämpfer der namibischen Befreiungsbewegung SWAPO verantwortlich zeichnet.
Gegen Schürfrechte von Diamanten und Bauxit wollten Buckingham und Spicer den in Sierra Leone gestürzten Präsidenten Kabbah wieder an die Macht bringen. Saxena hatte genug Geld und eigene Schürfinteressen in Sierra Leone und so ging Spicer mit Saxenas Geld nun auf Einkaufstour in Bulgarien und anderswo und kaufte tonnenweise Waffen ein. Trotz eines UN Waffenembargos hatte er dazu die heimliche Zustimmung der Blair Regierung. Als die Sache aufflog, wurde sie zur so genannten "Arms to Africa Affair" und brachte Tony Blair und seine Mannschaft in größte Absturzgefahr. Mit dabei waren Simon Mann und Nick du Toit, beide seit dem fehlgeschlagenen Putsch im ölreichen Equatorial Guinea im März 2004 inhaftiert.
Todesschwadron gegen "Rebellen"
Schon vor dem Sierra Leone Abenteuer hatten Simon Mann, Buckingham und Tim Spicer Globalisierung sehr ernst genommen. Dieses Mal auf der anderen Seite des Erdballs in Papua Neu Guinea, einem der ärmsten Länder der Welt. Die dortige Regierung führte Krieg gegen eine Rebellengruppe auf der Insel Bougainville, die gegen die Umweltzerstörung durch eine große Kupfer- und Goldmine im Besitz der britischen Firma Rio Tinto kämpfte. Das Trio offerierte eigennützige Söldnerdienste für 34 Millionen US Dollar und zwar wieder mit dem Apartheids-Dreck von Executive Outcomes. Mit dabei: Lafras Luitingh, ehemaliges Mitglied einer südafrikanischen Todesschwadron. Luitingher war persönlich verantwortlich für die Ermordungen des Wissenschaftlers Dr. David Webster am 1. Mai 1989 in Johannesburg und des Rechtsanwalts Adam Lubowski in Windhök am 12. Oktober 1989, kurz vor der Unabhängigkeit Namibias. In diesem Fall ging die Sache allerdings schief. Die Armee unter General Singorok rebellierte, Spicer wurde verhaftet und kam nur mit Hilfe diplomatischen Drucks der Blair Regierung wieder frei. Finanziell gelohnt hatte es sich dennoch allemal, weil teilweise auf Vorkassenbasis gesöldnert wurde. Tony Buckingham war in Afrika weiträumig tätig, beispielsweise in Angola, Namibia, DR-Kongo, Kongo-Brazzaville, Kenia, Uganda, um nur einige Staaten zu nennen.
Rainger Oil bekam große Schürf-Claims
Besonders willkommen war Buckingham in Namibia. Dort wurde er Direktor in der halbstaatlichen Offshore Development Company (ODC) und nutzte diese Position, um Ranger Oil aus Kanada bei der Regierung einzuführen. Als Dank machte er Regierungsmitglieder zu Aktionären in seiner Firma Oceanica Fisheries und die Regierung wiederum gab seiner Firma Indigo Sky Gem Schürfrechte in einer Tourmalin Mine in Karibib. Außerdem erlaubte ihm die Regierung, 1000 Small Miners, die dort buddelten, auf die Strasse zu werfen.
Wer gut schmiert, der gut fährt
In Kenia machte er nun Sanjivan Ruprah zum Direktor seiner Firma Branch Energy. Sanjivan Ruprah war ein enger Vertrauter von Präsident Charles Taylor in Liberia und besorgte für ihn die Ausrüstung der Kindersoldaten der RUF in Sierra Leone, die unfassbare Verbrechen begingen. Neben Massentötungen und Vergewaltigungen galt als besondere Spezialität auch das Abhacken von Gliedmassen bei Zivilisten. Ruprah wurde auch enger Vertrauter von Wiktor But, der in Afrika den Namen "Merchant of Death" hat, weil er durch seine Waffentransporte über 15 Jahre die Konflikte in Sierra Leone, DR Kongo und Angola anheizte beziehungsweise erst ermöglichte. Wiktor But (Butt) ist ein Russe, der eine Flotte von 50 Flugzeugen mit ständig wechselnden Kenn-Nummern kommandiert. Er flog Waffen für die Taleban und Al Qaida nach Afghanistan und organisierte einen Charterbetrieb dorthin, sicherlich nicht für Touristen. Nach dem Beginn des Irakkrieges wurde er von amerikanischen Firmen kontaktiert - ein Flugzeug ist ein Flugzeug - und er fliegt weiter nach Afghanistan.
Ruprah kennt Khashoggi, da sie eine gemeinsame Büroadresse in London hatten, Khashoggi wiederum ist ein Freund Saxenas, Saxena wiederum ein Freund Spicers usw. Khashoggi und Saxena begnügten sich jedoch nicht damit, zu sehen, was sich in Afrika tut. Sie hatten eigene wichtige Geschäfte zu erledigen. Der eine in Kanada der andere in den USA. Im Jahre 2001 trieb Khashoggi durch betrügerische Manöver den Kurs der Aktien von Genesis Intermedia hoch, die zu 70 Prozent seiner auf den Bahamas angesiedelten Firma Ultimate Holdings gehörte.
Kriminelle Pleiten
Wesentliches Geschäft von Genesis Intermedia waren Internet-Kioske und die Vermarktung von Rechten des Buches von John Gray "Männer kommen vom Mars und Frauen von der Venus". Er vergaß hinzuzufügen, dass Waffenhändler und Söldner aus der Hölle kommen. Mit dabei bei den Betrügereien waren auch die Deutsche Bank, Filiale Toronto und eine Gruppe krimineller Aktienhändler, einer davon vorbestraft. Nachdem der Kurs in Folge der Anschläge des 9. September 2001 kollabierte, zog Khashoggi mit 130 Millionen Dollar davon. Zwei Brokerhäuser mussten Konkurs anmelden und in Minneapolis verloren 200 Angestellte ihren Job. Die Geschädigten zogen vor Gericht und am 18. Januar 2006 war für die Deutsche Bank, nach vierjährigem Leugnen, Zahltag. Freiwillig, wie man in Frankfurt betont, wurden 250 Millionen US Dollar gezahlt - laut Sprache der Deutschen Bank also 2 1/2 Packungen Peanuts.
Saxena sorgte derweil dafür, dass der führende Oppositionspolitiker im kanadischen Parlament, John Reynolds, einen anständigen Nebenerwerb in einer seiner Firmen namens Wave Tech erhielt. Ein anderes Wort dafür ist wohl Bestechung, während gleichzeitig sein Auslieferungsverfahren lief. Auch in England wurde Saxena mit Aktienbetrug über die Firma Westshore Ventures und in Südafrika und Botswana über die Firma Platinum Asset Management aktiv.
Geteilte Freude ist doppelte Freude, also machte sich Khashoggi im Jahre 2001 auf den Weg nach Wien, um mit Saxena - über Handy verbunden - die Wiener Privatbank General Commerce Bank zu kaufen. Mit dabei der König der Aktienbetrugs, Amador Pastrana und die wegen Betrugs in Amerika vorbestraften Herren Raoul Berthamieu, Sherman Mazur und Regis Possino. Sie machten die Bank zu einem Zentrum des internationalen Aktienbetrugs. Der Schaden belief sich laut Presseberichten auf auf eine Milliarde US Dollar; eine Milliarde in einem einzigen Jahr! Im Jahre 2001 wurde die Bank geschlossen.
Wenn es nach Schürfrechten riecht
Auch Tim Spicer war vor Aktivitäten nicht zu bremsen. Nachdem er Tony Buckinghams Söldnervermittlungsfirma Sandline im Jahre 2000 verlassen hatte, gründete er die Firma Ägis und bekam wegen seiner besonderen Erfahrungen nach dem Einmarsch im Irak gleich einen Vertrag vom Pentagon im Volumen von 293 Millionen US Dollar. Er ist nun Oberchef aller Söldner, deren Zahl im Irak auf mehr als 20.000 geschätzt wird. Ebenfalls mit dabei der Apartheid-Dreck aus Südafrika. Wo es nach Schürfrechten riecht, ist auch ein Tony Buckingham schnell zur Stelle. Im Jahre 1995 reiste er auf Einladung der Saddam Hussein Regierung in den Irak, um mögliche Explorationen zu erörtern. Nach dem Einmarsch ist er wieder da - go with the flow - und hat gerade eine Schürf-Lizenz in Kurdistan erhalten.
Simon Mann sitzt mittlerweile als Gast von Robert Mugabe im Hochsicherheitsgefängnis von Harare/Zimbabwe und Sandline wurde kurz nach dem Putschversuch in Äquatorial Guinea geschlossen. Ein Schelm, wer dabei irgendwelche Zusammenhänge vermutet. Und die Söldner freilich, sie schießen weiter. Für den Frieden, wie sie behaupten.
Verweise:
Interview mit Dr. Alexander Freiherr von Paleske
Weitere Artikel von Dr. Alexander von Paleske
Während Präsident Bush - wie vor ihm der ehemalige britische Premier Blair - Truppenrückzuge aus dem Irak ankündigt, nimmt umgekehrt die Zahl der Söldner in diesem Gebiet ständig zu: mittlerweile sind es rund 40.000. "Divisionskommandeur" dieser zweifelhaften Truppe, die weder der irakischen Gerichtsbarkeit noch irgendeiner Militärgerichtsbarkeit unterliegt, also in einem rechtsfreien Raum operiert, ist der Britische Oberst Tim Spicer mit seiner Firma Aegis. Grund genug einen Blick auf das Spinnennetz zu werfen, dem er angehört.
Das Spinnennetz
Als erster wäre Adnan Khashoggi zu benennen, Veteran des illegalen Waffenhandels und des Betrugs. Khashoggi ist ein Onkel von Dodi Fayed, letzter Partner der verstorbenen Diana Prinzessin von Wales, geschiedene Windsor und damit Schwager des Inhabers von Harrods, eines Supermarktes in London und langjähriger Freund der Bin Laden Großfamilie. Er kommt ursprünglich aus Saudi-Arabien, sein bevorzugter Aufenthaltsort ist Marbella an Spaniens Costa del Sol. Bevorzugtes Tätigkeitsfeld: der illegale Waffenhandel und die Börse von Vancouver in Kanada. Zur Zeit favorisiert er allerdings mehr die Strände der Vereinigten Arabischen Emirate, weil er glaubt, dort vor Strafverfolgung und Auslieferungsbegehren anderer Länder sicher zu sein.
Khashoggi war einer der Hauptakteure in der Iran-Contra Affäre, die knapp 20 Jahre zurückliegt. Das Pentagon verkaufte seinerzeit Waffen über Israel an den Iran und die Profite wurden benutzt, um eine rechtsradikale Terrorgruppe in Nicaragua, die Contras, über den CIA zu finanzieren. Alles illegal natürlich, aber ein Mann des Militärs namens Oliver North packte alle Dokumente rechtzeitig in den Reißwolf, als die Affäre ruchbar wurde. Gut, solch vertrauenswürdige Leute im Hause zu haben.
Khashoggi war auch bei der BCCI Bank (Bank of international Credit and Commerce) tief involviert, eine Waschmaschine für schmutzige Dollar aus dem Drogen- und Waffengeschäft. Das kolumbianische Medellin Kartell war dort gern gesehener Kunde. Die Bank wurde 1992 geschlossen. Doch Khashoggi war darauf nicht angewiesen, er hatte viele Freunde in der Welt. Begeben wir uns also nach Thailand zur Bangkok Bank of Commerce. Dort führte in den neunziger Jahren Krikkiat Jalichanda als Direktor Regie.
Duo Infernale
Auf einem Golfplatz wurde Jalichanda einem gewissen "Promising Potential" namens Rakesh Saxena vorgestellt. Saxena wurde in Indien steckbrieflich wegen Totschlags an einen Keksfabikanten gesucht. Wen kümmerts, er war während des Studiums auch einmal Kommunist gewesen. Und getreu dem Motto, wer mit 20 kein Kommunist ist, hat kein Herz und wer mit 40 noch Kommunist ist, hat keinen Verstand - und den glaubte er ja zu haben - vergaß er ganz schnell Marx und Engels und konzentrierte sich auf den ganz großen Betrug und die Korruption. Er und sein Mentor Jalichandra wurden sozusagen ein "Duo Infernale". In ein Labyrinth von Firmen wurde viel Geld gesteckt und schöne Geldgeschenke an Politiker und andere Personen von Einfluss verteilt.
Auch Khashoggi, ein Freund von Saxena, wurde mit einem 140 Millionen US Dollar- Kredit (nicht rückzahlbar) bedacht. Peanuts in der Sprache der Deutschen Bank. Geld wurde in ein Netz von verschachtelten Briefkastenfirmen gepumpt, bei dem jeder erfahrene Steuerberater die Übersicht verloren hätte. Solch ein Riesenbetrug kann natürlich nur eine gewisse Zeit gutgehen. Irgendwann platzt die Blase und das war im Jahre 1996 dann auch der Fall. Sie löste die "Asiatische Bankenkrise" aus, die viele Firmen in den Bankrott und viele Finanziers und Firmeninhaber in den Selbstmord trieb.
Abgesetzt mit dem Pass eines Toten
Saxena ahnte, was da kommen würde und setzte sich mit dem Pass eines toten Kroaten nach Kanada ab. Auch eine Altersversorgung nahm er gleich mit: 88 Millionen US Dollar! Kleingeld. Peanuts, gemessen an dem Schaden, den er und Jalichandra angerichtet hatten. Der nämlich belief sich auf satte 2,2 Milliarden US Dollar. Jalichandra war nicht so "lucky", er wurde zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt und außerdem zu einer saftigen Geldstrafe.
Thailand verlangte von Kanada die Auslieferung Saxenas. Doch das wollte Saxena nicht und heuerte erst einmal die besten Advokaten Kanadas an. Sie sorgte dafür, dass sich das Auslieferungsverfahren nun schon seit zehn Jahren hinzieht. Ursprünglich wollte ihn die Regierung Kanadas ins Auslieferungsgefängnis stecken. Dort hätte er allerdings nicht im Betrugssektor arbeiten können. So überzeugte er die Behörde, dass es Vater Staat billiger kommen würde, wenn er unter Hausarrest stehen würde, für den er selbst aufkommen wollte. So weilte also Saxena immer noch in Kanada, aber keineswegs im Ruhestand. Der erste, der an seine Tür klopfte war Tim Spicer, ehemaliger Oberst der britischen Armee und ganz früher mal ein Hippie.
Das Buffalo Battalion
Der war gerade mit Tony Buckingham, einem Direktor der Ölfirma Heritage Oil dabei, in Sierra Leone militärisch tätig zu werden. Dazu brauchte er Geld, um die südafrikanischen Söldner der Firma Executive Outcomes zu bewaffnen und entlohnen zu können. Diese Söldner waren vorher bei den Apartheidtruppen Südafrikas, dem so genannten 32. Buffalo Battalion tätig, das für die komplette Zerstörung des Südens von Angola und die Tötung unzähliger Befreiungskämpfer der namibischen Befreiungsbewegung SWAPO verantwortlich zeichnet.
Gegen Schürfrechte von Diamanten und Bauxit wollten Buckingham und Spicer den in Sierra Leone gestürzten Präsidenten Kabbah wieder an die Macht bringen. Saxena hatte genug Geld und eigene Schürfinteressen in Sierra Leone und so ging Spicer mit Saxenas Geld nun auf Einkaufstour in Bulgarien und anderswo und kaufte tonnenweise Waffen ein. Trotz eines UN Waffenembargos hatte er dazu die heimliche Zustimmung der Blair Regierung. Als die Sache aufflog, wurde sie zur so genannten "Arms to Africa Affair" und brachte Tony Blair und seine Mannschaft in größte Absturzgefahr. Mit dabei waren Simon Mann und Nick du Toit, beide seit dem fehlgeschlagenen Putsch im ölreichen Equatorial Guinea im März 2004 inhaftiert.
Todesschwadron gegen "Rebellen"
Schon vor dem Sierra Leone Abenteuer hatten Simon Mann, Buckingham und Tim Spicer Globalisierung sehr ernst genommen. Dieses Mal auf der anderen Seite des Erdballs in Papua Neu Guinea, einem der ärmsten Länder der Welt. Die dortige Regierung führte Krieg gegen eine Rebellengruppe auf der Insel Bougainville, die gegen die Umweltzerstörung durch eine große Kupfer- und Goldmine im Besitz der britischen Firma Rio Tinto kämpfte. Das Trio offerierte eigennützige Söldnerdienste für 34 Millionen US Dollar und zwar wieder mit dem Apartheids-Dreck von Executive Outcomes. Mit dabei: Lafras Luitingh, ehemaliges Mitglied einer südafrikanischen Todesschwadron. Luitingher war persönlich verantwortlich für die Ermordungen des Wissenschaftlers Dr. David Webster am 1. Mai 1989 in Johannesburg und des Rechtsanwalts Adam Lubowski in Windhök am 12. Oktober 1989, kurz vor der Unabhängigkeit Namibias. In diesem Fall ging die Sache allerdings schief. Die Armee unter General Singorok rebellierte, Spicer wurde verhaftet und kam nur mit Hilfe diplomatischen Drucks der Blair Regierung wieder frei. Finanziell gelohnt hatte es sich dennoch allemal, weil teilweise auf Vorkassenbasis gesöldnert wurde. Tony Buckingham war in Afrika weiträumig tätig, beispielsweise in Angola, Namibia, DR-Kongo, Kongo-Brazzaville, Kenia, Uganda, um nur einige Staaten zu nennen.
Rainger Oil bekam große Schürf-Claims
Besonders willkommen war Buckingham in Namibia. Dort wurde er Direktor in der halbstaatlichen Offshore Development Company (ODC) und nutzte diese Position, um Ranger Oil aus Kanada bei der Regierung einzuführen. Als Dank machte er Regierungsmitglieder zu Aktionären in seiner Firma Oceanica Fisheries und die Regierung wiederum gab seiner Firma Indigo Sky Gem Schürfrechte in einer Tourmalin Mine in Karibib. Außerdem erlaubte ihm die Regierung, 1000 Small Miners, die dort buddelten, auf die Strasse zu werfen.
Wer gut schmiert, der gut fährt
In Kenia machte er nun Sanjivan Ruprah zum Direktor seiner Firma Branch Energy. Sanjivan Ruprah war ein enger Vertrauter von Präsident Charles Taylor in Liberia und besorgte für ihn die Ausrüstung der Kindersoldaten der RUF in Sierra Leone, die unfassbare Verbrechen begingen. Neben Massentötungen und Vergewaltigungen galt als besondere Spezialität auch das Abhacken von Gliedmassen bei Zivilisten. Ruprah wurde auch enger Vertrauter von Wiktor But, der in Afrika den Namen "Merchant of Death" hat, weil er durch seine Waffentransporte über 15 Jahre die Konflikte in Sierra Leone, DR Kongo und Angola anheizte beziehungsweise erst ermöglichte. Wiktor But (Butt) ist ein Russe, der eine Flotte von 50 Flugzeugen mit ständig wechselnden Kenn-Nummern kommandiert. Er flog Waffen für die Taleban und Al Qaida nach Afghanistan und organisierte einen Charterbetrieb dorthin, sicherlich nicht für Touristen. Nach dem Beginn des Irakkrieges wurde er von amerikanischen Firmen kontaktiert - ein Flugzeug ist ein Flugzeug - und er fliegt weiter nach Afghanistan.
Ruprah kennt Khashoggi, da sie eine gemeinsame Büroadresse in London hatten, Khashoggi wiederum ist ein Freund Saxenas, Saxena wiederum ein Freund Spicers usw. Khashoggi und Saxena begnügten sich jedoch nicht damit, zu sehen, was sich in Afrika tut. Sie hatten eigene wichtige Geschäfte zu erledigen. Der eine in Kanada der andere in den USA. Im Jahre 2001 trieb Khashoggi durch betrügerische Manöver den Kurs der Aktien von Genesis Intermedia hoch, die zu 70 Prozent seiner auf den Bahamas angesiedelten Firma Ultimate Holdings gehörte.
Kriminelle Pleiten
Wesentliches Geschäft von Genesis Intermedia waren Internet-Kioske und die Vermarktung von Rechten des Buches von John Gray "Männer kommen vom Mars und Frauen von der Venus". Er vergaß hinzuzufügen, dass Waffenhändler und Söldner aus der Hölle kommen. Mit dabei bei den Betrügereien waren auch die Deutsche Bank, Filiale Toronto und eine Gruppe krimineller Aktienhändler, einer davon vorbestraft. Nachdem der Kurs in Folge der Anschläge des 9. September 2001 kollabierte, zog Khashoggi mit 130 Millionen Dollar davon. Zwei Brokerhäuser mussten Konkurs anmelden und in Minneapolis verloren 200 Angestellte ihren Job. Die Geschädigten zogen vor Gericht und am 18. Januar 2006 war für die Deutsche Bank, nach vierjährigem Leugnen, Zahltag. Freiwillig, wie man in Frankfurt betont, wurden 250 Millionen US Dollar gezahlt - laut Sprache der Deutschen Bank also 2 1/2 Packungen Peanuts.
Saxena sorgte derweil dafür, dass der führende Oppositionspolitiker im kanadischen Parlament, John Reynolds, einen anständigen Nebenerwerb in einer seiner Firmen namens Wave Tech erhielt. Ein anderes Wort dafür ist wohl Bestechung, während gleichzeitig sein Auslieferungsverfahren lief. Auch in England wurde Saxena mit Aktienbetrug über die Firma Westshore Ventures und in Südafrika und Botswana über die Firma Platinum Asset Management aktiv.
Geteilte Freude ist doppelte Freude, also machte sich Khashoggi im Jahre 2001 auf den Weg nach Wien, um mit Saxena - über Handy verbunden - die Wiener Privatbank General Commerce Bank zu kaufen. Mit dabei der König der Aktienbetrugs, Amador Pastrana und die wegen Betrugs in Amerika vorbestraften Herren Raoul Berthamieu, Sherman Mazur und Regis Possino. Sie machten die Bank zu einem Zentrum des internationalen Aktienbetrugs. Der Schaden belief sich laut Presseberichten auf auf eine Milliarde US Dollar; eine Milliarde in einem einzigen Jahr! Im Jahre 2001 wurde die Bank geschlossen.
Wenn es nach Schürfrechten riecht
Auch Tim Spicer war vor Aktivitäten nicht zu bremsen. Nachdem er Tony Buckinghams Söldnervermittlungsfirma Sandline im Jahre 2000 verlassen hatte, gründete er die Firma Ägis und bekam wegen seiner besonderen Erfahrungen nach dem Einmarsch im Irak gleich einen Vertrag vom Pentagon im Volumen von 293 Millionen US Dollar. Er ist nun Oberchef aller Söldner, deren Zahl im Irak auf mehr als 20.000 geschätzt wird. Ebenfalls mit dabei der Apartheid-Dreck aus Südafrika. Wo es nach Schürfrechten riecht, ist auch ein Tony Buckingham schnell zur Stelle. Im Jahre 1995 reiste er auf Einladung der Saddam Hussein Regierung in den Irak, um mögliche Explorationen zu erörtern. Nach dem Einmarsch ist er wieder da - go with the flow - und hat gerade eine Schürf-Lizenz in Kurdistan erhalten.
Simon Mann sitzt mittlerweile als Gast von Robert Mugabe im Hochsicherheitsgefängnis von Harare/Zimbabwe und Sandline wurde kurz nach dem Putschversuch in Äquatorial Guinea geschlossen. Ein Schelm, wer dabei irgendwelche Zusammenhänge vermutet. Und die Söldner freilich, sie schießen weiter. Für den Frieden, wie sie behaupten.
Verweise:
Interview mit Dr. Alexander Freiherr von Paleske
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