Montgomery und das Wolkensystem der Netzeitung (1)
17. Juli 2007, 20:25
[Ursula Pidun] Die Gerüchteküche um David Montgomery brodelt weiter und erhitzt die Gemüter in der Medienlandschaft. Buchprüfer des britischen Investors sollen nach einem Bericht der "FAZ" (ohne Quellenangaben) "Leichen im Keller" der Netzeitung gefunden haben. Auch habe man "ungedeckte Schecks" und "merkwürdige Verträge" mit überdurchschnittlich hohen Gehaltszahlungen entdeckt. Diese Vorkommnisse seien der Grund für den geplanten Stellenabbau. Die Netzeitung sei "praktisch pleite", heißt es, lediglich untermauert durch eine anonyme Quelle in der "FAZ". Die Zeitung sieht den digitalen Konkurrenten bereits in einer Krise und vielleicht am Abgrund". Zusätzlich soll es interne Querelen zwischen Redakteuren und der Chefredaktion geben. Zwar äußerte sich die Netzeitung in der wöchentlichen Rubrik "Altpapier vom Dienstag" ebenfalls zu den vermutlichen Stellenstreichungen. Doch es bleibt alles ziemlich verschwommen und unklar. Tatsächlich bewiesen ist bisher nichts.
"Hysterische Ausfälle" der Chefredaktion
Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" spendiert der Netzeitung aktuell gleich zwei ganzen Seiten, wodurch der Sachverhalt auch nicht viel präziser wird. Allerdings bestätigt das Magazin die bestehenden erheblichen Querelen innerhalb der Redaktionshirarchie. So wird den beiden Chefredakteuren von den Mitarbeitern Planlosigkeit attestiert und sämtliche Führungskompetenz abgesprochen. Ein Redakteur habe gegenüber "SPIEGEL ONLINE" geäußert: "Die beiden waren mit ihrer Führungsrolle völlig überfordert. Es gab hysterische Ausfälle, aber seit Monaten kaum Redaktionskonferenzen." Beziehen kann sich das Nachrichtenmagazin ebenfalls nur auf anonyme Quellen, denn die befragten Mitarbeiter wollen unbenannt bleiben. Ein Hoch auf die Rede- und Meinungsfreiheit.
Das Drei-Wolken-System
Eindeutig geklärt sein soll jedoch der Plan nach einem neuen Konzept. Auf Wolken schwebend möchte die Zeitung zukünftig mit einem ganz neuen System abheben. Benötigt werden dazu dann weniger Redakteure, als eher Content-Manager, News-Aggregatoren, Google-Optimiser und Channel-Manager. Vielleicht handelt es sich dabei nicht nur um Anglizismen-Akrobatik, sondern auch um Kostenbremser. In jedem Fall hört es sich beeindruckend an, das ist ja schon einmal ein Anfang. Und da bekanntlich über den Wolken die Freiheit wohl grenzenlos scheint, kann sich der eine oder andere bei solchen Höhenflügen durchaus auch in Luft auflösen.
Verweise:
"Netzeitung" vom Netz: Bankrotterklärung der ersten deutschen Internet-Tageszeitung
Montgomery und das Wolkensystem der Netzeitung
Montgomerys neue Schäfchen im System
Rupert Murdoch – Der Retter des unabhängigen Qualitätsjournalismus?
Rupert Murdoch – Citizen Kane in der Ära der Globalisierung
Die ZEIT und das Jammern über das Sterben der Printmedien
Bürgerjournalismus als Totengräber der Tageszeitungen?
Zukunft der Medien: Zurück zum "Sturmgeschütz der Demokratie"
Dr. Malte Olschewski: Die modernen Medien sind Manichäer
Photo: Pixelio.de






























Institut für Staats-
































