Die BAWAG: Es war einmal eine Arbeiterbank in Wien
2. Juli 2007, 18:00[Dr. Alexander Freiherr von Paleske] Unser Ausflug in die Skandallandschaft der österreichischen Banken, der sich ausschließlich mit der Hypo-Alpe Adria beschäftigte, kann nicht abgeschlossen werden, ohne einen Blick auf den zweiten großen Skandal zu werfen: jener mit der Bank für Arbeit und Wirtschaft. Die Alpenrepublik hat zwar durchaus noch weitere Skandale zu verdauen, doch dies sind derzeit die grössten und meist diskutierten.
Wie alles anfing
Begeben wir uns also in die Seitzergasse in Wien, zum Hauptquartier dieser Bank, einstmals von dem ehemaligen Marxisten und späteren Staatskanzler und Sozialdemokraten Karl Renner im Jahre 1922 gegründet. Dort sollten sich die Arbeiter günstige Kleinkredite beschaffen können und nicht von der Benutzung kapitalistischer Einrichtungen abhängig sein. Ihr Vorläufer war der Kreditverband der österreichischen Arbeitervereinigungen. Auch in der Bundesrepublik Deutschland gab es ähnliche Einrichtungen, genannt sei die Bank für Gemeinwirtschaft, Gewerkschaftsbank und einstmals viertgrößte Bank der Bundesrepublik, bevor sie Mitte der 80er Jahre durch Misswirtschaft in die roten Zahlen abrutschte und schließlich als selbständige Bank - ähnlich wie die Neue Heimat - verschwand.
Nachdem die Nazis in Österreich die Arbeiterbank aufgelöst hatten, entstand sie nach dem zweiten Weltkrieg erneut als Bank für Arbeit und Wirtschaft AG (BAWAG). Die BAWAG hatte als “Bank der kleinen Leute” einen großen Kundenkreis und durch die Streikgelder der Gewerkschaften, die Mehrheitsaktionäre waren, eine solide Grundlage. Das sollte sich jedoch grundlegend ändern, nachdem sich der Gierfaktor allenthalben breit machte. Und mit ihm ging es zunächst hoch hinaus, bevor dann der geschickt verschleierte Absturz kam.
Die flotten Flöttls - oder wenn der Vater mit dem Sohne
Walter Flöttl begann seine Karriere noch in den geruhsamen Zeiten der BAWAG. Stetig stieg er von 1950 an die Stufenleiter in der Bank herauf, bis er 1981 Vorstandsvorsitzender wurde. Diese Geruhsamkeit redete ihm offenbar sein Sohn Wolfgang aus. Der hatte nicht nur in Österreich das Recht studiert, sondern sich auch an der London School of Economics und an der Harvard Universität in den USA weitergebildet. Und da die Kassen der Bank mit Arbeitergeldern gut gefüllt waren, sollte das Geld richtig in Schwung gebracht werden: Nicht mit läppischen Kreditzinsen, sondern durch satte Spekulationsgewinne, bei denen der Sohn als Vermittler natürlich auch ordentlich mitverdienen sollte. So ging es ab in die Karibik in das Paradies der Briefkastenfirmen, wie beispielsweise Anguilla, wo sich hinter hochtrabenden Namen oftmals nicht einmal ein Büro befindet.
Zwei Milliarden US Dollar erhielt der Sohn für das Handeln mit Swaps. Etwas, was mehr mit einem Spielcasino als mit solider Banktätigkeit zu tun hat. Und da Vater Flöttl den Sohn offenbar als Teil von sich ansah, wurde der Aufsichtsrat auch nicht informiert. Das "Swapsen" begann erstmals im Jahre 1987 und ging bis 1994 gut. Schließlich verschwindet ja im Bermudadreieck auch nicht jedes Schiff. Als die Sache jedoch ruchbar wurde, war die Öffentlichkeit empört, dass sich die Arbeiterbank an einem solchen Casinokapitalismus beteiligte; steuerfrei versteht sich. Sohn Flöttl hatte sich mittlerweile mit einer eigenen Brokerfirma selbständig gemacht und stieg zur High Society auf. Hilfreich war ihm dabei - neben dem BAWAG-Geld - die Heirat mit der Enkelin des ehemaligen US Generals und späteren US- Präsidenten Dwight D. Eisenhower.
Zur Erinnerung:
Eisenhower war der Oberkommandierende der US Truppen in Europa. Für die Amerikaner war er der Held des zweiten Weltkriegs neben General McArthur in Fernost, der aber später in Ungnade fiel, weil er während des Koreakrieges Atombomben gegen China einsetzen wollte, em Land des Lächelns, das eine Millionen Soldaten nach Korea geschickt hatte. Er wurde von US-Präsident Truman gefeuert. Eisenhower wurde Nachfolger von Truman. Wolfgang Flöttl konnte der Eisenhower-Enkelin einiges bieten. Zum Beispiel einen eigenen Gulfstream-Jet und dazu jede Menge Bares. Wolfgang Flöttl wurde auf dem Kunstmarkt aktiv. Ob Picasso oder Cezanne, nichts blieb ungekauft und dies zu einem Zeitpunkt, als anderen die Kauflust längst vergangen war. Geld war für Flöttl nie ein Problem, damals jedenfalls nicht.
Ein Sturmtief im Bermudadreieck
Vater Flöttl zog 1995 in den Ruhestand, doch der Nachfolger Helmut Elsner - zur Zeit im Gefängnis zu erreichen - hatte offenbar Gefallen an dieser scheinbar unermüdlichen Geld-Druckmaschine gefunden. Und so ging es zusammen mit Wolfgang Flöttl und den Arbeiter- und Gewerkschaftsgeldern, wieder zurück ins Bermudadreieck. Doch diesmal erwartete das mit Geld geladene Schiff ein heftiges Sturmtief. Eine Milliarde Euro gingen über Bord bei den riskanten Spekulationsgeschäften. Und nun begann der zweite Teil des Schmierenstücks: die Vertuschngsaktion.
Für die Casino-Verluste musste irgend jemand gerade stehen. Dies tat in diesem Fall der österreichische Gewerkschaftsbund und opferte die Streikkasse. Rund eine Milliarde Euro wanderten in Richtung Karibik, versteckt hinter wohlklingenden Namen im Briefkastenformat und mit Hilfe einer Brokerfirma namens REFCO, geleitet von einem gewissen Philipp Bennett. Zunächst einmal aber sanierte sich ein Kranker mit Hilfe eines Gesunden. Die Postsparkasse, PSK, wurde vom Staat gekauft und damit die Geschäftsbasis erweitert. Doch dann geriet im Jahre 2005 der gute Freund REFCO, beziehungsweise Bennett in Schwierigkeiten.
Ein Freund, ein guter Freund
Im Rahmen ihrer wunderbaren Freundschaft gewährte die BAWAG Bennet, beziehungsweise seiner notleidenden Firma REFCO, die schon bei der Verschleierung mitgemacht und mitverdient hatte, einen satten Kredit über 350 Millionen Euro. Dies nur wenige Tage bevor die REFCO zusammenbrach und nicht, ohne sich 34 Prozent der REFCO- Aktien als “Pfand” zu sichern, die nur wenige Tage später nichts mehr wert waren. Und so wanderte Bennett ins Gefängnis. Doch damit nicht genug, nun rückten die anderen REFCO Gläubiger der BAWAG auf die Pelle. Sie beschuldigten die BAWAG, bei REFCO mit im Boot gesessen und bei dessen Betrugsmanövern mitgemischt zu haben. Um das Problem loszuwerden wurde nochmals gezahlt: diesmal eine Milliarde Euro. Die bayerische Landesbank, der jetzige Käufer der anderen Skandalbank Hypo Alpe, hatte sich offenbar rechtzeitig im Jahre 2004 von ihrem Aktienpaket getrennt.
A Banc for Sale
Jetzt war die BAWAG reif für eine Verscherbelungsaktion. Als Käufer trat eine Equity Firma namens Cerberus (zu deutsch: Höllenhund, Anm. d. Red.) auf den Plan und die Bank wurde sozusagen "verheuschreckt". Sämtliche Details der Chronique Scandaleuse sollten nun im Untersuchungsausschuss des österreichischen Parlaments ans Tageslicht befördert werden. Doch dazu sollte es erst gar nicht kommen. Denn bereits für heute ist das Ende der Ausschussberatungen festgesetzt, obwohl etliche Zeugen erst zu einem späteren Termin abkömmlich sind. Warum diese Eile? Es besteht die möglicherweise nicht grundlose Vermutung, dass nicht alles Geld im Bermudadreieck über Bord gegangen ist, sondern ein Teil davon seinen Weg in die Alpenrepublik zurückgefunden hat. In diesem Fall in die Parteikasse der SPOe. Und da die OeVP sich mit einem ähnlichen Problem herumschlägt und Haider mit der Hypo-Alpe sowieso, sieht alles nach einer einverständlichen Skandalbeerdigung erster Klasse aus. Es wäre ja auch noch schöner, wenn man neuerdings auch noch die eigenen Skandale ausgraben müsste. Nur die Grünen würden gerne unermüdlich weiter graben. Doch Fehlanzeige: sie haben nicht die Mehrheit, um das durchzusetzen. Tu felix Austria...dupe!
Verweise:
Marco Percovic und die Hypo Alpe Adria
Skandal-Bank in Österreich: Die Hypo Alpe Adria
Im Gespräch mit Dr. Alexander Freiherr von Paleske
Wie alles anfing
Begeben wir uns also in die Seitzergasse in Wien, zum Hauptquartier dieser Bank, einstmals von dem ehemaligen Marxisten und späteren Staatskanzler und Sozialdemokraten Karl Renner im Jahre 1922 gegründet. Dort sollten sich die Arbeiter günstige Kleinkredite beschaffen können und nicht von der Benutzung kapitalistischer Einrichtungen abhängig sein. Ihr Vorläufer war der Kreditverband der österreichischen Arbeitervereinigungen. Auch in der Bundesrepublik Deutschland gab es ähnliche Einrichtungen, genannt sei die Bank für Gemeinwirtschaft, Gewerkschaftsbank und einstmals viertgrößte Bank der Bundesrepublik, bevor sie Mitte der 80er Jahre durch Misswirtschaft in die roten Zahlen abrutschte und schließlich als selbständige Bank - ähnlich wie die Neue Heimat - verschwand.
Nachdem die Nazis in Österreich die Arbeiterbank aufgelöst hatten, entstand sie nach dem zweiten Weltkrieg erneut als Bank für Arbeit und Wirtschaft AG (BAWAG). Die BAWAG hatte als “Bank der kleinen Leute” einen großen Kundenkreis und durch die Streikgelder der Gewerkschaften, die Mehrheitsaktionäre waren, eine solide Grundlage. Das sollte sich jedoch grundlegend ändern, nachdem sich der Gierfaktor allenthalben breit machte. Und mit ihm ging es zunächst hoch hinaus, bevor dann der geschickt verschleierte Absturz kam.
Die flotten Flöttls - oder wenn der Vater mit dem Sohne
Walter Flöttl begann seine Karriere noch in den geruhsamen Zeiten der BAWAG. Stetig stieg er von 1950 an die Stufenleiter in der Bank herauf, bis er 1981 Vorstandsvorsitzender wurde. Diese Geruhsamkeit redete ihm offenbar sein Sohn Wolfgang aus. Der hatte nicht nur in Österreich das Recht studiert, sondern sich auch an der London School of Economics und an der Harvard Universität in den USA weitergebildet. Und da die Kassen der Bank mit Arbeitergeldern gut gefüllt waren, sollte das Geld richtig in Schwung gebracht werden: Nicht mit läppischen Kreditzinsen, sondern durch satte Spekulationsgewinne, bei denen der Sohn als Vermittler natürlich auch ordentlich mitverdienen sollte. So ging es ab in die Karibik in das Paradies der Briefkastenfirmen, wie beispielsweise Anguilla, wo sich hinter hochtrabenden Namen oftmals nicht einmal ein Büro befindet.
Zwei Milliarden US Dollar erhielt der Sohn für das Handeln mit Swaps. Etwas, was mehr mit einem Spielcasino als mit solider Banktätigkeit zu tun hat. Und da Vater Flöttl den Sohn offenbar als Teil von sich ansah, wurde der Aufsichtsrat auch nicht informiert. Das "Swapsen" begann erstmals im Jahre 1987 und ging bis 1994 gut. Schließlich verschwindet ja im Bermudadreieck auch nicht jedes Schiff. Als die Sache jedoch ruchbar wurde, war die Öffentlichkeit empört, dass sich die Arbeiterbank an einem solchen Casinokapitalismus beteiligte; steuerfrei versteht sich. Sohn Flöttl hatte sich mittlerweile mit einer eigenen Brokerfirma selbständig gemacht und stieg zur High Society auf. Hilfreich war ihm dabei - neben dem BAWAG-Geld - die Heirat mit der Enkelin des ehemaligen US Generals und späteren US- Präsidenten Dwight D. Eisenhower.
Zur Erinnerung:
Eisenhower war der Oberkommandierende der US Truppen in Europa. Für die Amerikaner war er der Held des zweiten Weltkriegs neben General McArthur in Fernost, der aber später in Ungnade fiel, weil er während des Koreakrieges Atombomben gegen China einsetzen wollte, em Land des Lächelns, das eine Millionen Soldaten nach Korea geschickt hatte. Er wurde von US-Präsident Truman gefeuert. Eisenhower wurde Nachfolger von Truman. Wolfgang Flöttl konnte der Eisenhower-Enkelin einiges bieten. Zum Beispiel einen eigenen Gulfstream-Jet und dazu jede Menge Bares. Wolfgang Flöttl wurde auf dem Kunstmarkt aktiv. Ob Picasso oder Cezanne, nichts blieb ungekauft und dies zu einem Zeitpunkt, als anderen die Kauflust längst vergangen war. Geld war für Flöttl nie ein Problem, damals jedenfalls nicht.
Ein Sturmtief im Bermudadreieck
Vater Flöttl zog 1995 in den Ruhestand, doch der Nachfolger Helmut Elsner - zur Zeit im Gefängnis zu erreichen - hatte offenbar Gefallen an dieser scheinbar unermüdlichen Geld-Druckmaschine gefunden. Und so ging es zusammen mit Wolfgang Flöttl und den Arbeiter- und Gewerkschaftsgeldern, wieder zurück ins Bermudadreieck. Doch diesmal erwartete das mit Geld geladene Schiff ein heftiges Sturmtief. Eine Milliarde Euro gingen über Bord bei den riskanten Spekulationsgeschäften. Und nun begann der zweite Teil des Schmierenstücks: die Vertuschngsaktion.
Für die Casino-Verluste musste irgend jemand gerade stehen. Dies tat in diesem Fall der österreichische Gewerkschaftsbund und opferte die Streikkasse. Rund eine Milliarde Euro wanderten in Richtung Karibik, versteckt hinter wohlklingenden Namen im Briefkastenformat und mit Hilfe einer Brokerfirma namens REFCO, geleitet von einem gewissen Philipp Bennett. Zunächst einmal aber sanierte sich ein Kranker mit Hilfe eines Gesunden. Die Postsparkasse, PSK, wurde vom Staat gekauft und damit die Geschäftsbasis erweitert. Doch dann geriet im Jahre 2005 der gute Freund REFCO, beziehungsweise Bennett in Schwierigkeiten.
Ein Freund, ein guter Freund
Im Rahmen ihrer wunderbaren Freundschaft gewährte die BAWAG Bennet, beziehungsweise seiner notleidenden Firma REFCO, die schon bei der Verschleierung mitgemacht und mitverdient hatte, einen satten Kredit über 350 Millionen Euro. Dies nur wenige Tage bevor die REFCO zusammenbrach und nicht, ohne sich 34 Prozent der REFCO- Aktien als “Pfand” zu sichern, die nur wenige Tage später nichts mehr wert waren. Und so wanderte Bennett ins Gefängnis. Doch damit nicht genug, nun rückten die anderen REFCO Gläubiger der BAWAG auf die Pelle. Sie beschuldigten die BAWAG, bei REFCO mit im Boot gesessen und bei dessen Betrugsmanövern mitgemischt zu haben. Um das Problem loszuwerden wurde nochmals gezahlt: diesmal eine Milliarde Euro. Die bayerische Landesbank, der jetzige Käufer der anderen Skandalbank Hypo Alpe, hatte sich offenbar rechtzeitig im Jahre 2004 von ihrem Aktienpaket getrennt.
A Banc for Sale
Jetzt war die BAWAG reif für eine Verscherbelungsaktion. Als Käufer trat eine Equity Firma namens Cerberus (zu deutsch: Höllenhund, Anm. d. Red.) auf den Plan und die Bank wurde sozusagen "verheuschreckt". Sämtliche Details der Chronique Scandaleuse sollten nun im Untersuchungsausschuss des österreichischen Parlaments ans Tageslicht befördert werden. Doch dazu sollte es erst gar nicht kommen. Denn bereits für heute ist das Ende der Ausschussberatungen festgesetzt, obwohl etliche Zeugen erst zu einem späteren Termin abkömmlich sind. Warum diese Eile? Es besteht die möglicherweise nicht grundlose Vermutung, dass nicht alles Geld im Bermudadreieck über Bord gegangen ist, sondern ein Teil davon seinen Weg in die Alpenrepublik zurückgefunden hat. In diesem Fall in die Parteikasse der SPOe. Und da die OeVP sich mit einem ähnlichen Problem herumschlägt und Haider mit der Hypo-Alpe sowieso, sieht alles nach einer einverständlichen Skandalbeerdigung erster Klasse aus. Es wäre ja auch noch schöner, wenn man neuerdings auch noch die eigenen Skandale ausgraben müsste. Nur die Grünen würden gerne unermüdlich weiter graben. Doch Fehlanzeige: sie haben nicht die Mehrheit, um das durchzusetzen. Tu felix Austria...dupe!
Verweise:
Marco Percovic und die Hypo Alpe Adria
Skandal-Bank in Österreich: Die Hypo Alpe Adria
Im Gespräch mit Dr. Alexander Freiherr von Paleske


























Institut für Staats-






























