Die Skandal-Chronik des IMF-Boss Strauss-Kahn
18. Mai 2011, 18:10
[Dr. Alexander Frhr. Von Paleske] Ein Fressen für den Sensationsjournalismus: Der Chef des Internationalen Währungsfonds IMF (International Monetary Fund) und Sozialdemokrat Dominique Strauss–Kahn, aussichtsreicher Kandidat für die französischen Präsidentschaftswahlen im nächsten Jahr, ist gestern direkt aus dem Flugzeug heraus in New York verhaftet worden. Strauss-Kahn befand sich auf dem Weg zu einer Besprechung mit Kanzlerin Merkel, als seine Dienstreise ein jähes Ende fand. Der Vorwurf der New Yorker Staatsanwalt lautet auf versuchte Vergewaltigung, Freiheitsberaubung und Körperverletzung. Die unsägliche Geschichte soll sich in einer Suite des Sofitel-Hotels in New York abgespielt haben (Übernachtungspreis 3000 US Dollar). Der IMF-Boss sitzt laut Angaben der New York Times in einer Zelle der Polizeiabteilung für Sexverbrechen in New York und soll nun relativ schnell einem Untersuchungsrichter vorgeführt werden. Ein Skandal folgt dem nächsten
Es ist nicht der erste Skandal, in den der heute 62-jährige Strauss-Kahn verwickelt ist, aber es könnte wohl sein letzter als IMF-Boss sein, sollten sich die Vorwürfe der amerikanischen Ermittlungsbehörden erhärten. Allerdings werden in den Medien derzeit die wildesten Verschwörungstheorien diskutiert. Dabei gilt ohnehin die Unschuldsvermutung, bis Gegenteiliges bewiesen ist. Unterschlagen wird in den heutigen Sensations-Presseberichten allerdings oftmals, dass die bekannte Skandalchronik von Strauss-Kahn bereits in das Jahr 1990 zurückreicht. Zu der Zeit war DSK, wie Dominique Strauss- Kahn abgekürzt genannt wird, in einen riesigen Waffenexportskandal verwickelt: Es handelte sich um die Lieferung von sechs Kriegsschiffen (Fregatten) an Taiwan. Ein Auftrag, den die französische Firma Thomson CSF (heute Thales) an Land gezogen hatte. Auftragswert: 2,8 Milliarden US Dollar.
Veto zu Waffenexporten verlief im Sand
Der damalige französische Außenminister Roland Dumas hatte dagegen sein Veto eingelegt, da er befürchtete, dass es zu außenpolitischen Verstimmungen mit der Volksrepublik China kommen könnte. Dieses Veto wurde von der Firma Thomso auf zwei Wegen bekämpft:
- Zum einen beauftragte sie die französische Erdölfirma Elf- Aquitaine (heute TotalElfFina), Dumas zu bestechen. Die Beauftragung von Elf lief über eine Geliebte des Außenministers namens Christine Deviers Joncour ab. Die "Hure der Nation" war mit dem Elf-Vize Alfred Sirven bekannt. Thomson bestach Joncour und Elf im Auftrag von Thales Roland dann Dumas, der schließlich umfiel und sein Veto zurückzog.
- Zum anderen soll Strauss-Kahn als damaliger Außenhandelsminister bestochen worden sein. Strauss- Kahn war seinerzeit auch Vorsitzender einer obskuren französisch-taiwanesischen Freundschaftsgesellschaft, deren Personal wiederum identisch mit dem der Studentenkrankenkasse MNEF war, die wiederum Strauss-Kahn für seine angeblichen "Beraterdienste" bezahlte. Und dies aufgrund von vordatierten Rechnungen. Wie schön! Der Strafprozess gegen Strauss-Kahn verlief gleichwohl im Sande, weil die Angestellten der MNEF für ihn die Schwurhand hoben. Über die weiteren Detail dieses Skandals, in dessen Folge auch ein taiwanesischer Offizier ermordet wurde, der sich quergelegt hatte und zudem der vormalige französische Präsident Chirac offenbar ebenfalls Millionenbeträge kassiert haben soll, lässt sich hier nachlesen.
"He is capable of doing anything"
Strauss-Kahn machte noch weiter von sich reden und die nächsten DSK-Skandale liegt bereits im sexuellen Bereich: So soll Strauss-Kahn gegenüber der sozialistischen Abgeordneten Aurélie Filipetti sexuell handgreiflich geworden sein. Sie sorgte anschließend dafür, dass sie nie mehr mit Strauss-Kahn allein in einem Raum war. Weiterhin soll DSK im Jahre 2002 angeblich versucht haben, mit einer Journalistin namens Tristane Banon, die ihn interviewte, Sex zu haben. Inwieweit es sich hier um sexuelle Belästigung oder mehr gehandelt hat, ist bis heute nicht ganz klar. (Weitere Details hier). Die Journalistin, Patentochter von Strauss-Kahns zweiter Ehefrau, beschrieb DSK bei anderer Gelegenheit als aggressiv und gewalttätig und als einen "geilen Schimpansen". Der bekannte französische Schauspieler Roger Hanin pflichtete ihr bei und äußerte: "He is capable of doing anything." Tristane Banon schrieb zu diesem Vorfall ein ganzes Kapitel in ihrem Buch, musste es jedoch auf Verlangen des Verlagshauses wieder herausnehmen.
Sex-Skandal im Jahre 2008
Eine Anzeige erstattete die Journalistin gleichwohl nicht. Begründung: Angst vor Rache und Zweifel, dass ihr überhaupt geglaubt wird. Hinzu kam auch, dass ihre Mutter Anne Mansouret, die mit Strauss-Kahn gut bekannt war, von einer Anzeige abriet. Dies bedauere sie heute zutiefst, heißt es. Denn noch monatelang nach diesem Ereignis war ihre Tochter traumatisiert, und litt an Depressionen. Der Skandal kam schließlich erst heraus, als eine weitere Sex-Affäre im Jahre 2008 Schlagzeilen machte: diesmal mit einer verheirateten ungarischen IMF-Angestellten namens Piroska Nagyn. Nun meldete sich auch Tristane Banon wieder zu Wort. Die ursprünglich ebenfalls erhobenen Vorwürfe wegen Missbrauchs einer Abhängigen (Piroska Nagyn) seitens Strauss-Kahn wurden nach einer internen IMF Überprüfung allerdings fallen gelassen. Strauss-Kahn blieb im Amt.
Dennoch - DSK war offenbar in Paris für seine "Eskapaden" bereits bekannt. So gab es Berichte zu Besuchen in "Swinger Clubs" und nur sehr wenige Journalistinnen nahmen noch Interview-Termine mit ihm wahr. Die jetzt erhobenen Vorwürfe wiegen ungleich schwerer, als die vorangegangenen Sex-Vorwürfe. Sofern sie nicht aus der Luft gegriffen sind, wird dieser Skandal wohl nicht gewohnt glimpflich an dem IMF-Boss Strauss-Kahn vorüberziehen.


































































